Schon die Begrüßung klingt für mich wie ein missglückter Werbeslogan. Aber ich vibriere – vor Vorfreude, versteht sich.
Rückblende:
Damals. Also wirklich damals. Im Land von Geest und Moor, irgendwo zwischen Nordsee, Ostsee und ausgeprägter Langeweile.
Unsere Winterausrüstung? Ein paar ausgelatschte Buffer von Adidas, Schienbeinschützer und ein Parka in der Einheitsfarbe "Hornhautumbra" oder "NATO-Grün". Durch die Ärmel gezogen: diese Handschuhe mit ohne Finger. Schnee gab’s reichlich. Skifahren? Fehlanzeige. Wir hatten Trecker, Tümpel und Gleiteisen – rostige Stahldinger, die man sich unter die Hausschuhe klemmen musste.
Einbrechen ins Eis war nicht nur Mutprobe, sondern Bildungsmaßnahme: eine Woche schulfrei.
Heute:
Ein halbes Jahrhundert später stehe ich in meinem ersten Skigebiet. Kein überkandideltes St. Moritz, kein mondänes Kitzbühel – ein 1400-Meter-Buckel am Arsch der Heide, irgendwo zwischen Bayerischem Wald und Tschechien. Letzter Schneefall: vor einem Monat.
Für mich als Fußballer übersetzt: Der Rasen ist völlig trocken – nimm die Multinoppe.
08:00 Uhr. Klappernde Skier, polternde Skistiefel – und die tägliche Ehekrise, weil das Double-Partnerlook-Outfit nicht zusammenpasst. Genervte Kinder, gestresste Eltern. Das Auto zu klein, der Stau zu lang, die Lust längst im Keller.
09:30 Uhr. Endlich oben. Die Familie schleppt sich durch das Packeis des Parkplatzes, Ski und Stöcke wie Kampfgeschosse in alle Richtungen gestreckt. Schrammen an Motorhauben? Kollateralschaden. Wer hier überlebt, kommt auch durch die weiße Wildnis.
Ankunft im „Schnee“. Vier Wochen alt, grau wie Opas Unterhemd. Mutti zum Skilehrer. Die Kids in die Skischule. Der Kerl hoch zur schwarzen Piste.
90 Minuten später trifft er wieder auf die Realität.
„Wie lange dauert so eine Abfahrt von da oben?“ frage ich.
Verklärter Blick. So in etwa, als hätte er gerade 30 Minuten High-Speed mit meinem Motorrad auf der Nürburgring-Nordschleife überlebt.
„Nur ein paar Minuten – aber geil!“
Ich nicke. „Und? Wie oft bist du gefahren?“
Er ballt die Faust, unterlegt mit einem imaginären Bämm und Tschakalaka:
„Einmal!“
12:30 Uhr. Die Blagen kehren zurück. Alles, was eben noch in minutiös verteilte Funktionskleidung verpackt war, liegt jetzt in einer Mischung aus Schneematsch, Obatzter-Resten und vergilbten Zigarettenkippen. Handy raus, zocken. Oder Bilder von der Piste mit Emojis verwüsten. Essen? Kann warten. Erstmal Snapchat.
13:30 Uhr. Mutti stößt dazu. Völlig genervt vom Skilehrer. Den Mann, der sich derweil um die Blagen gekümmert hat? Sie nimmt ihn nicht mal wahr. Wahrscheinlich steht er einfach nur im Weg ihrer Emotionen des Bergs.
14:00 Uhr. Ich geh dann mal. Runter mit dem Bus. Buffer an, Ball ins Tor.
Ohne Skipass, ohne Stau, ohne Wahnsinn. Einfach nur, weil ich’s kann.
Und weil Fußball mich noch nie gefragt hat, welche Jacke ich trage!