<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Das Buch - dauzone.com]]></title><description><![CDATA[Der Blog von Autor Dirk Carolus]]></description><link>https://dauzone.com/</link><image><url>https://dauzone.com/favicon.png</url><title>Das Buch - dauzone.com</title><link>https://dauzone.com/</link></image><generator>Ghost 2.30</generator><lastBuildDate>Wed, 15 Apr 2026 00:13:06 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://dauzone.com/tag/wie-weit-willst-du-gehen/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Der letzte Punkt]]></title><description><![CDATA[Der letzte Punkt – ein Ende oder doch ein Anfang?
Er markiert den Abschluss einer Geschichte, doch für mich war er nie wirklich das Ende. Was bedeutet es, diesen Punkt zu setzen? Und was bleibt danach? ]]></description><link>https://dauzone.com/der-letzte-punkt/</link><guid isPermaLink="false">678be94168c44b2129465c64</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 18 Jan 2025 17:40:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2025/01/WhatsApp-Bild-2024-04-18-um-17.30.23_6f36b9ee.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2025/01/WhatsApp-Bild-2024-04-18-um-17.30.23_6f36b9ee.jpg" alt="Der letzte Punkt"><p>Der letzte Punkt – ein Ende oder doch ein Anfang?</p><p>Er markiert den Abschluss einer Geschichte, doch für mich war er nie wirklich das Ende. Was bedeutet es, diesen Punkt zu setzen? Und was bleibt danach? Eine Reflexion über Abschlüsse, Neuanfänge und die Reise, die das Schreiben zu einer Lebensaufgabe macht.</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p>Fin. Ende. Finalized.</p><p>Wer es noch nicht erlebt hat, dem sei es gewünscht: dieser Moment, in dem die letzten Sätze eines Werks ihren Platz finden. Der Punkt, der das Ende markiert. „Niemand wird böse geboren“, mein erster Hamburg-Roman, in dem ich all meine Gedanken über Schuld und Unschuld, Hoffnung und Verzweiflung hineingelegt hatte. Dieses Buch war mehr als nur eine Geschichte – es war ein Stück von mir selbst, ein Versuch, etwas Bleibendes zu schaffen. Nun war es abgeschlossen, und man selbst bleibt zurück – voller, irgendwie jedoch leerer, anders.</p><p>Mein erstes Mal – daran erinnere ich mich glasklar. Es war quasi die zweite Entjungferung, nur 45 Jahre später. Die Bühne: ein irisches Pub in Leipzig, Champions-League-Spiel. Ich saß mitten in einem Meer aus englischen Fans. Eine Raucher-Lounge, offiziell für 18 Personen zugelassen, in der mindestens das Dreifache brüllte, rauchte, trank. Chaos pur. Mein Tisch, ein winziges Zweier-Modell, war gerade groß genug für Laptop, Aschenbecher und ein Whiskyglas. Während die anderen ekstatisch bei jeder Aktion auf dem Spielfeld jubelten, war ich gefangen im Sog meines letzten Kapitels.</p><p>Dann kam er, dieser letzte Punkt. Der Abschluss. Ich zögerte einen Moment, mein Finger schwebte über der Taste. War es das? War die Geschichte wirklich zu Ende? Es fühlte sich so an, als würde ich einen alten Freund verabschieden, einen Teil von mir loslassen. Aber ich wusste, dass der Moment gekommen war. Und dann setzte ich ihn. Alles in mir entlud sich in einem einzigen tiefen Atemzug, der den ganzen Raum um mich herum ausblendete. Die tobende Menge war plötzlich nur noch ein fernes Rauschen, während in mir eine Stille herrschte, die sich wie ein kleines, sauerstoffloses Universum anfühlte. Und dann – wie auf Kommando – fiel das Tor. Manchester City traf, und der Pub explodierte. Ich auch. Nicht wegen des Tores, sondern wegen meines Romans.</p><p>Ich sprang auf, wie aus einem Katapult geschleudert. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper, und bevor ich wusste, was ich tat, brüllte ich los. Es war kein kontrollierter Schrei, sondern ein Urlaut, geboren aus einer Mischung aus Erleichterung, Stolz und purer Euphorie. Die Menschen um mich herum waren außer sich. Es spielte keine Rolle, dass ich kein Fan von Manchester City war und mir Fußball in diesem Moment völlig egal war. Ich war Teil ihrer Ekstase, und sie Teil meiner.</p><p>Ich griff nach dem Nächstbesten – einem bärtigen Kerl mit verschwitztem Trikot – und riss ihn in eine Umarmung. Ehe ich mich versah, war ich in einem Strudel aus Menschen: Männer und Frauen, alle wildfremd, doch für diesen einen Moment fühlten wir uns verbunden, als hätten wir denselben Triumph erlebt. Wir tanzten, lachten, schrien, schwankten mit den Armen in der Luft. Der Schweiß der Menge mischte sich mit meinem eigenen, und ich spürte die Vibration ihrer Stimmen bis tief in meinen Brustkorb. Es war chaotisch, es war surreal – es war perfekt.</p><p>Unsere Motive hätten unterschiedlicher nicht sein können, aber in diesem Moment zählte das nicht. Die Tränen fühlten sich gleich an, und die Freude war dieselbe.</p><p><strong>Warum ich das schreibe?</strong></p><p>Weil ich heute den nun schon dritten Hamburg-Roman „Niemand sieht deine Dunkelheit“ mit dem letzten Punkt abgeschlossen habe.</p><p>Der zweite Roman, „Niemand wird es verstehen“, fand sein Ende zumindest noch in einem gutbesuchten Strandlokal an der polnischen Ostsee. Die Sonne schien, ich bestellte mir einen neuen Whisky … und alles war gut.</p><p>Heute nun völlig unspektakulär. Allein im eigenen Wohnzimmer und mit einem Whisky mir selbst im Spiegel zugeprostet.</p><p><strong>Warum so entspannt, so geordnet, so LANGWEILIG?</strong></p><p>Um das zu verstehen, muss ich zurückschauen – zurück zu meinem ersten Roman, „Niemand wird böse geboren“, zu dem Moment, als ich dachte, der letzte Punkt sei das Ende. Dabei war es in Wahrheit erst der Anfang.</p><p>Die Endorphine, die Freude, die Zweifel, das Versagen, das immer wieder neu anfangen müssen, das Streichen, das Kennenlernen von Buchmarketing, die Besonderheiten im Eigenverlag, das Grübeln, das Verzweifeln … all das habe ich nun lange hinter mir.</p><p>Der letzte Punkt war damals ja leider nicht der letzte – was ich mangels Erfahrung in der verrauchten Spelunke nicht wissen konnte. Motiviert suchte ich mir die beste aller Lektorinnen überhaupt … <a href="https://buchhebamme.de/"><strong>Maria Al-Mana</strong></a>.</p><p>Noch einmal drei Monate gingen ins Land, bis das Sammelsurium meines ersten Lebens endlich einigermaßen in Kapitel gesetzt und damit in die Spur gebracht war.</p><p>• Nun endlich zündete ich alle Raketen.</p><p>• Eine neue website musste es sein.</p><p>• Einem BOD-Verlag übergab ich mein fertiges Manuskript.</p><p>• Ein Blog musste folgen.</p><p>• Instagram, YouTube, eine neue FB-Site und sogar TikTok richtete ich ein.</p><p>• Ich lernte mit Canva, Capcut und KDP-Programmen zu arbeiten.</p><p>• Natürlich auch sofort einen Sprecher (<a href="https://sprechkunst-martens.de"><strong>Sören</strong></a>) für ein Hörbuch geordert.</p><p>• Zur Buchmesse mit eigen erstellten Flyern und V-Cards angereist.</p><p>• Hoodies und T-Shirts nebst Tassen und Merchandise gedruckt.</p><p>• Gut 400 Eigenexemplare geordert.</p><p><strong>Und es passierte … nüscht.</strong></p><p>Was nicht schlimm ist. Geld wollte ich (ganz im Ernst) nie verdienen. Es war eher eine Art von Eigentherapie, um mit dem ersten und zweiten Kapitel meines langen und spannenden Lebens endlich abschließen zu können. Und dadurch zur Ruhe kommen zu können.</p><p>Aber heute ist, durch die Vorarbeit nach dem ersten Roman, halt alles sehr viel einfacher – dadurch auch unaufgeregter.</p><p>Ok – dieses Feuerwerk im Kopf, die Kobolde und Elfen mit dem BlingBling nach dem letzten Punkt. Die fehlen mir wirklich ein wenig. Das ist es dann aber auch.</p><p>Der Spaß, die Faszination, die Freiheit beim Schreiben hat mich tief gefangen. Durch die Wirren nach meinem ersten Hamburg-Roman konnte ich vieles lernen und habe alle Skills zur Verfügung, um trotz aller Freude nicht mehr aufgeregt zu sein. Da ich nun schon aus Erfahrung weiß, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.</p><p>Vielleicht fehlt mir heute das Feuerwerk, dieses Chaos im Kopf, das damals nach dem ersten letzten Punkt explodierte – die Kobolde und Elfen mit ihrem BlingBling. Aber ich habe dafür etwas anderes gewonnen: die Freiheit. Die Freiheit, nicht mehr von Zweifeln überwältigt zu sein. Die Freiheit, zu schreiben, nicht weil ich muss, sondern weil ich es will.</p><p>Mit dem dritten Hamburg-Roman „Niemand sieht deine Dunkelheit“ ist die Trilogie *Niemand* abgeschlossen. Ein Kreis hat sich geschlossen, und ich habe das Gefühl, damit wirklich etwas hinter mir ge- und hinterlassen zu haben. Aber der nächste Kreis hat sich längst geöffnet.</p><p>Der erste Roman der Trilogie *Jeder*, mit dem Titel „Jeder steht für sich“, steht schon in den Startlöchern. Diese Reise durch mein Leben bleibt nicht stehen – sie geht weiter, immer weiter, Kapitel für Kapitel.</p><p>Ich weiß jetzt, dass der letzte Punkt nie wirklich das Ende ist. Er ist nur ein Übergang, eine Schwelle zu etwas Neuem. Und genau das macht das Schreiben so faszinierend: Es bringt dich immer weiter, führt dich auf Wege, die du nie erwartet hättest, und zeigt dir immer wieder, dass da noch etwas wartet, das entdeckt werden will.</p><p>Vielleicht liegt darin der wahre Zauber. Dass du nie fertig bist – weder mit deinen Geschichten noch mit dir selbst. Und solange ich schreibe, weiß ich, dass es immer noch ein weiteres Kapitel gibt, das darauf wartet, geschrieben zu werden.</p><p><strong>Amazon:</strong> <a href="https://shorturl.at/iRO26">https://shorturl.at/iRO26</a></p><p><a href="https://www.dirkcarolus.com/portfolio"><strong>https://www.dirkcarolus.com/portfolio</strong></a></p><p>#theend</p><p>#niemandsiehtdeinedunkelheit</p><p>#hamburgroman</p><p>#dirkcarolus</p><p>#einbuchschreiben</p><p>#autorenleben</p><p>#storytelling</p><p>#therealslimshady</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[NIEMAND WIRD ES VERSTEHEN]]></title><description><![CDATA[Nur den Bruchteil einer Sekunde später dieser kurze Lichtreflex, der auf der gebogenen Klinge eines kurzen Messers tanzt. Geführt von einer schmalen Hand im Lederhandschuh ....]]></description><link>https://dauzone.com/niemand-wird-es-verstehen-2/</link><guid isPermaLink="false">65c7a71968c44b2129465c30</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 10 Feb 2024 16:49:35 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2024/02/Prolog-Verstehen.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2024/02/Prolog-Verstehen.png" alt="NIEMAND WIRD ES VERSTEHEN"><p>Die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs surrt zu Feierabendzeiten wie ein aufgescheuchter Bienenstock. Auch zu Weihnachten. Ganz besonders dann. Quäkende Bahnhofsansagen verlieren sich im Singsang von Stimmen und Sprachen. Kaum zu unterscheiden, was woher kommt. Die alte Dame, die in Mülleimern nach Flaschen oder Dosen wühlt. Wirr stehen ihr die Haare vom Kopf, doch ist sie in Vollausstattung mit Taschenlampe, Gummihandschuhen und Teleskop-Griff bewaffnet. Der junge Mann am Kiosk. Großspurig gestikuliert er vor der Schar seiner Freunde. Den Blick auf die Jugendlichen gerichtet, die zu dröhnender Rap-Musik mitten in der Wandelhalle akrobatische Break-Dance-Tanzeinlagen zelebrieren. Auf wundersame Weise verschmelzen die harten Beats aus dem Ghetto-Blaster mit der Berieselung durch allbekannte Weihnachtslieder. </p><p>Zwei Polizeibeamte im Tandem-Dienst. Mehr mit ihrem Döner als mit ihrer Umgebung beschäftigt. Rastlose Geschäftsleute auf dem Weg zum nächsten Deal des Jahrhunderts. Hastende Pendler, die schnellstens Feierabend in ihren Vorstädten haben wollen. Shopping-Queens samt übel gelauntem, weil mit Einkaufstaschen vollgepacktem Anhang. Flanierende Touristen, Dealer, Taschendiebe, Straßenkünstler und Bettler. Eine verwirrende Szenerie, bei der man unwillkürlich darauf wartet, dass der Augenblick plötzlich einfriert. Nur, um auf diesem Bild etwas besser sehen zu können.</p><p>Das Spiel der letzten Lichtstrahlen, die noch durch das Dach der Stahlkonstruktion brechen. Einen Augenblick der Besinnung. Ein Lächeln. Zwei Freunde treffen sich im Menschengewirr. Eine Umarmung. Ein Reflex. Wenn das Bild nur einmal angehalten hätte, wäre er vielleicht sichtbar geworden. Dieser große, junge Mann. Sein ebenmäßiges Gesicht mit leicht gebräuntem Teint. Schwarze Haare und Bart, akkurat kurz frisiert. Die muskulöse Statur bedeckt vom dunklen Kaschmirmantel. Und auch den älteren Herrn, der ihm entgegenkommt. Ebenfalls geschmackvoll gekleidet. Mit einer schmalen, ledernen Aktentasche in der rechten Hand und einigen Zeitungen unterm linken Arm.</p><p>Ein paar Sequenzen weiter hätte man eventuell ahnen können, dass der junge den älteren Mann überschwänglich, jedoch nicht ohne gewisse Ehrerbietung begrüßt. In dieser Sekunde das ratlose Gesicht des Alten erhaschen und zeitgleich die unerbittliche Kälte im Bild spüren, die sich Bahn bricht. Mitten durch die leicht getönte Sonnenbrille des jungen Mannes. Nur den Bruchteil einer Sekunde später dieser kurze Lichtreflex, der auf der gebogenen Klinge eines kurzen Messers tanzt. Geführt von einer schmalen Hand im Lederhandschuh. Von einer drahtigen, schlanken Frau im schwarzen Trenchcoat mit schwarzem Kopftuch.</p><p>Da solche Szenarien jedoch nur dort einfrieren, wo es auch Überwachungskameras gibt, sank plötzlich, mitten im pulsierenden Menschen-Strom, ein älterer Herr aufs Pflaster am Ausgang der tiefer liegenden Unterführung von Wandelhalle zu Mönckebergstraße. Schnell bildete sich eine Blutlache. Unter seinen Beinen. Wurde größer und größer. Einige Menschen fielen, völlig in Gedanken, fast über den Mann. Einige hockten sich hin, im aussichtslosen Versuch gefangen, ihm irgendwie noch helfen zu können. Stimmengewirr. Geschrei. Hilferufe.</p><p>Der junge Mann im Kaschmirmantel wäre auf dem Standbild schon nicht mehr zu sehen gewesen. Er war, noch bevor der Alte wirklich begriff, dass er getroffen worden war, zügig, aber ohne Hast weitergegangen. Die Zeitschriften nun unter seinen Arm geklemmt. Er wusste, dass dem älteren Herrn noch maximal zwei Minuten Lebenszeit blieben.</p><p>Seine Stiefmutter hatte noch nie ein Ziel verfehlt und war schon, mit dem Aktenkoffer in der Hand, auf der anderen Seite der Wandelhalle im Menschen-Strom untergetaucht.</p><p>..............</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Niemand wird es verstehen ...]]></title><description><![CDATA[Seine Handgelenke brannten, als wenn diese in glimmenden Glutringen festgeschnallt wären. Durch seine zuckenden Augenlieder sah er dünne Fäden Blut über seinen verschmutzten linken Arm laufen. In feinen Linien, jedoch abstrakt wie in einem Gemälde von Paul Klee ...]]></description><link>https://dauzone.com/niemand-wird-es-verstehen/</link><guid isPermaLink="false">6510680a68c44b2129465bb2</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 24 Sep 2023 16:51:35 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Messer.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Messer.png" alt="Niemand wird es verstehen ..."><p><strong>1998 – Foča – Bosnien/Herzegowina</strong></p><p>Er erwachte langsam. Seine Augen mussten sich erst an die Helligkeit im Raum gewöhnen. Große Scheinwerfer erhellten den Raum. An den Handgelenken aufgehängt hing er inmitten dieses feuchten Kellers. Er sah voluminöse Rohre an der Decke langlaufen und eine große, rostig braun verfärbte Doppeltür am Ende des schmalen Raums. Mit dem Erwachen kamen sofort die Schmerzen zurück. Geballt. Wie eine Lawine rollten sie auf ihn zu. Erst in langsamen Schüben, dann immer schneller pochend. Ein Stakkato von immer höheren Wellen anstimmend.</p><p>Seine Handgelenke brannten, als wenn diese in glimmenden Glutringen festgeschnallt wären. Durch seine zuckenden Augenlieder sah er dünne Fäden Blut über seinen verschmutzten linken Arm laufen. In feinen Linien, jedoch abstrakt wie in einem Gemälde von Paul Klee. Seine Schultern fühlten sich tot an. Wahrscheinlich ausgekugelt durch das stundenlange Hängen an diesen Seilen. </p><p>Ein junger Mann kam auf ihn zu. Blaues Uniformhemd. Die Ärmel bis zum Ellbogen hochgeschoben. Eine qualmende Zigarette im Mundwinkel. Ansatzlos schlug er ihm mit dem Gewehrkolben in den Unterleib. Er wäre nach vorn geklappt, wenn er nicht hilflos im Raum hängen würde. Seine Füße berührten nur ansatzweise mit dem Ballen den dreckigen Boden. Gequälte Laute drangen durch seine zerfurchten Lippen. Ein Königreich für einen Schluck Wasser. </p><p>Dann spürte er plötzlich etwas Erleichterung. Die Seile, mit denen seine Arme nach oben gehalten wurden lockerten sich etwas. Er konnte sich, von Schmerz umwoben, endlich etwas nach vorn beugen. Seine Füße spürten den Boden. Seine Muskeln jedoch nicht wirklich. Im Augenwinkel sah er mehr Männer in blauen Hemden kommen. Vier. Vielleich sechs an der Zahl. Er spürte eine Klinge in Höhe seiner Leiste. Ein leises Surren. Dann fiel seine dicke Einsatzhose lautstark in die Pfütze unter ihm zu Boden. Ein neuer Schmerz in seiner Leiste machte sich breit. Wohl ein Messer, das zu tief gesetzt wurde, um ihn zeitgleich auch um seine Unterhose zu erleichtern. </p><p>Gleich darauf kräftige Arme, die ihn gebückt hielten und ein weiterer kolossaler Schmerz in seinem Anus, der alles andere sofort überdeckte. Er sah im Zwielicht noch einen jungen Franzosen auf einem Stuhl an der Kellerwand sitzen. Reste seiner Uniform hingen an ihm in Streifen herab. Vielleicht grad volljährig. Mit je einem großen Messer in den Oberschenkeln blickte dieser völlig apathisch in seine Richtung. Kurz erschien die bleiche Fresse seines Onkels Manfred mit den gelben Zähnen vor seinen geschlossenen Lidern. Dann wurde es wieder schwarz um ihn herum. Mehr als dankbar ließ sich Rainer erneut in diese Dunkelheit fallen …</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kleidgen Industrial Services]]></title><description><![CDATA[Hier ein Auszug aus dem zweiten Roman. Ich sage noch nicht genau, worum es geht. Aber der hier beschriebene Mensch stirbt schon am Anfang. Ob gut oder schlecht, wird sich noch zeigen. Jedenfalls hat er die Geschichte erst zur Geschichte werden lassen. 

Und ich war leider live dabei ….. ]]></description><link>https://dauzone.com/kleidgen-industrial-services/</link><guid isPermaLink="false">64fdf80a68c44b2129465b93</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 10 Sep 2023 17:15:26 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Arbeitstitel_Hamburg-RomanII.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Arbeitstitel_Hamburg-RomanII.png" alt="Kleidgen Industrial Services"><p><strong>15 Stunden zuvor ...</strong></p><p>Rainer Kleidgen stieg aus dem Fahrstuhl, der direkt auf seiner Etage im achten Stock endete. „High End“ prangte in weißen Lettern auf rotem Grund im großen Display des Aufzugs. Er richtete noch einmal seinen marineblauen Zweireiher mit den auffälligen Messingknöpfen und glitt geschmeidig wie ein Aal in das Foyer seiner mehr oder weniger privaten Geschäftsräume.</p><p>Dorothee Prange, seine seit über 20 Jahren für ihn tätige Chefsekretärin, hatte wie an jedem Werktag um 7.03 Uhr bereits das Wasser für den Tee aufgesetzt und die Türen zur überdachten Terrasse des weitläufigen Büros ihres Chefs geöffnet. „Guten Morgen, Herr Dr. Kleidgen“, flötete sie ihm wie jeden Morgen entgegen und freute sich stets über sein Lächeln, seine angedeutete Verbeugung und seinen kräftigen Händedruck.</p><p>Nach dieser immer gleichen Zeremonie ging Rainer Kleidgen wortlos in sein Arbeitszimmer, nahm seinen Zweireiher ab und hängte diesen, fast behutsam, über einen stummen Diener. Diesen hatte schon sein Vater benutzt. Ein immer noch blendend helles Elfenbein aus dem Besitz einer alten Hamburger Dynastie, deren Stammsitz über ein Jahrhundert lang Indien gewesen war und bis heute auf die Freimaurer zurückgeht.</p><p>Auf der Terrasse angekommen, öffnete er die ersten beiden Knöpfe seiner Weste und griff nach oben. Im Untergriff an eine fest installierte Eisenstange unterhalb der Überdachung. Er zog sich genau 12 Mal hoch und machte eine kleine Pause, die nie länger als 30 Sekunden andauerte.</p><p>Nach genau vier dieser Durchgänge ging er in seinen Privatraum im Nebenraum des Büros und erschien genau um 07:21 Uhr wieder in seinem Arbeitszimmer. Ein neues Hemd und eine neue Weste schmückten seinen Körper, der trotz der fast vollendeten 60 Lebensjahre immer noch gestählt war. Fast liebevoll ließ er das akkurat gefaltete Hemd und die zuvor getragene Weste in einen vorbereiteten Wäschesack auf den Schreibtisch seiner Sekretärin gleiten.</p><p>Nach dieser tagtäglich wiederkehrenden Prozedur nahm er, wortlos und praktisch im Gehen, das fertige Tablett mit allen Utensilien, die er für die morgendliche Durchsicht seiner Korrespondenz benötigte, mit. Das Tablett war aus hellem, sehr dunkel gebeiztem Eschenholz. Rechts eine Mulde für die Post. Links zwei Aussparungen für Teekanne und Tasse und dazwischen eine fest installierte Eschenschale mit herausnehmbarem Porzellan-Einsatz für den benutzten Teebeutel.</p><p>Pünktlich um 7.27 Uhr saß Rainer Kleidgen an seinem voluminösen Schreibtisch und goss sich einen frisch aufgebrühten Ingwertee ein. Er liebte diese Rituale. Er liebte den täglichen Wettstreit mit der schier unerbittlichen Zeit als Konkurrenten. Er liebte Konkurrenz überhaupt. Und er liebte es, sie zu demütigen und zu vernichten, während er wieder auf seine Armbanduhr sah.</p><p>Exakt um 7.29 Uhr erschien seine Frau Prange mit den Wirtschafts- und Tageszeitungen. Zwei Minuten früher als gestern. Zwei Minuten früher als den gesamten Monat über.</p><p>Er lächelte. Um 7.30 Uhr würde ihn sein nichtsnutziger Sohn anrufen.</p><p>Anrufen müssen ...</p><p></p><p></p><p>#niemandwirdesverstehen #dirkcarolus #hamburgroman #teilzwei #hamburglife</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[„The Making Of“]]></title><description><![CDATA[Schreiben ist nicht gleich Schreiben!
Heureka --- es ist geschafft.
Am 09. März 2023 gegen 21 Uhr habe ich den letzten Buchstaben in die Tastatur gehämmert.
Die Gefühlswelt, die nach dem Abspeichern mein Gehirn und auch meinen Körper übernommen hat, lässt sich nicht in Worte fassen.]]></description><link>https://dauzone.com/the-making-of/</link><guid isPermaLink="false">6414690168c44b2129465aee</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 17 Mar 2023 13:26:12 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/03/1.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/03/1.png" alt="„The Making Of“"><p>Schreiben ist nicht gleich Schreiben!</p><p>Heureka --- es ist geschafft.</p><p>Am 09. März 2023 gegen 21 Uhr habe ich den letzten Buchstaben in die Tastatur gehämmert.</p><p>Die Gefühlswelt, die nach dem Abspeichern mein Gehirn und auch meinen Körper übernommen hat, lässt sich nicht in Worte fassen. Von Freudentränen über Schockstarre bis hin zu „Ich umarme jetzt alle hier“ war alles dabei.</p><p>Ein ganz besonderer Whisky, ein 12-jähriger Redbreast, hat mich dann wieder einigermaßen in die Spur gebracht.</p><p>Irgendwie passt es auch, diesen Roman inmitten eines vollbesetzten irischen Pubs mit einem solch edlen Getränk zu beenden. Immerhin ist die Grundidee bei einem edlen Whisky entstanden. 2018 war es. Auf dem Holy Ground von Wacken.</p><p>Fast fünf Jahre später ist mir völlig klar, dass die Arbeit jetzt erst beginnt. Gut 700 Seiten müssen auf ein erträgliches und vor allem stimmiges Maß gebracht werden. Inhalte werden gestrichen, verschoben, verändert oder noch einmal ganz neu konzipiert. Aber hier verlasse ich mich voll und ganz auf meine Komplizin. Die Buchhebamme <a href="https://www.linkedin.com/in/buchhebamme/"><strong>Maria Almana</strong></a></p><p>Dann gibt es noch so Kleinigkeiten (lol) wie Layout, Titelbild, den eigentlichen Titel und die Autorenseite, Klappentexte, Druck und Vertrieb, Marketing und Logistik ... aber das sind dann Themen, bei denen ich zumindest eine Ahnung habe.</p><p>Überwiegend ist das Gefühl da, ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Und das erste ist ja bekanntlich immer das schwerste. Nicht, dass ich das wüsste. Aber ich stelle es mir so vor.</p><p>Die reine Arbeitszeit für diesen Erguss aus 40 Jahren Achterbahnfahrt beläuft sich übrigens mittlerweile auf rund 1.200 Arbeitsstunden, wie ich gestern Abend - im Brausebrand - mal locker überschlagen habe.</p><p>Ob der Roman tatsächlich gelesen und damit verkauft wird, ist mir - mit Verlaub - eigentlich völlig egal. Mir war und ist es einfach wichtig, in dem mir gegebenen kurzen Lebenszyklus auf dieser Welt noch einmal etwas ERLEDIGT zu haben, was mir wichtig war.</p><p>Also: Prost! Und vielen Dank an alle, die fünf lange Jahre an mich geglaubt haben.</p><p>PS:</p><p>Gestern Abend im Schneetreiben von Leipzig habe ich noch eine junge Frau gesehen. Sie saß in einem dieser beleuchteten Keimzellen, die an Bushaltestellen stehen. Das Licht flackerte unregelmäßig. Auf der anderen Straßenseite fuhr in diesem Moment ein lilafarbener Leichenwagen mit einem grauen Kreuz auf dem Dach vorbei. Irgendwo hinter mir klapperte ein Gullydeckel in der Dunkelheit, und jemand kickte ununterbrochen eine leere Getränkedose vor sich her ... Jeder Augenblick enthält Geschichten</p><!--kg-card-begin: image--><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="file:///C:/Users/DIRKCA~1/AppData/Local/Temp/msohtmlclip1/01/clip_image001.png" class="kg-image" alt="„The Making Of“"></figure><!--kg-card-end: image--><p>*************</p><p>Arbeitstitel: Asche zu Asche</p><p>Website: <a href="https://asche-zu-asche.com/">https://asche-zu-asche.com/</a></p><p>Untertitel: Niemand wird böse geboren</p><p><a href="https://www.facebook.com/hashtag/aschezuasche?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#aschezuasche</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/schreiben?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#schreiben</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/einbuchverfassen?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#einbuchverfassen</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/lebenslangeslernen?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#lebenslangeslernen</a> #hamburg #hamburg-life #meinhamburg</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[RAL 9005]]></title><description><![CDATA[Das Brechen der Iris. Diese Nanosekunde zwischen Tod und Leben. Dieses letzte Einatmen ohne Ausatmen. Alles nach diesem kurzen Moment, eines Wimpernschlags, ist vollkommen anders .... ]]></description><link>https://dauzone.com/ral-9005/</link><guid isPermaLink="false">636d147c68c44b2129465ac1</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 10 Nov 2022 15:20:48 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/11/Die-Jungs-4.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/11/Die-Jungs-4.jpg" alt="RAL 9005"><p>Hellbraun ist die Flüssigkeit in meinem Glas. Ein kurzes, kleines Whiskyglas. Wenn ich irgendwo an einer Bar sitze, nehme ich auch gern diese Gläser mit Stiel. Die wie ein erhöhter Cognac-Schwenker aussehen. Ist mir in meiner persönlichen Umgegend zu viel Firlefanz. Ein Steak, medium, bleibt ein Medium-Steak. Ganz gleich, auf welchem Teller serviert. Die Zeit, die Außentemperatur oder aber der jeweilige Gesprächspartner können und werden am idealen Punkt dieses Steaks etwas ändern. Das liegt allerdings nicht am Steak. Nur an den Umständen. Es war, irgendwann einmal, perfekt. Ebenso wie jetzt mein Whisky. Bernsteinfarben. Smooth. Leicht torfig. Rau im Mund. Leicht im Abgang. Der Rauch meiner Zigarre nebelt über den Tisch.</p><p>Weniges in meinem Leben ist so klar umrissen wie ein perfektes Steak oder ein guter Whisky. Geht oder geht nicht - das ist hier, wie so oft, meine Devise. Schwarz ist immer schwarz. Sicherlich gibt es Hunderte von Schattierungen, von Grautönen. Aber es gibt nur dieses eine Schwarz. Farbton RAL 9005 = Tiefschwarz.  Nicht RAL 9003 oder 8022. Es gibt nur ein Schwarz. So, wie es nur ein Weiß gibt. Es gibt kein Licht ohne Schatten. Es gibt kein Leben ohne Tod. Und wenn es Gott geben sollte, wird es ebenso sicher eine Kraft auf der Gegenseite geben. Ebenso klar definiert ist der Tod eines Menschen. Nicht der Tod als solches, sondern der Zeitpunkt, die Sekunde seines Todes. Nicht der zur Unkenntlichkeit verbrannte Penner in typischer Fechter-Stellung. Nicht die vielen alten Menschen, die einsam und allein in ihrer Wohnung verreckt sind. Was nur auffällt, wenn der typische Gestank durch das Treppenhaus wabert. Nicht die völlig zerfetzten Unfalltoten und auch nicht die zerplatzten Leiber, die sich irgendwo vom Hochhaus geworfen haben. Das Leben ist hier schon lange weg. An seine Stelle sind Tristesse, Blut und Fragen getreten. </p><p>Was ich meine, ist das Brechen der Iris. Diese Nanosekunde zwischen Tod und Leben. Dieses letzte Einatmen ohne Ausatmen. Oder eben umgekehrt. Alles nach diesem kurzen Moment eines Wimpernschlags ist vollkommen anders. Es ist auch völlig egal, ob du das Tier oder den Menschen  kennst, der da vor dir stirbt. Es ist endgültig. Nicht revidierbar. Ein Augenblick, der ebenso faszinierend wie erschreckend ist. Einmal erlebt, lässt es dich nie wieder los. Ein Baby. Gerade einmal ein paar Monate alt, stirbt in deinen Armen. Verhungert. Die Mutter liegt drei Meter weiter. Völlig zugekifft. Ein Mann, unterwegs zur Arbeit. Wurde unter einem LKW eingeklemmt. Ich hatte meine rechte Hand als Faust tief in seiner Schulter. Wollte die Blutung stoppen. Sein Arm war weg. Einfach abgerissen. Er hatte keine Schmerzen. Sah durch mich durch und redete unentwegt über seine Tochter. Atmete ein letztes Mal aus und war tot. Das junge Mädchen. Vielleicht 17 Jahre. Gebrochenes Zungenbein nach versuchter Vergewaltigung. Krallte sich noch in meine Jacke. Und starb. Einfach so. Ein Leben endet. Am schlimmsten sind aber die Augen. Die vergisst man nie.</p><p>Als Kind hatten wir Blacky. Einen schwarzer Pudel. Hatte sich die Staupe eingefangen. War zum Sterben in die Feldmark hinter unserem Haus getürmt. Vater und ich suchten ihn. Irgendwann hörten wir sein Winseln. In einer kleinen Sandgrube hockte er. Vater kniete sich neben ihn. Streichelte ihm den Kopf. Ich saß vor Blacky und er leckte meine Hand. Mein Vater bewegte ruckartig seine Hände. Es machte hörbar Knack und Blacky zuckte noch einmal. Seine tiefschwarzen Augen änderten die Farbe in milchig grau. Er atmete nicht mehr. Nie wieder wollte ich etwas, was sterben kann, an meiner Seite. </p><p>Rudi war dann mein zweiter Hund. Eher zufällig war ich wieder auf den Hund gekommen. Blacky war nun schon fast drei Jahrzehnte tot. Geben wir dem Schicksal noch eine Chance dachte ich. Der kleine Sohn meiner damaligen Lebensgefährtin wollte einen Hund. Dass es an mir hängenbleiben würde, war mir mehr als klar. Wir fanden einen kleinen Welpen. Irgendwo in einer Auffangstation für verwahrloste Hunde. Rudi war so klein, dass ich ihn in einer Hand halten konnte, um ihn mit der anderen Hand im Waschbecken zu waschen. Er wurde schnell ein Jahr alt und war prächtig gewachsen. Konnte damals ja keiner wissen, dass dieses kleine Häufchen Hund ein Dobermann-<a>Labrador</a>-Mix war und entsprechend wachsen würde. Renitent, angriffslustig und sich seiner Größe völlig bewusst. Eine damalige Nachbarin fragte, ob ich noch einen Hund aufnehmen würde. Großspurig antwortete ich: „was solls – kostet die gleiche Zeit. Nur doppelt Futter. Wenn Rudi mit ihm klarkommt – kein Problem!“ Zwei Tage später spielte ich mit Rudi im Garten vor dem Haus. Ein Auto hielt und eine eher verwahrloste Frau stieg grußlos aus. Aus dem Kofferraum nahm sie eine Decke. Kam zum Zaun und hielt mir die Decke hin. Etwa so groß wie ein Küchenhandtuch. Ein kleiner, abgemagerter Welpe darin. Braun. Mit einem braunem und einem weißen Auge. Noch diese kleinen, fiesen Milchzähne, wie ich Sekunden später feststellte. Ich nahm das Handtuch an. Die Frau drehte sich wortlos um und stieg wieder in ihr Auto. Drehte und fuhr davon. Rudi schabte mit den Vorderpfoten an meinem Bein und grunzte: „Was hast du da --- was hast du da?“ schien er zu fragen. Sekt oder Selters? „Geht oder geht nicht“, dachte ich. Ich setzte das kleine braune Bündel auf den Rasen und harrte angespannt der Dinge. Rudi kam vorsichtig näher. Der kleine Hund nieste und schüttelte sich. Das kleine Vieh hatte null Angst. Keinen Respekt vor der stattlichen Größe, die Rudi nun schon hatte. Biss meinem Rudi als erstes in die Pfote. Wenige Minuten später legte sich Rudi auf die Seite und das kleine braune Hundevieh kuschelte sich in seine Pfotenbeuge. Härtetest mit Bravour bestanden. Hank habe ich ihn später getauft. Auf den Namen Walter hatte er nullkommagarnicht reagiert.</p><p>Rudi und Hank wurden das, was man best buddys nennt. Unzertrennlich. Hart im Nehmen und immer zwei Schritte vor allen anderen. Rudi schlank, drahtig, intelligent und schnell. Hank, ein Pitbull-Mix, eher breit, untersetzt, sehr kräftig und clever. Das perfekte Duo. Beide hörten nicht nur aufs Wort. Sie hörten auf Gesten. Nicht diesen Müll mit Springen durch brennende Reifen oder bleizerfetzte Gänse apportieren. Links, rechts, halt, zurück, sitz, Platz! Überall und jederzeit. Schussecht und wesensstark. Mehr brauchte es für mich nicht. Eine tolle Erfahrung. Eine wunderbare Zeit. Ich war stolz auf meine Gang. Irgendwann machte meine damalige Ehefrau einen Fehler. Ist egal, was es war und warum. Rudi und Hank rannten über die Straße. Rudi wurde im Lauf frontal von einem Golf erwischt. Lag auf der Seite im Rinnstein. Hank über ihm auf dem Bürgersteig. Er leckte ihm das Blut von der Schnauze und den Augen. Rudi starb in meinen Armen. Ich sah seine Iris brechen. Sein letztes Ausatmen, bevor seine breite Brust einfiel. Hank hat danach jedwede Nahrungsaufnahme verweigert. Lag immer nur im Flur der Wohnung. Mit dem Kopf zur Eingangstür. Ich musste ihn mit der Flasche künstlich ernähren. Musste dem Hund, mit Tränen in den Augen, die Pipette in den Hals rammen. Hank hat danach nie wieder mit anderen Hunden gespielt. Geschweige denn, sie auch nur annähernd begrüßt. Wenn es jemals einen traumatisierten, apathischen Hund gab, dann war das Hank. Überlebt hatte er in einem Müllcontainer mit sechs Welpen seines Schlags. Die Mutter war vor dem Container verhungert. Hank war einer von zwei Welpen, die überlebt hatten. Aber nun war alles Leben aus ihm gewichen. Gerade, als er wieder etwas Zuversicht und Spaß am Leben fand, machte sich der Krebs in seinem Körper breit. Alles, was ich an Kraft, Zeit und Geld aufbieten konnte, half nichts. Er war ein Kämpfer. Ein starkes, unerschrockenes Vieh. Konnte aber irgendwann, von einem Tag auf den anderen, die Hinterbeine nicht mehr bewegen. Schleppte sich trotzdem vorwärts. Ich höre noch heute seine Pfoten über den Asphalt schrammen. Ich ließ ihn gehen. Auch seinen Kopf hielt ich in den Armen, als seine Augen brachen. Sein fast weißes Auge färbte sich schwarz im Augenblick des Todes.</p><p><em><strong>„Du weißt, dass das Leben endlich ist!“</strong></em> Ich spreche es laut aus und schenke mir dabei noch einen Whisky nach. Das ist mir alles klar. Mehr wahrscheinlich, als vielen anderen in meiner Umgebung. Aber diese Endlichkeit kommt immer plötzlich. Sich über Monate von einem sterbenskranken Partner zu verabschieden, ist grausam. Vom unausweichlichen Ende her aber absehbar. Plötzlich vor einem Menschen oder gar Partner zu sitzen, der sein Leben aushaucht, dessen Aura du noch spürst, dessen Seele du fast greifen kannst und dessen Körper noch warm ist. Und dessen Iris bricht, ist schwarz. </p><p><strong>Tiefschwarz. RAL 9005.</strong></p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr-->]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[My Nemesis]]></title><description><![CDATA[In rauchfarbenen Strümpfen mit Naht gebettet. Ihre Füße steckten in farblich zum Rock passenden hohen High-Heels. Warum immer noch die Schuhe an. Du liegst doch auf der Couch …  ]]></description><link>https://dauzone.com/my-nemesis/</link><guid isPermaLink="false">632a0c7636646921d40dce47</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 20 Sep 2022 19:03:50 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/09/container.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/09/container.png" alt="My Nemesis"><p></p><p><strong>Mutter</strong></p><p>An sich ist es unnütz, ein gesamtes Kapitel über meine Mutter zu verfassen. Diese selbsternannte „Königin von Saba“ ist wahrlich keiner Zeile wert. Zu voll mit Koks, zu bipolar, zu hart. Heute ertappe ich mich aber einmal mehr, mich selbst als „gelernten Rattenfänger“ zu titulieren. Und dieser Psycho aus Hameln hatte nicht das Geringste mit mir gemein. So dachte ich zumindest, bevor ich heute erstmals in die Klapse ging  …</p><p>Meine grandiose Kindheit hatte ich schon erwähnt. Nichts fiel mir schwer und alles wurde mir in den Arsch geschoben oder in den Schoß gelegt. Ein Überflieger in den Wirren von Geest und Marsch der Niederungen des meerumschlungenen Schleswig-Holsteins.</p><p>Dieses Bild in meinem Kopf vergeht einfach nicht. So sehr ich es versuche – es geht nicht weg. Meine Mutter langgestreckt auf einem Chaiselongue. Einer billigen Couch in unserem damaligen Wohnzimmer meines Elternhauses. Ich kam vom Fußballtraining heim. Ca. 11 Jahre alt. Dreckig, abgekämpft, durstig. Meine Mutter fläzte auf dieser schäbigen Couch. Wie immer, wenn ich nach dem Training nach Hause kam. Blonde lange Haare, die nun offen und wirr um ihren Kopf lagen. Eine weiße Bluse, die ob deren Durchsichtigkeit den Busen zeigte, an dem ich mich als Baby nur spärlich laben durfte. Für mein heutiges Verständnis eine perfekte MILF. Knapp die 50 Jahre überschritten und ein Viech von einer Frau. Die schlanke Taille endete in einem knappen Leder-Rock in Bordeaux. Unter dem kurzen Rock erschienen lange Beine. In rauchfarbenen Strümpfen mit Naht gebettet. Ihre Füße steckten in farblich zum Rock passenden hohen High-Heels. Warum immer noch die Schuhe an. Du liegst doch auf der Couch …. ?</p><p>Diese oder andere Fragen stellen, war aber nicht an mir. Im Blick hatte ich meinen Vater, um dem fordernden Blick meiner Mutter irgendwie ausweichen zu können. Welcher, sobald ich den Raum mit dieser/meiner Mutter darin betrat, völlig verblasste und sich dem Fernseher mit 3 Kanälen hingab oder plötzlich was „erledigen“ musste. Fett war er. Füllte die gesamte Couch rechts zu meiner Mutter aus. War stumm und gerade unheimlich fokussiert. Auf den Fernseher!</p><h3 id="-was-hat-dein-tag-heute-ergeben-">„Was hat dein Tag heute ergeben?“</h3><p>Nichts habe ich in meiner Kindheit mehr gehasst. Diese Frage war, zumal als Kind, nicht zu beantworten. „Ich hatte Spaß mit meinen Freunden! Ich habe ein Tor geschossen! Ich habe eine 2 in Mathe“ Hatte meine Mutter nie interessiert. Ihr Credo war: „gehe mit einer Mark aus dem Haus und komme mit zwei Mark wieder nach Hause!“</p><p>Wirtschaftlich gesehen – mal ab von Steuern, Abschreibung oder Break Even – eine wirklich gute Ansage wie auch Forderung. Mein Vater war zudem gelernter Buchhalter. In einer Krankheitsphase mit Aua in der Niere saß ich in dieser Zeit tagelang neben ihm. Er wälzte unheimlich große Bücher und trug dort handschriftlich Zahlen ein. Auf diesem Tisch. Zwischen diesen beiden abgewetzten Couchen. „Wichtig ist vor allem der EK ….!“</p><p>----------</p><p>Meine Mutter war einfach ein Monster. Ein absolutes Monster im Verkauf. Im Sale am Kunden. Damals 1970-1990 gab es das INTERNETZ noch nicht wirklich. Alles wurde offline erledigt und wer nicht wirbt, der stirbt halt. Die selbsternannte „Königin von Saba“ hatte alles im Griff. Diverse echte Nerz- und Fuchsmäntel. Immer auf einer 12-15cm Hacke unterwegs. Beine bis zum Hals und ein Lächeln, welches jeden Kunden und jede Kundin (schon damals) vorab schon aus der Bahn geworfen hat. Schon bevor die erste Silbe ihren perfekt gestylten Mund verlassen hat.</p><p>Meine Dynastie - also meine Mutter - war im Segment DOB, Hüte aus eigener Produktion und Brautkleider unterwegs. Gelernte Schneiderin im Kriegsgebiet der Jahre 42-45 in Berlin. Mit eigener Fabrik. Im Alter von nur 21. Mit zig Angestellten. Nach Enteignung ihrer Firma durch die Nazis zum Waffenbau ist diese Furie mit nur einem Koffer über das Eis der Ostsee abgehauen. Und in Dithmarschen - am Arsch der Heide - gelandet. Hat mit meinem Vater, der auch über die Ostsee nach Russischer Gefangenschaft getürmt war, ab 1961 einen Laden hochgezogen. Der wirklich einzigartig war. Selbst Hamburger Bräute sind ins Exil nach Schleswig/Holstein gefahren (damals gab es die A23 noch nicht!), um hier entsprechend beraten zu werden. Chapeau! Man kann sich sicher vorstellen, welche Verluste/Risiken/Ängste und dadurch Zweifel am Selbstbild wie auch dem Geschäftsmodell in diesen Jahren angesagt waren.</p><h3 id="geht-oder-geht-nicht-">Geht oder geht nicht!</h3><p>Nicht so bei meiner Mutter. „Ab dafür“ oder auch #abgehtderfuchs. Das war meine Mutter! Tablettensüchtig. Uppers zum Hochkommen - Downers zum Schlafen können. Jederzeit für jeden ansprechbar. Für Medien mit Termin im High-Society-Outfit. Und der kleine Dirk lernte, ab dem 7.ten Lebensjahr, an ihrer Hüfte. Boh - was war die Frau. Auf Stilettos so groß. Die Kunden waren damals höchst erfreut, dass die kleine „Tochter“ die Kasse bediente. Drauf geschissen. Ich hatte halt schon damals lange blonde Haare bis zur Hüfte. 😊  Es muss so 1979 gewesen sein. Meine Mutter wollte unbedingt an die Peripherie. An den damals größten Marktplatz Deutschlands (<a href="https://bit.ly/2T7OtjC">https://bit.ly/2T7OtjC</a></p><p>Gesagt - Getan. So war meine Mutter! Einen Laden gefunden inkl. Regalen und PiPaPo für den Offline-Abverkauf. Es war ihr völlig egal, dass Visavis eines der damalig größten Kaufhäuser Dithmarschens die Pforten offen hatte. EGAL! „Ich bin die Königin von Saba!“</p><p>Es war ein Freitag - ich weiß es heute noch! Ich hatte Training und mein Vater holte mich ab. Was er sonst nie tat. Wir hatten einen Termin in der Stadt. Meine Mutter saß im Auto und ihr Hut sprengte den gesamten Vordersitz. Was für ein Teil. Naturgemäß weiß ich als Kind nicht, worum es eigentlich geht. Aber es musste wichtig sein. Die gesamte Fahrt wurde kein Wort gesprochen. Ich versuchte kurz, meine Erfolge beim Training anzubringen - Eisesstille! Auf dem Marktplatz angekommen, dem Laden gegenüber, stieg mein Vater aus, um meiner Mutter die Tür zu öffnen. Ich merkte instinktiv, wie groß und aufrecht meine Mutter über die Straße schritt. Sie ging nicht - sie schwebte! Der Inhaber empfing uns und ich habe den Wortlaut noch heute in den Ohren: "10.000 DM für alle Regale, die hier noch sind!"</p><p>Meine Mutter schaute ihn an und sagte - mit einer Eiseskälte: „Reis raus den Schmutz - ich brauch den Kram nicht!" Mein Vater versuchte zu vermitteln: „Die ganze Werbung - wir machen Montag auf - wohin mit der Ware? Was soll werden?" Meine Mutter würdigte meinen Vater und auch den EX-Inhaber nicht eines Blickes und dreht sich auf dem 15cm-Absatz einfach um: "Reiß raus den Mist!" …. Und ging!</p><p>Ich habe meine Mutter von diesem Freitag bis zum kommenden Mittwoch nicht mehr gesehen. Sie hatte, natürlich, am kommenden Montag eröffnet. Aus Pappkartons vom Boden aus! An einem Mittwochabend (ich hatte mal kein Training) kam sie durch die Tür. Ein Kleid mit unendlich vielen Taschen. Schaufelte die DM-Scheine aus dem Mantel, dem Kleid, der Unterhose und dem Karton, den Sie unter dem Arm trug. Brach im Flur zusammen und kotzte sich die Seele aus dem Leib!</p><p>Meine Eltern waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Sicherlich nicht das, was man unter „Liebe“ versteht - aber es funktionierte! Meine Mom war das Flaggschiff, der Eisbrecher, die (DER) Wölfin unter Wölfen. Mein Dad war „nur“ der Strippenzieher im Hintergrund, der als Buchhalter dafür sorgte, dass alles irgendwie rund lief. Ich sehe ihn noch im Schneidersitz unter seinen Rosenranken zupfen, während meine Mutter mal wieder den Deal der Dekade einfädelte und das damalige Telefon mit Wählscheibe klingelte. Ja - wir hatten eine 70m lange analoge Leitung in den Garten und mein Dad schleppte dieses f*****g grüne Telefon überall mit hin. Es gab ja noch keine Handys. nicht Mein Dad starb 1983 (R.I.P.) Mit 66 Jahren. Einfach so, während er die Sesamstraße im Vorabendprogramm sah. Umgefallen und eingeschlafen. Wenn schon tot, ist das nicht die schlechteste Art! Er war dick. Er hatte gesoffen und 50-70 Zigaretten am Tag geraucht. Alles hatte er sich ab 65 Jahre verkniffen. Keine Freude, kein Spaß und keine Drogen. Und beißt nicht ganz 9 Monate später bei der Sesamstraße die Backen zusammen. Wollt Ihr mich verarschen?</p><p>Ich war noch in der Ausbildung zum Polizisten in Hamburg als ich es erfuhr. 108km mit dem Moped in 48min absolviert. Landstraße! Es gab noch keine Autobahn nach f*****g Heide/Holstein. Ich hatte während der Fahrt nur Bilder und Sprüche von meinem Dad im Kopf. Völlig Schizo – ich weiß! Der Mann ist tot – weg – gone! Da ist nichts mehr, was Du kitten kannst. Aber er war eben mein Leuchtturm in der Dunkelheit. Wie oft hat er im Direktor-Zimmer der Fakultät gesessen und einfach nur gefragt: „Was genau werfen Sie meinem Sohn vor?“ Dann wurde ich, als völliger Auswurf der damaligen geltenden Pro-Evolution, in diesen Raum mit dem Präsi und den Sekundären dieser „Elite“-Fakultät f*****g SH geschickt. Und dieser geile Vater sagt; O-Ton: „Er ist besonders – wenn auch anders! Wenn das Euer Anspruch ist, etwas Besonders zu verlieren? Wo genau soll ich meine Kreuze setzen?“</p><h3 id="harter-aufprall">Harter Aufprall</h3><p>Tja – mein Vater war nun tot. Egal, wie man es damals, im jugendlichen Alter, glorifizierte: er war tot! Der Inbegriff meines Seins. Weg! Und ich war nun Polizist. Zwar nur in der Ausbildung. Aber immerhin zum erlauchten Stand des gemeinen Polizisten! Ich hatte immer noch keine Verbindung zur „Königin von Saba“. War aber da! Meine Mutter litt. Zwischen Schüben von Tabletten war sie teilweise ansprechbar …. dann stritten wir uns. Bis auf´s Messer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es flogen keine Teller wie in normalen Familien. Es flogen Messer aus dem Fleischblock. (The Clash: should i stay or should i go). Das Begräbnis von meinem Vater war der Hype: gefühlt kam die gesamte Kleinstadt mit 30k Einwohnern auf den Friedhof. Passte meiner „Königin von Saba“ natürlich nicht. SIE WAR DIE NUMMERO UNO! Im roten, bodenlangem Brokat-Mantel mit passendem 2qm-Kopfschmuck, nahm Sie gefasst sämtliche Konsultationen an. Daheim aber arbeitete derweil eine Entsorgungsfirma in meinem Kinderzimmer. Mein gesamtes bisheriges Leben wurde, während der Zeremonie der Bestattung meines Vaters, in einen Container entsorgt. Alle Zeugnisse, alle Pokale, Medaillen. Erinnerungen vom Eisprung bis zum damaligen Tag. In einem Container. Inkl. meiner Carrera-Bahn, welche ich mit meinem Vater auf dem Dachboden über 25m installiert hatte. 4-spurig!</p><h3 id="burn-motherfucker-burn">Burn – Motherfucker – Burn</h3><p>Schlechter Film? Ich weiß. Dummerweise war ich der Hauptdarsteller! Stell Dir einfach nur vor: im Garten deines Elternhausee. Unter den Rosen, die dein Vater gezüchtet hat. Dort steht ein Container mit deinem gesamten Leben in Memorabilien. Und deine leibhaftige Mutter lächelt dich an und sagt: „Kündige in Hamburg und bleib hier. Oder ich fackelt den gesamten shit ab!“ 3 Stunden nach Beerdigung deines Vaters? Sie hat das Zippo reingeworfen! Mag für viele unter uns nicht entscheidend sein. Für mich war es knapp ein Jahrzehnt Entsagung, Zeit und brotherhood mit meinem Vater! Einfach gone in einer Feuerhölle --- und meine Mutter lachte wie irre!</p><p>Ich bin wortlos gegangen und habe eine, zumindest für meine Begriffe, gute Karriere in Sachen Polizeibeamter hingelegt. Dazu später mehr. Noch innerhalb meiner Ausbildung kamen deutlichen Ansagen meiner Mutter in Richtung der Polizeiführung, dass ich keine Waffe führen dürfte, da ich auf Grund des Todes meines geliebten Vaters stark selbstmordgefährdet wäre. Über Wochen musste ich ins Einzelgespräch. Meine Ausbildung bei der Polizei war eh  … sagen wir mal „fick dich“ behaftet. Aber ich wollte es unbedingt schaffen! Und ich mache gestern wie heute nichts zu 100%, wenn ich nicht überzeugt bin! Das alles wurde, nach Monaten mit Verhandlungen, ad akta gesetzt. Ich wurde rehabilitiert! Meine Mutter erfand daraufhin den nächsten Akt: ich hätte einen Penner in meiner Geburtsstadt abgezockt und getötet. Mehr geht nicht Mutti!. Ein Bulle – in Untersuchungshaft. In der Stadt, in der er, kraft seines Amtes, diverse wirklich üble Typen in den gleichen Knast geschickt hatte. Was für ein Spaß …</p><h3 id="die-farbe-lila">Die Farbe Lila</h3><p>Auch das hatte ich überlebt. Jeden Tag im Knast den Sonnenaufgang begrüßt. Waren auch nur 6 Tage. Alles gut. Bis hierhin Kindergarten. Jeden Tag – wirklich jeden Tag war ich am Ende meines Weges. Aber Du – als Königin von Saba - packst noch einen drauf. Du warst einfach unglaublich! Eine Königin halt!</p><p>Ich hatte alles bisherige überlebt. Ich hatte meinen Job behalten. Meine damalige Traumfrau und deren Eltern zur Ehe bewogen. Hatte vor der Familie gekniet. Hatte mich erklärt. Hatte die Risiken, auch in Sachen meiner Mutter, aufgezeigt und dafür gesorgt, dass die Familie alles bezahlt!</p><p>Lila Mom: Du warst der Devil in disguise. Ich hatte meine Rede zur Hochzeit, zur Ehe mit meiner Traumfrau auf einem Zettel. Unter uns Mom: meine erste Hochzeit im zarten Alter von 22 Jahren. Deine EIER konnte ich noch nicht haben! Und Du schreitest, während den ersten Sekunden meiner Rede vor dem versammelten Publikum meiner Frau in spe, rechts an mir vorbei. Violetter Hut – violetter Lodenmantel in Leder bis zum Boden. Es wurde völlig still. Wo hast Du gewartet, um diesen Moment abzupassen? Du schreitest auf gewohnt hoher Hacke einfach nur nach vorn durch. Eine Ikone! Ich war wortlos erstarrt. Du nahmst mir mein Mikro aus den Händen. Hast mich noch nicht einmal angesehen. Nur die gut 100 Gäste im Raum und sagst: „Ich bin als Mutter mit dieser Heirat nicht einverstanden!“ Das Mikro fiel auf den Tisch und von dort auf den Boden. Du hast dich kurz gedreht und auf gleichem Weg wortlos den Raum verlassen! Es entspann sich absolute Stille. Keiner sagte ein Wort. Warum und wofür auch? Das Geräusch ihrer hohen Haken höre ich heute noch. Unter uns Mom: Dein Auftritt war meeega. Punkt! Mehr geht einfach nicht und Du hast mit nur einem Satz gezeigt was geht, wenn man(n)/Frau für etwas brennt! 6 Wochen später bist Du in deiner eigenen Scheiße jämmerlich krepiert. Völlig allein!</p><p>Mein Telefon klingelte. Unbekannte Nummer aus Büsum in Schleswig-Holstein. Ich nahm ab. Der Typ am anderen Ende meldete sich höchst eloquent. Er wäre der Freund meiner Mutter. Ich kannte den Sack aber aus glorifizierten Erzählungen meiner Mutter und einem Essen in seinem Restaurant. Ray-Ban. Auf den voluminösen Leib geschneiderter Armani Anzug. M-Klasse BMW und unsympathisch wie ein Wolf beim Verspeisen von Kadavern. Ein Erbschleicher vor dem Herrn.</p><p>Ich hatte es damals kurz gemacht. Es kam danach auch nichts mehr. Besser für ihn! Er war auch nicht anwesend, als meine Mutter beerdigt wurde. Neben meinem Vater. Der Pfaffe wollte eine große Zeremonie. Meine Mutter wäre ja ein angesehenes Mitglied der Gemeinde gewesen. Dem konnte ich nicht widersprechen. Die erste und einzige Bitch, die mit einem Ford-Cosworth durch die Straßen meiner Heimat ballerte. Zudem damals die Einzige, die auf dieses Mega-Gefährt ein Werbeschild like Vegas hatte montieren lassen: „Deine Hochzeit ist unsere Hochzeit!“ Über den Baurat alles geklärt. Das war meine Mutter! Es fiel mir schwer, dem hilflosen Pfaffen klarzumachen, das kaum einer zum Begräbnis kommen würde. „Bei ihrem Vater mussten wir den Friedhof sperren!?“ ergoss er sich in seiner Litanei. „Tut nichts zur Sache. Mein Vater war auch ein liebenswerter Mensch!“</p><p>Und es kamen wirklich nur 4 Menschen. 2 davon hatten im Laden meiner Mutter ausgeholfen. Eine Dame davon hatte mich behütet, wenn meine Mutter keine Zeit hatte. Ihre Käse-Sandwiches waren legendär. Ich hasse und hasste allerdings bis heute Käse. Aber die Frau war immer cool. Der Vierte im Bunde war der Typ Erbschleicher. Er winselte sich jedoch von dannen, während der Pfaffe im Nieselregen seinen Text verlass. Ich gab dem Kerl keine Chance. „Verpiss dich – jetzt!“ und baute mich breitbeinig im Gang zum Grab meiner Mutter auf. Der Pisser trollte sich. Der Pfaffe stockte kurz. Lass dann aber seinen Psalm weiter.</p><p>Henriette und Magda hatten mir am Grab noch ihr Beileid bekundet. Und waren dann gegangen. Der Pfaffe stand dumm rum. Es nieselte unentwegt. Der Pfaffe drängte mich, noch etwas zu sagen. Das tat ich dann auch. In diesem Moment fragte ich mich, warum die Bitch überhaupt einen Sarg bekommen hatte. Meine Halbschwester hatte nur Kohle aus dem Unternehmen rausgezogen. Hatte sich, nach dem Tod ihres Vaters (leiblich) und schon gar nicht ihrer Stiefmutter jemals gemeldet. Blut ist eben nicht dicker als Wasser. Aber ich wollte ein Begräbnis neben meinem Vater. Somit sah ich den Pfaffen an, öffnete meine Hose und verrichtete meine Notdurft auf das offene Grab meiner Mutter. „Ruhe in Frieden!“</p><p>Ich war nie wieder am Grab meiner Eltern ....</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gewalt ist uncool - II]]></title><description><![CDATA[Ein Kollege direkt vor mir sackte in die Knie. Eine Stahlkugel hatte sowohl sein Schild als auch sein Visier am Helm durchschlagen. Schnelle Hände zogen den blutenden, bewusstlosen jungen Mann durch den Schlamm nach hinten.]]></description><link>https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool-2/</link><guid isPermaLink="false">622a00f5ec5fc67b3899ecb1</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 10 Mar 2022 13:56:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Hamburger-Kessel.jpeg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Hamburger-Kessel.jpeg" alt="Gewalt ist uncool - II"><p><a href="https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool/"><strong>(erster Teil hier!)</strong></a></p><h3 id="06-06-1986">06.06.1986</h3><p>Um 20h war Treffen im Einsatz-Zentrum. Kurze Lagebesprechung, Ausrüstung holen, Ausrüstung checken und in die Mannschaftsbusse klettern. Gegen Mitternacht waren wir unterwegs nach Brokdorf, wo für den 07.06.86 zur Anti-Kernkraft-Demo aufgerufen wurde. Das Land Schleswig-Holstein hatte um Unterstützung gebeten, da mehr als 30.000 Teilnehmer erwartet wurden.</p><p>Unser Konvoi traf irgendwann gegen 2h morgens in Brokdorf ein. Saukalt, dunkel, leichter Nieselregen. Daran erinnere ich mich noch. Natürlich haben auch Polizisten eine eigene Meinung. Während der Fahrt und beim Abpacken in Brokdorf unterhielten wir uns natürlich auch über Kernkraft, über Tschernobyl, über die Gefahren, Risiken und die Zukunft. Das ist genau der Spagat, den ein Polizist praktisch jeden Tag leisten muss. Ich denke keiner von uns damals hatte wirklich Bock auf Kernkraft. Was nützt es aber? Du kannst Dir einen „Kernkraft-Nein-Danke“ Button ans Revers deiner Uniform heften, musst aber trotzdem für Recht und Gesetz sorgen. Mir persönlich war es doch völlig egal, wer sich da in aller Herrgottsfrühe am Deich bei Brokdorf die Beine in den Bauch steht und nass bis auf die Knochen wird. Aber es war nun einmal unser Job.</p><p>Gegen Morgen tauchten die ersten Gestalten auf. Regenjacken, Bundeswehr-Parkas. Ganz normale Menschen auf dem Weg zu einer Kundgebung. Wir Polizisten befanden uns noch im Innenbereich des AKW. Langsam aber sicher wurden es immer mehr. Es wurde laut. Es wurde gesungen und auch gebrüllt. Aber nichts, was einen wirklich in Panik versetzen sollte. Der eigentliche Kundgebungsort war die Deichstraße. Einige Hundert Demonstranten versammelten sich aber nun vor dem Tor zum AKW. Irgendein hirnverbrannter Obermotz unserer Polizeiführung sah darin anscheinend eine Provokation oder aber vielmehr eine Möglichkeit, sich endlich profilieren zu können. Die Wasserwerfer wurden scharf gemacht. Links und rechts mussten Polizisten diese abschirmen. Junge Polizisten. Anfänger. Praktisch Kinder. Ohne Vorwissen oder gar Erfahrung in diesen Einsatz geschickt.</p><h3 id="die-kausale-kette">Die kausale Kette</h3><p>Um es hier gern noch einmal aufzugreifen. Wir sprechen hier von der sogenannten kausalen Kette. Dieses sich gegenseitig hochschaukeln durch Aktion und dadurch bedingter Reaktion. Dieses Ding mit: <em>Bis einer weint!</em> Natürlich hatten die Demonstranten kein Recht, bis an die Tore des AKW vorzurücken. Der Kundgebungsplatz war weit entfernt. Dann aber sofort die Wasserwerfer scharf machen, weil ein paar Hundert Regenjackenträger sich einem 3m hohen und mehrfach gesicherten Stahltor nähern? Ist das wirklich die Wahl des mildesten Mittels? Und dann schickt irgendein Trottel der Führung den Wasserwerfer, umsäumt von einer Hundertschaft ahnungsloser Polizisten auch noch aus dem Tor raus. Warum? Auch diese Frage konnte mir nie abschließend erklärt werden. Und so kam es, wie es kommen musste. Die Demonstranten machten Sitzblockade vor dem Wasserwerfer. Der Wasserwerfer wurde eingesetzt. Die Demonstranten warfen mit Erdklumpen und Matschbrocken. Die jungen Polizisten versuchten, die Sitzblockade zu lösen. Natürlich kam es dabei zu Handgreiflichkeiten. Mehr Demonstranten kamen zu diesem Tumult. Der zweite und dritte Wasserwerfer wurde eingesetzt. Weitere Demonstranten fühlten sich provoziert. Eine weitere Hundertschaft wurde in Stellung geschickt … es schaukelte sich halt auf.</p><p>Mittlerweile erhielten wir Informationen, dass Spezialkräfte aus Niedersachsen an den Zufahrtsstraßen nach Brokdorf weitere Besucher der Demo aufhielten. Hubschrauber kreisten nun über dem AKW Gelände. Ich bekam ein mulmiges Gefühl. Mittlerweile wurde den Wasserwerfern CS-Gas zugesetzt. Brennt wie Tränengas. Allerdings auf beiden Seiten - je nach Windrichtung wurde der feine Dunst auch auf unsere Kollegen gesendet. Welche - im Gegensatz zu vielen erfahrenen Demonstranten - keine Gasmaske am Mann hatten.</p><p>Und nun sahen die sogenannten Störer ihre Zeit gekommen. Verhaltensgestörte Subjekte, die ihren Hass, ihr persönliches Versagen und den gesamten Frust auf die Menschheit sehr gern auf staatliche Organe lenken. Vermummt in Tarnkleidung. Mit Zwillen, Stahlkugeln und Pyros bewaffnet. Im Schutz der allgemeinen Verwirrung gingen diese Gruppierungen ans Werk. Eine größere Gruppe versuchte von rechts hinter die Polizeikette zu gelangen. Die jungen Kollegen hielten Stand und wir formierten uns im Schutz ihrer lächerlichen Plastikschilde. 1986 war unsere Standardausrüstung mehr oder weniger für den Kindergarten gedacht. Springerstiefel, eine leichte Einsatzhose, ne Lederjacke und ein Helm mit Visier. Mehr war es nicht. Dazu ein Schlagstock am Mann und entweder ein rundes Schild für die mutigen Wikinger oder ein Schild im Rechteck, mit dem man sich kaum normal bewegen konnte. Ein Kollege direkt vor mir sackte in die Knie. Eine Stahlkugel hatte sowohl sein Schild als auch sein Visier am Helm durchschlagen. Schnelle Hände zogen den blutenden, bewusstlosen jungen Mann durch den Schlamm nach hinten. Und die Kette schloss sich wieder.</p><p>Molotows wurden geschleudert. Diese waren aber im Schlamm relativ ungefährlich. Viel schlimmer waren (kannte ich bis dato auch noch nicht) die 1 Liter Plastikflaschen mit Steinen und Fäkalien gefüllt, die gegen die Schilde der Kette geschleudert wurden. Die Dinger hatten im wahrsten Sinne des Wortes „mannstoppende“ Wirkung. Entweder durch die Wucht des Einschlags oder den bestialischen Gestank, der sich nach dem Platzen der Flaschen mit der CS-Brühe vermischte.</p><h3 id="wir-hatten-m-he-uns-zu-formieren-">Wir hatten Mühe, uns zu formieren. </h3><p>Immer wieder kippte ein Kollege aus der Kette. Ein Chaos aus Matsch, Gestank, CS-Reizgas und brüllenden Menschen. Neben mir viel einer meiner Kollegen. Eine große blutende Wunde am Oberschenkel. Neben ihm viel ein zweiter brüllend zu Boden. Im Augenwinkel sah ich etwas Helles mit Chrom weghuschen. Dann erwischte es mich. Glücklicherweise nur an der Lederjacke. Das Ende einer Vierkant-Stange. Durchsetzt mit langen Dachdecker-Nägeln und mit Nato-Draht umwickelt. Die Störer aus der zweiten Reihe der Demonstranten warfen diese über und in unsere Kette und rissen diese dann wieder mit Gewalt zurück. Kleidung, Fleisch und Beine meiner Kollegen verfingen sich in dieser perfiden Waffe. Mit dem Rücken am Zaun und den Kollegen vor Dir gab es an sich kein Entkommen. Endlich gab unser Einsatzleiter den Befehl des Vorrückens. Alles war besser, als hier wie die Maus gefangen zu sein. Die Presse wie auch die Demonstranten nannten das später „die polizeiliche Treibjagd durch die Wilster Marsch“. Für uns war es einfach nur die Flucht nach vorn. Die Augen voller Tränen, den Geschmack von Pisse und Blut im Mund und ohne Sinn und Konzept oder gar Führung aus einer ausweglosen Situation ausbrechen.</p><h3 id="mittlerweile-war-es-ca-14h-am-07-06-86">Mittlerweile war es ca. 14h am 07.06.86</h3><p>Meine Kollegen und ich waren nun also seit ca. 30 Stunden ohne Schlaf im Einsatz. Wir sammelten uns. Hubschrauber landeten und wir begaben uns damit auf den Weg zurück nach Hamburg. Die Demonstranten, die den Weg nach Brokdorf nicht geschafft hatten, rotteten sich nun in Hamburg zusammen. Hamburg zog uns aus Brokdorf ab. Die Hansestadt brauchte uns. Kleinere Fleischwunden wurden von den Sanis noch im Heli versorgt. Der seit Stunden andauernde Adrenalin-Schock legte sich. Die Kollegen um mich herum wurden still. Ich weinte. Das gebe ich unumwunden und gerne zu. Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt; an purer Zerstörungslust gepaart mit Freude, andere Menschen zu verletzen, hatte ich bislang noch nicht erlebt. Ich war fertig. Die Eindrücke der letzten Stunden forderten Tribut. „Absitzen Richtung Feld“ brüllte es aus dem Bord-System.</p><p>Wir wurden auf dem freigeräumten Heiligengeistfeld abgesetzt. Unter den Rotorblättern der Helis liefen wir in Richtung Einsatzort Feldstraße. Von einem Steinhagel empfangen vielen neben mir wieder einige Kollegen zu Boden. Schien- und Knieschützer hätten in diesem Steinhagel sicherlich geholfen. Hatten wir damals aber nicht. Zeit zum Bergen der Kollegen hatten wir auch nicht. Aber es waren ja Sanis in den Helis. Also weiter. Im Vorbeilaufen sah ich ein brennendes Taxi, auf dessen Dach ein Vermummter mit Palästinenser-Outfit herumsprang. Am Einsatzort angekommen wurden wir von unserer Führung angewiesen, um eine Gruppe Demonstranten eine Kette zu bilden. Wir - dieser ehemalige Schädel-Trupp, nun völlig fertige Männer weit jenseits von Elite, formierten also mit weiteren überreizten Kollegen nun das, was im Nachhinein als „Hamburger-Kessel“ bezeichnet wurde.</p><p>Die Geschichte ist auch hier recht schnell erzählt. Über diesen Kessel gibt es ziemlich gute Publikationen, welche dessen Ausmaß als auch rechtliche Bedenklichkeit zumindest ordentlich schildern. Meine Kollegen und ich standen aber dort. Live. Vor Ort. Am Rande der Erschöpfung und nervlich am Ende. Nichts, was ich bisher erlebt hatte, war mit dem, was ich in den letzten Tagen und Stunden sehen und damit verarbeiten musste, vergleichbar. Ich wollte hier nicht sein. Eure Ansichten und politischen Bedenken interessieren mich grad nicht. Das Recht auf freie Meinung und Demonstration. Am Arsch --- war mir egal. Ich stinke wie ein Abwasserkanal. Habe das Blut meiner Kollegen an den Händen und der Uniform. Mir ist saukalt. Ich habe Hunger und ich muss pissen. Ohne Ende pissen! Aber ich muss dienen. Und ein Ausscheren aus der Kette würde bedeuten, die Kollegen im Stich zu lassen. Keine Option!</p><h3 id="der-kessel">Der Kessel</h3><p>Und dann stehste da. Und wieder war es das gleiche Spiel. Dieser „Kessel“ war ebenso unnütz wie die ganzen Scharmützel und Gefechte zuvor. Es hat sich wieder einmal aufgeschaukelt bis einer heult. Für nix und wieder nix, was uns allen ein Blick in die Geschichte leicht klar macht. Wir standen aber nun dort. Einige hatten noch ein Visier. Andere nicht. Wir wurden angespuckt. So das Grüne von unten. Mitten ins Gesicht. Ein Kerl steht direkt vor mir. Abstand 30-40cm. Grinst mir ins Gesicht und pisst mir dabei seelenruhig auf die Stiefel. Warm läuft es mir in die Stiefel rein. Meine Contenance ist am Ende. Ich will gerade ausholen. Über den Knopf im Ohr höre ich: <em>„kein Schlagstock-Einsatz. Die Presse ist anwesend!“</em> Also zurück in Reihe und die Warme Pisse an den Füssen irgendwie gutheißen.</p><p>Mal ehrlich: zwei Menschen sind unterschiedlicher Meinung. Können aber gerade den Schreibtisch nicht verlassen. Und der eine pisst dem anderen in die Stiefel. Wie lange kann man da ruhig bleiben? Aber auch hier wurde vorab mehrfach gewarnt. Bitte verlassen Sie diesen Bereich. Trotzdem blieben diese Demonstranten da. Und wir standen nun dumm drum rum. <em>„Ich bin nichts - ich kann nichts - gebt mir eine Uniform“</em>. Das mussten wir uns bis weit nach Mitternacht anhören. Über 13 Stunden dauerte dieser blödsinnige Kessel. Flogen die Beleidigungen, die Spucke und von außen die Bierflaschen. Irgendwann ging auch dieser Einsatz zu Ende. Irgendwann waren wir wieder in der Unterkunft. Nur die Klamotten loswerden. Viele meiner Kollegen warfen dieses Konglomerat aus Matsch, Fäkalien, Schweiß und Blut einfach nur in die Feuertonne. Keine Verherrlichung - pure Apathie. Wir standen gegen 4h morgens fast nackt um eine Feuertonne, in der unsere Uniform verbrannte. Prosteten uns über den Flammen mit einem Bier zu und waren ansonsten völlig still. Leer.</p><h3 id="nachsatz-">Nachsatz:</h3><p>Natürlich wurde wenig später die Einsatzleitung und dazu die gesamte Polizeiführung abgekanzelt. Wir kleine Bullen bekamen alle einen Eintrag in die Akte. Drauf geschissen. Letztlich haben wir es ja überlebt und ich hoffe für mich, dass ich dieses Kapitel meines Lebens mit diesem Bericht nun endlich einmal abschließen kann. Aber was ist dieser Einsatz im Gegensatz zum Krieg. In Relation nur ein weiterer Kindergarten. Und genau deshalb weiß ich, wie kacke Gewalt ist und warum Kleinigkeiten zu Kriegen eskalieren können. Bis einer heult ….. für nichts und wieder nichts!</p><p>Sorry  :(  </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gewalt ist uncool ...]]></title><description><![CDATA[Heute beginne ich mal am Ende. Ich weiß nicht wirklich, ob es klug ist, solch einen Bericht in der heutigen Zeit zu posten. Aber was ist heutzutage schon richtig, falsch oder gar klug?]]></description><link>https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool/</link><guid isPermaLink="false">6228ec68ec5fc67b3899ec6c</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Wed, 09 Mar 2022 18:22:02 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Restless.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Restless.jpg" alt="Gewalt ist uncool ..."><p>Heute beginne ich mal am Ende eines Kapitels. Ich weiß nicht wirklich, ob es klug ist, solch einen Bericht in der heutigen Zeit zu posten. Aber was ist heutzutage schon richtig, falsch oder gar klug?</p><h3 id="hamburg-linie-1-u-bahn-station-alsterdorfer-str-">Hamburg. Linie 1. U-Bahn-Station Alsterdorfer Str.</h3><p>Eigentlich ganz nett. Zur linken das kleine Stadion des SC Sperber. Liebevoll das „Schmuckkästchen“ genannt. Rechts davon der kleine Speckgürtel der Innenstadt – gleich nach Eppendorf. Ich registrierte das aber alles nicht wirklich. Wie oft hatte ich hier oben nach Feierabend gestanden und einfach nur einem Liga-Kick der Sperber zugesehen oder meine Gedanken in der Abendsonne baumeln lassen. Damals wunderte ich mich einfach nur und immer wieder, warum meine Springerstiefel so kaputt aussehen und starrte dabei 2-3x meiner Bahn nach, die ich eigentlich nehmen wollte. Ich war außer der Gedanken an meine dreckigen Stiefel völlig leer ….</p><h3 id="06-06-1986">06.06.1986</h3><p>Seit einigen Jahren nun war ich Polizeibeamter der Stadt Hamburg. Nur wenige Monate davon in Uniform, da ich die Notwendigkeiten von Befehlen beim „normalen“ Streifendienst ein ums andere Mal vehement in Frage stellte. <em>„Befehl ist Befehl“</em> hieß es da immer wieder. Und auf Nachfrage, warum dieser Murks nun als Befehl ausgegeben wurde kam immer wieder <em>„war schon immer so – frag nicht – diene!“</em> Damit war bei mir kein Staat zu machen. Auch wenn ich erst 24 Lenze auf die Uhr brachte. Ich wollte das <strong>WARUM </strong>wissen. Und wenn es weder Argumente noch eine zumindest stimmige Erklärung gab? Dann tat ich es nicht. Punkt!</p><p>Dazu muss erklärt werden, dass der Hamburger Senat recht einfach rechnete. Die Ausbildung eines Polizeibeamten dauert im Mittel 3 Jahre. Drei Jahre kosten den Steuerzahler um bei 100.000 (damals noch DM). Dem kündigen wir nicht einfach – den stecken wir woanders hin. Das Auffangbecken für solche Kandidaten, Gestörte, Revoluzzer, Psychopathen und Befehls-Ketzer war der Schädel-Trupp. Eine Elite. Das sage ich nicht ohne einen gewissen Stolz. Keiner von uns hätte als „gemeiner“ Polizist wirklich Streife fahren dürfen. Aber wir waren eine Einheit – und was für eine.</p><p>Als Beispiel nehme ich mal „Plocke“ (Name geändert). Plocke war hochgradig sozial engagiert. Arbeitete neben und auch nach seinen Schichten in der christlichen Jugend. Pfadfinder, bei den Samaritern unterwegs und half bei Not auch im Krankenhaus und im Hospiz am Hauptbahnhof. Plocke war 1,65cm groß. Ebenso breit wie tief. Plocke war umgänglich, lustig, immer zu Scherzen bereit und ein StandUp Komiker, den die Welt einfach gebraucht hätte. Plocke war aber schizo. Völlig neben der Spur, wenn es in den Einsatz ging. Plocke hatte in seiner Einsatzjacke am Rücken zwei Auskerbungen, in denen verlängerte Schlagstöcke eingefasst waren. Sobald Not am Mann war, griff sich Plocke hinten an den Kragen – zog die beiden Teile raus und metzelte drauf los. Völlig egal, ob Frau, Kind oder Mann im Weg standen. Plocke klärte das. Brachial, schnell, ohne Rücksicht oder überhaupt Gewissen. Danach ne Fluppe angesteckt und Witze gerissen. Nicht über den gerade beendeten Einsatz. Einfach nur so. Als ob das <strong><em>Vorher </em></strong>überhaupt nichts gewesen wäre. Nun muss man dazu wissen, dass mindestens 15min vor so einem Einsatz des Schädel-Trupps 3x gewarnt wurde. Nicht mit dem heimischen Mikrofon, sondern über bombastische Lautsprecher. „Bitte verlassen Sie dieses Areal!“ Und wer bei drei (3) noch nicht verschwunden war, hatte halt Pech gehabt, da er eine potentielle Gefahr darstellte.</p><h3 id="durchgeknallt-und-polizei">Durchgeknallt und Polizei</h3><p>Tja. Was genau unterscheidet nun einen Bullen von deinem Investment-Banker oder dem Notarzt, der ausgerechnet an deiner Unfallstätte auftaucht? Wenn alle drei Psycho sind? Alle vertrauen trotzdem auf dich. Aber keinem kannst Du wirklich hinter die Stirn gucken. So einfach meine Rechnung. Plocke war dazu noch der entspannteste Part unserer Truppe. Es ging noch weit härter. Aber eines war so sicher wie die Schwerkraft existent ist: mit diesen Kollegen an der Seite war dein Rücken immer frei. Immer sicher! Ihr kennt sicherlich diese Gruppen-Teambuilding-Spielchen, wo sich einer mit dem Rücken zur Gruppe hinstellt und sich fallen lässt. „Hurra, hurra – und jetzt ein Pikkolöchen“. Brauchten wir nicht. Wir wussten, wer neben und hinter uns steht.</p><p>Warum Schädel-Trupp. Ist recht einfach erklärt. Wir waren die Speerspitze, um sogenannte Störer aus einer Demonstration zu eliminieren. Polizeikette geht auf --- wir in Dreieck (Kopf voraus) mitten durch die meist hasserfüllte Menge. Störer gegriffen – ins Innere des Dreiecks gesichert und wieder zurück hinter die Linie. Was sich taktisch einfach anhört, war inmitten von Spucke, mit Pisse gefüllten Kondomen, Brandsätzen und Steinen nicht wirklich einfach. Das Leben im Schädel-Trupp war dazu aber noch relativ easy. Dienst von 8-16h, ansonsten in Bereitschaft. 1-2 Stunden am Tag irgendwelchen Stoff auf der Schulbank lernen. Der Rest war Sport: Fitness, Gewichte, Nahkampf, Fußball oder andere Ballsportarten. Wann, mit wem oder wie war uns überlassen. Bedingung war einzig: jederzeit bereit. Ich wohnte damals im beschaulichen Eimsbüttel. Hatte grad meine Sachen in der heimischen Wohnung abgestellt, als das Telefon klingelte. Es war der 06.06.1986 …. 17:45h Uhr. Ich weiß es genau, da ich auf dem Weg zum Telefon (Handy gab es noch nicht) über die Couch stolperte und mit der Wanduhr im Flur unsanft kollidierte.</p><p>Mein gesamtes Weltbild (bis heute) änderte sich ab diesem Augenblick ….</p><p>07.06.1986 —  to be continued  -   Part II</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Selbstzweifel ---]]></title><description><![CDATA[Kenne ich nicht. Hatte ich nie. Wo ich bin, ist vorne. Und wenn nicht, ändere ich einfach die Richtung. Es war immer so und wird sich auch nie ändern. Dachte ich ....]]></description><link>https://dauzone.com/selbstzweifel/</link><guid isPermaLink="false">62279d3dec5fc67b3899ec48</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 08 Mar 2022 18:19:29 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Banner-facebook.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Banner-facebook.png" alt="Selbstzweifel ---"><p>Kenne ich nicht. Hatte ich nie. Wo ich bin, ist vorne. Und wenn nicht, ändere ich einfach die Richtung. Es war immer so und wird sich auch nie ändern. Dachte ich.</p><p>Was ich bis hierhin begriffen habe und begreifen musste ist, dass dieses Leben einfach nicht planbar ist. Jeden noch so guten Plan durchkreuzt: Genau, das Leben! Was aber in meinem Fall nicht wirklich schlimm war. Seit gut 40 Jahren laufe ich allein durch diese Welt. Früh beide Eltern verloren. Ratschlag oder gar Rückhalt war dadurch nicht gegeben oder wenn, dann teuer erkauft. Das machte mir nichts. Aus jedem Fehler lernte ich. Und 1000 Fehler sind, so blöd es sich anhört, tausend kostenlose Lehrstunden. Das Beispiel der Herdplatte fällt mir dabei ein. Einmal auf das heiße Eisen gefasst – das machste nie wieder. Das brennt sich im wahrsten Sinne ein.</p><h3 id="der-sinn-die-sinne">Der Sinn - die Sinne</h3><p>In vielen Fällen geht es nur um die Sinne. Schmerz – teilweise auch Verlust, kann fast jeder, der einigermaßen rational gepolt ist, verarbeiten. Was aber ist mit Gefühlen? Mit dem Bauch, mit dem Vertrauen, mit dem sogenannten <em>„ach – passt schon“.</em> Wie vereint man das mit dem rationalen Teil des Gehirns, der Psyche und dem Elefantengedächtnis. Nach gut einem halben Leben der Fehlersuche, der Irrtums, des am Boden Liegens und immer wieder Aufstehens?</p><h2 id="-irgendwann-ist-mal-schicht-im-schacht-"><em>„Irgendwann ist mal Schicht im Schacht“</em></h2><p>Das höre ich meinen Vater pausenlos bei diesen Zeilen sagen. Gleichzeitig verfällt er aber auch in einen Kanon: <em>„Aufgeben widerspricht der Aufgabe!“</em> Und selbst nach 40 Jahren „try &amp; error“ kenne ich die Antworten nicht. Ich habe ein neues Jobangebot. Genau meins. Neu – elektrisierend – spannend – herausfordernd. All das, was ich immer schon wollte, in einer Wundertüte. Nun aber bin ich 60 Jahre alt. Mein Körper ist nicht mehr so belastbar. Mein Geist und damit Können ist aber weit besser, als ich es jemals war. Packe ich es trotzdem noch? <em>„Aufgeben widerspricht der Aufgabe!“</em> rezitiert mein Vater Minute um Minute in meinem Kopf.</p><p><em>„Dad – echt jetzt. Du hast doch keine Ahnung! Da hängt unheimlich viel dran. Mein gesamtes Leben wird mal wieder auf links gedreht. Nichts wird mehr so sein, wie es mal war. Alles – gänzlich alles wird sich ändern. Alles! Und ich bin nicht allein – ich habe Verantwortung. Und bin heute älter, als Du es geworden bist.“</em></p><p>In einer ruhigen Minute – ich streichelte grad mein Motorrad für den ersten Gig im Frühjahr – meldete sich mein Vater: </p><p><em>„Egal, was dir bisher passiert ist. Du hast immer einen Weg gefunden. Ausnahmslos. Was sollte jetzt anders werden? Verantwortung hast Du nur für dich allein. Wenn du es unbedingt willst, geht es auch allen anderen gut. Egal, ob Du es schaffst. Du hast es immerhin probiert. Und genau das können nur Wenige von sich behaupten!“</em></p><p>Danke Dad  (R.I.P.)</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Starkstrom Silvester]]></title><description><![CDATA[Ganz ehrlich – ich habe den Hype von Kindesbeinen an nicht verstanden. Das Böllern. Die alten und nun wieder neuen und dadurch wieder guten Vorsätze. Das sich heute plötzlich gegenseitig herzen und in den Arm nehmen .... ]]></description><link>https://dauzone.com/starkstrom/</link><guid isPermaLink="false">61cf24e9ec5fc67b3899ec13</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 31 Dec 2021 15:51:15 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/12/Restless-1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/12/Restless-1.jpg" alt="Starkstrom Silvester"><p>Buch: Wie weit willst Du gehen</p><p>Leben 1</p><p>Chapter 5</p><p>Edit: Starkstrom Silvester</p><p>Song: AC/DC – She´s got the Jack</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p>	<strong>	G</strong>anz ehrlich – ich habe den Hype von Kindesbeinen an nicht verstanden. Das Böllern. Die alten und nun wieder neuen und dadurch wieder guten Vorsätze. Das sich heute plötzlich gegenseitig herzen und in den Arm nehmen. Die monströsen Vorbereitungen für die Party, den Status, das nun auf den Punkt unbedingt Fröhlich sein müssen. Der Sekt ohne Selters. Die Bockwurst und/oder Frikadellen. Es geht mir persönlich aber mit allen Feiertagen so. Kirche bedeutet mir nichts und wenn es was zu feiern gibt, wird gefeiert. Wenn es was zu verschenken gibt, wird geschenkt. Dafür braucht es kein festes Datum. Nur den passenden Augenblick und das passende Ziel. So einfach meine Rechnung.</p><p>		Zum Heiligabend war die Familie mal wieder beisammen. Meine Schwiegermutter in spe begrüßte mich atok mit den Worten: „Ich hörte, Du schreibst ein Buch“ Nun muss man, um diese Frage oder besser Feststellung in eine korrekte Linie des Verständnisses bringen zu können, etwas mehr über die Mutter meiner Lebensgefährtin wissen. Diese Frau hat einfach alles. Kann ihren Lebensabend eigentlich genießen und dem lieben Gott durchweg den Stinkefinger auf Weltreise zeigen. Tut sie aber nicht. „Mutti“ ist durchweg sauer, angepisst und wurde in ihrer persönlichen Wahrnehmung vom Leben grundlegend verraten. Neidisch, unglücklich und deprimiert. Eine absolut toxische Mischung. Gerade auch und eben dann, wenn ich zu solchen kalendarisch erzwungenen Treffen anwesend bin. Aber nichts ist halt so schlimm, dass es nicht für etwas gut wäre. Mutti hatte in der weiteren Unterhaltung eine kurze Frage formuliert, die mich auf eine Idee brachte: „über welches deiner Leben schreibst Du denn?“</p><p>		Well done Mutti. Auf den Punkt gebracht. Ich suchte, seit ich mit diesen Zeilen begann, nach einer übergeordneten Katalogisierung dessen, was mir alles geschehen war, in den Schoß gelegt und wieder genommen wurde. Heute nun ist es an der Zeit, dieses Leben in Abschnitte einzuteilen. Und das folgende Kapitel beendet somit folgerichtig mein erstes Leben. Meine durchweg grandiose und perfekte Kindheit.</p><p>*****************</p><h3 id="zeitsprung">Zeitsprung</h3><p>		1977. Ich war grad einmal 14 Jahre alt. Eine braune Ledertasche mit Überschlag begleitete mich seit Schulbeginn auf dem Weg zu dieser Institution. Auf der Innenseite des Überschlags waren mit fettem Edding ABBA und Boney M. eingeschrieben. Ein Kind meiner Zeit halt. Ich weiß heute leider nicht mehr, was mich auf den Gedanken brachte, nun ausgerechnet zu AC/DC zu wollen. Ich kann mich erinnern, damals auch so etwas wie Black Sabbath, Rainbow, Deep Purple, Kiss und Nazareth auf dem Schirm gehabt zu haben. Wer die ersten Zeilen dieses Lebens gelesen hat weiß, dass ich ein Freigeist war und sein durfte. Mein Vater besorgte die Karte, buchte mir einen Zug und ein Hotel in der S-H Metropole Kiel. Der Kleine durfte allein in die Welt.</p><p>		Geschuldet war diese noble Geste einzig und allein einem gewaltigen Fehler meines Erzeugers – so titulierte es jedenfalls meine Mutter. Ich war mit meiner Auswahlmannschaft zum D-Day in Duisburg. Auswahltag des DFB. Zig Hundert Jungs waren in Fußball-Stiefeln unterwegs. Mein Vater war natürlich in seiner Funktion als Fahrer dabei. Er war immer da, wenn ich Fußball spielte. Immer! An diesem Tag war der erste Torwart krank. Der zweite Torwart verletzte sich beim Training und es fehlte damit ein Torwart. Ich bin ziemlich sicher, dass meine Wenigkeit den Begriff „<em>Mannschaftsnutte</em>“ erfunden hat. Über viele gute und versierte Trainer hatte ich bis dato alle Positionen, die es auf so einem Fußballfeld der 70´er gab, erlernt oder zumindest besetzt. Ergo ergab ich mich im Sinne der Mannschaft und ging ins Tor. Rückblickend eine dumme Idee, da ja nur die Talente des Einzelspielers für die Scouts wichtig waren. Aber ich hatte es wenig später ja auch so in die Auswahl geschafft.</p><p>		Ich weiß es noch, als wäre es gestern passiert. Ich machte einen Abwurf zu meinem Mitspieler. Dieser konnte das Spielgerät nicht ordentlich verarbeiten und der Stürmer rauschte nach Balleroberung auf mich zu. Ich machte mich so groß wie möglich. „So spät wie möglich zu Boden gehen. Mach dich groß. Biete ihm eine Seite an …“ All das rauschte mir durch den Kopf und Nanosekunden später kullerte mir der Ball durch die Beine ins Tor. Durch die Hosenträger. Der Stürmer ist kurz vorher noch gestolpert und kickte mit der Pieke durch meine Beine. Legenden besagen bis heute, das es Herbert Wass war. Mir egal. Der Penner hatte mich getunnelt.</p><h3 id="der-tramp">Der Tramp</h3><p>		Immer – ohne Ausnahme- wenn ich vom Platz ging, stand mein Vater da. Kurzes High-Five und in den Arm nehmen. Das war gesetzt. Diesmal war er nicht da. Ich war zudem immer der letzte in der Kabine. Meine beckenlangen Haare zwangen mich zu langen Einheiten mit dem Fön. Geputzt und gestriegelt stand ich später auf dem Hof. Nur mein Vater war nicht mehr da. Meine gesamte Mannschaft war weg und das Licht in Duisburg-Wedau ging langsam aus. Per Tramper kam ich am Abend, weit nach 22h, daheim im dunklen Dithmarschen an. Meine Mutter hatte schon die Polizei verständigt. Mein Vater würdigte mich nicht eines Blickes. Es hat Wochen gedauert und viel Fürsprache meines damaligen Trainers bedurft, um meinen Vater zur Einkehr mit mir und meiner Mutter zu bewegen. Mein Vater: „So eine Gurke fängt man sich einfach nicht!“ Meine Mutter: „Für so ein Kullertor lässt Du deinen Sohn allein durch halb Deutschland bei Nacht trampen?“</p><p>		Ich fand es gar nicht so schlimm. Ich hatte viel zu erzählen und tolle Fahrer, die mich langsam aber sicher meinem Ziel näherbrachten. Es war für mich ein Abenteuer nach dem Abenteuer. Nicht mehr – nicht weniger. Die Gefahr, die meine Mutter und sicherlich auch mein Vater sahen, war mir in keiner Weise bewusst.</p><h3 id="23-sept-1977">23. Sept. 1977</h3><p>		Besagtes Ticket hatte ich nun in der Tasche. Ich wurde am Zug in Kiel von einer Dame abgeholt, die mir mein Hotel und mein Zimmer zeigte. Danach war ich allein für mich verantwortlich. Noch nicht flügge – aber stolz wie Bolle. AC/DC live. Angus Jung und Bon Scott direkt vor mir. Das erste Konzert meines Lebens. Ich wusste damals nicht, dass es echt gefährlich ist, direkt neben der „Wallofbass“, der Lautsprecherwand zu stehen.</p><p>		Es war einfach mega. Heute noch sehe ich dieses Konzert vor meinen Augen. Die Menge. Diese Elektrizität. Der Bass – dieser unheimlich dumpfe Bass. Du spürst es im ganzen Körper. Der Bass übernimmt deinen Puls. Und dieser irre Angus, der über die Bühne raste. Es war der Beginn einer Leidenschaft, die mich bis heute fesselt. Ob Wacken, ob Rock am Ring. Ob Belgien, Frankreich oder irgendwo im Taunus. Jedes Event, jedes Heavy-Metal Spektakel erdet mich seitdem irgendwie. Nach AC/DC in 1977 hatte ich über 3 Tage den Tinnitus. Ich hörte nichts mehr. Mein absolut erstes Ziel aber war meine lederne Schultasche mit dem Überwurf. Boney M. und ABBA wurden nicht nur fett gestrichen. Sie wurden auch mit Panzertape abgeklebt und darunter hatte ich ein Stück von einem AC/DC Schal angetackert und durch meine Mutter festnähen lassen. Ganz ehrlich. Ohne die Mucke wäre vieles nicht so gelaufen, wie es gelaufen ist. Und sicherlich würde es dieses Leben nicht so gegeben haben, wie es nun einmal war. Diese Kindheit war natürlich 1977 noch nicht abgeschlossen. Aber ich kam anders aus diesem Kiel wieder, als ich hingefahren bin.</p><p><strong>#metalisreligion</strong></p><p><strong>Frohes neues what ever</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Weihnachten]]></title><description><![CDATA[Ich wurde darüber aufgeklärt, was es heißt, wenn den Kühen die Euter nicht geleert werden. Und seit damals weiß ich auch, wie es sich anhört. Und diese Schmerzensschreie höre ich seit 2020 wieder ....  ]]></description><link>https://dauzone.com/weihnachten/</link><guid isPermaLink="false">61c21bc55daeb720da5ce522</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 21 Dec 2021 18:34:14 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/12/Restless.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/12/Restless.jpg" alt="Weihnachten"><p></p><p>Buch: Wie weit willst Du gehen</p><p>Chapter: 4.2</p><p>Edit: Weihnachten</p><p>Song: Karat – Über sieben Brücken</p><p><strong>**************</strong></p><p>      	Winter 1969/70. Ich erinnere mich noch sehr gut. Nicht nur und einzig an die hohen Schneewehen oder ausgefallenen Züge. Oder gar unseren fast magischen Ford 17M, der in der Garage stehen bleiben musste, weil der Schnee so hoch war, dass das Garagentor nicht mehr sichtbar war.</p><p>      	Nein. Ich erinnere mich vor allem an die Unbekümmertheit bei uns auf dem Dorf und in der Kreisstadt nebenan. Schnee war im Norden von Schleswig-Holstein nun wirklich keine Seltenheit. Hier heißt es entweder Regen, Schnee oder ne steife Brise mit Orkan-Tendenz. Meist hieß es einfach nur: Dat gifft keen slecht Wedder. Aber so viel Schnee. Das war schon etwas Besonderes.</p><p>      	Genervt war naturgemäß nur meine Mutter. Die selbsternannte <a href="https://dauzone.com/die-konigin-von-saba/"><strong>Königin von Saba</strong></a>. Sie konnte nicht in den Laden. Sie konnte nicht verkaufen, keine Kunden bedienen und damit keinen Umsatz machen. Sie konnte noch nicht einmal die Feuerwehr oder das städtische THW dazu bewegen, ihr einen freien Weg zum Laden zu ermöglichen. Und weiß Gott – Sie hat es versucht und jeden drangsaliert, der nicht bei Drei auf dem Baum war. Immerhin waren es nur noch wenige Tage bis Heiligabend. Aber selbst meine Mutter musste irgendwann einsehen, dass es Hindernisse gibt, die man nur umschiffen kann. Ergo ergab Sie sich in ihrer Not in ein verfrühtes Weihnachtsfest und gab (wie immer) ihr Bestes.</p><h3 id="eingeschneit">Eingeschneit</h3><p>      	Wir Kinder haben die Gefahr solch einer Situation natürlich weder gesehen noch begriffen. Wir wurden mit Blechkannen und Rucksäcken zu den umliegenden Bauern geschickt, um Milch zu holen. Frische Kuhmilch. Nix mit pasteurisiert. Meist durften wir sogar selber melken. Sich dann gegenseitig mit der Milch aus dem Euter zu beschießen war Usus. Oder einfach nur den Mund aufmachen und dein Gegenüber an den anderen zwei Zitzen zielt dir die warme Brühe direkt in den Mund. Was für ein Spaß. Und das unter der Aufsicht und dem Lachen des Bauern. Vor dem wir alle „Schiss-inne-Buchse“ hatten, weil er uns im Sommer immer mit der Peitsche von seinen Feldern jagte. Zuckerrüben klauen und dann mit dem Jagdmesser geschnitten pur am Feld verspeisen. Einfach herrlich. Auch zu den Hennen in den Stall durften wir. Eier klauen --- ganz offiziell. Oder Kartoffeln, oder Steckrüben. Manche Bauern hatten sogar noch Rhabarber und Zwiebeln. Manche sogar Salat Und fast jeder Bauer schlachtete in dieser Zeit noch selbst.</p><p>      	Teilweise waren wir in einem Tross von 6-8 Kindern unterwegs. Eingemummelt wie die Schneehasen und alle mit der gleichen Mission und den gleichen Liedern auf den Lippen. Futter für die Familie jagen. Nun gut. Das Jagen entsprang unserer Fantasie. Aber wir waren auch echt unterwegs in dieser Schneehölle. Für 20min im Sommer brauchten wir nun schon gute 2-3 Stunden. Und mit einer vollen 5Liter Blechkanne warmer Milch bewaffnet durch die Schneewehen zu stapfen. Da braucht es unbedingt ein Feindbild. Für alle Beteiligten. Was mir damals schon auffiel, weil ich ja im Laden meiner Mutter des Öfteren als Schneeweißchen an der Kasse stand, war der Umstand, dass keiner der Bauern je Geld von uns Kids haben wollte. Unser „Einkauf“ wurde gezählt und auf einen Zettel geschrieben. Das wars.</p><p>      	Sehr viel später wurde ich aufgeklärt. In unserem Dorfladen und von dessen Besitzer. Dem Bürgermeister unserer damalig knapp 1300 Seelen Gemeinschaft. Er führte Buch und mein Vater war sein Buchhalter. Jeder Bauer gab seine Zettel mit dem Namen der Kinder, die bei ihm „jagten“, in diesem Dorfladen ab. Der Bürgermeister heftete die nach Namen in eine Kladde und 1x die Woche kamen die Eltern vorbei, um ihre Schulden zu begleichen. Geniales System. Jede Familie gab bei Bezahlen etwas mehr als gefordert wurde. So konnten auch finanzschwache Familien unterstützt werden. Zudem wurde ich darüber aufgeklärt, was es heißt, wenn den Kühen die Euter nicht geleert werden. Und seit damals weiß ich auch, wie es sich anhört. Und diese Schmerzensschreie höre ich seit 2020 immer mal wieder. Aber das ist ein anderes Thema.</p><h3 id="gemeinschaft">Gemeinschaft</h3><p>		Wie oft sind wir mit unseren Eltern zum Bauern oder zu den Nachbarn gegangen, um einfach nur zu helfen. Das Dach der Scheune ist unter der Schneelast eingebrochen. Tiere mussten rausgebracht werden und irgendwo anders unterkommen. Schwangere mussten irgendwie ins Krankenhaus oder die Hebamme ins Dorf gebracht werden. Defekte Heizung und es brannte plötzlich. Es gab in dieser Dorfgemeinschaft einfach alles. Dachdecker, Klempner, Feuerwehr, Sanitäter. Menschen, die Kleidung und Schuhe machen oder ausbessern konnten. Andere Menschen, die sich mit Technik und Elektrizität auskannten. Wieder andere, die Versorgung planen und Notstände vorhersehen konnten. Es gab echte Tiere von Männern, die pausenlos irgendetwas schufteten und gleichsam ein Heer von Menschen, die diese mit allem Notwendigen versorgten.</p><p>		Mit ist durchaus bewusst, dass eine 50 Jahre alte Erinnerung in Omni-Color natürlich um einiges besser aussieht, als es eventuell tatsächlich der Fall war. Aber ich liebe diese Erinnerung. Ich liebe diese Gemeinschaft und ich liebe heute noch diese Erfahrung. Eine Gemeinschaft, die sich selbst in jedweder Lage geholfen hat. Wo keine Regularien gegeben waren. Der reine Menschenverstand und die unbedingte Fürsorge für die Schwächsten des Kollektivs gaben die Marschrichtung vor. Der Bürgermeister saß in seinem Dorfladen und koordinierte alles. Teilweise noch per Sprechfunk mit diesem komischen Dödel vor dem Mund.</p><p>		Heute sicherlich purer Nonsens. Aber wir haben damals weder einen verloren noch jemanden hängen lassen. Wer kann das heute noch mit stolzer Brust und Inbrunst sagen! Das es immer noch geht, hat die Tragödie im Ahrtal deutlich gezeigt. Aber muss es immer gleich eine Naturkatastrophe sein, um aus der Hüfte zu kommen? Die Tafel nebenan, christliche Gemeinschaften, Altenpflege, Diakonie, Bahnhofsmission oder einfach nur der kleine Verein vor unserer Tür. Not ist allgegenwärtig und Zupacken die Devise.</p><p><strong>Fröhliche Weihnachten!</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Freunde]]></title><description><![CDATA[Erst wenn dieser Mensch mit dem Rücken an der Wand steht. Erst wenn ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Erst wenn er alles verliert ....]]></description><link>https://dauzone.com/freunde/</link><guid isPermaLink="false">61a655b25daeb720da5ce4e3</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 30 Nov 2021 16:54:53 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-5.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-5.jpg" alt="Freunde"><p>Buch: Wie weit willst Du gehen</p><p>Chapter 3</p><p>Edit: Freunde</p><p>Song: Doro – für immer</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><h3 id="damals">Damals</h3><p>		Schon mit dem Beginn der Schule tat sich mir eine Fähigkeit auf. Ich konnte diese damals nicht benennen. Sobald ich etwas gesehen oder gelesen hatte, war es da. Präsent. Quasi plastisch und zum Anfassen. Ich konnte praktisch aus meinem Kopf bei mir selbst abschreiben. Viel später lernte ich den Begriff dafür. Fotographisches Gedächtnis. Es ist heute immer noch so. Die Augen sind zwar schlechter – aber der Kopf arbeitet noch so wie damals. Dem wer-auch-immer sei´s gepriesen.</p><p>		Die Schule war für mich nie ein Thema. Die eine oder andere Hänselei ob meiner Körpermaße steckte ich lächelnd weg. Ich war überall und immer ganz vorn dabei. Egal, ob Mannschaften per Entscheid ausgewählt wurden, ob es um den Klassensprecher oder die Schülerzeitung ging. Ich war immer erste Wahl.</p><p>		Warum? Ich kann das nicht erklären, da ich kaum einen anderen von damals fragen kann. Sicherlich lag es aber daran, dass das Leben damals – so ab 1968 – für mich ein einziger Freudenkeks war. Probleme gab es nicht. Und wenn, habe ich diese gelöst, bevor ich überhaupt gemerkt hatte, dass es ein Problem werden könnte. Ich schwamm durchgehend und über Jahre auf einer Woge der Euphorie. Nichts viel mir schwer. Nichts war für mich unmöglich und ich musste mich dafür noch nicht einmal strecken. Oder gar anstrengen. Es fiel mir im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoss.</p><h3 id="anders">Anders</h3><p>		Natürlich war ich anders als der Rest meiner damaligen Mitstreiter, Gefolgschaft oder Kommilitonen. Ich nenne es mal Bekannte. Ich musste nie wirklich lernen. Schulaufgaben waren fast immer in Bruchteilen von Minuten erledigt und dann ging ich auf die Straße in unserem Dorf. Ein langer Pfiff auf der Trillerpfeife und Schwupps trafen wir uns auf dem sogenannten „Dreiangel“ (ein Parkplatz mit drei Ausfahrten) zum Kicken bis zum Abendbrot oder zum eigentlichen Fussi-Training für die Auserwählten, die beim ABC-Wesseln mitmachen durften. Zudem war ich der „Sohn von Hutmüller“. Bei den Eltern in meinem Bekanntenkreis hatte ich keinen Namen. Ich war nur und einzig der Sohn meiner Dynastie. Der Sohn von Hutmüller. Mein Vater gab mir, schon als Kind folgende Message auf den Weg: <em>„Drei Regeln mein Sohn: deine Zensuren müssen stimmen – ich hole dich nie aus dem Knast – ich zahle keine Alimente!“</em></p><p>		So einfach wie simpel. Mit gut 9 Jahren kann man da nicht viel falsch machen, wenn man, was man einmal gelesen oder gesehen hat, nicht wirklich lernen muss. Ich hatte also völlige Narrenfreiheit, welche ich in vollen Zügen genoss. So einem Überflieger laufen die Menschen nach. War damals so – ist heute so. Wo ich eintrat, ging das Licht an. Wo ich anwesend war, war Party angesagt. Was ich sagte, hatte zumindest Gewicht – wenn es nicht zum Gesetz wurde!</p><h3 id="zorka">Zorka</h3><p>		Das Erwachsenwerden konnte ich leider nicht aufhalten. Soweit reichten meine Superkräfte nicht. Heute den langsamen Verfall. Damals das langsame Erwachen der Pubertät. Dem Einhalt zu gebieten war weder ein Plan noch Fähigkeit gegeben.</p><p>		Die absolut genialste Braut in meiner Klasse war: Zorka. Überlegt einmal kurz und denkt in die Anfänge der 70´er. Wer kommt- im verschlafenen Dithmarschen – auf die unsinnige Idee, seine Tochter Zorka zu nennen? Computerspiele, geschweige denn Computer allgemein gab es noch nicht. Zorka war das fiese Pendant in weiblich zu meiner eher netten Persönlichkeit. Wild. Ungezähmt und unerbittlich. Nichts und niemanden lies diese Frau gelten und jeder, ganz gleich ob Junge oder Mädchen, wurde bis auf ein Minimum an Lebenswillen erniedrigt. Es war klar und unausweichlich, dass wir die Klingen über Monate bis auf´s Blut kreuzten. Und uns wenig später gegenseitig in einigen zaghaften Versuchen die Unschuld nahmen. Und es wurde nie publik. Sie wie auch ich genossen unseren Helden-Status. Da wäre die Bekanntmachung von gegenseitigem Sekret-Austausch oder gar einer andauernden Beziehung semi-professionell gewesen. Wir waren 13-14 Jahre alt. Aber schon Profis in unserem Business.</p><h3 id="der-bringer">Der Bringer</h3><p>		In dieser Zeit ereilte mich ein Nierenversagen. Immer nur im T-Shirt auf dem Mofa kann zu so etwas führen. Sagte mein Haus- und Hofarzt Dr. Muri aus dem Kreiskrankenhaus Heide. Ich erwähne das hier extra, weil dieser Kerl von einem Arzt noch viel mit mir und meiner Dynastie im weiteren Verlauf zu tun hat. Ich sage nur „10er-Karte“! Ich musste halt daheimbleiben. Dick in Watte eingepackt. Vater über seiner Buchhaltung. Mutter bei der Arbeit. Die drei Schwarz-Weiß Programme der 70ér brachten mich auch nicht wirklich auf Fahrt. Also Lesen. Viel lesen. Moby Dick hätten Sie etwas kürzer machen können. Tolle Story, aber 200 Seiten hätten echt gereicht. Tom Sayer war mein Held. Robin Hood sowieso und dann kam das Buch des Krieges. Das ist aber wieder eine ganz andere Geschichte. Einer meiner Freunde damals hieß Michael. Michael bracht mir die Schulaufgaben. Michael ist das, was man heute einen Mitläufer nennt. Michael war immer da – hat immer applaudiert – hatte nie Widerworte und findet alles, was du tust, ultra cool und genial. Michael wohnte Luftlinie 600m entfernt und es war keine Mühe für ihn, mir den Lernstoff zu bringen.</p><p>		Gut drei Wochen später durfte ich wieder zur Schule und meine Klausuren standen an. Nachschreiben wurde das genannt. 4 Klausuren an einem Tag. Allein mit einem Aushilfslehrer in einem Klassenraum. War nicht unbedingt prickelnd. Aber ich hatte ja gelernt - so what! Und ich habe jede Klausur mit Auszeichnung … verkackt! Ich hatte keinen Plan, was die von mir wollten. Ich habe gelernt. Schon weil mir in den vergangenen Wochen ultra langweilig war. Aber diese hier geforderten Themen in Mathe, Bio, Physik und Englisch kannte ich nicht. Nie gesehen. Keinen Plan? Bei der ersten dachte ich noch an einen Fehler meinerseits. Bei der zweiten kam mir schon so ein ungutes Gefühl. Beide Klausuren gab ich nach nur 20min Grübeln und Zetern ab. Die dritte sah ich mir nur kurz an und gab diese zusammen mit der vierten, nur mit meinem Namen gezeichnet, beim Bewacher ab.</p><p>		Michael stand unter einem Baum im Schulhof. Ein Teil meiner Klasse war bei ihm. Ich stürmte rücksichtslos durch die Ansammlung, krallte mir den Kerl und drückte ihn mit aller Gewalt, die ich damals leisten konnte, an die Mauer unserer Turnhalle. Michael hatte eine schmale Statur und ich kam im Laufschritt mit guten 70kg Kampfgewicht auf ihn zu. Er prallte an die Wand und fing sofort mit Stammeln und Weinen an. Ich musste noch nicht einmal fragen. Er plärrte sofort los. Das mir doch immer alles zufallen würde. Das er neidisch sei. Dass er es mir mal zeigen wollte, wie es andern an der Schule erginge. Ich gab ihm eine schallende Ohrfeige und er sackte zusammen. Diese Ohrfeige würde mich noch teuer zu stehen kommen. Das war mir aber damals wie heute völlig egal. Auch eine der vielen Dinge, die ich in meinem Leben eindeutig falsch angegangen war. Die ich aber nie bereut und auch immer wieder genauso machen würde.</p><h3 id="zeitsprung">Zeitsprung</h3><p>		Gut 20 Jahre später trafen wir uns wieder. Bei einem dieser ominösen Klassentreffen, die in vielen Filmen Stoff für allgemeines Ablachen bilden. Ich fühlte mich wieder wohl. Meine Polizeizeit lag hinter mir. Ich hatte ein aufstrebendes Unternehmen und gut zu tun. Es war wie damals oder immer. Auch dieses Landgasthaus in den Weiten der Dithmarscher Schweiz war mein Parkett. Wo ich war, war Licht und der Tisch war voll. Irgendwann kam Michael rein. Sah mich und zögerte. Ich stand sofort auf. Es war unverkennbar Michael. Einige hatten sich jeweils zum Positiven oder auch meist zum Negativem verändert. Er war einfach nur gealtert. Immer noch hager. Immer noch die Mundwinkel unten. Immer noch nur ein geducktes Lächeln, da es bei falschen Bewegungen oder gar Äußerungen ungemütlich werden könnte. Ich begrüßte Michael mit Handschlag und führt ihn zum Tisch. Er zog noch nicht einmal seinen dämlichen Bundeswehr-Parka aus. Saß da wie Karl-Heinz im Brunnenschacht und wartete anscheinend einfach nur auf die nächste Ohrfeige. Andere übernahmen das Gespräch und ich erfuhr, dass auch er den Polizeidienst gewählt hatte. Allerdings gleich die gehobene Laufbahn, da er nicht, wie ich, von der Schule geflogen war. Nun sass er zwischen Bergen von Akten in der Polizeidirektion Heide, im Betrugsdezernat. In Heide. Meinem Heimatort, an dem sich unsere Wege damals als Kinder gekreuzt haben. <em>„Bist ja weit rumgekommen“</em>, sagte ich völlig ohne Süffisanz.</p><p>		Und es brach wieder aus ihm raus. Sofort. Ohne Punkt und Komma. Ich hatte wieder einen imaginären Knopf gedrückt. <em>„Ja du. Und Du hast es geschafft oder was? Wer hat denn seine Laufbahn bei der Polizei vorzeitig gekündigt. Wer war den im Knast? Wer hat denn seine Mutter verrecken lassen? Du oder ich?“</em> Geifer lief ihm über die Lippen. Feiner Nebel seiner Brüllerei verfing sich in den Rauchschwaden meiner Zigarette. <em>„Wer hat sich um deine Mutter gekümmert, als Du getürmt bist? Wo warst Du in dieser Zeit?“</em></p><p>		Es machte Plong in meinem Kopf. Der Groschen fiel mit Nachdruck. Warum wusste der Spacken so viel von mir? Und was hatte meine Mutter damit zu tun? Hat er ihr gesteckt, dass ein Polizist mit Selbstmordabsichten keinen Dienst an der Waffe tun darf? War er der Grund für meine Suspendierung in jungen Jahren als Bulle. Als meine Mutter meinen Vorgesetzten anrief und von meinen Selbstmordabsichten fantasierte? Meine Drogenmutter wäre nie auf diese Idee gekommen. So clever und charismatisch sie war - never. Den Einblick in Entscheidungen der persönlichen Führungsebene bei der Polizei hatte sie nicht. Hatte er Anteil daran, dass ich inhaftiert wurde. Weil ich einen Penner in meiner Heimatstadt ausgeraubt haben soll. Meine Mutter hatte mich damals angezeigt. Da es keine Zeugen gab, verlief das schnell im Sande. Aber eine Kerbe in der Personalakte eines sowieso recht renitenten Bullen gab es als Zugabe oben auf. Michael verstummte. Er sank praktisch in sich zusammen. Ich wollte ihn schlagen. Nicht nur ob meiner plötzlichen Erkenntnis. Viel mehr für die Leiden meiner Polizeizeit, die ich durch diese Erkenntnis in ein völlig anders Bild setzen konnte. </p><p>Ich wusste, dass es keine gute Idee war, diesen Typen zu schlagen. Ex-Polizist schlägt leitenden Oberbeamten. Alles in mir war auf Alarm-Modus. In den Sekunden, in denen mein Hirn in Nebel und zeitgleich gleißendes Licht getaucht war, richtete er sich wieder etwas auf und zischte: „hast du nie bemerkt, oder?“ Ich hörte etwas in seinem Gesicht brechen, als meine Faust seinen Kiefer traf. Er viel like hollywood der Länge nach über den Tisch. Ich starrte noch eine ganze Weile auf dieses Häufchen Elend, dass sich auf der anderen Seite des Tisches nach unten fallen lies. Sich durch die Stühle kämpfte. Sein Parka war voll mit Getränken und Essensresten von den Tellern, die sich auf dem Tisch befanden. Michael rappelte sich hoch und versuchte unbeholfen, den Raum zu verlassen.</p><p>		In diesem Augenblick erschien Zorka. Schon damals war unsere Devise: nie pünktlich erscheinen. Immer zu spät. Dann gucken alle, wenn Du eintrittst. Nichts hatte sich verändert. Michael hastete an ihr vorbei. Zorka drehte sich kurz nach ihm um und blickte dann wieder in unsere Richtung: <em>„So wie ich es sehe, hat sich nichts geändert!“</em> Es war noch gut zwei Augenblicke absolut still. Ein Kellner hatte den Tumult bemerkt und stand reglos hinter Zorka. Dann entlud sich die Spannung in brüllendem Gelächter. Zorka hatte sich nicht verändert. Böse Zungen würden Sie mit ihrem Auftritt und Outfit einfach nur als Domina bezeichnen. Ihre damals braunen, kurzen Haare waren nun als Bobby geschnitten. Kirschrot mit schwarzen Strähnen. Langer Ledermantel bis zum Boden. Ihr Schuhwerk hätte jeden Motocross-Anhänger neidisch gemacht. Mit einer gekonnten Bewegung schwang Zorka den Ledermantel von ihren nackten Schultern, setzte sich auf den Tisch und schrie: <em>„Kellner - Anmarsch!“</em> und schnippte mit den Fingern. Wir alle hatten noch einen wirklich netten Abend. Zorka und ich teilten uns später noch ein Zimmer in diesem verschlafenen Landgasthaus. Noch einmal und weit mehr als noch in unserer Jugend. Seither haben wir uns nie wieder gesehen. Eventuell auch besser so. Was für ein verrücktes Biest! Ich habe allerdings nach diesem Treffen auch nie wieder etwas von Michael gehört. Auch besser so!</p><h3 id="essenz">Essenz</h3><p>		Du kannst keinem Menschen hinter die Stirn gucken. Erst wenn dieser Mensch mit dem Rücken an der Wand steht. Erst wenn ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Erst wenn er alles verliert, wirst Du erkennen, zu was dieser Mensch wirklich fähig ist. Dann siehst Du seine Stärke, Durchsetzungskraft, Loyalität oder auch Demut und Erkenntnis. Oder eben genau das Gegenteil. Bis dahin bleibt es immer - das ganze Leben - ein Fischen im Trüben. Eventuell erklärt das ein wenig meinen Hang zu gefallenen Persönlichkeiten, die sich trotz aller Widerstände immer noch an einem grandiosen Sonnenaufgang oder einfach nur am harmonischen Flug einer Familie von Schwalben in vollem Tempo begeistern können.</p><p><strong><em>Es gibt nur dieses eine Leben. Dein Leben</em></strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[FAKK]]></title><description><![CDATA[Kaum hatte ich den Knopf gedrückt, kamen da wieder diese Wichtel aus der Gosse zum Vorschein. Diese Trolle aus dem Internetz. Bekommen selbst nichts gebacken und müssen zu jedem Shit eine Live-Performance ablegen .... ]]></description><link>https://dauzone.com/fakk/</link><guid isPermaLink="false">61a262fe5daeb720da5ce495</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 27 Nov 2021 17:07:26 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-4.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-4.jpg" alt="FAKK"><p><strong>Buch</strong>: Wie weit willst Du gehen</p><p><strong>Edit</strong>: Chapter 2.2</p><p><strong>Song</strong>: Eisbrecher - FAKK</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><h3 id="heute">Heute</h3><p>     wieder einen Online-Shop ins Internet gebracht. Online gestellt – gelauncht. WTF – er ist halt da und zu sehen. Ob gut oder schlecht. Ob hübsch oder semi. Ob er funzt oder untergeht. Diese Frage stellte sich mir nicht mehr. Heute nicht mehr. Ich habe es schon so oft getan, probiert und umgesetzt. Da war nur ein ganz kleiner Kick, als ich auf den Enter-Button gedrückt habe. Hallo Welt … #42. Mehr war es nicht …</p><p>     Wo ist all diese Freude an der Sache geblieben. Was treibt mich trotz allem immer noch an. Warum kann ich nicht loslassen. Warum nicht einfach mal Pause, Stillstand, Ruhe. Warum immer weiter. Egal ob sinnlos oder gar aussichtslos. Alle und jeder sagen: „hat keine Chance“! Und ich mache es trotzdem. Oder gerade deshalb? Warum bin oder wurde ich so?</p><p>     Kaum hatte ich den Knopf gedrückt, kamen da wieder diese Wichtel aus der Gosse zum Vorschein. Diese Trolle aus dem Internetz. Bekommen selbst nichts gebacken und müssen zu jedem Shit eine Live-Performance ablegen, um zumindest irgendwas abliefern zu können, damit die bezahlten Clicks der Seite und damit die CTR nicht im Nirvana verebben. Na gut - so sei es. Auch ihr habt euch euren Troll-Status hart erarbeitet. Wenn ihr es mit echten Größen aufnehmen würdet, die manipulativ oder gar gesetzeswidrig unterwegs sind, würde ich es evtl. noch verstehen. Aber sich mit einem kleinen Online-Händler anlegen, der in seinem Leben noch nie eine einmal getroffene Entscheidung bedauert hat  … könnte böse enden. <strong>Beware</strong></p><h3 id="zeitsprung">Zeitsprung</h3><p>    Wir schreiben das Jahr 1975. Helmut Schmidt war Kanzler (10 Jahre später dufte ich dieses, mein Idol bewachen!), Nicki Lauda wurde Weltmeister und in China starben 200.000 Menschen an einer Flutkatastrophe. Also alles im Lack – die Welt, wie wir sie heute nicht anders kennen.</p><p><strong><em>    Soccer is serious:</em></strong> Mir ging das Weltgeschehen damals völlig am Popo vorbei. Für mich zählte nur Fußball. In der Grundschule noch ob meiner Proportionen gehänselt (ich war echt ein fettes Kind), meldete mein Vater mich in unserem Fußball-Verein an. Der ABC-Wesseln. Hochtrabender Claim für eine Dorfmannschaft: Athletik Ballspiel Club. Das Dorf in Dithmarschen hatte grad einmal 1.300 lebende Einwohner … aber den Claim finde ich heute noch absolut cool  😊</p><p>    Es dauerte nicht wirklich lange, bis ich auch dort Teamleder wurde. Auf Grund meiner Masse konnte ich mich praktisch in jedem „Kontaktsport“ durchsetzen. Ich war ganz sicher nie ein großer Techniker – aber ich hatte eine ultimative Lehre durch meinen Vater indoktriniert bekommen: <em>„Wenn Du den Ball hast, kann der Gegner kein Tor machen“</em>. So simpel die Ansage, so einfach die Umsetzung. <strong><em>„Mein Ball“</em></strong> war für mich Gesetz. Nach gut 6 Jahren im Jugend-Fußball wurden meine körperlichen und technischen Fähig- und Fertigkeiten um Längen besser.</p><h3 id="karl-valentin">Karl Valentin</h3><p>    Trainer kommen – Trainer gehen. Heute wie damals. Zum Kinderclub ABC-Wesseln kam damals ein ehrenamtlicher Trainer, der … nennen es wir mal … „anders“ war. Ich weiß bis heute nicht, was diesen Trainer Valentin geritten hat, mich (ausgerechnet mich) zur Sichtung U14/U15 National in Malente anzumelden. Rückblickend betrachtet war es sicherlich nicht mein Talent. Ich hatte zwar mit grad einmal 14 Jahren schon Angebote aus der Umgegend. Aber er wollte wohl einfach ein Zeichen damit setzen. Ein Zeichen in den Niederungen der Geest von Dithmarschen – am Arsch der Heide. Es kam, wie es kommen musste. Ich wurde angenommen und durfte, nach dem erfolgreichen Durchlauf des D-Days in Duisburg mit einem Seesack nach Malente. Ein kleiner Junge, der nichts anderes als Fussi spielen will. Zur Sportschule Malente.</p><h3 id="malente-bei-nacht">Malente bei Nacht</h3><p>    Ich tat, was ich immer tat. Fußball spielen. Holstein Kiel, St. Pauli, Hamburger SV, Lübeck und Flensburg. Alle hochgehandelten Talente waren da. Und die waren SAUGUT. Ich hatte am ersten Tag in Malente vielleicht 3x (dreimal) in 6 Stunden Training den Ball am Fuß. Ich war am Boden zerstört. Der kleine Junge aus Dithmarschen vom ABC-Wesseln in der großen Welt. WTF  ☹  Sicherlich kennen das noch einige von Euch. In so einer Mannschaftsunterkunft gab es Hochbetten im Vier- oder Sechs-Bettzimmer. Und Looser schlafen immer oben. Ich grämte mich in den Schlaf nach diesem ersten Tag und ertrug den Pups-Mief der anderen, der nach oben steigt. Ist somit klar, warum Looser oben schlafen … oder?</p><p>    Es rüttelte an meinem Bett. Schlaftrunken kam ich zu Bewusstsein. Ich sah die untrügliche Silhouette meines voluminösen Vaters. Ich war beglückt. Ich freute mir ein Loch in den Bauch. Er würde mich hier rausholen – er würde mich mitnehmen. Raus aus diesem Desaster. Ein dunkles „Komm mit“ drang an mein Ohr und mein Vater verließ den Raum schon durch die offene Tür, aus der ein Lichtstrahl der Beleuchtung des Flures in das Zimmer schien. Kurze Zeit später standen wir beide draußen. Ich sehr klein mit Hut. Mein Vater sehr groß mit echtem Hut. Er zündete sich im Widerschein dieser potthässlichen gelben Struktur der Sportschule eine Zigarette an. Er hatte ein wenig was von Bogart --- ich hatte Gänsehaut vor Angst. Mein Dad ergriff das Wort. Kurz – knapp – präzise: „Du bist nicht Hacke-Spitze-Eins-Zwei-Drei. Du bist ein Malocher. Du bist dreckig. Du willst den Ball und holst ihn dir. Das ist dein Talent. Du hast hier keine Freunde – nur Gegner. Tu es“. Klopfte mir kräftig auf die Schulter, trat seine Zigarette aus und ging. Ging einfach weg.</p><h3 id="breakfast-for-champion">Breakfast for Champion</h3><p>    Ich hatte nicht mehr geschlafen. Beim Frühstück – allein auf meinem Platz – sah ich in die Gesichter der Champs aus den großen Vereinen. Sie lachten über mich. Und ich machte mir jeden zum persönlichen Feind. Hier (wie auch heute in business) gibt es keine Freunde. Der Rest ist einfach nur Geschichte. Ich durfte im Nations-Cup in USA/Kanada für Deutschland spielen und war mit 14/15 Jahren auf meinem persönlichen Zenit in Sachen Fußball. Die Knie machten nicht mit – dadurch war der Bereich Profi-Fußball, trotz Vorvertrag Wolfsburg, recht schnell gegessen. Aber diese Malente-Message habe ich bis heute umgesetzt. Eines der Highlights in meinen jungen Jahren. Es braucht einen Mentor, der weiß, wie die Murmel läuft!</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p><strong>Tenor:</strong> Mut ist &gt;&gt; <em>wenn das Erreichen deiner gesteckten Ziele dir so wichtig ist, dass du keine Zeit und Lust hat, dich mit der Angst zu beschäftigen </em>&lt;&lt;.</p><p>Danke Dad – R.I.P  * Dein Sohn</p><p>Einschub: Gut 30 Jahre später war ich mit einem Zögling, dessen Trainer ich dann sein durfte, wieder zu den D-Days in Duisburg. Der Junge war mindestens 300% besser, als ich es je war. Geloost hatte er nur, weil er sich nicht unterordnen wollte. Beim Teamsport geht es aber nur um das Team. Und für dieses Team bringst Du deine beste Leistung und ordnest dich dementsprechend ein. </p><p>Schade Anton: einmal zum Training auf deine Basecap verzichten ... Lewandowski wäre heute dein Fan  :-( </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Sarah]]></title><description><![CDATA[Sarah schaukelte um die Ecke. Wie seit Jahren in der gleichen abgetragenen Kleidung in offenen Sandalen. Mit immer dem gleichen schlaffen Rucksack auf den Schultern.]]></description><link>https://dauzone.com/sarah/</link><guid isPermaLink="false">6195036d5daeb720da5ce44a</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Wed, 17 Nov 2021 13:37:33 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-3.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/11/Restless-3.jpg" alt="Sarah"><p><strong>Buch</strong>: Wie weit willst Du gehen</p><p><strong>Edit</strong>: Chapter 2</p><p><strong>Song</strong>: Reinhardt May: Über den Wolken</p><p>*********************************************</p><p>     Heute Morgen bin ich mal wieder einfach so durch unsere kleine Vorstadt geschlendert. Hier und da stehengeblieben und das getan, was ich eigentlich am liebsten mache: Menschen beobachten. Es bringt mich in stressigen Zeiten runter. Es erdet mich ungemein.</p><p>     Mit einen Kaffee ToGo (<em>im veganen Becher aus Reis-Dingens-Irgendwas</em>) stehe ich entspannt an einen Zaun gelehnt und machte mir eine Zippe an. Sarah schaukelte um die Ecke. Wie seit Jahren in der gleichen abgetragenen Kleidung in offenen Sandalen. Mit immer dem gleichen schlaffen Rucksack auf den Schultern. Seit dieses Fleckchen Erde nun seit gut 7 Jahren mein angestammtes Habitat ist, kenne ich Sarah. Kennen ist zu hoch gegriffen, da ich außer dem Namen nichts von Sarah weiß. Das Alter dieser Frau ist schwer zu schätzen. Irgendwo zwischen 25 und 45 Lebensjahren wird sie haben. Sie lebt in einem der vielen Caritas-Häuser in meinem Veddel. Den Namen weiß ich auch nur, weil Sarah eines Tages im Winter mal sehr spärlich bekleidet vor den Lebenshelfern der Caritas quer durch die Fußgängerzone geflüchtet ist.</p><h3 id="hast-du-">Hast Du …</h3><p>     Wie immer schlug Sarah zielgerichtet den Weg in meine Richtung ein. Nicht, dass sie mich kennen würde. Aber sie sah, dass ich eine Zigarette rauchte. Und jeder der raucht oder lebt, ist für sie ein potentielles Ziel: „Hast Du eine Zigarette für mich?“ Ich verneinte wortlos mit einem Kopfschütteln. Da ich dieses Trauerspiel mit Sarah schon zig Mal durchspielen musste, blieben auch diesmal meine Augen fest auf ihr Gesicht gerichtet. Sarah kann niemanden direkt ansehen. Sarah guckt immer zu Boden. Dem zur Folge konnte sie auch mein erstes Kopfschütteln nicht bemerken. Die Antwort ist Sarah aber auch egal. Wie immer kam als zweiter Satz: „Hast Du etwas Kleingeld für mich!“ Und dann guckt Sarah hoch – immer erst nach dem zweiten Satz. Ich schüttelte wieder wortlos den Kopf und Sarah trollte sich emotionslos. Ein paar Meter weiter hatte sie bei einem jungen Mann mehr Glück.</p><p>     Es ist nicht so, dass ich etwas gegen Bettler hätte. Ganz im Gegenteil. Meine viel zu langen Jahre als Bulle in Hamburg, meine eigenen Lebensumstände bis hin zur Obdachlosigkeit, haben ein festes Bild in mir geprägt. In jedem Kollektiv gibt es gute und schlechte Menschen. In der Gemeinschaft der Mittellosen, der Ausgestoßenen und gemeinhin als Versager titulierten Menschen aber weit mehr Gute als Schlechte. Evtl. mag es daran liegen, dass jemand, der wenig bis nichts hat (seien es nun materielle Güter und/oder Bildung) auch nur ganz wenig verlieren kann. Dieser immerwährende Kampf um &gt;&gt;mein Haus, mein Pferd, mein Auto&lt;&lt; findet hier nicht statt. Hier geht es – aus unserem Blickwinkel – nur um Kleinigkeiten, welche jedoch einige Menschen schon mehr als nur glücklich machen.</p><h3 id="eine-herzensangelegenheit">Eine Herzensangelegenheit</h3><p>     Warum ich, wenn ich doch ein Herz für diese Menschen habe, Sarah so rüde abwimmle? Das ist einfach erklärt. Sarah ist nur eine von vielen. Eine von einer Gruppe, die im Laufe meiner Jahre auf Erden immer größer geworden ist. Wo sollte ich anfangen und wo aufhören? Schräg gegenüber beim Kodi steht ein älterer Mann in ausgeblichener Armee-Kleidung und bietet die Hinz&amp;Kunz (Obdachlosen-Zeitung) feil. Wenige Meter weiter sucht eine alte Frau die Mülleimer nach Flaschen und Dosen ab. In das hier in meinem Veddel, wo der Quadratmeterpreis für Wohnraum bei über 500 Euro liegt. Und trotzdem spielen sich hier tagtäglich diese Schauspiele ab. Natürlich stimmt es mich nachdenklich und natürlich initiiere ich jedes Jahr wieder aufs Neue Spendenaufrufe für die Ärmsten der Armen. Ich bin gut darin und mache es mit Herzblut. Aber wie schon mein Vater sagte: „Du kannst nicht jedem helfen. Und wenn Du einem hilfst, musst Du allen helfen!“ Wenn ich Sarah etwas geben würde, müsste ich auch zum Kodi rübergehen und danach der Dame beim Flaschensammeln helfen. Wenn ich einen Hund rette, müsste ich alle retten … Ein Perpetuum Mobile, wie es im Buche steht.</p><h3 id="zeitsprung-">Zeitsprung:</h3><p>     Und noch einmal hinten anstellen. Weil der Zucker so toll ist. Kurz nach der Einschulung kamen die Piekser in meine Grundschule. Bis heute kann ich mich nicht erinnern, ob es für Pocken, Masern, die Schluckimpfung oder alles war. Ich weiß nur, dass es zwei Tüten Ahoi-Brause gab. Dieses Britzeln auf der Zunge. Ich denke so ziemlich jeder aus meinem Jahrgang weiß, wovon ich spreche. Egal, was die von mir wollten. Ich stellte mich immer mehrfach an.</p><p>     Nicht erwischt werden war ziemlich einfach. Es waren immer mehrere von diesen Pieksern an verschiedenen Tischen anwesend und ich hatte schon in der Grundschule ein respektables Netzwerk. Falls mal eine Lehrerin fragte:<em> „Du warst doch schon dran?“</em>, haben immer der oder die hinter oder vor mir <em>„Nein – der steht schon immer mit mir hier!“</em> gebrüllt. Dafür gab es dann eine der Ahoi-Tüten für den schnellsten Brüller von mir ab. Ganz klare Win:Win Situation. Schon damals.</p><p>     Wenig später wurde ich dann verschickt. Für die, die es nicht kennen: gemeint sind fast immer Ferienlager, in denen auf die kleinen Racker aufgepasst wird, weil die Eltern entweder keine Zeit für einen gemeinsamen Urlaub haben. Oder schlicht kein Geld. Ich habe es geliebt. Ich wollte vom ersten Tag an sich nicht mehr weg. Heimweh? Was ist das? Hier gab es alles. Bullerbü, Peter Pan, Robin Hood und Legoland in einem. Immer war was los. Sportarten, die ich noch nicht kannte, wurden hier spielerisch erschlossen. Versuche heute, in 2021, mal einen Knirps zum Bogenschießen anzumelden. Nee – nicht die Dinger mit der Gummispitze. Echte Pfeile! Oder Floßbauen und nach getaner Arbeit wirklich mit dem Ding in See stechen. 2-5x absaufen und am nächsten Tag weiterbasteln. Heute undenkbar. So eine Fakultät würde sofort geschlossen werden.</p><p>     Seifenrennen völlig ohne Helm oder sonstige Schutzkleidung. Lagerfeuer mitten im Quartier (die Häuser waren oben offen für den Rauchabzug). Fußball auf dem Hof – barfuss. Basteln mit Messern und Stichwerkzeugen aller Art ohne entsprechende Arbeitskleidung. Auf Bäume klettern ohne Sicherungsseil. Oder Sternwarte spielen. Das waren Nachtwanderungen ohne Ansage. Plötzlich war der Himmel klar und wir wurden mitten in der Nacht aus den Betten getrieben. Bekamen alle eine Funzel in die Hand und dann ging es in den Wald. Und irgendwo auf einer Lichtung legten wir uns alle im Kreis auf den Rücken und unser Führer (darf man das sagen?) erklärte uns die Sternenbilder. Natürlich war dann einige hundert Meter weiter auf der nächsten Lichtung schon ein Zelt aufgebaut und wir durften in einen Schlafsack schlüpfen. Was für ein Spaß. Völlig ohne Zähneputzen und Nachgebet. Aber mit einer Einschlafgeschichte, die einer unserer „Bewacher“ vorlas.</p><p>     Was für eine grandiose Kindheit. Raum und Zeit, um sich selbst zu erfinden. Jeden Tag aufs Neue. Jeder Tag war anders. Es gab keine Probleme. Es gab (so wie heute!) nur Herausforderungen. Es gab auch keinen, der zurückblieb. Inklusion gab es noch nicht. Mitnehmen und Aufpassen auf jeden Anderen haben wir völlig natürlich vermittelt bekommen. Ohne Druck. Aber mit jeder Menge Spaß und Freiraum zur Entwicklung.</p><p>**************************</p><p>     Heute stehe ich an diesem Zaun, drücke meine Zigarette aus und denke an Sarah. Wie war wohl ihre Kindheit. Oder die vom Kodi-Mann. Oder der alten Dame, die in einem verdreckten Mülleimern nach Flaschen sucht. Die Zeit, die uns für ein Leben, dieses EINE Leben, prägt.</p><p>     Uns auf das vorbereiten soll, was einfach so ungebremst kommen kann --- und kommen wird!</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>