<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Über mich ... - dauzone.com]]></title><description><![CDATA[Der Blog von Autor Dirk Carolus]]></description><link>https://dauzone.com/</link><image><url>https://dauzone.com/favicon.png</url><title>Über mich ... - dauzone.com</title><link>https://dauzone.com/</link></image><generator>Ghost 2.30</generator><lastBuildDate>Thu, 16 Apr 2026 06:33:16 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://dauzone.com/tag/author-dau/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Ein Liebesbrief]]></title><description><![CDATA[2025 feiere ich ein außergewöhnliches Jubiläum, denn meine treue Begleiterin, meine Suzuki TL 1000 S, wird offiziell zum Oldtimer]]></description><link>https://dauzone.com/ein-liebesbrief/</link><guid isPermaLink="false">679364c868c44b2129465c8d</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 24 Jan 2025 09:20:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2025/01/TL_1000_S.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2025/01/TL_1000_S.jpg" alt="Ein Liebesbrief"><p>25 Jahre – das sind 9125 Tage, eine halbe Ewigkeit oder, ganz romantisch formuliert: ein Vierteljahrhundert voller Adrenalin, Leidenschaft und Schräglage.</p><p>2025 feiere ich ein außergewöhnliches Jubiläum, denn meine treue Begleiterin, meine Suzuki TL 1000 S, wird offiziell zum <strong>Oldtimer</strong>. Und während ich das hier schreibe, wird mir klar: Keine Freundschaft, keine Ehe und kein Hundeleben hat es je geschafft, so lange an meiner Seite zu bleiben wie dieses Biest auf zwei Rädern.</p><p>Dabei begann unsere Geschichte ganz unspektakulär, ja fast zufällig.</p><h3 id="der-beginn-einer-leidenschaft">Der Beginn einer Leidenschaft</h3><p>Seit ich denken kann, zieht es mich auf Zweiräder. Erst nur ein Mofa, später ein Leichtkraftrad, bis schließlich Kawasaki mit immer brutaleren Maschinen mein jugendliches Herz eroberte. Schnell, laut und wild – das war meine Welt. Dass ich all die Knieschleifer-Orgien und Haarnadelkurven überhaupt überlebt habe, verdanke ich wohl einer unermüdlichen Schar Schutzengel, die ich vermutlich längst in den Ruhestand geschickt habe.</p><p>Doch dann kam der Bruch: Ein schwerer Sturz nahm mir weit mehr als nur den Mut. Fast ein Jahrzehnt lang blieb Motorrad für mich tabu. Aber die Sehnsucht, sie blieb. Jedes Frühjahr, wenn der Geruch von Asphalt und Benzin in der Luft lag und ein brüllendes Höllengerät an mir vorbeizog, juckte es mehr. Ich musste zurück in den Sattel.</p><h3 id="die-r-ckkehr-auf-die-stra-e">Die Rückkehr auf die Straße</h3><p>Eines Tages fasste ich mir ein Herz. Mein alter Helm war bei meinem letzten Sturz verstorben, also borgte ich mir einen von einem Freund, schlüpfte in Jeans, Turnschuhe und meinen guten alten Bundeswehr-Parka. Es ging zu Honda – etwas Entspanntes sollte es sein. Zudem war es einer der einzigen Hamburger Händler damals, der Motorräder auch auf Zeit vermietete. Dort stand sie: eine Hornet 900, ein schnörkelloser Vierzylinder. Nicht hübsch, alles andere als spektakulär, einfach nur ein Motorrad, wie es Kinder malen. Zwei Räder, ein Tank, eine Sitzbank – fertig.</p><p>Trotzdem: Der Moment, als ich den Schlüssel in der Hand hielt, ließ mein Herz hüpfen. Nach der ersten Kurve dann die Ernüchterung – ich war eingerostet. Kaum hatte ich das Ding aus dem Hof manövriert, landete ich mit Karre unsanft auf der Seite. Angst aß Seele auf! Doch Kilometer für Kilometer kam das Gefühl zurück. Der Spaß, das Adrenalin – ich war wieder da! Drei Tage und über 1000 Kilometer später gab ich die Hornet zurück, erschöpft, aber selig grinsend.</p><h3 id="liebe-auf-den-ersten-blick-the-beast-">Liebe auf den ersten Blick – The Beast!</h3><p>Auf dem Rückweg zur U-Bahn sah ich sie dann. Sie stand im Fenster allein in einer Ecke. Abgeschottet von all den anderen, die in Reihe um Aufmerksamkeit buhlten und blinkten. Geduckt und seltsam schmal, wie ein Raubtier auf der Lauer. Ihre kantigen Linien und das futuristische Design wirkten wie eine Kampfansage an alles, was sich bis dahin Motorrad nannte. Zwei Zylinder? Was sollte das sein? Auf den ersten Blick schien sie fast widersprüchlich – ein Rennpferd mit der Statur eines unterernährten Gauls. Doch genau das ließ mich nicht los.</p><p>Noch während ich überlegte, trat ein älterer Mechaniker aus der Werkstatt neben mich. Sein Blick war abschätzend, ein wenig spöttisch. Sicherlich wegen meiner Klamotte, die eher nach Freizeit am Teich aussah. Aber er klimperte mit einem Schlüssel in der Hand zu diesem … Ding. <em>„Willst sie mal testen? Ne TL 1000 S – ganz heißer Scheiß!“</em> fragte er, und sein Tonfall ließ keinen Zweifel: Er rechnete nicht damit, dass ich dieser Maschine gewachsen war. Und genau das juckte mich.</p><h3 id="einzig-nicht-artig-und-alles-au-er-gew-hnlich-">Einzig- nicht artig und alles außer gewöhnlich!</h3><p>Ich nickte und griff zu. Kaum startete der Motor, spürte ich, dass dies kein gewöhnliches Motorrad war. Es war eine Übermacht, eine Waffe aus Stahl und Feuer. <em>„Denk dran“</em>, brüllte der Mechaniker noch, <em>„das ist ein Zweizylinder – die reißt völlig anders als vier Pötte!“</em> Und er hatte recht.</p><p>Der erste, vorsichtige Zug am Gashebel fühlte sich an, als hätte sie beschlossen, mich abzuwerfen. Der Zweizylinder pfiff nicht heiser wie ein ordinärer Vierzylinder – er keuchte, röhrte, brüllte und tobte. Jeder Dreh am Gasgriff war ein Befehl, den sie allerdings nur zögerlich akzeptierte. Als wollte sie testen, ob ich ihrer würdig war.</p><p>In den ersten Minuten war ich nur Beifahrer, ein im wahrsten Sinne blinder Passagier auf einem wildgewordenen Rennpferd. Doch mit jeder Kurve, mit jeder Beschleunigung begann ich, mich anzupassen. Es war, als würde ich lernen, mit einem Raubtier zu tanzen, das jederzeit zuschlagen konnte.</p><h3 id="die-entscheidung-ein-bund-f-rs-leben">Die Entscheidung: Ein Bund fürs Leben</h3><p>Keine Stunde später hatte ich den Vertrag unterschrieben. Diese Maschine war kein schnödes Fortbewegungsmittel – sie war eine Naturgewalt, ein Zweizylinder, der mit seiner rohen Kraft und seinem Temperament jede Fahrt zu einem Abenteuer machte.</p><p>Die TL 1000 S war keine sanfte Verführerin, keine Maschine, die einem den Weg leicht machte. Sie verlangte alles, aber sie gab auch alles zurück. Jede Tour mit ihr war ein Test, jede Kurve ein Moment, in dem man Respekt zeigen musste. Doch genau das ist es noch heute, was meine Karre so einzigartig macht.</p><h3 id="25-jahre-sp-ter">25 Jahre später</h3><p>Alles an meiner TL wurde in den nächsten Jahren verändert. Mehr Grip, weniger Gewicht, mehr Leistung, mehr Sicherheit. </p><p>Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, blicke ich zurück auf unzählige Kilometer, auf die kurvigen Landstraßen Europas, abgesperrte Rennstrecken und Flugplätze. Auf all die Tage, an denen ich einfach nur losfahren wollte, ohne Ziel, ohne Uhr. Und auf Momente, die mir immer und immer wieder das Leben gezeigt haben, wie es ist: pur, schnell, kompromisslos und unvergesslich.</p><p><strong>Danke für all die Jahre. Auf die nächsten 25!</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der letzte Punkt]]></title><description><![CDATA[Der letzte Punkt – ein Ende oder doch ein Anfang?
Er markiert den Abschluss einer Geschichte, doch für mich war er nie wirklich das Ende. Was bedeutet es, diesen Punkt zu setzen? Und was bleibt danach? ]]></description><link>https://dauzone.com/der-letzte-punkt/</link><guid isPermaLink="false">678be94168c44b2129465c64</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 18 Jan 2025 17:40:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2025/01/WhatsApp-Bild-2024-04-18-um-17.30.23_6f36b9ee.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2025/01/WhatsApp-Bild-2024-04-18-um-17.30.23_6f36b9ee.jpg" alt="Der letzte Punkt"><p>Der letzte Punkt – ein Ende oder doch ein Anfang?</p><p>Er markiert den Abschluss einer Geschichte, doch für mich war er nie wirklich das Ende. Was bedeutet es, diesen Punkt zu setzen? Und was bleibt danach? Eine Reflexion über Abschlüsse, Neuanfänge und die Reise, die das Schreiben zu einer Lebensaufgabe macht.</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p>Fin. Ende. Finalized.</p><p>Wer es noch nicht erlebt hat, dem sei es gewünscht: dieser Moment, in dem die letzten Sätze eines Werks ihren Platz finden. Der Punkt, der das Ende markiert. „Niemand wird böse geboren“, mein erster Hamburg-Roman, in dem ich all meine Gedanken über Schuld und Unschuld, Hoffnung und Verzweiflung hineingelegt hatte. Dieses Buch war mehr als nur eine Geschichte – es war ein Stück von mir selbst, ein Versuch, etwas Bleibendes zu schaffen. Nun war es abgeschlossen, und man selbst bleibt zurück – voller, irgendwie jedoch leerer, anders.</p><p>Mein erstes Mal – daran erinnere ich mich glasklar. Es war quasi die zweite Entjungferung, nur 45 Jahre später. Die Bühne: ein irisches Pub in Leipzig, Champions-League-Spiel. Ich saß mitten in einem Meer aus englischen Fans. Eine Raucher-Lounge, offiziell für 18 Personen zugelassen, in der mindestens das Dreifache brüllte, rauchte, trank. Chaos pur. Mein Tisch, ein winziges Zweier-Modell, war gerade groß genug für Laptop, Aschenbecher und ein Whiskyglas. Während die anderen ekstatisch bei jeder Aktion auf dem Spielfeld jubelten, war ich gefangen im Sog meines letzten Kapitels.</p><p>Dann kam er, dieser letzte Punkt. Der Abschluss. Ich zögerte einen Moment, mein Finger schwebte über der Taste. War es das? War die Geschichte wirklich zu Ende? Es fühlte sich so an, als würde ich einen alten Freund verabschieden, einen Teil von mir loslassen. Aber ich wusste, dass der Moment gekommen war. Und dann setzte ich ihn. Alles in mir entlud sich in einem einzigen tiefen Atemzug, der den ganzen Raum um mich herum ausblendete. Die tobende Menge war plötzlich nur noch ein fernes Rauschen, während in mir eine Stille herrschte, die sich wie ein kleines, sauerstoffloses Universum anfühlte. Und dann – wie auf Kommando – fiel das Tor. Manchester City traf, und der Pub explodierte. Ich auch. Nicht wegen des Tores, sondern wegen meines Romans.</p><p>Ich sprang auf, wie aus einem Katapult geschleudert. Das Adrenalin schoss durch meinen Körper, und bevor ich wusste, was ich tat, brüllte ich los. Es war kein kontrollierter Schrei, sondern ein Urlaut, geboren aus einer Mischung aus Erleichterung, Stolz und purer Euphorie. Die Menschen um mich herum waren außer sich. Es spielte keine Rolle, dass ich kein Fan von Manchester City war und mir Fußball in diesem Moment völlig egal war. Ich war Teil ihrer Ekstase, und sie Teil meiner.</p><p>Ich griff nach dem Nächstbesten – einem bärtigen Kerl mit verschwitztem Trikot – und riss ihn in eine Umarmung. Ehe ich mich versah, war ich in einem Strudel aus Menschen: Männer und Frauen, alle wildfremd, doch für diesen einen Moment fühlten wir uns verbunden, als hätten wir denselben Triumph erlebt. Wir tanzten, lachten, schrien, schwankten mit den Armen in der Luft. Der Schweiß der Menge mischte sich mit meinem eigenen, und ich spürte die Vibration ihrer Stimmen bis tief in meinen Brustkorb. Es war chaotisch, es war surreal – es war perfekt.</p><p>Unsere Motive hätten unterschiedlicher nicht sein können, aber in diesem Moment zählte das nicht. Die Tränen fühlten sich gleich an, und die Freude war dieselbe.</p><p><strong>Warum ich das schreibe?</strong></p><p>Weil ich heute den nun schon dritten Hamburg-Roman „Niemand sieht deine Dunkelheit“ mit dem letzten Punkt abgeschlossen habe.</p><p>Der zweite Roman, „Niemand wird es verstehen“, fand sein Ende zumindest noch in einem gutbesuchten Strandlokal an der polnischen Ostsee. Die Sonne schien, ich bestellte mir einen neuen Whisky … und alles war gut.</p><p>Heute nun völlig unspektakulär. Allein im eigenen Wohnzimmer und mit einem Whisky mir selbst im Spiegel zugeprostet.</p><p><strong>Warum so entspannt, so geordnet, so LANGWEILIG?</strong></p><p>Um das zu verstehen, muss ich zurückschauen – zurück zu meinem ersten Roman, „Niemand wird böse geboren“, zu dem Moment, als ich dachte, der letzte Punkt sei das Ende. Dabei war es in Wahrheit erst der Anfang.</p><p>Die Endorphine, die Freude, die Zweifel, das Versagen, das immer wieder neu anfangen müssen, das Streichen, das Kennenlernen von Buchmarketing, die Besonderheiten im Eigenverlag, das Grübeln, das Verzweifeln … all das habe ich nun lange hinter mir.</p><p>Der letzte Punkt war damals ja leider nicht der letzte – was ich mangels Erfahrung in der verrauchten Spelunke nicht wissen konnte. Motiviert suchte ich mir die beste aller Lektorinnen überhaupt … <a href="https://buchhebamme.de/"><strong>Maria Al-Mana</strong></a>.</p><p>Noch einmal drei Monate gingen ins Land, bis das Sammelsurium meines ersten Lebens endlich einigermaßen in Kapitel gesetzt und damit in die Spur gebracht war.</p><p>• Nun endlich zündete ich alle Raketen.</p><p>• Eine neue website musste es sein.</p><p>• Einem BOD-Verlag übergab ich mein fertiges Manuskript.</p><p>• Ein Blog musste folgen.</p><p>• Instagram, YouTube, eine neue FB-Site und sogar TikTok richtete ich ein.</p><p>• Ich lernte mit Canva, Capcut und KDP-Programmen zu arbeiten.</p><p>• Natürlich auch sofort einen Sprecher (<a href="https://sprechkunst-martens.de"><strong>Sören</strong></a>) für ein Hörbuch geordert.</p><p>• Zur Buchmesse mit eigen erstellten Flyern und V-Cards angereist.</p><p>• Hoodies und T-Shirts nebst Tassen und Merchandise gedruckt.</p><p>• Gut 400 Eigenexemplare geordert.</p><p><strong>Und es passierte … nüscht.</strong></p><p>Was nicht schlimm ist. Geld wollte ich (ganz im Ernst) nie verdienen. Es war eher eine Art von Eigentherapie, um mit dem ersten und zweiten Kapitel meines langen und spannenden Lebens endlich abschließen zu können. Und dadurch zur Ruhe kommen zu können.</p><p>Aber heute ist, durch die Vorarbeit nach dem ersten Roman, halt alles sehr viel einfacher – dadurch auch unaufgeregter.</p><p>Ok – dieses Feuerwerk im Kopf, die Kobolde und Elfen mit dem BlingBling nach dem letzten Punkt. Die fehlen mir wirklich ein wenig. Das ist es dann aber auch.</p><p>Der Spaß, die Faszination, die Freiheit beim Schreiben hat mich tief gefangen. Durch die Wirren nach meinem ersten Hamburg-Roman konnte ich vieles lernen und habe alle Skills zur Verfügung, um trotz aller Freude nicht mehr aufgeregt zu sein. Da ich nun schon aus Erfahrung weiß, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt.</p><p>Vielleicht fehlt mir heute das Feuerwerk, dieses Chaos im Kopf, das damals nach dem ersten letzten Punkt explodierte – die Kobolde und Elfen mit ihrem BlingBling. Aber ich habe dafür etwas anderes gewonnen: die Freiheit. Die Freiheit, nicht mehr von Zweifeln überwältigt zu sein. Die Freiheit, zu schreiben, nicht weil ich muss, sondern weil ich es will.</p><p>Mit dem dritten Hamburg-Roman „Niemand sieht deine Dunkelheit“ ist die Trilogie *Niemand* abgeschlossen. Ein Kreis hat sich geschlossen, und ich habe das Gefühl, damit wirklich etwas hinter mir ge- und hinterlassen zu haben. Aber der nächste Kreis hat sich längst geöffnet.</p><p>Der erste Roman der Trilogie *Jeder*, mit dem Titel „Jeder steht für sich“, steht schon in den Startlöchern. Diese Reise durch mein Leben bleibt nicht stehen – sie geht weiter, immer weiter, Kapitel für Kapitel.</p><p>Ich weiß jetzt, dass der letzte Punkt nie wirklich das Ende ist. Er ist nur ein Übergang, eine Schwelle zu etwas Neuem. Und genau das macht das Schreiben so faszinierend: Es bringt dich immer weiter, führt dich auf Wege, die du nie erwartet hättest, und zeigt dir immer wieder, dass da noch etwas wartet, das entdeckt werden will.</p><p>Vielleicht liegt darin der wahre Zauber. Dass du nie fertig bist – weder mit deinen Geschichten noch mit dir selbst. Und solange ich schreibe, weiß ich, dass es immer noch ein weiteres Kapitel gibt, das darauf wartet, geschrieben zu werden.</p><p><strong>Amazon:</strong> <a href="https://shorturl.at/iRO26">https://shorturl.at/iRO26</a></p><p><a href="https://www.dirkcarolus.com/portfolio"><strong>https://www.dirkcarolus.com/portfolio</strong></a></p><p>#theend</p><p>#niemandsiehtdeinedunkelheit</p><p>#hamburgroman</p><p>#dirkcarolus</p><p>#einbuchschreiben</p><p>#autorenleben</p><p>#storytelling</p><p>#therealslimshady</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[41 Jahre Thriller … und kein Ende in Sicht]]></title><description><![CDATA[Ich schließe mein Word-Programm, lehne mich zurück und sehe ein Vinyl-Cover in der Nachrichtenzeile auftauchen. 41 Jahre ist die Scheibe Thriller nun schon her. Und ich fühle mich plötzlich mehr als nur  ... uralt ]]></description><link>https://dauzone.com/41-jahre-thriller-und-kein-ende-in-sicht/</link><guid isPermaLink="false">656b89cf68c44b2129465c03</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 02 Dec 2023 19:58:28 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/12/Thriller1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/12/Thriller1.jpg" alt="41 Jahre Thriller … und kein Ende in Sicht"><p>Am 30. November 1982 kam das Album Thriller von Michal Jackson auf den Markt. Meine Wenigkeit hat just heute, am 30. November, allerdings im Jahre 2023, den ersten Teil meines zweiten Hamburg-Romans fertig gestellt.</p><p>Ich schließe mein Word-Programm, lehne mich zurück und sehe ein Vinyl-Cover in der Nachrichtenzeile auftauchen. 41 Jahre ist die Scheibe Thriller nun schon her. Und ich fühle mich plötzlich mehr als nur uralt.</p><p>Und versuche mich zu erinnern. 1982. Grad einmal flügge geworden. Allein in Hamburg in der Ausbildung zum Polizisten. Artikel und Bilder aus den Tageszeitungen kommen wie lose Blätter durch mein Gehirn geflogen. Christian Klar, Mitbegründer der RAF, war nur wenige Tage zuvor in einem Wald im Hamburger Norden festgenommen worden. Wir hatten dadurch erhöhte Wachzeiten im Hamburger Polizei-Ausbildungs-Zentrum zu schieben. Als ob irgendjemand diesen Kindergarten angreifen würde. Und die RAF war ja nun, mit der Festnahme von Klar, eigentlich Geschichte. Aber nun ja – Befehl war halt Befehl.</p><p>Das Video des Kollegen Faden, der 1974 erstmalig bei einer Geiselnahme in Hamburg St. Georg den sogenannten „finalen Rettungsschuss“ ansetzte, wurde uns in diesen Tagen, im November 1982, praktisch täglich im Unterricht serviert. Andere Auszubildende lernten, mit der Rohrzange umzugehen. Wir mussten uns tagtäglich Bilder über Rettungs- oder Fangschüsse ansehen. Und verfolgten natürlich auch die Nachrichten, ob es nun „notwendig“ oder gar „menschlich“ war. War es wirklich die Wahl des mildesten Mittels. Noch heute bleibt mir nur ein Schulterzucken nach all dem, was danach kam.</p><p>Dann schiebt sich eine Lederjacke vor das Panoptikum meiner Augen. Genüsslich und wieder lächelnd zünde ich mir eine Zigarette an. Diese abstoßend hässliche Patchwork Lederjacke. Mit nur einem einzigen Knopf ganz unten. Mit Schulterpolstern, dafür extra kurz geschnitten. Und hängt noch heute in meiner Garage. Direkt über dem Kopf meines Motorrads. Manche Dinge sind es wert, einfach nur existent zu bleiben. Über 40 Jahre hat diese Jacke mit mir verbracht. Zig Umzüge und Leben mit- und überlebt. Passt mir lange nicht mehr. Zu schmächtig war ich noch Anfang der 80er oder einfach zu dick heute. Aber ich passe immer noch zu dieser Kultjacke. Erstanden auf dem Hamburger Kiez. In einem kleinen Laden gegenüber vom Club Top Ten. Wo damals alle Türsteher, die was auf sich hielten, einkauften …</p><p>1982. Jeder Weg … einfach jeder längere Weg, der über 2.000 Meter war, wurde mit dem Motorrad erledigt. Laut musste es sein. Und schnell. Und ich hatte beides unter dem Arsch und zwischen den Beinen. Das Leben war so herrlich einfach. Mir gehörte die Welt. An einem Abend besuchte mich meine spätere erste Ehefrau mit ihren Eltern in „meinem“ Hamburg. Natürlich machten wir einen Gang über „meinen“ Kiez. Und natürlich kam uns einer der Top-Luden der damaligen Zeit samt seiner Frauen entgegen. Und meine Schwiegermutter, feinste norddeutsche Kultur, hatte nix besseres zu tun, als den Typen am Arm zu packen. „Sach mal Kollege, bist du so ein Zuhälter?“  Ich wollte einfach nur im Boden versinken. Doch der schöne Klaus war die Ruhe selbst un lachte: „Jo Mutti – was dagegen?“ Die Situation eskalierte nicht … alles war fein. Aber vergessen werde ich es nie. Vielleicht lag es ja auch einfach nur an meiner tollen Lederjacke …</p><p>Schlussendlich ist da wieder die Musik. Als Kind noch Abba und Boney M. auf der Innenseite meiner ledernen Schultasche mit fettem Filzstift verewigt. Mit 15 Lebensjahren durchgestrichen … teilweise aus der Klappe ausgeschnitten und AC/DC darauf verewigt. Da ich – allein – 1978 zum Konzert nach Kiel fahren durfte. Danach nur noch Leder. Nur noch schwarz getragen. Black Sabbath, DIO, Jethro Tull, The Sweet, Foreigner und Van Halen.</p><p>Und dann kam plötzlich Rocky Balboa in mein Leben. Damit auch gewaltig und durchaus gewalttätig Survivor mit „The eye of the tiger“ . Alles drehte sich fortan bei mir nur noch ums Boxen. Ums Kickboxen. Um Street-Fighting. Egal, welchen Namen es trug. Ich wollte dabei sein. Ich wollte gewinnen. Und ich war gut darin. Und wurde immer besser. Da ich bei der Polizei auch Trainingsmöglichkeiten ohne Ende fand.</p><p>Und all das wurde nur durch einen einzigen Menschen durchbrochen. Durch einen mehr oder weniger androgynen Kerl, der Thriller erschaffen hatte. Für mich ein angemalter Kasper, der sich andauernd in den Schritt faste, Hochwasser-Hosen, Hut und Pailletten-Handschuhe trug und sich damit leidlich bewegen konnte. Der überhaupt und so gar nicht zu meinem anerzogenen und grad voll ausgelebten heterogenen Weltbild passte. Michael Jackson .... ausgerechnet.</p><p>Und eines Abends stand ich dann da. Kampfbereit. U-Bahn-Station Reeperbahn. Urbane Kids mit Ghetto-Blaster kamen mir entgegen. Es roch für mich nach Haue. Sehr gern … kommt doch! Und es erklang „Beat it“. Und ich hörte dieses Gitarrenriff. Glasklar. Es war Eddie van Halen. Und wenn Eddie van Halen mit diesem No-Name Kasper Mucke macht. Dann kann dieser Jackson nicht so schlecht sein.</p><p>Nun 41 Jahre her … aber auch nur eine weitere Geschichte.</p><p>Aber geil. Wie mein ganzes Leben.</p><p>Danke bis hierhin ….</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kosmos Lagerbox]]></title><description><![CDATA[Da war die Dame, deren Dauerwelle noch den anmutigen toupierten Charme der 70er Jahre versprühte. Ebenso wie ihr bemitleidenswerter Daimler. Die Baureihe, welche noch mit echten Stoßstangen bewaffnet war.]]></description><link>https://dauzone.com/kosmos-lagerbox/</link><guid isPermaLink="false">65622c4f68c44b2129465bec</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Nov 2023 17:24:38 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Lagerbox.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Lagerbox.png" alt="Kosmos Lagerbox"><p>Moritz begrüßte mich mit einem Lächeln. <em>„Der frühe Vogel …?“</em> Ich war nun schon den dritten Samstag in Folge hier, um mit dem Sprinter ein- und auszufahren. Unser stationärer Laden würde uns an diesem Wochenende zu letzten Mal sehen. Moritz, ein gleichsam lebenslustiger wie bärtiger kleiner Pummel, hatte sein langjähriges Studium der Rechtswissenschaften irgendwann gegen ein Leben auf dem Planeten Lagerbox eingetauscht.</p><p>Die Woche davor hatte ich Herrn Hübner kennengelernt. Im Gegensatz zu Moritz ein eher betulicher Mitfünfziger, der, mit einem Minijob bewaffnet, hinter dem Schreibtisch im kleinen Büro dem Ende seiner regulären Arbeitszeit sehnsüchtig entgegen sitzt.</p><p>Überhaupt ist der Planet Lagerbox ein Sammelsurium von Geschöpfen der durchaus anderen Art. Anders im Bezug darauf, dass man die hier kreuchenden und fleuchenden Kreaturen wahrscheinlich nur selten im normalen Leben abseits dieses Habitats noch einmal antreffen oder gar zu Gesicht bekommen wird.</p><p>Da sind diese drei jungen Männer, die den gesamten Vormittag des letzten Samstags in der Durchfahrt unterhalb des riesigen Turms palavern. Lässig auf einem Rollcontainer sitzend. Angelehnt an die Motorhaube eines M-Klasse BMW der SUV-Klasse oder sitzend im Kofferraum eines sehr tiefen, jedoch um so breiteren Mercedes. Laut redend und gestikulierend. Jedoch sofort in den Flüsterton übergehend, wenn Schritte nahen oder eine Fahrstuhltür der riesigen Lastenaufzüge sich öffnet.</p><p>Da war die Dame, deren Dauerwelle noch den anmutigen toupierten Charme der 70er Jahre versprühte. Ebenso wie ihr bemitleidenswerter Daimler. Die Baureihe, welche noch mit echten Stoßstangen bewaffnet war. Jedoch nur durch die Unmengen an undefinierbarem Gedöns in ihrem Auto per Gewichtsbelastung tiefer gelegt wurde. Stolz und anmutig stolziert Sie aufrecht mitten durch die Creme de la Creme der drei Männer der Lagerbox-Mafia hindurch. Ihr Daimler, ihr Pelzmantel wie auch Ihr Geburtsjahr dürften allesamt Anfang der 60er liegen.</p><p>Dann ist da Charles. Charles ist, laut Moritz, schon seit gut 10 Jahren Kunde hier. Hat zwei „Suiten“ mit je über 200 Quadratmeter angemietet und macht in … Irgendwas. Ist aber praktisch jeden Tag hier. <em>„Urlaub macht der nicht. Und wenn, dann hier!“</em> ist die kurze und knappe Aussage von Moritz.</p><p>Nun wird und mag es sicherlich eine Sache der inneren Überzeugung sein. Oder aber der Abkehr vom normalen Weltlichen. Oder von beidem irgendwie etwas. Doch jedes normale Lager, jede Garage, jede Mietswohnung oder Keller welche auf zwei, fünf oder gar zehn Jahre gemietet wird, ist ganz sicher um ein Vielfaches günstiger, als so eine Lagerbox. Jedoch jeder, der hier ein- und ausgeht, wird genau wissen, was er tut und warum er/sie es genau hier tut. Privater, anonymer, sauberer und zudem gesicherter als in diesem verwinkelten Lebensraum geht es kaum.</p><p>Ich treffe Sarah auf der vierten Etage. In etwa 25 Jahre alt. Der Inbegriff einer blonden, groß gewachsenen Schönheit. Jedoch nach außen ohne jegliches Leben. Geduckt und still. Die Art und Weise, wie sie den großen Lastenkarren vor sich bewegt, lässt Zweifel aufkommen, ob sie ihn bewegt oder sich daran nur festhält. Nach kurzem, intensivem Wortwechsel ist mir klar: Sie lebt. Zwar nur noch eine Hülle und ein Schatten ihrer selbst. Aber durchaus mit Herzschlag und funktionierender Lunge. Hat sich vom Kerl getrennt, von der Liebe ihres Lebens, dessen Name im Mietvertrag stand. Gern helfe ich ihr noch dabei, ein Regal vom Lastesel zu hieven und in ihrem Verschlag zu verstauen. Drei Quadratmeter für einen Lebensabschnitt. Shit happens!</p><p>Unten treffe ich wieder die Dame mit der monströsen Dauerwelle. Wie nehmen gemeinsam einen Fahrstuhl nach oben. Zeit für mich, wieder mal nachzufragen. Ich liebe diese Momente. Man kann dabei einfach nicht verlieren. Bei einer Antwort, völlig egal welcher Art, kann es nur einen Lerneffekt geben. Bei keiner Antwort hat man nichts verloren, außer ein paar Worte und einen Lidschlag an Zeit. Dagmar macht, seit dem Tod Ihres Mannes, in Floh- und Trödelmärkten. Hat hier vier kleine Kabinen zu jeweils vier Quadratmetern angemietet. „Fein säuberlich getrennt in Nippes und Glas, Elektro, erlesener Tischdeko und Küche.“ Sagt sie. Nicht ohne einen gewissen Stolz, während ich auf einen aus dunklem Holz geschnitzten Bären zeige, der ohne weiteres auch als Igel oder gar Fasan durchgehen würde. Wohnungsauflösungen in der Woche wären ihr Hobby. Kleinanzeigen Ihre Zeitung. Trödel am Wochenende Ihre Erfüllung. Geld spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Der Spaß und die permanente Abwechslung. Das „Zu-Tun-Haben“ wären hier entscheidend. Um nicht Nachdenken zu müssen. Während dieser Worte fischt sie behände eine Red Bull Dose aus Ihrer riesigen Umhängetasche und lächelt mich an. Unzählige Kronen schimmern in perfektem Perlmutt durch ihren übertrieben aufgetragenen roten Lippenstift.</p><p>Wieder im Parterre angekommen, erwartet mich eine Armada von Kerlen einer Umzugsfirma. „Der Starke Anton“ steht unübersehbar auf zwei XL-Sprintern als Slogan über dem Abbild eines Typen in schwarz roter Uniform, der augenscheinlich einen Mix aus Barbie-Ken und Clark Kent darstellen soll. Schier unzählige Männer in seiner Uniform sind am Wuseln. Teppiche, Fernseher, Truhen. Unfassbar viele gelbe Müllsäcke mit zur Unkenntlichkeit zerdrückten Textilien und wannenweise Nippes aus anderen Welten. Eines dieser ominösen Tore zu diesen 200 Quadratmeter Suiten tut sich vor mir auf. „Schrott – einfach nur haufenweise Schrott!“ tut sich als Beschreibung in mir auf. Inmitten dieser wuselnden Heerschar von Packern eine ältere Dame mit einem Block und spitzem Bleistift. Ruhig und ohne viele Gesten Anweisungen gebend. Eine Bibliothekarin, wie sie im Buche steht.</p><p>Binnen Minuten hatte der Spuk ein Ende. Etwas Staub und die Gerüche eines oder gar mehrerer längst vergangenen Leben waberten noch ein paar Sekunden durch die Gänge, nachdem das große Tor dieser Suite geschlossen wurde. Kaum traten die Packer samt Bibliothekarin aus dem großen Tor, hörte man wieder Sechszylindrige Boliden die Rampe empor husten. Die junge Lagerbox-Connection vom letzten Samstag traf sich wieder zum Stelldichein, um über die kommende Weltherrschaft und das zu verteilende Welterbe im Schein von Neonlicht, Auspuffgasen und absoluter Diskretion zu philosophieren.</p><p>Nur wenige Stunden im ureigenen Kosmos Lagerbox. Eine – wieder einmal – inspirierende Erfahrung!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eine Weihnachtsgeschichte?  Drauf geschissen ....]]></title><description><![CDATA[Und ich putzte mich heute mal raus. Weil ich es kann. Oberstes Bord. Mal keine kurzen Hosen. Heute mal im Anzug … mit echten Lederschuhen. Diese, die auf dem Asphalt so schön klacken. „Hört Ihr Leut … ich komme des Weges!“]]></description><link>https://dauzone.com/eine-weihnachtsgeschichte-drauf-geschissen/</link><guid isPermaLink="false">655f979968c44b2129465bc8</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 23 Nov 2023 18:25:11 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Penner.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Penner.png" alt="Eine Weihnachtsgeschichte?  Drauf geschissen ...."><p>Ich halte nichts von Weihnachten und pp. Schenken und Geben kann ich immer. Dafür braucht es kein Datum. Auch habe ich eine eher diffuse Sicht auf Not und Bettelei. Sicherlich durch meinen Vater und etwas später durch meinen Dienst als Polizist geprägt:<em> „Wenn Du einem hilfst --- musst Du allen helfen!“</em></p><p>Heute, gut 45 Jahre später, meine ich, dass er immer noch Recht hat. Aber: es ist nun heute fast ein halbes Jahrhundert später. Und Dinge ändern sich. Ebenso Sichtweisen. Und ehemals oktroyierte Glaubenssätze damit auch  ……</p><p>Jedoch war ich auch mal obdachlos. Auch ich hatte mal alles verloren. Auch ich war (und bin noch) am Scheideweg zwischen Gut und Böse. Zwischen einfach fallen lassen oder wieder einmal aufstehen. Jeden Tag erneut. Jeden fuck…. day aufs Neue.</p><p>----</p><h2 id="heute-war-ein-guter-tag-">Heute war  ---  ein guter Tag.</h2><p>Ich stand gegen 07:00 auf unserer Terrasse. Hatte einen dampfenden Kaffee in der linken und eine Zippe in der rechten Hand. Konnte mir aussuchen, wann ich mit der Arbeit beginne. War mal nicht verkatert. Habe trainiert. War gegen 09:00 Uhr fertig angezogen und blickte erneut von der Terrasse auf das Hinterland. Pferde wurden longiert. Die Sonne stand direkt über dem Fluss gegenüber vom Haus. Nebelschwaden hüllten Reiher und diebische Elstern in Watte ein.</p><p>Ich hatte einen Termin beim Friseur und Barbier. Konnte mir nicht nur aussuchen, was ich heute anziehe. Konnte auch entscheiden, ob ich vorher oder nachher frühstücke. Und wenn --- sogar was und wie viel.</p><p>Und ich putzte mich heute mal raus. Weil ich es kann. Oberstes Bord. Mal keine kurzen Hosen. Heute mal im Anzug … mit echten Lederschuhen. Diese, die auf dem Asphalt so schön klacken. „Hört Ihr Leut … ich komme des Weges!“</p><p>Vom Barbier gefertigt – nicht ohne Getränke und erzwungenem Small-Talk – ging ich meinen Weg zurück. Gut sah ich aus. Beseelt ob meiner Möglichkeiten. Beschwingt, da ich mir meinen weiteren Tagesablauf aussuchen konnte. Erfreut, dass die Sonne immer noch da war.</p><p>---</p><h2 id="und-dann-sa-er-da-">Und dann saß er da. </h2><p>Dieser Bettler. Mit einem reinrassigen Magyar Vizsla (ich sehe so etwas!). Der seinen riesigen Kopf auf dem Oberschenkel seines Herrchens gebettet hatte und in eine schmuddelige Decke eingehüllt war.</p><p>Der Hund schaute mich an. Meine Lederschuhe klackten laut. Ein riesiges Exemplar von Hund. Mit passend riesigen Augen. Noch im Gehen … noch weit vor dem Bettler, hatte ich schon Kleingeld aus meiner Hosentasche gefischt und machte mir eine Zigarette an.</p><p>Ich warf das Geld in die Büchse. Der Mann schaute mich an. Keine 30 Jahre alt. Vom Aussehen eher Mitte 40. Ich sagte, noch bevor das Klirren der Münzen verklungen war „Nicht für dich – für den Hund!“ Er lächelte und hatte Augen wie Terence Hill. Stechend hellblau „Schon klar --- für wen auch sonst!“ Ich lächelte zurück. Der Mann schaute auf meine brennende Zigarette. „Hast Du eine für mich --- mein Hund raucht nicht!“ Und er lächelte wieder …</p><p>Ich war aber schon im Gehen. Schaute mich auch nicht mehr um. Nur weg. Den Codex meines Vaters hatte ich erfüllt. Ich hatte ja nur über den Hund gesprochen. Nur für diesen großen Hund etwas „gespendet“.</p><p>20 Meter weiter war ein Kiosk. Ich brauchte noch Zigaretten. Nahm gleich zwei Schachteln. Und brachte eine davon zurück zum Penner. Ich weiß nicht warum. Ich weiß auch nicht, warum ich den Satz abgab: „Mach was draus!“ Was soll man schon aus einer Schachtel Zippen machen. Ein Haus bauen? Völliger Nonsens diese Aussage …</p><p>----</p><p>Gute drei Stunden später machte ich wieder meinen gewohnten Spaziergang. Ich kann es mir aussuchen. Ich kann meine Zeiten wählen. Mitten im Wald fiel mir dieser riesige Hund als erstes auf. Einen Augenblick später erneute die Augen von Terence Hill. Ihm saß eine völlig abgehalfterte Dame gegenüber. Und er hielt die Schachtel Zippen der Dame feil …</p><p>Und sagte: „Es stört dich wohl nicht, wenn ich teile?“</p><p>Und dieses Viech von Hund bellte nicht. Trotzdem ich den Bereich seines Herrchens betreten hatte. Und er rieb seinen Sabber an meiner Jeans ab. Und ich tätschelte seinen riesigen Kopf.</p><p>Alles war gut. Für den Bruchteil eines Moments. Im Herbst 2023</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Niemand wird es verstehen ...]]></title><description><![CDATA[Seine Handgelenke brannten, als wenn diese in glimmenden Glutringen festgeschnallt wären. Durch seine zuckenden Augenlieder sah er dünne Fäden Blut über seinen verschmutzten linken Arm laufen. In feinen Linien, jedoch abstrakt wie in einem Gemälde von Paul Klee ...]]></description><link>https://dauzone.com/niemand-wird-es-verstehen/</link><guid isPermaLink="false">6510680a68c44b2129465bb2</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 24 Sep 2023 16:51:35 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Messer.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Messer.png" alt="Niemand wird es verstehen ..."><p><strong>1998 – Foča – Bosnien/Herzegowina</strong></p><p>Er erwachte langsam. Seine Augen mussten sich erst an die Helligkeit im Raum gewöhnen. Große Scheinwerfer erhellten den Raum. An den Handgelenken aufgehängt hing er inmitten dieses feuchten Kellers. Er sah voluminöse Rohre an der Decke langlaufen und eine große, rostig braun verfärbte Doppeltür am Ende des schmalen Raums. Mit dem Erwachen kamen sofort die Schmerzen zurück. Geballt. Wie eine Lawine rollten sie auf ihn zu. Erst in langsamen Schüben, dann immer schneller pochend. Ein Stakkato von immer höheren Wellen anstimmend.</p><p>Seine Handgelenke brannten, als wenn diese in glimmenden Glutringen festgeschnallt wären. Durch seine zuckenden Augenlieder sah er dünne Fäden Blut über seinen verschmutzten linken Arm laufen. In feinen Linien, jedoch abstrakt wie in einem Gemälde von Paul Klee. Seine Schultern fühlten sich tot an. Wahrscheinlich ausgekugelt durch das stundenlange Hängen an diesen Seilen. </p><p>Ein junger Mann kam auf ihn zu. Blaues Uniformhemd. Die Ärmel bis zum Ellbogen hochgeschoben. Eine qualmende Zigarette im Mundwinkel. Ansatzlos schlug er ihm mit dem Gewehrkolben in den Unterleib. Er wäre nach vorn geklappt, wenn er nicht hilflos im Raum hängen würde. Seine Füße berührten nur ansatzweise mit dem Ballen den dreckigen Boden. Gequälte Laute drangen durch seine zerfurchten Lippen. Ein Königreich für einen Schluck Wasser. </p><p>Dann spürte er plötzlich etwas Erleichterung. Die Seile, mit denen seine Arme nach oben gehalten wurden lockerten sich etwas. Er konnte sich, von Schmerz umwoben, endlich etwas nach vorn beugen. Seine Füße spürten den Boden. Seine Muskeln jedoch nicht wirklich. Im Augenwinkel sah er mehr Männer in blauen Hemden kommen. Vier. Vielleich sechs an der Zahl. Er spürte eine Klinge in Höhe seiner Leiste. Ein leises Surren. Dann fiel seine dicke Einsatzhose lautstark in die Pfütze unter ihm zu Boden. Ein neuer Schmerz in seiner Leiste machte sich breit. Wohl ein Messer, das zu tief gesetzt wurde, um ihn zeitgleich auch um seine Unterhose zu erleichtern. </p><p>Gleich darauf kräftige Arme, die ihn gebückt hielten und ein weiterer kolossaler Schmerz in seinem Anus, der alles andere sofort überdeckte. Er sah im Zwielicht noch einen jungen Franzosen auf einem Stuhl an der Kellerwand sitzen. Reste seiner Uniform hingen an ihm in Streifen herab. Vielleicht grad volljährig. Mit je einem großen Messer in den Oberschenkeln blickte dieser völlig apathisch in seine Richtung. Kurz erschien die bleiche Fresse seines Onkels Manfred mit den gelben Zähnen vor seinen geschlossenen Lidern. Dann wurde es wieder schwarz um ihn herum. Mehr als dankbar ließ sich Rainer erneut in diese Dunkelheit fallen …</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Welpe ...]]></title><description><![CDATA[Mal abseits davon, dass ich mit Lust und mittlerweile erworbener Finesse´ an meinem zweiten Buch schreibe, steht mein Leben ja nicht still. Zuviel passiert für einen Schreiberling, wie es meine Frau so nett ausdrückt...]]></description><link>https://dauzone.com/der-welpe/</link><guid isPermaLink="false">64f4a29e68c44b2129465b77</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 03 Sep 2023 15:19:10 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Welpe.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Welpe.png" alt="Der Welpe ..."><p>Mal abseits davon, dass ich mit Lust und mittlerweile erworbener Finesse´ an meinem zweiten Buch schreibe, steht mein Leben ja nicht still. Zuviel passiert für einen Schreiberling, wie es meine Frau so nett ausdrückt.</p><p>Den heutigen Tag habe ich mehr oder minder am Strand verbracht. Da gab es so eine Rasselbande von Hunden. Ein Spitz-Mix mit irgendwas, ein Border-Collie und irgendwas zwischen Pudel und dem Hund von Obama. Diesem Wasserhund … wie auch immer die heißen.</p><p>Alles tollte, alles tobte und Herrchen wir Frauchen waren tief ins Gespräch vertieft. So soll es sein – so liebe ich es! Aus der Ferne kam, über gut 1000m, ein kleiner Pitbull-Rüde angerannt. Breit, tief. Unter seinem Bauch sah man seine Eier … und Gischt aus Staub und Sand hochstieben. Nicht älter als maximal acht Monate. Die Sorte mit den kleinen fiesen Zähnchen, die bald ausfallen werden. Frauchen laut schreiend, jedoch sehr viel langsamer hinterher. Brachte aber nichts. Der Kleine knallte sich voll ins Getümmel.</p><p>Dieser ausgewachsene Obama-Mix Rüde – auch mit Eiern bewaffnet, knurrte einmal kurz und die kleine, renitente braune Bisam-Ratte legte sich sofort unterwürfig hin. Natürlich nicht, ohne zu versuchen, seine kleinen fiesen Zähnchen in die Pfote des großen Hundes zu jagen. Was für eine kleine miese Sau  😊  sofort waren meine Erinnerungen an meinen kleinen Hank wieder präsent. Was für ein toller Hund.</p><p>Einige Stunden später stehe ich auf meinem Balkon und beobachte Mutter und Tochter mit einem Welpen. Nicht älter als maximal 16 Wochen. Auch ein Border-Mix. Die Tochter ist maximal not amused, dass das kleine Tier nicht auf Sie hört. Vielleicht kann es einfach keine Fremdsprachen. Sie zieht und zerrt und brüllt und macht. Das lütte Vieh legt sich einfach nur hin. Völlig überfordert. Und das Kind zieht das Tier am Halsband über den Parkplatz.</p><p>Und Mutti telefoniert derweil seelenruhig. Töchting hat ja Abwechslung  …</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p><strong>Hunde sind kein Spielzeug für überdrehte ADHS Choleriker.</strong></p><p>Punkt!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wer eine Reise tut …]]></title><description><![CDATA[ ... mittlerweile hatte die hübsche junge Dame dem Kindergarten-Cop schon lautstark die Leviten gelesen. Es ginge ums business! Helicopter-Papa hat das Sprechen dann auch eingestellt ...]]></description><link>https://dauzone.com/wer-eine-reise-tut/</link><guid isPermaLink="false">644bf20168c44b2129465b44</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 28 Apr 2023 16:29:55 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/04/Penner.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/04/Penner.png" alt="Wer eine Reise tut …"><p>Wer eine Reise tut …</p><h3 id="06-45h-aufgeschlagen-am-hauptbahnhof-k-ln-">06:45h aufgeschlagen am Hauptbahnhof Köln.</h3><p>Trotz der Uhrzeit schon reges Treiben. Da ich mich hier mittlerweile auskenne, geht mein Weg direkt zu einem Türken, dessen Familie hier einen großen, saubereren, freundlichen und familiären Betrieb führt. Alle genannten Adjektive mit einem dicken SEHR davor!</p><p>€3,40 für einen Cafe´ Crema und einen frischen Bagel mit Creme, Pfeffer und Schnittlauch. Alles koscher. Zwei Stände weiter kostet das Bundle mal eben 3 Euronen mehr. Oder im „backfrisch“ das Gleiche. Nur ohne Begrüßung und ohne Lächeln … warum begreift es die mainbase in diesem business nicht?</p><p>---------</p><h3 id="im-zug-meinen-platz-ergattert-war-nicht-voll-nett-besucht-w-rde-passen-">Im Zug meinen Platz ergattert. War nicht voll. Nett besucht würde passen.</h3><p>Hinter mir eine Gruppe junger Frauen. Vier an der Zahl. Bekleidet wie zum nächsten Gothic-Event und gegen 8h gingen die ersten Feiglinge (für die Ungeübten - Wodka mit süßer Brühe) über den Tisch. Ich versuchte zu arbeiten. Ging aber nicht  😊</p><p>Kurz darauf war ich Teil dieser Gothic-Connection. Es interessierte mich halt. Die … nennen wir es Anführerin … war Ihres Zeichens Sozialarbeiterin. Fährt mit Ihren drei Schützlingen (alle körperlich behindert) mal eben 800km durch die Republik, um in Dresden in irgendeiner Schule bei einer 100, 120, 200 … wtf … Jahrfeier präsent zu sein. RESPEKT. Die Verantwortung würde ich ablehnen. Mit oder ohne Alkohol. Das Gespräch ergab wenig später, dass ich für den Job, bei dem Gehalt, noch nicht einmal aufstehen würde.</p><p>Die Leiterin prostete mir keck zu: <em>„Kann man sich schön saufen – Spaß macht es in jedem Fall, weil es Menschen sind!“</em></p><p>-----</p><p>Mir gegenüber sitzt während der sechs Stunden Fahrt ein junger Mann. Tickert durchgehend stur in sein Laptop. Zwei Handys am Platz. Ab und an nimmt er das eine oder andere an. Mal Sächsisch, mal englisch und auch manchmal richtig hochdeutsch. Fast immer verzieht er nach dem Gespräch das Gesicht. Und tickert dann stoisch weiter.</p><p>Kurz vor Hannover muss ich eine rauchen. Der Zug ist aber direkt. No way. Ich versuche mich kurz im Klo. Ist aber alles andere als ein Genuss. Ich komme zurück an den Platz, ignoriere die Gothic-Damen, die nun schon reichlich angeschickert sind und setzte mich. Der Typ mir gegenüber lächelt mich an: <em>„Gleich sind 20min Aufenthalt in Hannover – wolle rauche?“</em> Ich hab mich fast weggeschmissen  😊</p><h3 id="klar-war-der-junge-itler-">Klar war der Junge ITler.</h3><p>War mir völlig klar. Ich habe ihm mein Beileid bekundet, weil sich ja jeden Tag irgendwas ändert. Weil man ja nie auslernt …. Er sagte nur trocken, bei der zweiten auf heiß gerauchten Zippe: <em>„Egal – learning by doing. Man sich hier schon völlig doof anstellen, um keinen gut bezahlten Job zu bekommen – und auf Sicht zu behalten!“</em></p><p>-------</p><p>Mir gegenüber nehmen, in Hannover, zwei junge Menschen Platz. Also jung von meinem Standpunkt aus. So etwa 35 Jahre +/- zwei Jahre. Beide scheinen sich zu kennen. Er seibelt allerdings ohne Unterlass über Familie, den Stress mit dem neugeborenen Kind, den Staat, den Abfuck der Kita und seiner Frau, die nichts von seinem Sport hält. Er ist 4x die Woche im Dojo --- hat schon einen schwarzen Gurt und Sie macht immer Stress, weil sie das Maul nicht halten kann. Und dann noch die Bank, und die Alimente für die Frau vorher …. Usw., usw, …..</p><p>Sie, groß gewachsen, hübsch … versucht diverse Male, das Gespräch auch das Business zu lenken, zu dem beide recht sicher unterwegs sind. Ihre Augen haben, innerhalb von einer Stunde unablässigen Gemeckers des Kerls, schon Löcher in die Decke des Waggons gebrannt. Ich hab dann zwei Pils bestellt und ihr zugeprostet. Das wars auch schon. Das Lächeln war nicht von dieser Welt!</p><p>------</p><h3 id="ebenfalls-in-hannover-">Ebenfalls in Hannover ...</h3><p>steig ein echter Business-Kerl ein. Hatte den Sitz neben mir. So knapp unter 40. Gehobene Business-Garderobe. Allein die Schuhe kosten mehr, als das Monatsgehalt eines DPD-Zustellers. Hat sein Laptop ausgepackt und Charts ohne Ende hin- und her verschoben. Institut für Marktwirtschaft konnte ich im Augenwinkel erhaschen. Mehrfach sehr laut und wichtig in Deutsch und Englisch telefoniert und zeitgleich sein Laptop bedient. RESPEKT!</p><p>Irgendwann kamen wir durch Köthen. Kein Mensch weiß, warum in diesem armseligen Dorf ein IC anhält. Ich war hier mehrfach mit dem Auto, mit dem Wohnmobil und dem Hund auf Durchreise nach Goslar. In dieser Gemeinde gibt es nichts, was – zumindest im innerstädtischen Bereich – zum Bleiben oder gar Verweilen verleitet. Nur ein !MUSS! kann das bewirken.</p><p>Das gab ich kund. Business-Man kam sofort lautstark aus der Deckung. Der ITler hielt verschmitzt lächelnd die Klappe. Die Gothic-Damen hinter mir warfen nun schon mit Feiglingen. Business-Man skandierte trocken: <em>"ist doch viel Leerstand hier. Kann man richtig Industrie ansiedeln. Ist doch ein Schnapper!“</em></p><p>Die Gothic-Leiterin hinter mir kommt prompt mit ner Stiege Feigling zwischen den Sitzen durch: <em>„Na dann viel Glück. Versuch mal hier Handwerk zu finden, die diese marode Scheisse wieder aufbaut … und Werkstoff dafür hat. Und dann noch Personal. 20km weiter hat Amazon sein Lager …. Alles, was nur halbwegs stehen und denken kann, wird von denen weggefischt!“</em></p><p>Ich hab´s nur gedacht --- besser hätte ich es never rüberbringen können! Business-Man war stille.</p><p>Mittlerweile hatte die hübsche junge Dame dem Kindergarten-Cop schon lautstark die Leviten gelesen. Es ginge ums business! Zwei Feiglinge hatte Sie in Ihrer Ansprache gern genommen. Helicopter-Papa hat das Sprechen dann auch eingestellt.</p><p>------</p><h3 id="leipzig-hauptbahnhof-">Leipzig Hauptbahnhof.</h3><p>Ich bin total unterhopft. Sechs Stunden im Zug. Dehydriert ist schlimm. Unterzuckert nicht minder. Aber unterhopft geht gar nicht!</p><p>#MeinerEiner also auf dem Weg zum Kiosk. Ne Zippe und ne Hülse – mehr braucht es nicht. Unterwegs zum Kiosk haut mich Rene an. Ein Penner vom obersten Board. „Rammstein“ auf meiner Tasche. „Rammstein“ auf meinem Hoodie --- und er findet Rammstein einfach nur geil.</p><p>Ich nehme sein Leergut --- komme ne Minute später wieder aus dem Kiosk und wir rauchen und kippen das Pils zusammen. Rene war/ist auch ITler. Binnen Sekunden erklärt er mir, auf miese Nachfrage meinerseits, den Sinn und Zweck von SQL-Datenbanken und warum das kein Hexenwerk wäre. RESPEKT!</p><p>Rene hat aber einfach keinen Bock mehr. Ist ausgebrannt und hoffnungslos. Böse Scheidung. Ein totes Kind --- wtf ever.  Das kann ein Gespräch mit mir nicht ändern. Ich denke aber an den jungen Mann, der mir im Zug gegenüber saß: “So doof kann man sich gar nicht anstellen …. „</p><p>----</p><h3 id="mal-unter-uns-">Mal unter uns: </h3><p><em>„in a blink of an eye --- in einem kurzen Augenblick, kann sich dein gesamtes Leben ändern. Ob Du willst oder nicht. Boom hat es gemacht …. Immer daran denken!"</em></p><p>Rene ging dann weiter. Zwei leere Tüten, die ich aus dem Kiosk wieder mitgebracht hatte, schlackerten an seinen dünnen Armen. Ich hatte ihm zwei Fünfer in die Hand gedrückt. Er traf einen offensichtlichen „Freund“ und gab ihm einen davon. RESPEKT!</p><p><strong>LEBEN --- ist nur ein Zyklus von Schicksal und Entscheidungen.</strong></p><p>Dirk Carolus</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[„The Making Of“]]></title><description><![CDATA[Schreiben ist nicht gleich Schreiben!
Heureka --- es ist geschafft.
Am 09. März 2023 gegen 21 Uhr habe ich den letzten Buchstaben in die Tastatur gehämmert.
Die Gefühlswelt, die nach dem Abspeichern mein Gehirn und auch meinen Körper übernommen hat, lässt sich nicht in Worte fassen.]]></description><link>https://dauzone.com/the-making-of/</link><guid isPermaLink="false">6414690168c44b2129465aee</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 17 Mar 2023 13:26:12 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/03/1.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/03/1.png" alt="„The Making Of“"><p>Schreiben ist nicht gleich Schreiben!</p><p>Heureka --- es ist geschafft.</p><p>Am 09. März 2023 gegen 21 Uhr habe ich den letzten Buchstaben in die Tastatur gehämmert.</p><p>Die Gefühlswelt, die nach dem Abspeichern mein Gehirn und auch meinen Körper übernommen hat, lässt sich nicht in Worte fassen. Von Freudentränen über Schockstarre bis hin zu „Ich umarme jetzt alle hier“ war alles dabei.</p><p>Ein ganz besonderer Whisky, ein 12-jähriger Redbreast, hat mich dann wieder einigermaßen in die Spur gebracht.</p><p>Irgendwie passt es auch, diesen Roman inmitten eines vollbesetzten irischen Pubs mit einem solch edlen Getränk zu beenden. Immerhin ist die Grundidee bei einem edlen Whisky entstanden. 2018 war es. Auf dem Holy Ground von Wacken.</p><p>Fast fünf Jahre später ist mir völlig klar, dass die Arbeit jetzt erst beginnt. Gut 700 Seiten müssen auf ein erträgliches und vor allem stimmiges Maß gebracht werden. Inhalte werden gestrichen, verschoben, verändert oder noch einmal ganz neu konzipiert. Aber hier verlasse ich mich voll und ganz auf meine Komplizin. Die Buchhebamme <a href="https://www.linkedin.com/in/buchhebamme/"><strong>Maria Almana</strong></a></p><p>Dann gibt es noch so Kleinigkeiten (lol) wie Layout, Titelbild, den eigentlichen Titel und die Autorenseite, Klappentexte, Druck und Vertrieb, Marketing und Logistik ... aber das sind dann Themen, bei denen ich zumindest eine Ahnung habe.</p><p>Überwiegend ist das Gefühl da, ein Kind zur Welt gebracht zu haben. Und das erste ist ja bekanntlich immer das schwerste. Nicht, dass ich das wüsste. Aber ich stelle es mir so vor.</p><p>Die reine Arbeitszeit für diesen Erguss aus 40 Jahren Achterbahnfahrt beläuft sich übrigens mittlerweile auf rund 1.200 Arbeitsstunden, wie ich gestern Abend - im Brausebrand - mal locker überschlagen habe.</p><p>Ob der Roman tatsächlich gelesen und damit verkauft wird, ist mir - mit Verlaub - eigentlich völlig egal. Mir war und ist es einfach wichtig, in dem mir gegebenen kurzen Lebenszyklus auf dieser Welt noch einmal etwas ERLEDIGT zu haben, was mir wichtig war.</p><p>Also: Prost! Und vielen Dank an alle, die fünf lange Jahre an mich geglaubt haben.</p><p>PS:</p><p>Gestern Abend im Schneetreiben von Leipzig habe ich noch eine junge Frau gesehen. Sie saß in einem dieser beleuchteten Keimzellen, die an Bushaltestellen stehen. Das Licht flackerte unregelmäßig. Auf der anderen Straßenseite fuhr in diesem Moment ein lilafarbener Leichenwagen mit einem grauen Kreuz auf dem Dach vorbei. Irgendwo hinter mir klapperte ein Gullydeckel in der Dunkelheit, und jemand kickte ununterbrochen eine leere Getränkedose vor sich her ... Jeder Augenblick enthält Geschichten</p><!--kg-card-begin: image--><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="file:///C:/Users/DIRKCA~1/AppData/Local/Temp/msohtmlclip1/01/clip_image001.png" class="kg-image" alt="„The Making Of“"></figure><!--kg-card-end: image--><p>*************</p><p>Arbeitstitel: Asche zu Asche</p><p>Website: <a href="https://asche-zu-asche.com/">https://asche-zu-asche.com/</a></p><p>Untertitel: Niemand wird böse geboren</p><p><a href="https://www.facebook.com/hashtag/aschezuasche?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#aschezuasche</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/schreiben?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#schreiben</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/einbuchverfassen?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#einbuchverfassen</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/lebenslangeslernen?__eep__=6&amp;__cft__%5b0%5d=AZXjPwsNsEBnUBgR20MrfP_7yFoymwjXnwaA6kBQRXUiF9O7iEF_CCg9_FxKYtaRWwoXLSSP7KxTHBCEYZ3yQGgvdVpyXBhFeRu1ZD4Gz9CDdTcQp8PtLH_hauv_xHcxX8BiNylOCTBaDlKlz_3-1ZCowMhb8YYEHf5DhJ4UiStZxB3JSpjbUFWAgtK5vHFFlz4&amp;__tn__=*NK-R">#lebenslangeslernen</a> #hamburg #hamburg-life #meinhamburg</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[RAL 9005]]></title><description><![CDATA[Das Brechen der Iris. Diese Nanosekunde zwischen Tod und Leben. Dieses letzte Einatmen ohne Ausatmen. Alles nach diesem kurzen Moment, eines Wimpernschlags, ist vollkommen anders .... ]]></description><link>https://dauzone.com/ral-9005/</link><guid isPermaLink="false">636d147c68c44b2129465ac1</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Das Buch]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 10 Nov 2022 15:20:48 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/11/Die-Jungs-4.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/11/Die-Jungs-4.jpg" alt="RAL 9005"><p>Hellbraun ist die Flüssigkeit in meinem Glas. Ein kurzes, kleines Whiskyglas. Wenn ich irgendwo an einer Bar sitze, nehme ich auch gern diese Gläser mit Stiel. Die wie ein erhöhter Cognac-Schwenker aussehen. Ist mir in meiner persönlichen Umgegend zu viel Firlefanz. Ein Steak, medium, bleibt ein Medium-Steak. Ganz gleich, auf welchem Teller serviert. Die Zeit, die Außentemperatur oder aber der jeweilige Gesprächspartner können und werden am idealen Punkt dieses Steaks etwas ändern. Das liegt allerdings nicht am Steak. Nur an den Umständen. Es war, irgendwann einmal, perfekt. Ebenso wie jetzt mein Whisky. Bernsteinfarben. Smooth. Leicht torfig. Rau im Mund. Leicht im Abgang. Der Rauch meiner Zigarre nebelt über den Tisch.</p><p>Weniges in meinem Leben ist so klar umrissen wie ein perfektes Steak oder ein guter Whisky. Geht oder geht nicht - das ist hier, wie so oft, meine Devise. Schwarz ist immer schwarz. Sicherlich gibt es Hunderte von Schattierungen, von Grautönen. Aber es gibt nur dieses eine Schwarz. Farbton RAL 9005 = Tiefschwarz.  Nicht RAL 9003 oder 8022. Es gibt nur ein Schwarz. So, wie es nur ein Weiß gibt. Es gibt kein Licht ohne Schatten. Es gibt kein Leben ohne Tod. Und wenn es Gott geben sollte, wird es ebenso sicher eine Kraft auf der Gegenseite geben. Ebenso klar definiert ist der Tod eines Menschen. Nicht der Tod als solches, sondern der Zeitpunkt, die Sekunde seines Todes. Nicht der zur Unkenntlichkeit verbrannte Penner in typischer Fechter-Stellung. Nicht die vielen alten Menschen, die einsam und allein in ihrer Wohnung verreckt sind. Was nur auffällt, wenn der typische Gestank durch das Treppenhaus wabert. Nicht die völlig zerfetzten Unfalltoten und auch nicht die zerplatzten Leiber, die sich irgendwo vom Hochhaus geworfen haben. Das Leben ist hier schon lange weg. An seine Stelle sind Tristesse, Blut und Fragen getreten. </p><p>Was ich meine, ist das Brechen der Iris. Diese Nanosekunde zwischen Tod und Leben. Dieses letzte Einatmen ohne Ausatmen. Oder eben umgekehrt. Alles nach diesem kurzen Moment eines Wimpernschlags ist vollkommen anders. Es ist auch völlig egal, ob du das Tier oder den Menschen  kennst, der da vor dir stirbt. Es ist endgültig. Nicht revidierbar. Ein Augenblick, der ebenso faszinierend wie erschreckend ist. Einmal erlebt, lässt es dich nie wieder los. Ein Baby. Gerade einmal ein paar Monate alt, stirbt in deinen Armen. Verhungert. Die Mutter liegt drei Meter weiter. Völlig zugekifft. Ein Mann, unterwegs zur Arbeit. Wurde unter einem LKW eingeklemmt. Ich hatte meine rechte Hand als Faust tief in seiner Schulter. Wollte die Blutung stoppen. Sein Arm war weg. Einfach abgerissen. Er hatte keine Schmerzen. Sah durch mich durch und redete unentwegt über seine Tochter. Atmete ein letztes Mal aus und war tot. Das junge Mädchen. Vielleicht 17 Jahre. Gebrochenes Zungenbein nach versuchter Vergewaltigung. Krallte sich noch in meine Jacke. Und starb. Einfach so. Ein Leben endet. Am schlimmsten sind aber die Augen. Die vergisst man nie.</p><p>Als Kind hatten wir Blacky. Einen schwarzer Pudel. Hatte sich die Staupe eingefangen. War zum Sterben in die Feldmark hinter unserem Haus getürmt. Vater und ich suchten ihn. Irgendwann hörten wir sein Winseln. In einer kleinen Sandgrube hockte er. Vater kniete sich neben ihn. Streichelte ihm den Kopf. Ich saß vor Blacky und er leckte meine Hand. Mein Vater bewegte ruckartig seine Hände. Es machte hörbar Knack und Blacky zuckte noch einmal. Seine tiefschwarzen Augen änderten die Farbe in milchig grau. Er atmete nicht mehr. Nie wieder wollte ich etwas, was sterben kann, an meiner Seite. </p><p>Rudi war dann mein zweiter Hund. Eher zufällig war ich wieder auf den Hund gekommen. Blacky war nun schon fast drei Jahrzehnte tot. Geben wir dem Schicksal noch eine Chance dachte ich. Der kleine Sohn meiner damaligen Lebensgefährtin wollte einen Hund. Dass es an mir hängenbleiben würde, war mir mehr als klar. Wir fanden einen kleinen Welpen. Irgendwo in einer Auffangstation für verwahrloste Hunde. Rudi war so klein, dass ich ihn in einer Hand halten konnte, um ihn mit der anderen Hand im Waschbecken zu waschen. Er wurde schnell ein Jahr alt und war prächtig gewachsen. Konnte damals ja keiner wissen, dass dieses kleine Häufchen Hund ein Dobermann-<a>Labrador</a>-Mix war und entsprechend wachsen würde. Renitent, angriffslustig und sich seiner Größe völlig bewusst. Eine damalige Nachbarin fragte, ob ich noch einen Hund aufnehmen würde. Großspurig antwortete ich: „was solls – kostet die gleiche Zeit. Nur doppelt Futter. Wenn Rudi mit ihm klarkommt – kein Problem!“ Zwei Tage später spielte ich mit Rudi im Garten vor dem Haus. Ein Auto hielt und eine eher verwahrloste Frau stieg grußlos aus. Aus dem Kofferraum nahm sie eine Decke. Kam zum Zaun und hielt mir die Decke hin. Etwa so groß wie ein Küchenhandtuch. Ein kleiner, abgemagerter Welpe darin. Braun. Mit einem braunem und einem weißen Auge. Noch diese kleinen, fiesen Milchzähne, wie ich Sekunden später feststellte. Ich nahm das Handtuch an. Die Frau drehte sich wortlos um und stieg wieder in ihr Auto. Drehte und fuhr davon. Rudi schabte mit den Vorderpfoten an meinem Bein und grunzte: „Was hast du da --- was hast du da?“ schien er zu fragen. Sekt oder Selters? „Geht oder geht nicht“, dachte ich. Ich setzte das kleine braune Bündel auf den Rasen und harrte angespannt der Dinge. Rudi kam vorsichtig näher. Der kleine Hund nieste und schüttelte sich. Das kleine Vieh hatte null Angst. Keinen Respekt vor der stattlichen Größe, die Rudi nun schon hatte. Biss meinem Rudi als erstes in die Pfote. Wenige Minuten später legte sich Rudi auf die Seite und das kleine braune Hundevieh kuschelte sich in seine Pfotenbeuge. Härtetest mit Bravour bestanden. Hank habe ich ihn später getauft. Auf den Namen Walter hatte er nullkommagarnicht reagiert.</p><p>Rudi und Hank wurden das, was man best buddys nennt. Unzertrennlich. Hart im Nehmen und immer zwei Schritte vor allen anderen. Rudi schlank, drahtig, intelligent und schnell. Hank, ein Pitbull-Mix, eher breit, untersetzt, sehr kräftig und clever. Das perfekte Duo. Beide hörten nicht nur aufs Wort. Sie hörten auf Gesten. Nicht diesen Müll mit Springen durch brennende Reifen oder bleizerfetzte Gänse apportieren. Links, rechts, halt, zurück, sitz, Platz! Überall und jederzeit. Schussecht und wesensstark. Mehr brauchte es für mich nicht. Eine tolle Erfahrung. Eine wunderbare Zeit. Ich war stolz auf meine Gang. Irgendwann machte meine damalige Ehefrau einen Fehler. Ist egal, was es war und warum. Rudi und Hank rannten über die Straße. Rudi wurde im Lauf frontal von einem Golf erwischt. Lag auf der Seite im Rinnstein. Hank über ihm auf dem Bürgersteig. Er leckte ihm das Blut von der Schnauze und den Augen. Rudi starb in meinen Armen. Ich sah seine Iris brechen. Sein letztes Ausatmen, bevor seine breite Brust einfiel. Hank hat danach jedwede Nahrungsaufnahme verweigert. Lag immer nur im Flur der Wohnung. Mit dem Kopf zur Eingangstür. Ich musste ihn mit der Flasche künstlich ernähren. Musste dem Hund, mit Tränen in den Augen, die Pipette in den Hals rammen. Hank hat danach nie wieder mit anderen Hunden gespielt. Geschweige denn, sie auch nur annähernd begrüßt. Wenn es jemals einen traumatisierten, apathischen Hund gab, dann war das Hank. Überlebt hatte er in einem Müllcontainer mit sechs Welpen seines Schlags. Die Mutter war vor dem Container verhungert. Hank war einer von zwei Welpen, die überlebt hatten. Aber nun war alles Leben aus ihm gewichen. Gerade, als er wieder etwas Zuversicht und Spaß am Leben fand, machte sich der Krebs in seinem Körper breit. Alles, was ich an Kraft, Zeit und Geld aufbieten konnte, half nichts. Er war ein Kämpfer. Ein starkes, unerschrockenes Vieh. Konnte aber irgendwann, von einem Tag auf den anderen, die Hinterbeine nicht mehr bewegen. Schleppte sich trotzdem vorwärts. Ich höre noch heute seine Pfoten über den Asphalt schrammen. Ich ließ ihn gehen. Auch seinen Kopf hielt ich in den Armen, als seine Augen brachen. Sein fast weißes Auge färbte sich schwarz im Augenblick des Todes.</p><p><em><strong>„Du weißt, dass das Leben endlich ist!“</strong></em> Ich spreche es laut aus und schenke mir dabei noch einen Whisky nach. Das ist mir alles klar. Mehr wahrscheinlich, als vielen anderen in meiner Umgebung. Aber diese Endlichkeit kommt immer plötzlich. Sich über Monate von einem sterbenskranken Partner zu verabschieden, ist grausam. Vom unausweichlichen Ende her aber absehbar. Plötzlich vor einem Menschen oder gar Partner zu sitzen, der sein Leben aushaucht, dessen Aura du noch spürst, dessen Seele du fast greifen kannst und dessen Körper noch warm ist. Und dessen Iris bricht, ist schwarz. </p><p><strong>Tiefschwarz. RAL 9005.</strong></p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr-->]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[My Nemesis]]></title><description><![CDATA[In rauchfarbenen Strümpfen mit Naht gebettet. Ihre Füße steckten in farblich zum Rock passenden hohen High-Heels. Warum immer noch die Schuhe an. Du liegst doch auf der Couch …  ]]></description><link>https://dauzone.com/my-nemesis/</link><guid isPermaLink="false">632a0c7636646921d40dce47</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 20 Sep 2022 19:03:50 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/09/container.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/09/container.png" alt="My Nemesis"><p></p><p><strong>Mutter</strong></p><p>An sich ist es unnütz, ein gesamtes Kapitel über meine Mutter zu verfassen. Diese selbsternannte „Königin von Saba“ ist wahrlich keiner Zeile wert. Zu voll mit Koks, zu bipolar, zu hart. Heute ertappe ich mich aber einmal mehr, mich selbst als „gelernten Rattenfänger“ zu titulieren. Und dieser Psycho aus Hameln hatte nicht das Geringste mit mir gemein. So dachte ich zumindest, bevor ich heute erstmals in die Klapse ging  …</p><p>Meine grandiose Kindheit hatte ich schon erwähnt. Nichts fiel mir schwer und alles wurde mir in den Arsch geschoben oder in den Schoß gelegt. Ein Überflieger in den Wirren von Geest und Marsch der Niederungen des meerumschlungenen Schleswig-Holsteins.</p><p>Dieses Bild in meinem Kopf vergeht einfach nicht. So sehr ich es versuche – es geht nicht weg. Meine Mutter langgestreckt auf einem Chaiselongue. Einer billigen Couch in unserem damaligen Wohnzimmer meines Elternhauses. Ich kam vom Fußballtraining heim. Ca. 11 Jahre alt. Dreckig, abgekämpft, durstig. Meine Mutter fläzte auf dieser schäbigen Couch. Wie immer, wenn ich nach dem Training nach Hause kam. Blonde lange Haare, die nun offen und wirr um ihren Kopf lagen. Eine weiße Bluse, die ob deren Durchsichtigkeit den Busen zeigte, an dem ich mich als Baby nur spärlich laben durfte. Für mein heutiges Verständnis eine perfekte MILF. Knapp die 50 Jahre überschritten und ein Viech von einer Frau. Die schlanke Taille endete in einem knappen Leder-Rock in Bordeaux. Unter dem kurzen Rock erschienen lange Beine. In rauchfarbenen Strümpfen mit Naht gebettet. Ihre Füße steckten in farblich zum Rock passenden hohen High-Heels. Warum immer noch die Schuhe an. Du liegst doch auf der Couch …. ?</p><p>Diese oder andere Fragen stellen, war aber nicht an mir. Im Blick hatte ich meinen Vater, um dem fordernden Blick meiner Mutter irgendwie ausweichen zu können. Welcher, sobald ich den Raum mit dieser/meiner Mutter darin betrat, völlig verblasste und sich dem Fernseher mit 3 Kanälen hingab oder plötzlich was „erledigen“ musste. Fett war er. Füllte die gesamte Couch rechts zu meiner Mutter aus. War stumm und gerade unheimlich fokussiert. Auf den Fernseher!</p><h3 id="-was-hat-dein-tag-heute-ergeben-">„Was hat dein Tag heute ergeben?“</h3><p>Nichts habe ich in meiner Kindheit mehr gehasst. Diese Frage war, zumal als Kind, nicht zu beantworten. „Ich hatte Spaß mit meinen Freunden! Ich habe ein Tor geschossen! Ich habe eine 2 in Mathe“ Hatte meine Mutter nie interessiert. Ihr Credo war: „gehe mit einer Mark aus dem Haus und komme mit zwei Mark wieder nach Hause!“</p><p>Wirtschaftlich gesehen – mal ab von Steuern, Abschreibung oder Break Even – eine wirklich gute Ansage wie auch Forderung. Mein Vater war zudem gelernter Buchhalter. In einer Krankheitsphase mit Aua in der Niere saß ich in dieser Zeit tagelang neben ihm. Er wälzte unheimlich große Bücher und trug dort handschriftlich Zahlen ein. Auf diesem Tisch. Zwischen diesen beiden abgewetzten Couchen. „Wichtig ist vor allem der EK ….!“</p><p>----------</p><p>Meine Mutter war einfach ein Monster. Ein absolutes Monster im Verkauf. Im Sale am Kunden. Damals 1970-1990 gab es das INTERNETZ noch nicht wirklich. Alles wurde offline erledigt und wer nicht wirbt, der stirbt halt. Die selbsternannte „Königin von Saba“ hatte alles im Griff. Diverse echte Nerz- und Fuchsmäntel. Immer auf einer 12-15cm Hacke unterwegs. Beine bis zum Hals und ein Lächeln, welches jeden Kunden und jede Kundin (schon damals) vorab schon aus der Bahn geworfen hat. Schon bevor die erste Silbe ihren perfekt gestylten Mund verlassen hat.</p><p>Meine Dynastie - also meine Mutter - war im Segment DOB, Hüte aus eigener Produktion und Brautkleider unterwegs. Gelernte Schneiderin im Kriegsgebiet der Jahre 42-45 in Berlin. Mit eigener Fabrik. Im Alter von nur 21. Mit zig Angestellten. Nach Enteignung ihrer Firma durch die Nazis zum Waffenbau ist diese Furie mit nur einem Koffer über das Eis der Ostsee abgehauen. Und in Dithmarschen - am Arsch der Heide - gelandet. Hat mit meinem Vater, der auch über die Ostsee nach Russischer Gefangenschaft getürmt war, ab 1961 einen Laden hochgezogen. Der wirklich einzigartig war. Selbst Hamburger Bräute sind ins Exil nach Schleswig/Holstein gefahren (damals gab es die A23 noch nicht!), um hier entsprechend beraten zu werden. Chapeau! Man kann sich sicher vorstellen, welche Verluste/Risiken/Ängste und dadurch Zweifel am Selbstbild wie auch dem Geschäftsmodell in diesen Jahren angesagt waren.</p><h3 id="geht-oder-geht-nicht-">Geht oder geht nicht!</h3><p>Nicht so bei meiner Mutter. „Ab dafür“ oder auch #abgehtderfuchs. Das war meine Mutter! Tablettensüchtig. Uppers zum Hochkommen - Downers zum Schlafen können. Jederzeit für jeden ansprechbar. Für Medien mit Termin im High-Society-Outfit. Und der kleine Dirk lernte, ab dem 7.ten Lebensjahr, an ihrer Hüfte. Boh - was war die Frau. Auf Stilettos so groß. Die Kunden waren damals höchst erfreut, dass die kleine „Tochter“ die Kasse bediente. Drauf geschissen. Ich hatte halt schon damals lange blonde Haare bis zur Hüfte. 😊  Es muss so 1979 gewesen sein. Meine Mutter wollte unbedingt an die Peripherie. An den damals größten Marktplatz Deutschlands (<a href="https://bit.ly/2T7OtjC">https://bit.ly/2T7OtjC</a></p><p>Gesagt - Getan. So war meine Mutter! Einen Laden gefunden inkl. Regalen und PiPaPo für den Offline-Abverkauf. Es war ihr völlig egal, dass Visavis eines der damalig größten Kaufhäuser Dithmarschens die Pforten offen hatte. EGAL! „Ich bin die Königin von Saba!“</p><p>Es war ein Freitag - ich weiß es heute noch! Ich hatte Training und mein Vater holte mich ab. Was er sonst nie tat. Wir hatten einen Termin in der Stadt. Meine Mutter saß im Auto und ihr Hut sprengte den gesamten Vordersitz. Was für ein Teil. Naturgemäß weiß ich als Kind nicht, worum es eigentlich geht. Aber es musste wichtig sein. Die gesamte Fahrt wurde kein Wort gesprochen. Ich versuchte kurz, meine Erfolge beim Training anzubringen - Eisesstille! Auf dem Marktplatz angekommen, dem Laden gegenüber, stieg mein Vater aus, um meiner Mutter die Tür zu öffnen. Ich merkte instinktiv, wie groß und aufrecht meine Mutter über die Straße schritt. Sie ging nicht - sie schwebte! Der Inhaber empfing uns und ich habe den Wortlaut noch heute in den Ohren: "10.000 DM für alle Regale, die hier noch sind!"</p><p>Meine Mutter schaute ihn an und sagte - mit einer Eiseskälte: „Reis raus den Schmutz - ich brauch den Kram nicht!" Mein Vater versuchte zu vermitteln: „Die ganze Werbung - wir machen Montag auf - wohin mit der Ware? Was soll werden?" Meine Mutter würdigte meinen Vater und auch den EX-Inhaber nicht eines Blickes und dreht sich auf dem 15cm-Absatz einfach um: "Reiß raus den Mist!" …. Und ging!</p><p>Ich habe meine Mutter von diesem Freitag bis zum kommenden Mittwoch nicht mehr gesehen. Sie hatte, natürlich, am kommenden Montag eröffnet. Aus Pappkartons vom Boden aus! An einem Mittwochabend (ich hatte mal kein Training) kam sie durch die Tür. Ein Kleid mit unendlich vielen Taschen. Schaufelte die DM-Scheine aus dem Mantel, dem Kleid, der Unterhose und dem Karton, den Sie unter dem Arm trug. Brach im Flur zusammen und kotzte sich die Seele aus dem Leib!</p><p>Meine Eltern waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Sicherlich nicht das, was man unter „Liebe“ versteht - aber es funktionierte! Meine Mom war das Flaggschiff, der Eisbrecher, die (DER) Wölfin unter Wölfen. Mein Dad war „nur“ der Strippenzieher im Hintergrund, der als Buchhalter dafür sorgte, dass alles irgendwie rund lief. Ich sehe ihn noch im Schneidersitz unter seinen Rosenranken zupfen, während meine Mutter mal wieder den Deal der Dekade einfädelte und das damalige Telefon mit Wählscheibe klingelte. Ja - wir hatten eine 70m lange analoge Leitung in den Garten und mein Dad schleppte dieses f*****g grüne Telefon überall mit hin. Es gab ja noch keine Handys. nicht Mein Dad starb 1983 (R.I.P.) Mit 66 Jahren. Einfach so, während er die Sesamstraße im Vorabendprogramm sah. Umgefallen und eingeschlafen. Wenn schon tot, ist das nicht die schlechteste Art! Er war dick. Er hatte gesoffen und 50-70 Zigaretten am Tag geraucht. Alles hatte er sich ab 65 Jahre verkniffen. Keine Freude, kein Spaß und keine Drogen. Und beißt nicht ganz 9 Monate später bei der Sesamstraße die Backen zusammen. Wollt Ihr mich verarschen?</p><p>Ich war noch in der Ausbildung zum Polizisten in Hamburg als ich es erfuhr. 108km mit dem Moped in 48min absolviert. Landstraße! Es gab noch keine Autobahn nach f*****g Heide/Holstein. Ich hatte während der Fahrt nur Bilder und Sprüche von meinem Dad im Kopf. Völlig Schizo – ich weiß! Der Mann ist tot – weg – gone! Da ist nichts mehr, was Du kitten kannst. Aber er war eben mein Leuchtturm in der Dunkelheit. Wie oft hat er im Direktor-Zimmer der Fakultät gesessen und einfach nur gefragt: „Was genau werfen Sie meinem Sohn vor?“ Dann wurde ich, als völliger Auswurf der damaligen geltenden Pro-Evolution, in diesen Raum mit dem Präsi und den Sekundären dieser „Elite“-Fakultät f*****g SH geschickt. Und dieser geile Vater sagt; O-Ton: „Er ist besonders – wenn auch anders! Wenn das Euer Anspruch ist, etwas Besonders zu verlieren? Wo genau soll ich meine Kreuze setzen?“</p><h3 id="harter-aufprall">Harter Aufprall</h3><p>Tja – mein Vater war nun tot. Egal, wie man es damals, im jugendlichen Alter, glorifizierte: er war tot! Der Inbegriff meines Seins. Weg! Und ich war nun Polizist. Zwar nur in der Ausbildung. Aber immerhin zum erlauchten Stand des gemeinen Polizisten! Ich hatte immer noch keine Verbindung zur „Königin von Saba“. War aber da! Meine Mutter litt. Zwischen Schüben von Tabletten war sie teilweise ansprechbar …. dann stritten wir uns. Bis auf´s Messer. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es flogen keine Teller wie in normalen Familien. Es flogen Messer aus dem Fleischblock. (The Clash: should i stay or should i go). Das Begräbnis von meinem Vater war der Hype: gefühlt kam die gesamte Kleinstadt mit 30k Einwohnern auf den Friedhof. Passte meiner „Königin von Saba“ natürlich nicht. SIE WAR DIE NUMMERO UNO! Im roten, bodenlangem Brokat-Mantel mit passendem 2qm-Kopfschmuck, nahm Sie gefasst sämtliche Konsultationen an. Daheim aber arbeitete derweil eine Entsorgungsfirma in meinem Kinderzimmer. Mein gesamtes bisheriges Leben wurde, während der Zeremonie der Bestattung meines Vaters, in einen Container entsorgt. Alle Zeugnisse, alle Pokale, Medaillen. Erinnerungen vom Eisprung bis zum damaligen Tag. In einem Container. Inkl. meiner Carrera-Bahn, welche ich mit meinem Vater auf dem Dachboden über 25m installiert hatte. 4-spurig!</p><h3 id="burn-motherfucker-burn">Burn – Motherfucker – Burn</h3><p>Schlechter Film? Ich weiß. Dummerweise war ich der Hauptdarsteller! Stell Dir einfach nur vor: im Garten deines Elternhausee. Unter den Rosen, die dein Vater gezüchtet hat. Dort steht ein Container mit deinem gesamten Leben in Memorabilien. Und deine leibhaftige Mutter lächelt dich an und sagt: „Kündige in Hamburg und bleib hier. Oder ich fackelt den gesamten shit ab!“ 3 Stunden nach Beerdigung deines Vaters? Sie hat das Zippo reingeworfen! Mag für viele unter uns nicht entscheidend sein. Für mich war es knapp ein Jahrzehnt Entsagung, Zeit und brotherhood mit meinem Vater! Einfach gone in einer Feuerhölle --- und meine Mutter lachte wie irre!</p><p>Ich bin wortlos gegangen und habe eine, zumindest für meine Begriffe, gute Karriere in Sachen Polizeibeamter hingelegt. Dazu später mehr. Noch innerhalb meiner Ausbildung kamen deutlichen Ansagen meiner Mutter in Richtung der Polizeiführung, dass ich keine Waffe führen dürfte, da ich auf Grund des Todes meines geliebten Vaters stark selbstmordgefährdet wäre. Über Wochen musste ich ins Einzelgespräch. Meine Ausbildung bei der Polizei war eh  … sagen wir mal „fick dich“ behaftet. Aber ich wollte es unbedingt schaffen! Und ich mache gestern wie heute nichts zu 100%, wenn ich nicht überzeugt bin! Das alles wurde, nach Monaten mit Verhandlungen, ad akta gesetzt. Ich wurde rehabilitiert! Meine Mutter erfand daraufhin den nächsten Akt: ich hätte einen Penner in meiner Geburtsstadt abgezockt und getötet. Mehr geht nicht Mutti!. Ein Bulle – in Untersuchungshaft. In der Stadt, in der er, kraft seines Amtes, diverse wirklich üble Typen in den gleichen Knast geschickt hatte. Was für ein Spaß …</p><h3 id="die-farbe-lila">Die Farbe Lila</h3><p>Auch das hatte ich überlebt. Jeden Tag im Knast den Sonnenaufgang begrüßt. Waren auch nur 6 Tage. Alles gut. Bis hierhin Kindergarten. Jeden Tag – wirklich jeden Tag war ich am Ende meines Weges. Aber Du – als Königin von Saba - packst noch einen drauf. Du warst einfach unglaublich! Eine Königin halt!</p><p>Ich hatte alles bisherige überlebt. Ich hatte meinen Job behalten. Meine damalige Traumfrau und deren Eltern zur Ehe bewogen. Hatte vor der Familie gekniet. Hatte mich erklärt. Hatte die Risiken, auch in Sachen meiner Mutter, aufgezeigt und dafür gesorgt, dass die Familie alles bezahlt!</p><p>Lila Mom: Du warst der Devil in disguise. Ich hatte meine Rede zur Hochzeit, zur Ehe mit meiner Traumfrau auf einem Zettel. Unter uns Mom: meine erste Hochzeit im zarten Alter von 22 Jahren. Deine EIER konnte ich noch nicht haben! Und Du schreitest, während den ersten Sekunden meiner Rede vor dem versammelten Publikum meiner Frau in spe, rechts an mir vorbei. Violetter Hut – violetter Lodenmantel in Leder bis zum Boden. Es wurde völlig still. Wo hast Du gewartet, um diesen Moment abzupassen? Du schreitest auf gewohnt hoher Hacke einfach nur nach vorn durch. Eine Ikone! Ich war wortlos erstarrt. Du nahmst mir mein Mikro aus den Händen. Hast mich noch nicht einmal angesehen. Nur die gut 100 Gäste im Raum und sagst: „Ich bin als Mutter mit dieser Heirat nicht einverstanden!“ Das Mikro fiel auf den Tisch und von dort auf den Boden. Du hast dich kurz gedreht und auf gleichem Weg wortlos den Raum verlassen! Es entspann sich absolute Stille. Keiner sagte ein Wort. Warum und wofür auch? Das Geräusch ihrer hohen Haken höre ich heute noch. Unter uns Mom: Dein Auftritt war meeega. Punkt! Mehr geht einfach nicht und Du hast mit nur einem Satz gezeigt was geht, wenn man(n)/Frau für etwas brennt! 6 Wochen später bist Du in deiner eigenen Scheiße jämmerlich krepiert. Völlig allein!</p><p>Mein Telefon klingelte. Unbekannte Nummer aus Büsum in Schleswig-Holstein. Ich nahm ab. Der Typ am anderen Ende meldete sich höchst eloquent. Er wäre der Freund meiner Mutter. Ich kannte den Sack aber aus glorifizierten Erzählungen meiner Mutter und einem Essen in seinem Restaurant. Ray-Ban. Auf den voluminösen Leib geschneiderter Armani Anzug. M-Klasse BMW und unsympathisch wie ein Wolf beim Verspeisen von Kadavern. Ein Erbschleicher vor dem Herrn.</p><p>Ich hatte es damals kurz gemacht. Es kam danach auch nichts mehr. Besser für ihn! Er war auch nicht anwesend, als meine Mutter beerdigt wurde. Neben meinem Vater. Der Pfaffe wollte eine große Zeremonie. Meine Mutter wäre ja ein angesehenes Mitglied der Gemeinde gewesen. Dem konnte ich nicht widersprechen. Die erste und einzige Bitch, die mit einem Ford-Cosworth durch die Straßen meiner Heimat ballerte. Zudem damals die Einzige, die auf dieses Mega-Gefährt ein Werbeschild like Vegas hatte montieren lassen: „Deine Hochzeit ist unsere Hochzeit!“ Über den Baurat alles geklärt. Das war meine Mutter! Es fiel mir schwer, dem hilflosen Pfaffen klarzumachen, das kaum einer zum Begräbnis kommen würde. „Bei ihrem Vater mussten wir den Friedhof sperren!?“ ergoss er sich in seiner Litanei. „Tut nichts zur Sache. Mein Vater war auch ein liebenswerter Mensch!“</p><p>Und es kamen wirklich nur 4 Menschen. 2 davon hatten im Laden meiner Mutter ausgeholfen. Eine Dame davon hatte mich behütet, wenn meine Mutter keine Zeit hatte. Ihre Käse-Sandwiches waren legendär. Ich hasse und hasste allerdings bis heute Käse. Aber die Frau war immer cool. Der Vierte im Bunde war der Typ Erbschleicher. Er winselte sich jedoch von dannen, während der Pfaffe im Nieselregen seinen Text verlass. Ich gab dem Kerl keine Chance. „Verpiss dich – jetzt!“ und baute mich breitbeinig im Gang zum Grab meiner Mutter auf. Der Pisser trollte sich. Der Pfaffe stockte kurz. Lass dann aber seinen Psalm weiter.</p><p>Henriette und Magda hatten mir am Grab noch ihr Beileid bekundet. Und waren dann gegangen. Der Pfaffe stand dumm rum. Es nieselte unentwegt. Der Pfaffe drängte mich, noch etwas zu sagen. Das tat ich dann auch. In diesem Moment fragte ich mich, warum die Bitch überhaupt einen Sarg bekommen hatte. Meine Halbschwester hatte nur Kohle aus dem Unternehmen rausgezogen. Hatte sich, nach dem Tod ihres Vaters (leiblich) und schon gar nicht ihrer Stiefmutter jemals gemeldet. Blut ist eben nicht dicker als Wasser. Aber ich wollte ein Begräbnis neben meinem Vater. Somit sah ich den Pfaffen an, öffnete meine Hose und verrichtete meine Notdurft auf das offene Grab meiner Mutter. „Ruhe in Frieden!“</p><p>Ich war nie wieder am Grab meiner Eltern ....</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Links-Zwo-Links-Zwo … links]]></title><description><![CDATA[Er zischte: „hast du nie bemerkt, oder?“ Ich hörte etwas in seinem Gesicht brechen, als meine Faust sein Gesicht traf ....]]></description><link>https://dauzone.com/links-zwo-links-zwo-links/</link><guid isPermaLink="false">6320d97936646921d40dcde4</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 13 Sep 2022 19:53:27 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/09/Hamburg.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<h3 id="warum-wird-man-polizist">Warum wird man Polizist?</h3><img src="https://dauzone.com/content/images/2022/09/Hamburg.jpg" alt="Links-Zwo-Links-Zwo … links"><p>An den multiplen Aufstiegschancen und fortan horrend wachsendem Gehalt kann es nicht gelegen haben. Konkurrenzlos billige Krankenversorgung kommt einem mit knapp 18 Lebensjahren nun wirklich als Letztes in den Sinn. Retten, Helfen und Bergen hatte damit auch nicht das Geringste zu tun. Der Entschluss war von reichlich simplerer Natur geprägt. 289 D-Mark als Bundi im Dreck zu 1.300 D-Mark als Polizist in Uniform. Im ersten Jahr! Meine Mutter hat mir das 1x1 der Kalkulation von Kindesbeinen an mit der Brechstange eingeimpft. Also gab es rein rechnerisch nur eine Entscheidung. Ich muss hier irgendwie raus und werde Bulle …</p><p>Nun ist das „Polizist werden“ relativ einfach. Die Prüfungen in Sachen Allgemeinwissen, Deutsch, Sport und Gesundheit waren, zumindest Anfang der 80´er, ein Witz in Relation z. B. der „Freiwilligen Feuerwehr“. Ohne es beschönigen zu wollen. Anwesenheit und zumindest nicht farbenblind geradeaus gucken zu können hatten schon ausgereicht.</p><p>Wäre da nicht diese Unterscheidung zwischen Einstieg in den mittleren oder gehobenen Dienst gewesen. Für den mittleren Dienst reicht der Abschuss der Hauptschule. Dann waren es 3 Jahre Lehrzeit, die mit der Fachhochschulreife abgeschlossen werden mussten. Jahrende später, bei guter Führung und durchgehendem JA-Sagen, um die Dienstakte sauber zu halten, hätte man dann eine Prüfung für die gehobene Laufbahn ablegen können. Für den von vorn herein gehobenen Dienst musste es schon der Abschluss des Gymnasiums + möglichst eine Empfehlung sein. Dann wurden es nur 2,5 Jahre. In allerdings völlig anderen – halt gehobenen – Bahnen.</p><h3 id="r-ckblick">Rückblick</h3><p>Schon mit dem Beginn der Schule tat sich mir eine Fähigkeit auf. Ich konnte diese damals nicht benennen. Sobald ich etwas gesehen oder gelesen hatte, war es da. Präsent. Quasi plastisch und zum Anfassen. Ich konnte praktisch aus meinem Kopf bei mir selbst abschreiben. Viel später lernte ich den Begriff dafür. Fotographisches Gedächtnis. Es ist heute immer noch so. Die Augen sind zwar schlechter – aber der Kopf arbeitet noch so wie damals. Heute weiß ich allerdings, dass es einfach nur eine Form von Hochbegabung war. Hat in den 60´ern keinen interessiert. Shit happens!</p><p>Die Schule war für mich nie ein Thema. Die eine oder andere Hänselei ob meiner Körpermaße steckte ich lächelnd weg. Ich war überall und immer ganz vorn dabei. Egal, ob Mannschaften per Entscheid ausgewählt wurden, ob es um den Klassensprecher oder die Schülerzeitung ging. Ich war immer erste Wahl. Warum? Ich kann das nicht erklären, da ich kaum einen anderen von damals fragen kann. Sicherlich lag es aber daran, dass das Leben damals – so ab 1968 – für mich ein einziger Freudenkeks war. Probleme gab es nicht. Und wenn, habe ich diese gelöst, bevor ich überhaupt gemerkt hatte, dass es ein Problem werden könnte. Ich schwamm durchgehend und über Jahre auf einer Woge der Euphorie. Nichts viel mir schwer. Nichts war für mich unmöglich und ich musste mich dafür noch nicht einmal strecken. Oder gar anstrengen. Es fiel mir im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoss.</p><h3 id="zorka">Zorka</h3><p>Natürlich kam ich dadurch anders rüber als der Rest meiner damaligen Mitstreiter, Gefolgschaft oder Kommilitonen. Ich nenne es mal Bekannte. Ich musste nie wirklich lernen. Schulaufgaben waren ohne Ausnahme immer in wenigen Minuten erledigt und dann ging ich auf die Straße in unserem Dorf. Ein langer Pfiff auf der Trillerpfeife und Schwupps trafen wir uns auf dem sogenannten „Dreiangel“ (ein Parkplatz mit drei Ausfahrten) zum Kicken bis zum Abendbrot oder zum eigentlichen Fussi-Training für die Auserwählten, die beim ABC-Wesseln mitmachen durften. Zudem war ich der „Sohn von Hutmüller“. Bei den Eltern in meinem Bekanntenkreis hatte ich keinen Namen. Ich war nur und einzig der Sohn meiner Dynastie. Der Sohn von Hutmüller. Mein Vater gab mir, schon als Kind eine Message auf den Weg: <em>„Drei Regeln mein Sohn: deine Zensuren müssen stimmen – ich hole dich nie aus dem Knast – ich zahle keine Alimente!“ </em>So einfach wie simpel. Mit gut 9 Jahren kann man da nicht viel falsch machen, wenn man, was man einmal gelesen oder gesehen hat, nicht wirklich lernen muss. Ich hatte also völlige Narrenfreiheit, welche ich in vollen Zügen genoss. So einem Überflieger laufen die Menschen nach. War damals so – ist noch heute so. Wo ich eintrat, ging das Licht an. Wo ich anwesend war, war Party angesagt. Was ich sagte, hatte zumindest Gewicht – wenn es nicht zum Gesetz wurde!</p><p>Das Erwachsenwerden konnte ich leider nicht aufhalten. Soweit reichten meine Superkräfte nicht. Heute den langsamen Verfall. Damals das langsame Erwachen der Pubertät. Dem Einhalt zu gebieten war weder ein Plan noch Fähigkeit gegeben. Die absolut genialste Braut in meiner Klasse war: Zorka. Überlegt einmal kurz und denkt in die Anfänge der 70´er. Wer kommt, im verschlafenen Dithmarschen, auf die unsinnige Idee, seine Tochter Zorka zu nennen? Computerspiele, geschweige denn Computer allgemein gab es noch nicht. Zorka war das Kind einer LSD-Bordsteinschwalbe und wurde von den Großeltern aufgezogen. In Gänze das fiese Pendant in weiblich zu meiner eher netten Persönlichkeit. Wild. Ungezähmt und unerbittlich. Nichts und niemanden lies diese Frau gelten und jeder, ganz gleich ob Junge oder Mädchen, wurde bis auf ein Minimum an Lebenswillen erniedrigt. Es war klar und unausweichlich, dass wir die Klingen über Monate bis aufs Blut kreuzten. Und uns wenig später gegenseitig in einigen zaghaften Versuchen die Unschuld nahmen. Aber es wurde nie publik. Sie wie auch ich genossen unseren Helden-Status. Da wäre die Bekanntmachung von gegenseitigem Sekret-Austausch oder gar einer andauernden Beziehung semi-professionell gewesen. Wir waren beide gut 16 Jahre alt. Aber schon echte Profis in unserem Business.</p><h3 id="der-bringer">Der Bringer</h3><p>In dieser Zeit ereilte mich ein Nierenversagen. Immer nur im T-Shirt auf dem Mofa oder Moped kann zu so etwas führen. Sagte mein Haus- und Hofarzt Dr. Muri aus dem Kreiskrankenhaus Heide. Ich erwähne das hier extra, weil dieser Kerl von einem Arzt noch viel mit mir und meiner Dynastie im weiteren Verlauf zu tun hat. Ich sage nur „10er-Karte“! Ich musste halt daheimbleiben. Dick in Watte eingepackt. Vater über seiner Buchhaltung. Mutter bei der Arbeit. Die drei Schwarz-Weiß Programme der 70ér brachten mich auch nicht wirklich in Fahrt. Also Lesen. Viel lesen. Moby Dick hätten Sie etwas kürzer machen können. Tolle Story, aber 200 Seiten hätten echt gereicht. Tom Sayer war mein Held. Robin Hood sowieso und dann kam das Buch des Krieges. Das ist aber wieder eine ganz andere Geschichte. Einer meiner Freunde damals hieß Michael. Michael bracht mir die Schulaufgaben. Michael ist das, was man heute einen Mitläufer nennt. Michael war immer da. Hat immer applaudiert. Hatte nie Widerworte und findet alles, was du tust, ultra cool und genial. Michael wohnte Luftlinie 600m entfernt und es war keine Mühe für ihn, mir den Lernstoff zu bringen.</p><p>Einige Wochen später durfte ich wieder zur Schule und meine Klausuren für den Abschluss standen an. Nachschreiben wurde das genannt. 4 Klausuren an einem Tag. Allein mit einem Aushilfslehrer in einem Klassenraum. War nicht unbedingt prickelnd. Aber ich hatte ja gelernt - so what! Und ich hatte damals jede Klausur mit Auszeichnung … verkackt! Ich hatte keinen Plan, was die von mir wollten. Ich hatte doch gelernt. Schon weil mir in den vergangenen Wochen ultra langweilig war. Aber diese hier geforderten Themen in Mathe, Bio, Physik und Englisch kannte ich nicht. Nie gesehen. Keinen Plan? Bei der ersten dachte ich noch an einen Fehler meinerseits. Bei der zweiten kam mir schon so ein ungutes Gefühl. Beide Klausuren gab ich nach nur 20min Grübeln und Zetern ab. Die Dritte sah ich mir nur kurz an und gab diese zusammen mit der Vierten, nur mit meinem Namen gezeichnet, beim Bewacher ab.</p><p>Ich wartete nicht auf meine Noten. Ich wusste, was Sache war. Gleich nach Verlassen dieses gespenstigen Klassenzimmers war ich unterwegs. Michael stand unter einem Baum im Schulhof. Ein Teil meiner Klasse war bei ihm. Ich stürmte rücksichtslos durch die Ansammlung, krallte mir den Kerl und ballerte ihn mit aller Gewalt, die ich damals leisten konnte, an die Mauer unserer Turnhalle. Michael hatte eine schmale Statur und ich kam im Laufschritt mit guten 70kg Kampfgewicht auf ihn zu. Er prallte an die Wand und fing sofort mit Stammeln und Weinen an. Ich musste noch nicht einmal fragen. Er plärrte sofort los. Das mir doch immer alles zufallen würde. Das er neidisch sei. Dass er es mir mal zeigen wollte, wie es andern an der Schule erginge. Ich gab ihm eine schallende Ohrfeige und er sackte zusammen. Diese Ohrfeige würde mich noch teuer zu stehen kommen. Das war mir aber damals wie heute völlig egal. Auch eine der vielen Dinge, die ich in meinem Leben eindeutig falsch angegangen war. Die ich aber nie bereut und auch immer wieder genauso machen würde.</p><h3 id="zeitsprung">Zeitsprung</h3><p>Gut 20 Jahre später trafen wir uns wieder. Bei einem dieser ominösen Klassentreffen, die in vielen Filmen den Stoff für allgemeines Ablachen bilden. Ich fühlte mich wieder wohl. Meine Polizeizeit lag lange hinter mir. Ich hatte ein aufstrebendes Unternehmen und gut zu tun. Es war wie damals oder immer. Auch dieses Landgasthaus in den Weiten der Dithmarscher Schweiz war mein Parkett. Wo ich war, war Licht und der Tisch war voll. Irgendwann kam Michael rein. Sah mich und zögerte. Ich stand sofort auf. Es war unverkennbar Michael. Einige hatten sich jeweils zum Positiven oder auch meist zum Negativem verändert. Er war einfach nur gealtert. Immer noch hager. Immer noch die Mundwinkel unten. Immer noch nur ein geducktes Lächeln, da es bei falschen Bewegungen oder gar Äußerungen ungemütlich werden könnte. Ich begrüßte Michael mit Handschlag und führt ihn zum Tisch. Er zog noch nicht einmal seinen dämlichen Bundeswehr-Parka aus. Saß da wie Karl-Heinz im Brunnenschacht und wartete anscheinend einfach nur auf die nächste Ohrfeige. Andere übernahmen das Gespräch und ich erfuhr, dass auch er den Polizeidienst gewählt hatte. Allerdings gleich die gehobene Laufbahn, da er nicht, wie ich, von der Schule geflogen war. Nun saß er zwischen Bergen von Akten in der Polizeidirektion Heide, im Betrugsdezernat. Ausgerechnet und immer noch in Heide. Meinem Heimatort, an dem sich unsere Wege damals als Kinder gekreuzt und später verflüchtigt hatten. <em>„Bist ja weit rumgekommen“</em>, sagte ich völlig ohne Süffisanz.</p><p>Und es brach wieder aus ihm raus. Sofort. Ohne Punkt und Komma. Ich hatte wieder einen imaginären Knopf gedrückt. „<em>Ja du. Und Du hast es geschafft oder was? Wer hat denn seine Laufbahn bei der Polizei vorzeitig gekündigt. Wer war den im Knast? Wer hat denn seine Mutter verrecken lassen? Du oder ich?“</em> Geifer lief ihm über die Lippen. Feiner Nebel seiner Brüllerei verfing sich in den Rauchschwaden meiner Zigarette. <em>„Wer hat sich um deine Mutter gekümmert, als Du getürmt bist? Wo warst Du in dieser Zeit?“</em></p><p>Es machte Plong in meinem Kopf. Der Groschen fiel mit Nachdruck. Warum wusste der Spacken so viel von mir? Und was hatte meine Mutter damit zu tun? Hat er ihr gesteckt, dass ein Polizist mit Selbstmordabsichten keinen Dienst an der Waffe tun darf? War er der Grund für meine Suspendierung in jungen Jahren als Bulle. Als meine Mutter meinen Vorgesetzten anrief und von meinen Selbstmordabsichten fantasierte? Meine Drogenmutter wäre nie auf diese Idee gekommen. So clever und charismatisch sie war - never. Den Einblick in Entscheidungen der persönlichen Führungsebene bei der Polizei hatte sie nicht. Schlimm genug, dass ich wegen seinem Mimimi damals echt schlechte Karten in Sachen Gymnasium bekam. Hatte er auch Anteil daran, dass ich inhaftiert wurde? Weil ich einen Penner in meiner Heimatstadt ausgeraubt haben soll. Meine mich liebende Mutter hatte mich damals angezeigt. Da es keine Zeugen gab, verlief das schnell im Sande. Aber eine Kerbe in der Personalakte eines sowieso recht renitenten Bullen gab es als Zugabe noch oben auf. Michael verstummte. Er sank praktisch in sich zusammen. Ich wollte ihn schlagen. Nicht nur ob meiner plötzlichen Erkenntnis. Viel mehr für die Leiden meiner Polizeizeit, die sich durch diese Erkenntnis in ein völlig anders Bild setzen ließen.</p><p>Ich wusste, dass es keine gute Idee war, diese Pussy zu schlagen. Ex-Polizist schlägt leitenden Oberbeamten. Alles in mir war auf Alarm-Modus. In den Sekunden, in denen mein Hirn in Nebel und zeitgleich gleißendes Licht getaucht war, richtete er sich wieder etwas auf und zischte: „hast du nie bemerkt, oder?“ Ich hörte etwas in seinem Gesicht brechen, als meine Faust sein Gesicht traf. Er viel like hollywood der Länge nach über den Tisch. Ich starrte noch eine ganze Weile auf dieses Häufchen Elend, dass sich auf der anderen Seite des Tisches nach unten fiel. Sich dann durch die Stühle kämpfte. Sein Parka war voll mit Getränken und Essensresten von den Tellern, die sich auf dem Tisch befanden. Michael rappelte sich hoch und versuchte unbeholfen, den Raum zu verlassen.</p><p>In diesem Augenblick erschien Zorka. Schon damals war unsere Devise: nie pünktlich erscheinen. Immer zu spät. Dann gucken alle, wenn Du eintrittst. Nichts hatte sich verändert. Michael hastete an ihr vorbei. Zorka drehte sich kurz nach ihm um und blickte dann wieder in unsere Richtung: <em>„So wie ich es sehe, hat sich nichts geändert!“</em>Es war noch gut zwei Augenblicke absolut still. Ein Kellner hatte den Tumult bemerkt und stand reglos hinter Zorka. Dann entlud sich die Spannung in brüllendem Gelächter. Zorka hatte sich nicht verändert. Böse Zungen würden Sie mit ihrem Auftritt und Outfit einfach nur als Domina bezeichnen. Ihre damals braunen, kurzen Haare waren nun als Bobby geschnitten. Kirschrot mit schwarzen Strähnen. Langer Ledermantel bis zum Boden. Ihr Schuhwerk hätte jeden Motocross-Anhänger neidisch gemacht. Mit einer gekonnten Bewegung schwang Zorka den Ledermantel von ihren nackten Schultern, setzte sich auf den Tisch und schrie: <em>„Kellner - Anmarsch!“</em> und schnippte mit den Fingern. Wir alle hatten noch einen wirklich netten Abend. Zorka und ich teilten uns später ein Zimmer in diesem verschlafenen Landgasthaus. Noch einmal und weit mehr und besser als noch in unserer Jugend. Seither haben wir uns nie wieder gesehen. Eventuell sicher besser so. Was für ein verrücktes Biest! Ich habe allerdings nach diesem Treffen auch nie wieder etwas von Michael gehört. Ganz sicher besser so!</p><h3 id="essenz">Essenz</h3><p>Meine Noten waren mir klar. Ich würde den Abschluss am Werner-Heisenberg-Gymnasium nur mit einer Baggerschaufel voller Glück schaffen. Ich war 17 Jahre alt. Mir ging eh alles grad am Arsch vorbei. Die Aufnahme in die Bundesliga als Fußballer hatte ich wegen meiner kaputten Knie verkackt. Meine Prüfung bei der Polizei, für den gehobenen Dienst, hatte ich dagegen mit Auszeichnung (trotz kaputter Knie?) bestanden. Aber ohne entsprechendes Zeugnis und Belobigung – no way! Du musst es Dir vorstellen. Da gibt es in der Deutsch-Prüfung 4 unscharfe Zeichnungen aus einem 70´er Jahre Fax-Gerät. Eine „Kohlenschaufel“. Und Du sollst dazu einen Aufsatz schreiben. Ein Comic sozusagen schriftlich vertonen. Wow – was für eine Aufgabe, um Polizist zu werden? Was nutzt das aber alles, selbst wenn du (natürlich) mit Bestnote diesen Kindergarten-Aufsatz hinlegst. Wenn ich wenig später  den Abschluss an diesem hochherrschaftlichen Gymnasium verkacke. Ich war wieder einmal angepisst. Ich hatte Zorka versprochen, sie abzuholen. Wie es bei altehrwürdigen Gymnasien der Fall war, gab es auch hier eine exorbitant schöne und weitläufige Auffahrt. In meinem Brass steuerte ich mein Moped direkt über die breite Auffahrt auf Zorka zu. Machte einen Power-Slide kurz vor ihren Füßen. Zorka rührte sich nicht einen Millimeter. Schmiss sich lächelnd hinten rauf und schlang mir ihre Arme um die Taille. Helm? Was soll der Shit? Wir brausten quer über die Beete und den Direx-Parkplatz davon. Nur ein paar Tage später stand die Polizei vor der Tür meines Elternhauses. Tatverdacht auf Nötigung, Rauditum und Entführung. Antragsteller: das Werner-Heisenberg-Gymnasium. Endlich hatten die Pisser mich wirklich an den Eiern. Ich flog achtkantig von der Schule. Mit Hauptschulabschluss!</p><p>Du kannst keinem Menschen hinter die Stirn gucken. Erst wenn dieser Mensch mit dem Rücken an der Wand steht. Erst wenn ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Erst wenn er alles verliert, wirst Du erkennen, zu was dieser Mensch wirklich fähig ist. Dann siehst Du seine Stärke, Durchsetzungskraft, Loyalität oder auch Demut und Erkenntnis. Oder eben genau das Gegenteil. Bis dahin bleibt es immer - das ganze Leben - ein Fischen im Trüben. Eventuell erklärt das ein wenig meinen Hang zu gefallenen Persönlichkeiten, die sich trotz aller Widerstände immer noch an einem grandiosen Sonnenaufgang oder einfach nur am harmonischen Flug einer Scharr von Schwalben in vollem Tempo begeistern können. Es gibt nur dieses eine Leben. Dein Leben</p><h3 id="feuer-frei-">Feuer frei ---</h3><p>Zorka, mein Moped und mein Schulabschluss waren abgehakt. Da ging nichts mehr. Ich würde die Prüfung bei der Polizei erneut machen müssen. Ein Bittschreiben meines Vaters sorgte dafür. „Der Junge will nichts mehr, als Polizist werden!“ Drauf geschissen. Mir ging es in dieser Zeit um nichts anderes als Speed und Kohle für diesen Speed.</p><p>Natürlich hatte ich alles gelesen, was es über Motorräder auf dem Markt zu lesen gab. Und. by the way, es gab damals noch kein Internetz. Ich wollte diese ultimative Maschine, diese eine. Mein Thunderbike, sobald ich den Lappen dafür in Händen hatte. DOMOLS gab es noch die „freiwillige PS-Beschränkung“ in Deutschland bis maximal 100PS (bis 1999). Ich war also 1979 mittendrin in dem Dilemma. Ich wollte mehr!</p><p>Wie es so auf dem Dorf ist - jeder kennt jeden. Und der Sohn eines Bauern hatte genau diese Maschine im Stall stehen. Die Kawasaki 650er Cup war eine Rennserie für die Straße. Zwar auch nur 82PS, aber im Renntrimm leichter als jedes vergleichbare Serien-Fahrzeug. Nur 2000 Stück wurden damals davon hergestellt. Die hier fristete ihr tristes Dasein im Stall.  Genauer gesagt im Schweinestall. Mit Gülle und Schweinescheiße bis zum Motor bedeckt. In einem Mitleid erregenden Zustand. EGAL - ich war verliebt!</p><p>Die Karre kostete damals noch neu 8.200 DM. Völliger Nonsens-Preis. Aber ich hatte schon mehr riskiert, wenn ich verliebt war. Völlig überbezahlt - ich weiß - aber MEINS! Mit dem Tore schießen, Rasenmähen, Auto-Putzen und Botengängen + ein wenig Sponsoring meines Vaters wurde das Teil bezahlt. Und ich schrubbte. Und ich wusch. Ich verbrauchte mehr Stahlwolle als die hiesige Tankreinigungsfirma. Polierwolle wurde knapp in meiner Heimatstadt. Die völlig durch Gülle verrotzten Motorschrauben besorgte mir "mein Dealer von der Tanke" in feinstem Zustand. Ein Galvanisierungsbetrieb, dessen Leiter der Schwager des Neffens eines Bruders von irgendeinem Skatfreund meines Vaters war, sorgte sich um die Speichenfelgen und deren Laufkultur. Kurzum … ich brauchte knapp 6 Monate, bis die Karre startklar war. Meine Karre - mein Eintritt in eine Welt ohne Grenzen.</p><p>Apropos Dealer meines Vertrauens von der Tanke: kennt ihr das noch? Bin ja über Jahre zuvor diese Zweitakter mit dem 1:50 Gemisch gefahren. Und bei uns auf dem Dörben hatte die Tankstelle so eine Zapfsäule an der Tanke mit zwei Aufsätzen. An der Kasse haste für einfoffzich zwei Token bekommen, hast den Rüssel in den Tank gehalten und den ersten Token in die Öffnung links der Zapfe gesteckt. Danach den Rüssel gewechselt, wieder in den Tank rein und den zweiten Token in die Öffnung rechts von der Zapfe. Und fertig war die stinkende 1:50 Pampe.</p><h3 id="grenzenlos">Grenzenlos</h3><p>Führerschein in Dithmarschen? Wo du schon mit 7 Jahren einen Trecker und mit 11 Jahren ein Auto mit Lenkradschaltung fehlerfrei fahren kannst. Zumindest wenn der Sitz nah genug an den Pedalen ist oder Du die 12cm Holzklötze mit den Lederriemen an die Schuhe bekommst. Und ein Freund eines Freundes auf dem Dorf ist „natürlich“ Fahrlehrer. Kein Problem: in 4-5 Fahrstunden war der Lappen klar. Inkl. Auto, Motorrad bis hin zum LKW mit Anhänger. Was kostet die Welt …</p><p>Ich war es ja so gewohnt. Kurze Hose, T-Shirt und Badelatschen waren die Grundausstattung auf dem Moped. Nun war es aber eine echte Rennmaschine - eine Cup-Version. Leistung ohne Ende für damalige Verhältnisse. Meine erste Fahrt mit dem gewohnten Dress brachte mich auf´s Polizeirevier. Zumindest ein Helm statt der Sonnenbrille wurde gefordert. Von da an stand ich ein wenig unter Beobachtung, was so mein Outfit betraf. Wenig später schoss ich mich mit der Karre das erste Mal von der Bahn. Nicht, weil ich nicht fahren konnte. Es war einfach nur kindliche Blödheit. Endlich wurdest Du mit einem Motorrad auch von anderen Bikern akzeptiert. Tausende Male hatte ich auf dem Mofa oder dem Moped lässig die Hand zum Biker-Gruß gehoben. Nie wurde dies erwidert. Jetzt aber – jetzt musste es klappen. Ist nur blöd, wenn dieser Gehirnfurz dich bei 170km/h überfällt. Du den linken Arm zum Gruß hochreißt. Es dir über den plötzlichen Luftwiderstand den Arm nach hinten und damit den Lenker verreist und Du statt in die Kurve einfach geradeaus in ein frisch gedüngtes Ackerfeld ballerst. Und schon wieder lagen wir, diesmal gemeinsam, in der Gülle.</p><p>Der andere Mopedfahrer drehte bei und kam zurück. Mir war nichts passiert – Schlamm und Scheiße dämpfen ungemein. Da es noch keine Handys gab, ist der Typ in die Stadt gegurkt, hat Meldung gemacht und wenig später kamen Jan (mein Dealer von der Tanke) und ?? noch einer mit dem Trecker und die Kawa wurde auf den Hänger gehievt.</p><h3 id="einmal-mit-alles-schaaf-">Einmal mit Alles – schaaf!</h3><p>Frisch durch die Jauche gebrezelt, betrachtete Jan nun den Schaden. An sich macht er ja nur in Traktoren – aber Schrauber ist halt Schrauber. Wir sprachen kurz drüber, ob ich die Karre wieder aufgebaut haben wolle. Klares Ja. Es wurde ein wenig telefoniert. Es wurde bestellt und mit etlichen Bata Deals was eingefädelt, an denen mein Vater damals noch großen Anteil hatte (erst viel später kam das raus!). Gute 5 Wochen sah ich weder meine Karre noch Jan. Die Werkstatt hinter der Tanke war zugehängt. Das war der Deal: „Lass mich mal machen – stör nicht!“ Die Wochen auf dem Fahrrad – mitten im Sommer – waren die Pest. Mein Vater ließ mich ackern wie blöd und auch meine Mutter hatte eine nicht endend wollende Aufgabenliste für mich.</p><p>Irgendwann stand Jan mit dem Trecker vor dem Laden meiner Eltern und grinste frech: <em>„Bock auf Bock?“</em> Einfach so. Mitten auf der Hauptstraße geparkt. Das Ergebnis war so überwältigend, dass ich mich damals wirklich vor Freude eingenässt habe. Für Freunde der „Uralt-Technik“ der 80er: Lenhard&amp;Wagner 4:1, Tomasseli Stummel, Leichtmetallfelgen (der damals neuste shit!!) und das gesamte Fahrwerk über Koni aufgebaut nebst neuer Sitzbank. Dazu noch ein Bohrkit (damals keinen Dunst – ich vertraute meinem Dealer), der die Karre von nominell 82PS auf etwa 100PS brachte. Gemessen am Hinterrad! Bei 12kg weniger Gewicht als im Originalzustand. Ein Hammergerät – a star was born!</p><p>Und nun mal das geistige Auge auf Empfang! Dieser Junge, der bis dato nie Grenzen hatte und immer erst, wenn Blut kam, mal ein wenig nachdachte, fuhr dann mit genau dieser Karre zum nun schon zweiten Eignungstest der Polizei Hamburg. Die 4:1 Auspuffanlage war so laut, dass ich auf dem Bock Watte in Den Ohren hatte. In der Mensa alle wussten … da kommt noch einer! Auch wenn ich gut 15min zu spät war. Schwarze Boots, schwarzes Leder bis zum Hals, Tankrucksack geschultert und lange blonde Haare bis zum Arsch. Ich stieß die Tür zur Mensa auf: Mit einem lauten <em>„Sorry – war Stau“</em> latschte ich durch den Raum und ließ mich auf einen freien Platz ganz vorn plumpsen. Erwartungsvoll blickte ich hoch, weil es absolut totenstill war. Drei Polimanzisten im vollen Brokat-Ornat starrten mich an. Einer erhob wenig später das Wort, zunächst ganz leise:<em> „Der kommt zu mir!“</em> Dann sehr viel lauter direkt in meine Richtung: <em>„Dich krieg ich!“</em> Der Beginn einer ultimativen Hassliebe mit PHK Rollenhagen für die nächsten 1.124 Tage (ja - ich habe sie gezählt!). Das ist aber die nächste Geschichte.</p><h3 id="benzin-">Benzin …</h3><p><em>„Speed is only a question of money ...“</em> (Mad Max). Wer hat diesen Film, wenn vom Ballern mit dem Motorrad nicht angefixt, etwa allen Ernstes nicht gesehen? An sich hätte ich, wenn wir mal Relation und Wahrscheinlichkeit bemühen, Anfang bis Mitte der 80´er schon den Löffel abgeben müssen. Es gab nichts, was wir auf dem Bike nicht probiert haben. Egal, welche YouTube Bike-Porns von heute in Eurem Schädel gerade ablaufen. Wir haben diese um ein Vielfaches gerissen. Anfang der 80´er gab es dafür leider noch kein Forum. Ist sicherlich auch besser so …</p><p>Dieses Kapitel ist allerdings einzig und allein dem PHK Rollenhagen gewidmet. Im weiteren Verlauf einfach Rollo genannt. Ein echt mieser … aber irgendwie auch geiler Typ. Er hat mich geknechtet und abgemahnt, wo es nur ging. Ich war in der Ausbildung zum Polizeibeamten und diese miese Sau war mein „Vertrauens- und Klassenlehrer“. Um alle Bedenken von vorn herein zu killen: Ohne „Rollo“ wäre ich niemals länger als maximal 5 Monate in der Ausbildung zum Polizeibeamten geblieben. Punkt! Ohne Rollo hätte ich viele Momente als Polizist (schützen, bergen, helfen) weder genießen noch erfahren können oder gar dürfen und hätte viel an Lebenserfahrung oder Weitsicht niemals erreicht! Und ohne den „Rollo-Spirit“ hätte ich wahrscheinlich auch mein Leben als solches verloren. Danke somit Rollo (R.I.P)</p><h3 id="antreten">Antreten</h3><p>Rollo hatte mich ja schon am Tag meiner zweiten Eignungsprüfung auf dem Plan. Der Spruch in der Mensa - vor versammelter Mannschaft: <em>„Den krieg ich - der kommt zu mir!!“</em> sagte an sich schon alles. In meiner damalig durchaus noch aufmüpfigen wie gleichsam kindlichen Denke waren damit schon die Gräben der Zukunft abgesteckt. Ich im vollkommen Lederdress, grad vom Hocker/Motorrad abgestiegen. Rollo in Uniform mit blinkenden Sternen und Ausbilder-Mütze. Ich mit Helm und nassen, dazu langen blonden Haaren bis zur Hüfte. Er betont bürokratisch. Ich laissez faire: <em>„Der will nur spielen!“</em> Nein - wollte er nicht! Ohne Übertreibung: egal, wo ich stand, saß, aß oder gar Notdurft verrichtete. Rollo war da! Mein „Vertrauenslehrer“ konnte, zumindest außerhalb der Unterrichtsstunden, jederzeit über mich verfügen. Vor dem Unterricht (Frühstück) oder aber in der Mittagspause wie auch nach dem Unterricht konnte er mich auf die Geschäftsstube bestellen. Wenn ich nicht erschien, hätte ich ihm einen Grund zur Abmahnung (Befehlsverweigerung) gegeben. Also erschien ich. In zwei Jahren meiner Ausbildung zum Polizeibeamten der Hansestadt Hamburg an immerhin gut 500 Tagen. Dazu meist 2x am Tag - je nach Laune und/oder Terminen von Rollo. Und es machte auch keinen Unterschied, ob Rollo dann da war oder in einem Termin war oder zum Essen ging. An jedem Tag, an jedem f*****g day, also jeden Tag, lag in der Dienststube einfach nur ein leeres, weißes DIN A4 Blatt mit einem vorgedruckten Text vor: <em>„Hiermit kündige ich aus persönlichen Gründen zum nächstmöglichen Zeitpunkt meinen Dienst und damit meine Ausbildung bei der Polizei Hamburg.“</em></p><p>Datum: ____________________     Gelesen und gezeichnet:  ________________</p><p>Wenn Rollo da war, verließ dieser Patriarch nach Darreichung des Zettels sein Dienstzimmer. Wortlos! Wenn nicht, hatte mich seine Stubenhilfe im Auge. Morgens und/oder abends saß ich dann da. Jeweils mindestens 30-50min. Zu Mittag auch gern eine gute Stunde. Ein frühzeitiges Entfernen ohne Erlaubnis hätte wieder eine Abmahnung; im Amtsdeutsch eine Dienstaufsichtsbeschwerde, nach sich gezogen. Vorne vor dem Dienstzimmer saß ja immer so ein minderbemittelter menschlicher Wachhund in Uniform. Ich war mir dessen völlig bewusst. Und genau diese Blöße gab ich mir nicht. Niemals. Nicht an einem einzigen Tag dieser tausenden von verschwendeten Stunden an Lebenszeit!</p><h3 id="mean-machine">Mean Machine</h3><p>Rückblickend betrachtet war Rollo kein wirklich böser Mann. Rollo war halt Rollo. Außer Schwarz und Weiß gab es für ihn keine Farben. Richtig oder falsch waren damit, in seiner Denke, ganz einfach einzuordnen. Gut und Böse ebenso. Recht und Gesetz, Anstand, Ethik und Moral waren die Eckpfeiler seines Denkens. Nicht so weit weg von meiner Erziehung. All das, was Rollo predigte, hatte mein Vater mir schon über die letzten, nun schon knapp 20 Jahre, eingeimpft und anerzogen.</p><p>Was Rollo und mich trennte war einzig und allein die Uniform. Und meine immerwährende Frage nach dem „Warum“? In Rollos Augen war ich ein Nichtsnutz. Er lernte mich kennen als Kind ohne Grenzen. Hungrig, wissbegierig und … sagen wir mal naturbelassen. „Geht nicht“ gab es für mich bis dato nicht. Ich hatte immer noch lange Haare bis zum Gürtel. Ich hörte Deep Purple und Savatage, ich spielte fast nackt Fußball in meiner Freizeit und hatte trotz oder gerade deswegen eine tolle hood mit meinen Kommilitonen im gleichen Jahrgang. Was in Sachen Regeln und Gesetzmäßigkeiten für einen angehenden Polizeibeamten in den Augen von Rollo naturgemäß an Blasphemie grenzte. Das ich dann noch ein Verfahren gegen den „Haarerlass“ der Hamburger Innenbehörde anstrebte, gab dem Mann dann wahrlich den Rest.</p><p>Fakt: in meinem Jahrgang 1981 wurden nun auch gern Frauen angenommen. Nichts dagegen. Absolut nichts! Machen „fast“ den gleichen Dienst wie die Kerle. Lernen den gleichen Stumpfsinn und verdienen die gleiche Kohle. Aber dürfen lange Haare haben. Ich als Kerl aber nicht? Die Frage nach dem „Warum“ stellte sich mir in der Ausbildung an sich jeden Tag. Hier sah ich mich in meiner … wie heißt es heut im „Gender-Vokabular“ so schön - Selbstfindung - in Relation zur Weiblichkeit doch sehr beschnitten. Im wahrsten Sinne des Wortes! Also ging ich dagegen an. Auch „meine“ Haare kann ich zum Dutt verarbeiten und unter einer Dienstmütze verstecken. Kein Problem! Diese Nummer und damit leider ausschließlich nur meine Nummer, ging bis zum LG Hamburg. Ein junger Polizeibeamter besteht auf seine langen Haare. Es ging in der Urteilsfindung nicht um die Relation zu den weiblichen Kolleginnen. Es ging nur um mich. Als Mann, der auch lange Haare in Uniform tragen wollte.</p><h3 id="verloren">Verloren</h3><p>Klar hatte ich diesen Kampf verloren. Es ging hier nicht um Logik. Egal, was mir in meinen jungen Jahren eingeimpft wurde. 1+1 ist nur dann 2, wenn es in den Augen des weisungsfähigen Betrachters Sinn machte. Es wurde mir im Verlauf der langen Verhandlungen völlig klar. Ich würde hier nichts holen. Aber zumindest einen Versuch war es wert. Rollo heimste sich eins und kam jeden Tag quitsch und fidel aus der Rektorenbesprechung. Er pikste mich noch mehr, als er es vorher tat und suchte nur nach einem Grund, mich des Unterrichts und damit nachhaltig der Ausbildung zum Polizeibeamten zu verweisen.</p><p><strong>1.</strong> Die schwarzen Polyestersocken der Hansestadt waren ein Muss in Sachen Uniform. 5-10min nach dem Anziehen dieser schwarzen Müllbeutel hast Du „down under“ gestunken wie ein Iltis. Also habe ich - 80er Jahre halt - aus Prinzip und Selbstschutz weiße Tennis-Socken aus Baumwolle getragen. Abmahnung!</p><p><strong>2.</strong> 30° Grad und mehr Temperatur hatten wir auch schon in den 80ern. In der Ausbildung - im Klassenzimmer einfach mal diesen „Fertig-Schlips“ (nix mit Binden - nur anstecken!) abnehmen und den obersten Hemdknopf öffnen. Abmahnung!</p><p><strong>3.</strong> Morgens spät dran und die Hemdklappen, diese Flügel, die dich als Gefreiter, Strunz-Popel oder halt Anfänger-Bulle haben erkennen lassen, einfach mal vergessen. In einer Schule mit ca. 1.500 Polizeianwärter-Strunz-Popeln. Alle gleich und ja: jedem war auch damals schon klar, wer ich bin. Nur Rollo sah das anders. Abmahnung!</p><p>Möglichkeiten für Rollo gab es zuhauf. Wir waren eine sogenannte „Problemklasse.“ Alles ja nur Haupt-Schöler! Die Röteln-Epidemie im PAZ-Ausbildungszentrum Hamburg ging auf meine Klasse (einfach mal googeln). Aber es war an sich völlig egal, wo sich meine Klasse bewegte oder wie diese Klasse sich verhielt. Ich war auch hier immer der Ansprechpartner für meinen Klassen- und Vertrauenslehrer Rollo. Ich weiß heute nicht mehr, was da abging. Was der Auslöser war und/oder worum es ging. Ich weiß nur noch, dass ich meinen Ausbilder Rollo vor der Klasse auf den Flur gebeten habe: <em>„Lass uns das draußen klären - unter Männern!“</em></p><p>Rollo lächelte <em>(hatte er je gelächelt?) </em>wissend und zeigte mir sofort, mit einer kurzen Handbewegung, den Weg zur Tür. Ich ein Bubi von 19 Jahren mit Wut und Kindersperma plus diverser Abmahnungen im Pelz. Er ein erfahrener Mann und zudem professioneller Boxer. Die Klasse war still. Eine Stecknadel hätte man gehört. Ich war auf alles gefasst und das Adrenalin lief mir buchstäblich aus den Ohren. Ich wollte den Mann wegmachen. Einfach umhauen. Einfach mal einen Tag Ruhe haben vor diesem Wichser. Rollo drehte mir aber, nachdem er betont langsam die Tür geschlossen hatte, einfach nur den Rücken zu und machte sich einen Zigarillo an. Absolutes Rauchverbot in der Schule! Bettete seinen Breitarsch entspannt auf einem Fenstersims und musterte mich. Ich war voll auf Zinne und kampfbereit: <em>„Nun komm doch – Du Pussy!“</em> brüllte ich.</p><p>Und das erste Mal kam von ihm mein Zauberwort: <em>„Warum?“</em> fragte er völlig entspannt. Nahm einen tiefen Zug aus seinem Zigarillo und glotzte mich mit offenen Augen an. Ich war völlig verdutzt. Der Mann war plötzlich die Ruhe selbst. Erklärte mir in ruhigen Sätzen, warum er mich tagein, tagaus in den Wahnsinn getrieben hatte. In seiner Welt kommen nur die durch, die allen Widerständen trotzen können und trotzdem erhoben Hauptes stehen bleiben!</p><p>Ich war baff. Jedwedes Adrenalin floss mir in die Blase. Rollo haute dann noch ein wenig gegen die Wände. Er schrie sehr laut rum und ließ die Fensterflügel im Flur laut schlagen, während er seinen Zigarillo in den Hof warf. Er öffnete die Klassentür und wies mir den Weg in die Klasse zurück. Ich verneinte. Ich musste pissen. Er lächelte. Nun schon zum zweiten Mal in 1.225 Tagen.</p><h3 id="only-the-best-die-young">Only the best die young</h3><p>Wir haben nie wieder über diesen Tag gesprochen. Alle Fragen meiner Klassenkameraden blockte ich kategorisch ab. Es gab nichts zu erzählen! Wenn ich heute über diese Minuten nachdenke, sammeln sich Tränen in meinen Augen. Ich machte meinen Abschluss mit sehr guten Noten und hatte alle Wege frei. Ich hatte trotz aller Widerstände meinen Weg gemacht. War in einer Einheit angekommen, in die ich gehörte. Der Schädeltrupp. Nur Gestörte und Durchgeknallte. Aber mein Rücken war immer safe. Verlass auf ganzer Linie in diese Truppe! Jahre später hatten wir Schießtraining. Eine große Hand legte sich auf meine Schulter. Rollo stand neben mir. Er zoomte meine Schuss-Kladde ran.  Musterte mein Ergebnis. Gab mir mit der Faust einen Stupser unter das Kinn und lächelte. Wortlos ging er. Knapp ein Jahr später war er tot. Krebs. Einfach umgekippt und aus. Die Bluteiche für Hamburger Polizisten auf dem Olsdorfer Friedhof wollte er nicht. Er wollte in Poppenbüttel anonym bestattet werden. 8 Menschen waren da. Nicht mehr. Nicht weniger. Rollo war halt nicht wirklich beliebt. Aber ein Kerl wie er im Buche steht. Mit allen Ecken und Kanten!</p><p>Danke Rollo. Und ganz im Ernst. Ich habe heute, gut 40 Jahre später, immer noch Tränen in den Augen, wenn ich an unsere beschissen geile Zeit denke und diesen Wust zu Papier bringe.</p><p>R.I.P.  PHK Rollenhagen.</p><p>Es gibt immer zwei Seiten. Aber nur eine, auf der Du stehst (cc. Daniel Wirtz)</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[And The Winner Is ...]]></title><description><![CDATA[Deine Finger werden langsamer. Dein Blick geht an die Decke. Du musst hier raus. Dir ist übel und es ist plötzlich unsagbar heiß ….]]></description><link>https://dauzone.com/and-the-winner-is-enzo/</link><guid isPermaLink="false">62d18edaec5fc67b3899edb2</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 15 Jul 2022 16:13:43 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/07/enzo.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/07/enzo.png" alt="And The Winner Is ..."><p><strong><em>Kennst Du das?</em></strong></p><p>Du bist mitten im Arbeitsfieber. Im kreativen und produzierenden Zentrum deines Denkapparats. Das Telefon klingelt. Diese email muss noch beantwortet werden. Hier noch ein Post und da noch schnell eine Rechnung schreiben. Tak, tak, tak … immer schneller. Immer weiter. Stillstand ist Rückschritt!</p><p>Und dann macht dein Rechner leise „ping“ und eine Nachricht taucht unten rechts auf dem Bildschirm auf. Nur die headline. Du bleibst noch 10-15min im Stakkato der Anschläge. Diese headline legt sich aber wie ein Schleier auf deinen Geist. Deine Finger werden langsamer. Dein Blick geht an die Decke. Du musst hier raus. Dir ist übel und es ist plötzlich unsagbar heiß ….</p><h3 id="enzo-ist-gestorben">Enzo ist gestorben</h3><p>Im April 21 hatte ich ihn, nach gut 15 Jahren Abstinenz, endlich wieder gefunden. Corona und deren Seuchenpfad hielten mich von einer Reise nach Sardinien ab. Dann kam wieder das Tak, Tak, Tak Hauen und Stechen in die Tasten … und nun ist er nicht mehr. R.I.P. mein Freund!</p><h3 id="geschichten-eines-mannes">Geschichten eines Mannes</h3><p>Enzo war einzigartig. Arrogant, hochmütig, exzentrisch und extrem fokussiert. Gleichsam wissbegierig, eloquent, empathisch, witzig und vor allem logisch. Wir begegneten uns, als er gerade eine Horde wildgewordener Bodybuilder in nicht ganz 10min mucksmäuschen still machte.</p><p>Nur wenig später war ich in seiner Akademie am Leistungs-Stützpunkt Hannover und durfte dort hospitieren. Tagein, tagaus war ich mit einem liebenswerten Kotzbrocken von Mensch unterwegs. Er gängelte, forderte und überforderte mich jeden Tag. Physisch wie psychisch. Über ganze 6 Monate.</p><p>Enzo war im Grunde seines Herzens ein typische Bodybuiler. Stand mit Arnold Schwarzenegger und Co. in etlichen Competitions auf der Bühne. Da er immer clean und natural war, hatte er da natürlich nicht viel zu melden. In dieser Zeit (Anfang bis Ende der 80er) musste Enzo nebenbei auf dem Bau schaffen, um über die Runden zu kommen. Irgendwann fiel er aus dem dritten Stock. Hatte sich alles gebrochen, was man sich nur brechen kann und überlebte nur auf Grund seiner damaligen Muskulatur!</p><h3 id="a-star-was-born">A Star Was Born</h3><p>Phönix aus der Asche. Wieder leidlich hergestellt, begann Enzo wieder mit dem Training. Nun aber wissenschaftlich, didaktisch in Eigenleistung aufbereitet. In wenigen Jahren wurde aus dem Bodybuilder Vincenzo ein wandelndes Lexikon in Sachen Ernährung, Physiologie, Osteologie, Kinesiologie und dem daraus abgeleiteten System der 1-Satz-Lehre.</p><p>Hier trafen wir aufeinander. Sicherlich gab es eine Verbindung auf Grund unseres gemeinsamen Schicksals. Er unsanft vom Dach gefallen – ich vom Moped. Liegenbleiben war für beide keine Option. Er danach alles neu gerichtet. So ich auch. Aber es traf ein vorlauter junger Mann mit einem gewaltigen Ego auf einen gesetzten älteren Herrn mit einem um Universen größeren Ego und unnachahmlicher Power. Er musste mich erst brechen, um mich lehren zu können (O-Ton Enzo!) Es waren im Rückblick die wichtigsten 4 Jahre meines Lebens.</p><h3 id="anekdoten-und-spr-che-eines-mentors">Anekdoten und Sprüche eines Mentors</h3><p><strong>Die Gazelle:</strong> Wir waren in einem chinesischen Restaurant. Die buddhistische Fastenplatte war in dieser Zeit das Maß der Dinge für mich. Nach einem Training mit Enzo (3x am Tag über je 2-3 Stunden) schmeckte dieses Gemüse wie pures Grillhähnchen mit Pommes. Eine wirklich (wirklich sehr) übergewichtige Frau machte sich am Buffet zu schaffen und kam mit einem so vollen Teller an, dass es am Rand runterlief und sie Schwierigkeiten hatte, diesen mit beiden Händen noch tragen zu können. Enzo stand auf. Ging an ihren Tisch und stellte sich mit einer knappen Verbeugung lautstark vor. Dann kam: <em>„Finden Sie nicht, dass bei Ihren Ausmaßen „Friss die Hälfte“ zumindest angesagt, wenn nicht gesundheitlich von Nöten wäre?“</em> Volle Lautstärke – mitten im gut besuchten Lokal. Totenstille. Enzo kam langsamen Schrittes zurück an unseren Tisch und posaunte noch einmal in den Raum: <em>„Kann ich nicht machen aus dickes Schwein Gazelle – kann ich nur machen dünnes Schwein!“</em> Die Dame plus Anhang verließen erbost das Restaurant. Enzo übernahm die Zeche. Das war es ihm offensichtlich wert.</p><p><strong>Der Tresen:</strong> Enzo hatte ein Fitness-Studio. Wie jedes Studio in dieser Zeit (und auch noch heute!) ist der Gast König. Zuvorkommend, immer hilfsbereit, auf jede Frage eingehend. So hatte ich es gelernt. Bei Enzo im Studio standen 4 Bilderrahmen (60x40cm) auf dem Tresen, die gedruckte Inschriften trugen:</p><p><em>„Bündeln Sie all Ihre Fragen zu einem Termin. Für eine Frage pro Termin ist mein Leben zu kurz!“</em></p><p><em>„Bevor Sie eine Frage loswerden möchten, bemühen Sie vorab ihren gesunden Menschenverstand. Meist erübrigt sich dann Ihre Frage“</em></p><p><em>„Gewichte sind nur Mittel zum Zweck. Welchen Zweck hat Dein Besuch heute?“</em></p><p><em>„Ich bin gerade in einer Trainings-Unterweisung. Im Nebenraum finden Sie einen Fernseher nebst Video-Recorder. Sie wissen, was zu tun ist.“</em></p><h3 id="spr-che">Sprüche</h3><p><em>„neben mir hat Arnold immer blass ausgesehen!“</em></p><p><em>„Solange Fingernägel noch wachse, könne auch Muskel wachse!“</em></p><p><em>„Erst wenn Du liegst am Boden, du haben andere Perspektive!“</em></p><p><em>„Solange eine Muskel zucke, solange er kann leiste!“</em></p><p><em>„Esse isse Treibstoff, zu viel esse isse Dämmstoff!“</em></p><p><em>„wenn du wolle mehr, musse leiste mehr. 1+0 bleibe 1!“</em></p><p><em>"Eiweisse-Pampe aus Dose. Du hast jemals gesehen eine 200kg Gorilla mit eine Dose Eiweiß?"</em></p><p><em>„mache Pause. Nur Pause. Nur 1min. Tik Tak … !“</em></p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><h3 id="vielen-dank-f-r-alles-es-war-mir-eine-ehre">Vielen Dank für alles. Es war mir eine Ehre</h3><h3 id="r-i-p-mein-enzo">R.I.P. mein Enzo</h3>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gewalt ist uncool - II]]></title><description><![CDATA[Ein Kollege direkt vor mir sackte in die Knie. Eine Stahlkugel hatte sowohl sein Schild als auch sein Visier am Helm durchschlagen. Schnelle Hände zogen den blutenden, bewusstlosen jungen Mann durch den Schlamm nach hinten.]]></description><link>https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool-2/</link><guid isPermaLink="false">622a00f5ec5fc67b3899ecb1</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 10 Mar 2022 13:56:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Hamburger-Kessel.jpeg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Hamburger-Kessel.jpeg" alt="Gewalt ist uncool - II"><p><a href="https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool/"><strong>(erster Teil hier!)</strong></a></p><h3 id="06-06-1986">06.06.1986</h3><p>Um 20h war Treffen im Einsatz-Zentrum. Kurze Lagebesprechung, Ausrüstung holen, Ausrüstung checken und in die Mannschaftsbusse klettern. Gegen Mitternacht waren wir unterwegs nach Brokdorf, wo für den 07.06.86 zur Anti-Kernkraft-Demo aufgerufen wurde. Das Land Schleswig-Holstein hatte um Unterstützung gebeten, da mehr als 30.000 Teilnehmer erwartet wurden.</p><p>Unser Konvoi traf irgendwann gegen 2h morgens in Brokdorf ein. Saukalt, dunkel, leichter Nieselregen. Daran erinnere ich mich noch. Natürlich haben auch Polizisten eine eigene Meinung. Während der Fahrt und beim Abpacken in Brokdorf unterhielten wir uns natürlich auch über Kernkraft, über Tschernobyl, über die Gefahren, Risiken und die Zukunft. Das ist genau der Spagat, den ein Polizist praktisch jeden Tag leisten muss. Ich denke keiner von uns damals hatte wirklich Bock auf Kernkraft. Was nützt es aber? Du kannst Dir einen „Kernkraft-Nein-Danke“ Button ans Revers deiner Uniform heften, musst aber trotzdem für Recht und Gesetz sorgen. Mir persönlich war es doch völlig egal, wer sich da in aller Herrgottsfrühe am Deich bei Brokdorf die Beine in den Bauch steht und nass bis auf die Knochen wird. Aber es war nun einmal unser Job.</p><p>Gegen Morgen tauchten die ersten Gestalten auf. Regenjacken, Bundeswehr-Parkas. Ganz normale Menschen auf dem Weg zu einer Kundgebung. Wir Polizisten befanden uns noch im Innenbereich des AKW. Langsam aber sicher wurden es immer mehr. Es wurde laut. Es wurde gesungen und auch gebrüllt. Aber nichts, was einen wirklich in Panik versetzen sollte. Der eigentliche Kundgebungsort war die Deichstraße. Einige Hundert Demonstranten versammelten sich aber nun vor dem Tor zum AKW. Irgendein hirnverbrannter Obermotz unserer Polizeiführung sah darin anscheinend eine Provokation oder aber vielmehr eine Möglichkeit, sich endlich profilieren zu können. Die Wasserwerfer wurden scharf gemacht. Links und rechts mussten Polizisten diese abschirmen. Junge Polizisten. Anfänger. Praktisch Kinder. Ohne Vorwissen oder gar Erfahrung in diesen Einsatz geschickt.</p><h3 id="die-kausale-kette">Die kausale Kette</h3><p>Um es hier gern noch einmal aufzugreifen. Wir sprechen hier von der sogenannten kausalen Kette. Dieses sich gegenseitig hochschaukeln durch Aktion und dadurch bedingter Reaktion. Dieses Ding mit: <em>Bis einer weint!</em> Natürlich hatten die Demonstranten kein Recht, bis an die Tore des AKW vorzurücken. Der Kundgebungsplatz war weit entfernt. Dann aber sofort die Wasserwerfer scharf machen, weil ein paar Hundert Regenjackenträger sich einem 3m hohen und mehrfach gesicherten Stahltor nähern? Ist das wirklich die Wahl des mildesten Mittels? Und dann schickt irgendein Trottel der Führung den Wasserwerfer, umsäumt von einer Hundertschaft ahnungsloser Polizisten auch noch aus dem Tor raus. Warum? Auch diese Frage konnte mir nie abschließend erklärt werden. Und so kam es, wie es kommen musste. Die Demonstranten machten Sitzblockade vor dem Wasserwerfer. Der Wasserwerfer wurde eingesetzt. Die Demonstranten warfen mit Erdklumpen und Matschbrocken. Die jungen Polizisten versuchten, die Sitzblockade zu lösen. Natürlich kam es dabei zu Handgreiflichkeiten. Mehr Demonstranten kamen zu diesem Tumult. Der zweite und dritte Wasserwerfer wurde eingesetzt. Weitere Demonstranten fühlten sich provoziert. Eine weitere Hundertschaft wurde in Stellung geschickt … es schaukelte sich halt auf.</p><p>Mittlerweile erhielten wir Informationen, dass Spezialkräfte aus Niedersachsen an den Zufahrtsstraßen nach Brokdorf weitere Besucher der Demo aufhielten. Hubschrauber kreisten nun über dem AKW Gelände. Ich bekam ein mulmiges Gefühl. Mittlerweile wurde den Wasserwerfern CS-Gas zugesetzt. Brennt wie Tränengas. Allerdings auf beiden Seiten - je nach Windrichtung wurde der feine Dunst auch auf unsere Kollegen gesendet. Welche - im Gegensatz zu vielen erfahrenen Demonstranten - keine Gasmaske am Mann hatten.</p><p>Und nun sahen die sogenannten Störer ihre Zeit gekommen. Verhaltensgestörte Subjekte, die ihren Hass, ihr persönliches Versagen und den gesamten Frust auf die Menschheit sehr gern auf staatliche Organe lenken. Vermummt in Tarnkleidung. Mit Zwillen, Stahlkugeln und Pyros bewaffnet. Im Schutz der allgemeinen Verwirrung gingen diese Gruppierungen ans Werk. Eine größere Gruppe versuchte von rechts hinter die Polizeikette zu gelangen. Die jungen Kollegen hielten Stand und wir formierten uns im Schutz ihrer lächerlichen Plastikschilde. 1986 war unsere Standardausrüstung mehr oder weniger für den Kindergarten gedacht. Springerstiefel, eine leichte Einsatzhose, ne Lederjacke und ein Helm mit Visier. Mehr war es nicht. Dazu ein Schlagstock am Mann und entweder ein rundes Schild für die mutigen Wikinger oder ein Schild im Rechteck, mit dem man sich kaum normal bewegen konnte. Ein Kollege direkt vor mir sackte in die Knie. Eine Stahlkugel hatte sowohl sein Schild als auch sein Visier am Helm durchschlagen. Schnelle Hände zogen den blutenden, bewusstlosen jungen Mann durch den Schlamm nach hinten. Und die Kette schloss sich wieder.</p><p>Molotows wurden geschleudert. Diese waren aber im Schlamm relativ ungefährlich. Viel schlimmer waren (kannte ich bis dato auch noch nicht) die 1 Liter Plastikflaschen mit Steinen und Fäkalien gefüllt, die gegen die Schilde der Kette geschleudert wurden. Die Dinger hatten im wahrsten Sinne des Wortes „mannstoppende“ Wirkung. Entweder durch die Wucht des Einschlags oder den bestialischen Gestank, der sich nach dem Platzen der Flaschen mit der CS-Brühe vermischte.</p><h3 id="wir-hatten-m-he-uns-zu-formieren-">Wir hatten Mühe, uns zu formieren. </h3><p>Immer wieder kippte ein Kollege aus der Kette. Ein Chaos aus Matsch, Gestank, CS-Reizgas und brüllenden Menschen. Neben mir viel einer meiner Kollegen. Eine große blutende Wunde am Oberschenkel. Neben ihm viel ein zweiter brüllend zu Boden. Im Augenwinkel sah ich etwas Helles mit Chrom weghuschen. Dann erwischte es mich. Glücklicherweise nur an der Lederjacke. Das Ende einer Vierkant-Stange. Durchsetzt mit langen Dachdecker-Nägeln und mit Nato-Draht umwickelt. Die Störer aus der zweiten Reihe der Demonstranten warfen diese über und in unsere Kette und rissen diese dann wieder mit Gewalt zurück. Kleidung, Fleisch und Beine meiner Kollegen verfingen sich in dieser perfiden Waffe. Mit dem Rücken am Zaun und den Kollegen vor Dir gab es an sich kein Entkommen. Endlich gab unser Einsatzleiter den Befehl des Vorrückens. Alles war besser, als hier wie die Maus gefangen zu sein. Die Presse wie auch die Demonstranten nannten das später „die polizeiliche Treibjagd durch die Wilster Marsch“. Für uns war es einfach nur die Flucht nach vorn. Die Augen voller Tränen, den Geschmack von Pisse und Blut im Mund und ohne Sinn und Konzept oder gar Führung aus einer ausweglosen Situation ausbrechen.</p><h3 id="mittlerweile-war-es-ca-14h-am-07-06-86">Mittlerweile war es ca. 14h am 07.06.86</h3><p>Meine Kollegen und ich waren nun also seit ca. 30 Stunden ohne Schlaf im Einsatz. Wir sammelten uns. Hubschrauber landeten und wir begaben uns damit auf den Weg zurück nach Hamburg. Die Demonstranten, die den Weg nach Brokdorf nicht geschafft hatten, rotteten sich nun in Hamburg zusammen. Hamburg zog uns aus Brokdorf ab. Die Hansestadt brauchte uns. Kleinere Fleischwunden wurden von den Sanis noch im Heli versorgt. Der seit Stunden andauernde Adrenalin-Schock legte sich. Die Kollegen um mich herum wurden still. Ich weinte. Das gebe ich unumwunden und gerne zu. Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt; an purer Zerstörungslust gepaart mit Freude, andere Menschen zu verletzen, hatte ich bislang noch nicht erlebt. Ich war fertig. Die Eindrücke der letzten Stunden forderten Tribut. „Absitzen Richtung Feld“ brüllte es aus dem Bord-System.</p><p>Wir wurden auf dem freigeräumten Heiligengeistfeld abgesetzt. Unter den Rotorblättern der Helis liefen wir in Richtung Einsatzort Feldstraße. Von einem Steinhagel empfangen vielen neben mir wieder einige Kollegen zu Boden. Schien- und Knieschützer hätten in diesem Steinhagel sicherlich geholfen. Hatten wir damals aber nicht. Zeit zum Bergen der Kollegen hatten wir auch nicht. Aber es waren ja Sanis in den Helis. Also weiter. Im Vorbeilaufen sah ich ein brennendes Taxi, auf dessen Dach ein Vermummter mit Palästinenser-Outfit herumsprang. Am Einsatzort angekommen wurden wir von unserer Führung angewiesen, um eine Gruppe Demonstranten eine Kette zu bilden. Wir - dieser ehemalige Schädel-Trupp, nun völlig fertige Männer weit jenseits von Elite, formierten also mit weiteren überreizten Kollegen nun das, was im Nachhinein als „Hamburger-Kessel“ bezeichnet wurde.</p><p>Die Geschichte ist auch hier recht schnell erzählt. Über diesen Kessel gibt es ziemlich gute Publikationen, welche dessen Ausmaß als auch rechtliche Bedenklichkeit zumindest ordentlich schildern. Meine Kollegen und ich standen aber dort. Live. Vor Ort. Am Rande der Erschöpfung und nervlich am Ende. Nichts, was ich bisher erlebt hatte, war mit dem, was ich in den letzten Tagen und Stunden sehen und damit verarbeiten musste, vergleichbar. Ich wollte hier nicht sein. Eure Ansichten und politischen Bedenken interessieren mich grad nicht. Das Recht auf freie Meinung und Demonstration. Am Arsch --- war mir egal. Ich stinke wie ein Abwasserkanal. Habe das Blut meiner Kollegen an den Händen und der Uniform. Mir ist saukalt. Ich habe Hunger und ich muss pissen. Ohne Ende pissen! Aber ich muss dienen. Und ein Ausscheren aus der Kette würde bedeuten, die Kollegen im Stich zu lassen. Keine Option!</p><h3 id="der-kessel">Der Kessel</h3><p>Und dann stehste da. Und wieder war es das gleiche Spiel. Dieser „Kessel“ war ebenso unnütz wie die ganzen Scharmützel und Gefechte zuvor. Es hat sich wieder einmal aufgeschaukelt bis einer heult. Für nix und wieder nix, was uns allen ein Blick in die Geschichte leicht klar macht. Wir standen aber nun dort. Einige hatten noch ein Visier. Andere nicht. Wir wurden angespuckt. So das Grüne von unten. Mitten ins Gesicht. Ein Kerl steht direkt vor mir. Abstand 30-40cm. Grinst mir ins Gesicht und pisst mir dabei seelenruhig auf die Stiefel. Warm läuft es mir in die Stiefel rein. Meine Contenance ist am Ende. Ich will gerade ausholen. Über den Knopf im Ohr höre ich: <em>„kein Schlagstock-Einsatz. Die Presse ist anwesend!“</em> Also zurück in Reihe und die Warme Pisse an den Füssen irgendwie gutheißen.</p><p>Mal ehrlich: zwei Menschen sind unterschiedlicher Meinung. Können aber gerade den Schreibtisch nicht verlassen. Und der eine pisst dem anderen in die Stiefel. Wie lange kann man da ruhig bleiben? Aber auch hier wurde vorab mehrfach gewarnt. Bitte verlassen Sie diesen Bereich. Trotzdem blieben diese Demonstranten da. Und wir standen nun dumm drum rum. <em>„Ich bin nichts - ich kann nichts - gebt mir eine Uniform“</em>. Das mussten wir uns bis weit nach Mitternacht anhören. Über 13 Stunden dauerte dieser blödsinnige Kessel. Flogen die Beleidigungen, die Spucke und von außen die Bierflaschen. Irgendwann ging auch dieser Einsatz zu Ende. Irgendwann waren wir wieder in der Unterkunft. Nur die Klamotten loswerden. Viele meiner Kollegen warfen dieses Konglomerat aus Matsch, Fäkalien, Schweiß und Blut einfach nur in die Feuertonne. Keine Verherrlichung - pure Apathie. Wir standen gegen 4h morgens fast nackt um eine Feuertonne, in der unsere Uniform verbrannte. Prosteten uns über den Flammen mit einem Bier zu und waren ansonsten völlig still. Leer.</p><h3 id="nachsatz-">Nachsatz:</h3><p>Natürlich wurde wenig später die Einsatzleitung und dazu die gesamte Polizeiführung abgekanzelt. Wir kleine Bullen bekamen alle einen Eintrag in die Akte. Drauf geschissen. Letztlich haben wir es ja überlebt und ich hoffe für mich, dass ich dieses Kapitel meines Lebens mit diesem Bericht nun endlich einmal abschließen kann. Aber was ist dieser Einsatz im Gegensatz zum Krieg. In Relation nur ein weiterer Kindergarten. Und genau deshalb weiß ich, wie kacke Gewalt ist und warum Kleinigkeiten zu Kriegen eskalieren können. Bis einer heult ….. für nichts und wieder nichts!</p><p>Sorry  :(  </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Gewalt ist uncool ...]]></title><description><![CDATA[Heute beginne ich mal am Ende. Ich weiß nicht wirklich, ob es klug ist, solch einen Bericht in der heutigen Zeit zu posten. Aber was ist heutzutage schon richtig, falsch oder gar klug?]]></description><link>https://dauzone.com/gewalt-ist-uncool/</link><guid isPermaLink="false">6228ec68ec5fc67b3899ec6c</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Wed, 09 Mar 2022 18:22:02 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Restless.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/03/Restless.jpg" alt="Gewalt ist uncool ..."><p>Heute beginne ich mal am Ende eines Kapitels. Ich weiß nicht wirklich, ob es klug ist, solch einen Bericht in der heutigen Zeit zu posten. Aber was ist heutzutage schon richtig, falsch oder gar klug?</p><h3 id="hamburg-linie-1-u-bahn-station-alsterdorfer-str-">Hamburg. Linie 1. U-Bahn-Station Alsterdorfer Str.</h3><p>Eigentlich ganz nett. Zur linken das kleine Stadion des SC Sperber. Liebevoll das „Schmuckkästchen“ genannt. Rechts davon der kleine Speckgürtel der Innenstadt – gleich nach Eppendorf. Ich registrierte das aber alles nicht wirklich. Wie oft hatte ich hier oben nach Feierabend gestanden und einfach nur einem Liga-Kick der Sperber zugesehen oder meine Gedanken in der Abendsonne baumeln lassen. Damals wunderte ich mich einfach nur und immer wieder, warum meine Springerstiefel so kaputt aussehen und starrte dabei 2-3x meiner Bahn nach, die ich eigentlich nehmen wollte. Ich war außer der Gedanken an meine dreckigen Stiefel völlig leer ….</p><h3 id="06-06-1986">06.06.1986</h3><p>Seit einigen Jahren nun war ich Polizeibeamter der Stadt Hamburg. Nur wenige Monate davon in Uniform, da ich die Notwendigkeiten von Befehlen beim „normalen“ Streifendienst ein ums andere Mal vehement in Frage stellte. <em>„Befehl ist Befehl“</em> hieß es da immer wieder. Und auf Nachfrage, warum dieser Murks nun als Befehl ausgegeben wurde kam immer wieder <em>„war schon immer so – frag nicht – diene!“</em> Damit war bei mir kein Staat zu machen. Auch wenn ich erst 24 Lenze auf die Uhr brachte. Ich wollte das <strong>WARUM </strong>wissen. Und wenn es weder Argumente noch eine zumindest stimmige Erklärung gab? Dann tat ich es nicht. Punkt!</p><p>Dazu muss erklärt werden, dass der Hamburger Senat recht einfach rechnete. Die Ausbildung eines Polizeibeamten dauert im Mittel 3 Jahre. Drei Jahre kosten den Steuerzahler um bei 100.000 (damals noch DM). Dem kündigen wir nicht einfach – den stecken wir woanders hin. Das Auffangbecken für solche Kandidaten, Gestörte, Revoluzzer, Psychopathen und Befehls-Ketzer war der Schädel-Trupp. Eine Elite. Das sage ich nicht ohne einen gewissen Stolz. Keiner von uns hätte als „gemeiner“ Polizist wirklich Streife fahren dürfen. Aber wir waren eine Einheit – und was für eine.</p><p>Als Beispiel nehme ich mal „Plocke“ (Name geändert). Plocke war hochgradig sozial engagiert. Arbeitete neben und auch nach seinen Schichten in der christlichen Jugend. Pfadfinder, bei den Samaritern unterwegs und half bei Not auch im Krankenhaus und im Hospiz am Hauptbahnhof. Plocke war 1,65cm groß. Ebenso breit wie tief. Plocke war umgänglich, lustig, immer zu Scherzen bereit und ein StandUp Komiker, den die Welt einfach gebraucht hätte. Plocke war aber schizo. Völlig neben der Spur, wenn es in den Einsatz ging. Plocke hatte in seiner Einsatzjacke am Rücken zwei Auskerbungen, in denen verlängerte Schlagstöcke eingefasst waren. Sobald Not am Mann war, griff sich Plocke hinten an den Kragen – zog die beiden Teile raus und metzelte drauf los. Völlig egal, ob Frau, Kind oder Mann im Weg standen. Plocke klärte das. Brachial, schnell, ohne Rücksicht oder überhaupt Gewissen. Danach ne Fluppe angesteckt und Witze gerissen. Nicht über den gerade beendeten Einsatz. Einfach nur so. Als ob das <strong><em>Vorher </em></strong>überhaupt nichts gewesen wäre. Nun muss man dazu wissen, dass mindestens 15min vor so einem Einsatz des Schädel-Trupps 3x gewarnt wurde. Nicht mit dem heimischen Mikrofon, sondern über bombastische Lautsprecher. „Bitte verlassen Sie dieses Areal!“ Und wer bei drei (3) noch nicht verschwunden war, hatte halt Pech gehabt, da er eine potentielle Gefahr darstellte.</p><h3 id="durchgeknallt-und-polizei">Durchgeknallt und Polizei</h3><p>Tja. Was genau unterscheidet nun einen Bullen von deinem Investment-Banker oder dem Notarzt, der ausgerechnet an deiner Unfallstätte auftaucht? Wenn alle drei Psycho sind? Alle vertrauen trotzdem auf dich. Aber keinem kannst Du wirklich hinter die Stirn gucken. So einfach meine Rechnung. Plocke war dazu noch der entspannteste Part unserer Truppe. Es ging noch weit härter. Aber eines war so sicher wie die Schwerkraft existent ist: mit diesen Kollegen an der Seite war dein Rücken immer frei. Immer sicher! Ihr kennt sicherlich diese Gruppen-Teambuilding-Spielchen, wo sich einer mit dem Rücken zur Gruppe hinstellt und sich fallen lässt. „Hurra, hurra – und jetzt ein Pikkolöchen“. Brauchten wir nicht. Wir wussten, wer neben und hinter uns steht.</p><p>Warum Schädel-Trupp. Ist recht einfach erklärt. Wir waren die Speerspitze, um sogenannte Störer aus einer Demonstration zu eliminieren. Polizeikette geht auf --- wir in Dreieck (Kopf voraus) mitten durch die meist hasserfüllte Menge. Störer gegriffen – ins Innere des Dreiecks gesichert und wieder zurück hinter die Linie. Was sich taktisch einfach anhört, war inmitten von Spucke, mit Pisse gefüllten Kondomen, Brandsätzen und Steinen nicht wirklich einfach. Das Leben im Schädel-Trupp war dazu aber noch relativ easy. Dienst von 8-16h, ansonsten in Bereitschaft. 1-2 Stunden am Tag irgendwelchen Stoff auf der Schulbank lernen. Der Rest war Sport: Fitness, Gewichte, Nahkampf, Fußball oder andere Ballsportarten. Wann, mit wem oder wie war uns überlassen. Bedingung war einzig: jederzeit bereit. Ich wohnte damals im beschaulichen Eimsbüttel. Hatte grad meine Sachen in der heimischen Wohnung abgestellt, als das Telefon klingelte. Es war der 06.06.1986 …. 17:45h Uhr. Ich weiß es genau, da ich auf dem Weg zum Telefon (Handy gab es noch nicht) über die Couch stolperte und mit der Wanduhr im Flur unsanft kollidierte.</p><p>Mein gesamtes Weltbild (bis heute) änderte sich ab diesem Augenblick ….</p><p>07.06.1986 —  to be continued  -   Part II</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>