<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Leben - dauzone.com]]></title><description><![CDATA[Der Blog von Autor Dirk Carolus]]></description><link>https://dauzone.com/</link><image><url>https://dauzone.com/favicon.png</url><title>Leben - dauzone.com</title><link>https://dauzone.com/</link></image><generator>Ghost 2.30</generator><lastBuildDate>Wed, 15 Apr 2026 22:36:31 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://dauzone.com/tag/leben/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Willkommen am Berg]]></title><description><![CDATA[Ein halbes Jahrhundert später stehe ich in meinem ersten Skigebiet. Kein überkandideltes St. Moritz, kein mondänes Kitzbühel – ein 1400-Meter-Buckel am Arsch der Heide, irgendwo zwischen Bayerischem Wald und Tschechien ...]]></description><link>https://dauzone.com/willkommen-am-berg/</link><guid isPermaLink="false">67a3857668c44b2129465cd7</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Wed, 05 Feb 2025 15:42:19 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2025/02/Bodenmais.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2025/02/Bodenmais.jpg" alt="Willkommen am Berg"><p>Schon die Begrüßung klingt für mich wie ein missglückter Werbeslogan. Aber ich vibriere – vor Vorfreude, versteht sich.</p><h3 id="r-ckblende-">Rückblende:</h3><p>Damals. Also wirklich damals. Im Land von Geest und Moor, irgendwo zwischen Nordsee, Ostsee und ausgeprägter Langeweile.</p><p>Unsere Winterausrüstung? Ein paar ausgelatschte Buffer von Adidas, Schienbeinschützer und ein Parka in der Einheitsfarbe "Hornhautumbra" oder "NATO-Grün". Durch die Ärmel gezogen: diese Handschuhe mit ohne Finger. Schnee gab’s reichlich. Skifahren? Fehlanzeige. Wir hatten Trecker, Tümpel und Gleiteisen – rostige Stahldinger, die man sich unter die Hausschuhe klemmen musste.</p><p>Einbrechen ins Eis war nicht nur Mutprobe, sondern Bildungsmaßnahme: eine Woche schulfrei.</p><h3 id="heute-">Heute:</h3><p>Ein halbes Jahrhundert später stehe ich in meinem ersten Skigebiet. Kein überkandideltes St. Moritz, kein mondänes Kitzbühel – ein 1400-Meter-Buckel am Arsch der Heide, irgendwo zwischen Bayerischem Wald und Tschechien. Letzter Schneefall: vor einem Monat.</p><p>Für mich als Fußballer übersetzt: <em>Der Rasen ist völlig trocken – nimm die Multinoppe.</em></p><p><strong>08:00 Uhr.</strong> Klappernde Skier, polternde Skistiefel – und die tägliche Ehekrise, weil das Double-Partnerlook-Outfit nicht zusammenpasst. Genervte Kinder, gestresste Eltern. Das Auto zu klein, der Stau zu lang, die Lust längst im Keller.</p><p><strong>09:30 Uhr</strong>. Endlich oben. Die Familie schleppt sich durch das Packeis des Parkplatzes, Ski und Stöcke wie Kampfgeschosse in alle Richtungen gestreckt. Schrammen an Motorhauben? Kollateralschaden. Wer hier überlebt, kommt auch durch die weiße Wildnis.</p><p>Ankunft im „Schnee“. Vier Wochen alt, grau wie Opas Unterhemd. Mutti zum Skilehrer. Die Kids in die Skischule. Der Kerl hoch zur schwarzen Piste.</p><p>90 Minuten später trifft er wieder auf die Realität.</p><p>„Wie lange dauert so eine Abfahrt von da oben?“ frage ich.</p><p>Verklärter Blick. So in etwa, als hätte er gerade 30 Minuten High-Speed mit meinem Motorrad auf der Nürburgring-Nordschleife überlebt.</p><p>„Nur ein paar Minuten – aber geil!“</p><p>Ich nicke. „Und? Wie oft bist du gefahren?“</p><p>Er ballt die Faust, unterlegt mit einem imaginären Bämm und Tschakalaka:</p><p>„Einmal!“</p><p><strong>12:30 Uhr.</strong> Die Blagen kehren zurück. Alles, was eben noch in minutiös verteilte Funktionskleidung verpackt war, liegt jetzt in einer Mischung aus Schneematsch, Obatzter-Resten und vergilbten Zigarettenkippen. Handy raus, zocken. Oder Bilder von der Piste mit Emojis verwüsten. Essen? Kann warten. Erstmal Snapchat.</p><p><strong>13:30 Uhr.</strong> Mutti stößt dazu. Völlig genervt vom Skilehrer. Den Mann, der sich derweil um die Blagen gekümmert hat? Sie nimmt ihn nicht mal wahr. Wahrscheinlich steht er einfach nur im Weg ihrer Emotionen des Bergs.</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p><strong>14:00 Uhr.</strong> Ich geh dann mal. Runter mit dem Bus. Buffer an, Ball ins Tor.</p><p>Ohne Skipass, ohne Stau, ohne Wahnsinn. Einfach nur, weil ich’s kann.</p><p>Und weil Fußball mich noch nie gefragt hat, welche Jacke ich trage!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ein Liebesbrief]]></title><description><![CDATA[2025 feiere ich ein außergewöhnliches Jubiläum, denn meine treue Begleiterin, meine Suzuki TL 1000 S, wird offiziell zum Oldtimer]]></description><link>https://dauzone.com/ein-liebesbrief/</link><guid isPermaLink="false">679364c868c44b2129465c8d</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 24 Jan 2025 09:20:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2025/01/TL_1000_S.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2025/01/TL_1000_S.jpg" alt="Ein Liebesbrief"><p>25 Jahre – das sind 9125 Tage, eine halbe Ewigkeit oder, ganz romantisch formuliert: ein Vierteljahrhundert voller Adrenalin, Leidenschaft und Schräglage.</p><p>2025 feiere ich ein außergewöhnliches Jubiläum, denn meine treue Begleiterin, meine Suzuki TL 1000 S, wird offiziell zum <strong>Oldtimer</strong>. Und während ich das hier schreibe, wird mir klar: Keine Freundschaft, keine Ehe und kein Hundeleben hat es je geschafft, so lange an meiner Seite zu bleiben wie dieses Biest auf zwei Rädern.</p><p>Dabei begann unsere Geschichte ganz unspektakulär, ja fast zufällig.</p><h3 id="der-beginn-einer-leidenschaft">Der Beginn einer Leidenschaft</h3><p>Seit ich denken kann, zieht es mich auf Zweiräder. Erst nur ein Mofa, später ein Leichtkraftrad, bis schließlich Kawasaki mit immer brutaleren Maschinen mein jugendliches Herz eroberte. Schnell, laut und wild – das war meine Welt. Dass ich all die Knieschleifer-Orgien und Haarnadelkurven überhaupt überlebt habe, verdanke ich wohl einer unermüdlichen Schar Schutzengel, die ich vermutlich längst in den Ruhestand geschickt habe.</p><p>Doch dann kam der Bruch: Ein schwerer Sturz nahm mir weit mehr als nur den Mut. Fast ein Jahrzehnt lang blieb Motorrad für mich tabu. Aber die Sehnsucht, sie blieb. Jedes Frühjahr, wenn der Geruch von Asphalt und Benzin in der Luft lag und ein brüllendes Höllengerät an mir vorbeizog, juckte es mehr. Ich musste zurück in den Sattel.</p><h3 id="die-r-ckkehr-auf-die-stra-e">Die Rückkehr auf die Straße</h3><p>Eines Tages fasste ich mir ein Herz. Mein alter Helm war bei meinem letzten Sturz verstorben, also borgte ich mir einen von einem Freund, schlüpfte in Jeans, Turnschuhe und meinen guten alten Bundeswehr-Parka. Es ging zu Honda – etwas Entspanntes sollte es sein. Zudem war es einer der einzigen Hamburger Händler damals, der Motorräder auch auf Zeit vermietete. Dort stand sie: eine Hornet 900, ein schnörkelloser Vierzylinder. Nicht hübsch, alles andere als spektakulär, einfach nur ein Motorrad, wie es Kinder malen. Zwei Räder, ein Tank, eine Sitzbank – fertig.</p><p>Trotzdem: Der Moment, als ich den Schlüssel in der Hand hielt, ließ mein Herz hüpfen. Nach der ersten Kurve dann die Ernüchterung – ich war eingerostet. Kaum hatte ich das Ding aus dem Hof manövriert, landete ich mit Karre unsanft auf der Seite. Angst aß Seele auf! Doch Kilometer für Kilometer kam das Gefühl zurück. Der Spaß, das Adrenalin – ich war wieder da! Drei Tage und über 1000 Kilometer später gab ich die Hornet zurück, erschöpft, aber selig grinsend.</p><h3 id="liebe-auf-den-ersten-blick-the-beast-">Liebe auf den ersten Blick – The Beast!</h3><p>Auf dem Rückweg zur U-Bahn sah ich sie dann. Sie stand im Fenster allein in einer Ecke. Abgeschottet von all den anderen, die in Reihe um Aufmerksamkeit buhlten und blinkten. Geduckt und seltsam schmal, wie ein Raubtier auf der Lauer. Ihre kantigen Linien und das futuristische Design wirkten wie eine Kampfansage an alles, was sich bis dahin Motorrad nannte. Zwei Zylinder? Was sollte das sein? Auf den ersten Blick schien sie fast widersprüchlich – ein Rennpferd mit der Statur eines unterernährten Gauls. Doch genau das ließ mich nicht los.</p><p>Noch während ich überlegte, trat ein älterer Mechaniker aus der Werkstatt neben mich. Sein Blick war abschätzend, ein wenig spöttisch. Sicherlich wegen meiner Klamotte, die eher nach Freizeit am Teich aussah. Aber er klimperte mit einem Schlüssel in der Hand zu diesem … Ding. <em>„Willst sie mal testen? Ne TL 1000 S – ganz heißer Scheiß!“</em> fragte er, und sein Tonfall ließ keinen Zweifel: Er rechnete nicht damit, dass ich dieser Maschine gewachsen war. Und genau das juckte mich.</p><h3 id="einzig-nicht-artig-und-alles-au-er-gew-hnlich-">Einzig- nicht artig und alles außer gewöhnlich!</h3><p>Ich nickte und griff zu. Kaum startete der Motor, spürte ich, dass dies kein gewöhnliches Motorrad war. Es war eine Übermacht, eine Waffe aus Stahl und Feuer. <em>„Denk dran“</em>, brüllte der Mechaniker noch, <em>„das ist ein Zweizylinder – die reißt völlig anders als vier Pötte!“</em> Und er hatte recht.</p><p>Der erste, vorsichtige Zug am Gashebel fühlte sich an, als hätte sie beschlossen, mich abzuwerfen. Der Zweizylinder pfiff nicht heiser wie ein ordinärer Vierzylinder – er keuchte, röhrte, brüllte und tobte. Jeder Dreh am Gasgriff war ein Befehl, den sie allerdings nur zögerlich akzeptierte. Als wollte sie testen, ob ich ihrer würdig war.</p><p>In den ersten Minuten war ich nur Beifahrer, ein im wahrsten Sinne blinder Passagier auf einem wildgewordenen Rennpferd. Doch mit jeder Kurve, mit jeder Beschleunigung begann ich, mich anzupassen. Es war, als würde ich lernen, mit einem Raubtier zu tanzen, das jederzeit zuschlagen konnte.</p><h3 id="die-entscheidung-ein-bund-f-rs-leben">Die Entscheidung: Ein Bund fürs Leben</h3><p>Keine Stunde später hatte ich den Vertrag unterschrieben. Diese Maschine war kein schnödes Fortbewegungsmittel – sie war eine Naturgewalt, ein Zweizylinder, der mit seiner rohen Kraft und seinem Temperament jede Fahrt zu einem Abenteuer machte.</p><p>Die TL 1000 S war keine sanfte Verführerin, keine Maschine, die einem den Weg leicht machte. Sie verlangte alles, aber sie gab auch alles zurück. Jede Tour mit ihr war ein Test, jede Kurve ein Moment, in dem man Respekt zeigen musste. Doch genau das ist es noch heute, was meine Karre so einzigartig macht.</p><h3 id="25-jahre-sp-ter">25 Jahre später</h3><p>Alles an meiner TL wurde in den nächsten Jahren verändert. Mehr Grip, weniger Gewicht, mehr Leistung, mehr Sicherheit. </p><p>Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, blicke ich zurück auf unzählige Kilometer, auf die kurvigen Landstraßen Europas, abgesperrte Rennstrecken und Flugplätze. Auf all die Tage, an denen ich einfach nur losfahren wollte, ohne Ziel, ohne Uhr. Und auf Momente, die mir immer und immer wieder das Leben gezeigt haben, wie es ist: pur, schnell, kompromisslos und unvergesslich.</p><p><strong>Danke für all die Jahre. Auf die nächsten 25!</strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Life is just a game ...]]></title><description><![CDATA[Ich stehe gestern Abend auf meinem Balkon. Freie Sicht auf das riesige Grundstück des Jugendheims direkt gegenüber. Ponys, Pferde, Spielgeräte, Kettcars, Tischtennis, Basketball, Fußball ....]]></description><link>https://dauzone.com/life-is-just-a-game/</link><guid isPermaLink="false">664e275568c44b2129465c4c</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 21 May 2024 17:16:00 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2024/05/fussball.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2024/05/fussball.png" alt="Life is just a game ..."><p>Mal abseits von Crime und Thriller.</p><p>Ich stehe gestern Abend auf meinem Balkon. Freie Sicht auf das riesige Grundstück des Jugendheims direkt gegenüber. Ponys, Pferde, Spielgeräte, Kettcars, Tischtennis, Basketball, Fußball und jede Menge sonstige Aktivitäten sportlicher und kreativer Art werden den Kindern/Jugendlichen hier geboten.</p><p>Es erscheinen vier Jugendliche. So etwa im Alter 13/14 Jahre. Hoodies, Ghetto-Style, laute Mucke aus irgendeinem blechernen Handy. Die Vier gehen lässig, mit diesem heute angesagten Schlepphoden-Gang, rüber zum Basketball-Feld. Von irgendwoher fliegt ein Basketball ins Feld. Ein Junge, so um die 17, kommt ins Bild. Fluppe im Hals. Dieser James Dean 2024 Look. Voll cool der Casanova.</p><p>Nur Minuten später kommt ein neuer Junge aus dem Haus gelaufen. In etwa 12 Jahre alt. Vollausstattung im Bayer Leverkusen Spieler-Dress. Hat einen Fußball dabei und kickt ein wenig vor sich hin. Die anderen fünf hänseln ihn vom Basketball-Platz gegenüber vom kleinen Fußball-Platz. „Scheiß-Leverkusen- Pisser. Siehst aus wie ne Schwuchtel ..“ und vieles mehr vom diesem Shit.</p><p>Der Junge lässt sich nicht beirren. Jongliert eine Weile mit dem Ball, während Spott und Häme über den Platz wabern. Er ist dabei auch recht gut und … drischt dann das Teil per Dropkick, aus ca. 15 Metern, oben in den Winkel eines Handball-Tors.</p><p>Sein Ball hat noch nicht ganz den Boden erreicht, da hebt er schon die Hand zum Stinkefinger, ohne diese Penner auch nur mit einem Blick zu beachten. Und er lächelte …</p><p>Ich habe lautstark applaudiert. Ich konnte einfach nicht anders.</p><p>Cooler Knirps und ganz großer Kino!</p><p>------</p><p>Erinnerung: mit 14 Jahren war ich im Nations-Cup in USA und Canada unterwegs. Wir durften damals T-Shirts unserer Fans signieren. Auf den Shirts stand:</p><p>#lifeisjustagamesoccerisserious</p><p>Danke für dieses Lächeln … junger Mann   :-)  </p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Happy New Year]]></title><description><![CDATA[Jeder neue Tag sollte für jedes Lebewesen ein Feiertag sein. Sobald die Sonne sich erhebt. Egal, welches Datum grad von anderen zelebriert wird.]]></description><link>https://dauzone.com/happy-new-year/</link><guid isPermaLink="false">6591a3cf68c44b2129465c1e</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 31 Dec 2023 17:29:54 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/12/M-dchen.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/12/M-dchen.png" alt="Happy New Year"><p><strong>Jahresrückblick</strong></p><p>Was war und was wird werden. Was wird sich vorgenommen. Welche Zielsetzung. Wohin führt die Reise. Was soll werden und wo geht es hin.</p><p>Hat mich nie interessiert. Da mich fremd gesteuerte Daten in einem Kalender nicht interessieren. Nur weil irgendein Mythos oder gar die Märchen-Bibel einen Feiertag auslobt. Zum Feiern gezwungen?</p><p>Jeder neue Tag sollte für jedes Lebewesen ein Feiertag sein. Sobald die Sonne sich erhebt. Egal, welches Datum grad von anderen zelebriert wird. Die Augen überhaupt öffnen zu können. Zu hören, zu sehen, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen. Jeder neue Tag ist einfach ein Geschenk. Manchmal scheiße verpackt (frei nach Kid Kopphausen). Aber egal, wie kacke er beginnt. Es ist immer ein neuer Anfang, der erlebt werden will. Und muss!</p><p>Heute, zu Silvester, auf einem Spielplatz. Ein Spielplatz für „schwierige Jugendliche“ in einem Heim für diese auserlesene Sondergruppe. Eine Mutter hatte sich offensichtlich Zeit genommen, ihr Kind mal kurz zu beglücken. Ein Nachmittag in trauter Harmonie, bevor Mutti sich ins Kneipenviertel stürzt und um Mitternacht das Glas in ein, in ihr neues Leben zu heben.</p><p>Das Kind, ein Mädchen, vielleicht 6 Jahre alt, weiß davon nichts. Es ist dem Kind egal, was heute für ein Tag ist. Das Wetter ist egal. Der pfeifende Wind ist egal. Der Jahreswechsel ist egal. Mutter ist da. Und Mutter ist für mich da.</p><p>Das Kind guckt ganz nach oben zur Spitze. Muss sich dabei weit nach hinten beugen und fällt in den Sand. Lachend baut das Mädel einen Engel im Sand und ruft:</p><p>„Mutti – ich kletter jetzt da ganz oben rauf!“ Klare Ansage von dem Kid. Es geht da hoch. Ein Gerüst aus Stahlseilen. Gut vier Meter hoch.</p><p>Mutter: „Mach das nicht. Wenn du runterfällst, bist du tot!“</p><p>Kind: „Was ist tot?“</p><p>Mutter: „Na, du atmest nicht mehr. Und wir können und dann nicht mehr sehen!“</p><p>Kind: „Dann kann ich ja später da hochklettern. Dann sehe ich dich doch eh nicht mehr.“</p><p>------</p><p>So viele Fragezeichen. So viel Gefühl und so viel Brisanz in einem einzigen Satz eines Kindes. „Ich mach das jetzt!“</p><p>Machen ist immer besser als Abwarten. Stillstand ist Rückschritt.</p><p>Liebe, Einfühlungsvermögen und Zeit für Kinder jedoch unersetzlich.</p><p>Frohes neues Jahr!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[41 Jahre Thriller … und kein Ende in Sicht]]></title><description><![CDATA[Ich schließe mein Word-Programm, lehne mich zurück und sehe ein Vinyl-Cover in der Nachrichtenzeile auftauchen. 41 Jahre ist die Scheibe Thriller nun schon her. Und ich fühle mich plötzlich mehr als nur  ... uralt ]]></description><link>https://dauzone.com/41-jahre-thriller-und-kein-ende-in-sicht/</link><guid isPermaLink="false">656b89cf68c44b2129465c03</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 02 Dec 2023 19:58:28 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/12/Thriller1.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/12/Thriller1.jpg" alt="41 Jahre Thriller … und kein Ende in Sicht"><p>Am 30. November 1982 kam das Album Thriller von Michal Jackson auf den Markt. Meine Wenigkeit hat just heute, am 30. November, allerdings im Jahre 2023, den ersten Teil meines zweiten Hamburg-Romans fertig gestellt.</p><p>Ich schließe mein Word-Programm, lehne mich zurück und sehe ein Vinyl-Cover in der Nachrichtenzeile auftauchen. 41 Jahre ist die Scheibe Thriller nun schon her. Und ich fühle mich plötzlich mehr als nur uralt.</p><p>Und versuche mich zu erinnern. 1982. Grad einmal flügge geworden. Allein in Hamburg in der Ausbildung zum Polizisten. Artikel und Bilder aus den Tageszeitungen kommen wie lose Blätter durch mein Gehirn geflogen. Christian Klar, Mitbegründer der RAF, war nur wenige Tage zuvor in einem Wald im Hamburger Norden festgenommen worden. Wir hatten dadurch erhöhte Wachzeiten im Hamburger Polizei-Ausbildungs-Zentrum zu schieben. Als ob irgendjemand diesen Kindergarten angreifen würde. Und die RAF war ja nun, mit der Festnahme von Klar, eigentlich Geschichte. Aber nun ja – Befehl war halt Befehl.</p><p>Das Video des Kollegen Faden, der 1974 erstmalig bei einer Geiselnahme in Hamburg St. Georg den sogenannten „finalen Rettungsschuss“ ansetzte, wurde uns in diesen Tagen, im November 1982, praktisch täglich im Unterricht serviert. Andere Auszubildende lernten, mit der Rohrzange umzugehen. Wir mussten uns tagtäglich Bilder über Rettungs- oder Fangschüsse ansehen. Und verfolgten natürlich auch die Nachrichten, ob es nun „notwendig“ oder gar „menschlich“ war. War es wirklich die Wahl des mildesten Mittels. Noch heute bleibt mir nur ein Schulterzucken nach all dem, was danach kam.</p><p>Dann schiebt sich eine Lederjacke vor das Panoptikum meiner Augen. Genüsslich und wieder lächelnd zünde ich mir eine Zigarette an. Diese abstoßend hässliche Patchwork Lederjacke. Mit nur einem einzigen Knopf ganz unten. Mit Schulterpolstern, dafür extra kurz geschnitten. Und hängt noch heute in meiner Garage. Direkt über dem Kopf meines Motorrads. Manche Dinge sind es wert, einfach nur existent zu bleiben. Über 40 Jahre hat diese Jacke mit mir verbracht. Zig Umzüge und Leben mit- und überlebt. Passt mir lange nicht mehr. Zu schmächtig war ich noch Anfang der 80er oder einfach zu dick heute. Aber ich passe immer noch zu dieser Kultjacke. Erstanden auf dem Hamburger Kiez. In einem kleinen Laden gegenüber vom Club Top Ten. Wo damals alle Türsteher, die was auf sich hielten, einkauften …</p><p>1982. Jeder Weg … einfach jeder längere Weg, der über 2.000 Meter war, wurde mit dem Motorrad erledigt. Laut musste es sein. Und schnell. Und ich hatte beides unter dem Arsch und zwischen den Beinen. Das Leben war so herrlich einfach. Mir gehörte die Welt. An einem Abend besuchte mich meine spätere erste Ehefrau mit ihren Eltern in „meinem“ Hamburg. Natürlich machten wir einen Gang über „meinen“ Kiez. Und natürlich kam uns einer der Top-Luden der damaligen Zeit samt seiner Frauen entgegen. Und meine Schwiegermutter, feinste norddeutsche Kultur, hatte nix besseres zu tun, als den Typen am Arm zu packen. „Sach mal Kollege, bist du so ein Zuhälter?“  Ich wollte einfach nur im Boden versinken. Doch der schöne Klaus war die Ruhe selbst un lachte: „Jo Mutti – was dagegen?“ Die Situation eskalierte nicht … alles war fein. Aber vergessen werde ich es nie. Vielleicht lag es ja auch einfach nur an meiner tollen Lederjacke …</p><p>Schlussendlich ist da wieder die Musik. Als Kind noch Abba und Boney M. auf der Innenseite meiner ledernen Schultasche mit fettem Filzstift verewigt. Mit 15 Lebensjahren durchgestrichen … teilweise aus der Klappe ausgeschnitten und AC/DC darauf verewigt. Da ich – allein – 1978 zum Konzert nach Kiel fahren durfte. Danach nur noch Leder. Nur noch schwarz getragen. Black Sabbath, DIO, Jethro Tull, The Sweet, Foreigner und Van Halen.</p><p>Und dann kam plötzlich Rocky Balboa in mein Leben. Damit auch gewaltig und durchaus gewalttätig Survivor mit „The eye of the tiger“ . Alles drehte sich fortan bei mir nur noch ums Boxen. Ums Kickboxen. Um Street-Fighting. Egal, welchen Namen es trug. Ich wollte dabei sein. Ich wollte gewinnen. Und ich war gut darin. Und wurde immer besser. Da ich bei der Polizei auch Trainingsmöglichkeiten ohne Ende fand.</p><p>Und all das wurde nur durch einen einzigen Menschen durchbrochen. Durch einen mehr oder weniger androgynen Kerl, der Thriller erschaffen hatte. Für mich ein angemalter Kasper, der sich andauernd in den Schritt faste, Hochwasser-Hosen, Hut und Pailletten-Handschuhe trug und sich damit leidlich bewegen konnte. Der überhaupt und so gar nicht zu meinem anerzogenen und grad voll ausgelebten heterogenen Weltbild passte. Michael Jackson .... ausgerechnet.</p><p>Und eines Abends stand ich dann da. Kampfbereit. U-Bahn-Station Reeperbahn. Urbane Kids mit Ghetto-Blaster kamen mir entgegen. Es roch für mich nach Haue. Sehr gern … kommt doch! Und es erklang „Beat it“. Und ich hörte dieses Gitarrenriff. Glasklar. Es war Eddie van Halen. Und wenn Eddie van Halen mit diesem No-Name Kasper Mucke macht. Dann kann dieser Jackson nicht so schlecht sein.</p><p>Nun 41 Jahre her … aber auch nur eine weitere Geschichte.</p><p>Aber geil. Wie mein ganzes Leben.</p><p>Danke bis hierhin ….</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kosmos Lagerbox]]></title><description><![CDATA[Da war die Dame, deren Dauerwelle noch den anmutigen toupierten Charme der 70er Jahre versprühte. Ebenso wie ihr bemitleidenswerter Daimler. Die Baureihe, welche noch mit echten Stoßstangen bewaffnet war.]]></description><link>https://dauzone.com/kosmos-lagerbox/</link><guid isPermaLink="false">65622c4f68c44b2129465bec</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Nov 2023 17:24:38 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Lagerbox.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Lagerbox.png" alt="Kosmos Lagerbox"><p>Moritz begrüßte mich mit einem Lächeln. <em>„Der frühe Vogel …?“</em> Ich war nun schon den dritten Samstag in Folge hier, um mit dem Sprinter ein- und auszufahren. Unser stationärer Laden würde uns an diesem Wochenende zu letzten Mal sehen. Moritz, ein gleichsam lebenslustiger wie bärtiger kleiner Pummel, hatte sein langjähriges Studium der Rechtswissenschaften irgendwann gegen ein Leben auf dem Planeten Lagerbox eingetauscht.</p><p>Die Woche davor hatte ich Herrn Hübner kennengelernt. Im Gegensatz zu Moritz ein eher betulicher Mitfünfziger, der, mit einem Minijob bewaffnet, hinter dem Schreibtisch im kleinen Büro dem Ende seiner regulären Arbeitszeit sehnsüchtig entgegen sitzt.</p><p>Überhaupt ist der Planet Lagerbox ein Sammelsurium von Geschöpfen der durchaus anderen Art. Anders im Bezug darauf, dass man die hier kreuchenden und fleuchenden Kreaturen wahrscheinlich nur selten im normalen Leben abseits dieses Habitats noch einmal antreffen oder gar zu Gesicht bekommen wird.</p><p>Da sind diese drei jungen Männer, die den gesamten Vormittag des letzten Samstags in der Durchfahrt unterhalb des riesigen Turms palavern. Lässig auf einem Rollcontainer sitzend. Angelehnt an die Motorhaube eines M-Klasse BMW der SUV-Klasse oder sitzend im Kofferraum eines sehr tiefen, jedoch um so breiteren Mercedes. Laut redend und gestikulierend. Jedoch sofort in den Flüsterton übergehend, wenn Schritte nahen oder eine Fahrstuhltür der riesigen Lastenaufzüge sich öffnet.</p><p>Da war die Dame, deren Dauerwelle noch den anmutigen toupierten Charme der 70er Jahre versprühte. Ebenso wie ihr bemitleidenswerter Daimler. Die Baureihe, welche noch mit echten Stoßstangen bewaffnet war. Jedoch nur durch die Unmengen an undefinierbarem Gedöns in ihrem Auto per Gewichtsbelastung tiefer gelegt wurde. Stolz und anmutig stolziert Sie aufrecht mitten durch die Creme de la Creme der drei Männer der Lagerbox-Mafia hindurch. Ihr Daimler, ihr Pelzmantel wie auch Ihr Geburtsjahr dürften allesamt Anfang der 60er liegen.</p><p>Dann ist da Charles. Charles ist, laut Moritz, schon seit gut 10 Jahren Kunde hier. Hat zwei „Suiten“ mit je über 200 Quadratmeter angemietet und macht in … Irgendwas. Ist aber praktisch jeden Tag hier. <em>„Urlaub macht der nicht. Und wenn, dann hier!“</em> ist die kurze und knappe Aussage von Moritz.</p><p>Nun wird und mag es sicherlich eine Sache der inneren Überzeugung sein. Oder aber der Abkehr vom normalen Weltlichen. Oder von beidem irgendwie etwas. Doch jedes normale Lager, jede Garage, jede Mietswohnung oder Keller welche auf zwei, fünf oder gar zehn Jahre gemietet wird, ist ganz sicher um ein Vielfaches günstiger, als so eine Lagerbox. Jedoch jeder, der hier ein- und ausgeht, wird genau wissen, was er tut und warum er/sie es genau hier tut. Privater, anonymer, sauberer und zudem gesicherter als in diesem verwinkelten Lebensraum geht es kaum.</p><p>Ich treffe Sarah auf der vierten Etage. In etwa 25 Jahre alt. Der Inbegriff einer blonden, groß gewachsenen Schönheit. Jedoch nach außen ohne jegliches Leben. Geduckt und still. Die Art und Weise, wie sie den großen Lastenkarren vor sich bewegt, lässt Zweifel aufkommen, ob sie ihn bewegt oder sich daran nur festhält. Nach kurzem, intensivem Wortwechsel ist mir klar: Sie lebt. Zwar nur noch eine Hülle und ein Schatten ihrer selbst. Aber durchaus mit Herzschlag und funktionierender Lunge. Hat sich vom Kerl getrennt, von der Liebe ihres Lebens, dessen Name im Mietvertrag stand. Gern helfe ich ihr noch dabei, ein Regal vom Lastesel zu hieven und in ihrem Verschlag zu verstauen. Drei Quadratmeter für einen Lebensabschnitt. Shit happens!</p><p>Unten treffe ich wieder die Dame mit der monströsen Dauerwelle. Wie nehmen gemeinsam einen Fahrstuhl nach oben. Zeit für mich, wieder mal nachzufragen. Ich liebe diese Momente. Man kann dabei einfach nicht verlieren. Bei einer Antwort, völlig egal welcher Art, kann es nur einen Lerneffekt geben. Bei keiner Antwort hat man nichts verloren, außer ein paar Worte und einen Lidschlag an Zeit. Dagmar macht, seit dem Tod Ihres Mannes, in Floh- und Trödelmärkten. Hat hier vier kleine Kabinen zu jeweils vier Quadratmetern angemietet. „Fein säuberlich getrennt in Nippes und Glas, Elektro, erlesener Tischdeko und Küche.“ Sagt sie. Nicht ohne einen gewissen Stolz, während ich auf einen aus dunklem Holz geschnitzten Bären zeige, der ohne weiteres auch als Igel oder gar Fasan durchgehen würde. Wohnungsauflösungen in der Woche wären ihr Hobby. Kleinanzeigen Ihre Zeitung. Trödel am Wochenende Ihre Erfüllung. Geld spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Der Spaß und die permanente Abwechslung. Das „Zu-Tun-Haben“ wären hier entscheidend. Um nicht Nachdenken zu müssen. Während dieser Worte fischt sie behände eine Red Bull Dose aus Ihrer riesigen Umhängetasche und lächelt mich an. Unzählige Kronen schimmern in perfektem Perlmutt durch ihren übertrieben aufgetragenen roten Lippenstift.</p><p>Wieder im Parterre angekommen, erwartet mich eine Armada von Kerlen einer Umzugsfirma. „Der Starke Anton“ steht unübersehbar auf zwei XL-Sprintern als Slogan über dem Abbild eines Typen in schwarz roter Uniform, der augenscheinlich einen Mix aus Barbie-Ken und Clark Kent darstellen soll. Schier unzählige Männer in seiner Uniform sind am Wuseln. Teppiche, Fernseher, Truhen. Unfassbar viele gelbe Müllsäcke mit zur Unkenntlichkeit zerdrückten Textilien und wannenweise Nippes aus anderen Welten. Eines dieser ominösen Tore zu diesen 200 Quadratmeter Suiten tut sich vor mir auf. „Schrott – einfach nur haufenweise Schrott!“ tut sich als Beschreibung in mir auf. Inmitten dieser wuselnden Heerschar von Packern eine ältere Dame mit einem Block und spitzem Bleistift. Ruhig und ohne viele Gesten Anweisungen gebend. Eine Bibliothekarin, wie sie im Buche steht.</p><p>Binnen Minuten hatte der Spuk ein Ende. Etwas Staub und die Gerüche eines oder gar mehrerer längst vergangenen Leben waberten noch ein paar Sekunden durch die Gänge, nachdem das große Tor dieser Suite geschlossen wurde. Kaum traten die Packer samt Bibliothekarin aus dem großen Tor, hörte man wieder Sechszylindrige Boliden die Rampe empor husten. Die junge Lagerbox-Connection vom letzten Samstag traf sich wieder zum Stelldichein, um über die kommende Weltherrschaft und das zu verteilende Welterbe im Schein von Neonlicht, Auspuffgasen und absoluter Diskretion zu philosophieren.</p><p>Nur wenige Stunden im ureigenen Kosmos Lagerbox. Eine – wieder einmal – inspirierende Erfahrung!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Eine Weihnachtsgeschichte?  Drauf geschissen ....]]></title><description><![CDATA[Und ich putzte mich heute mal raus. Weil ich es kann. Oberstes Bord. Mal keine kurzen Hosen. Heute mal im Anzug … mit echten Lederschuhen. Diese, die auf dem Asphalt so schön klacken. „Hört Ihr Leut … ich komme des Weges!“]]></description><link>https://dauzone.com/eine-weihnachtsgeschichte-drauf-geschissen/</link><guid isPermaLink="false">655f979968c44b2129465bc8</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Thu, 23 Nov 2023 18:25:11 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Penner.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/11/Penner.png" alt="Eine Weihnachtsgeschichte?  Drauf geschissen ...."><p>Ich halte nichts von Weihnachten und pp. Schenken und Geben kann ich immer. Dafür braucht es kein Datum. Auch habe ich eine eher diffuse Sicht auf Not und Bettelei. Sicherlich durch meinen Vater und etwas später durch meinen Dienst als Polizist geprägt:<em> „Wenn Du einem hilfst --- musst Du allen helfen!“</em></p><p>Heute, gut 45 Jahre später, meine ich, dass er immer noch Recht hat. Aber: es ist nun heute fast ein halbes Jahrhundert später. Und Dinge ändern sich. Ebenso Sichtweisen. Und ehemals oktroyierte Glaubenssätze damit auch  ……</p><p>Jedoch war ich auch mal obdachlos. Auch ich hatte mal alles verloren. Auch ich war (und bin noch) am Scheideweg zwischen Gut und Böse. Zwischen einfach fallen lassen oder wieder einmal aufstehen. Jeden Tag erneut. Jeden fuck…. day aufs Neue.</p><p>----</p><h2 id="heute-war-ein-guter-tag-">Heute war  ---  ein guter Tag.</h2><p>Ich stand gegen 07:00 auf unserer Terrasse. Hatte einen dampfenden Kaffee in der linken und eine Zippe in der rechten Hand. Konnte mir aussuchen, wann ich mit der Arbeit beginne. War mal nicht verkatert. Habe trainiert. War gegen 09:00 Uhr fertig angezogen und blickte erneut von der Terrasse auf das Hinterland. Pferde wurden longiert. Die Sonne stand direkt über dem Fluss gegenüber vom Haus. Nebelschwaden hüllten Reiher und diebische Elstern in Watte ein.</p><p>Ich hatte einen Termin beim Friseur und Barbier. Konnte mir nicht nur aussuchen, was ich heute anziehe. Konnte auch entscheiden, ob ich vorher oder nachher frühstücke. Und wenn --- sogar was und wie viel.</p><p>Und ich putzte mich heute mal raus. Weil ich es kann. Oberstes Bord. Mal keine kurzen Hosen. Heute mal im Anzug … mit echten Lederschuhen. Diese, die auf dem Asphalt so schön klacken. „Hört Ihr Leut … ich komme des Weges!“</p><p>Vom Barbier gefertigt – nicht ohne Getränke und erzwungenem Small-Talk – ging ich meinen Weg zurück. Gut sah ich aus. Beseelt ob meiner Möglichkeiten. Beschwingt, da ich mir meinen weiteren Tagesablauf aussuchen konnte. Erfreut, dass die Sonne immer noch da war.</p><p>---</p><h2 id="und-dann-sa-er-da-">Und dann saß er da. </h2><p>Dieser Bettler. Mit einem reinrassigen Magyar Vizsla (ich sehe so etwas!). Der seinen riesigen Kopf auf dem Oberschenkel seines Herrchens gebettet hatte und in eine schmuddelige Decke eingehüllt war.</p><p>Der Hund schaute mich an. Meine Lederschuhe klackten laut. Ein riesiges Exemplar von Hund. Mit passend riesigen Augen. Noch im Gehen … noch weit vor dem Bettler, hatte ich schon Kleingeld aus meiner Hosentasche gefischt und machte mir eine Zigarette an.</p><p>Ich warf das Geld in die Büchse. Der Mann schaute mich an. Keine 30 Jahre alt. Vom Aussehen eher Mitte 40. Ich sagte, noch bevor das Klirren der Münzen verklungen war „Nicht für dich – für den Hund!“ Er lächelte und hatte Augen wie Terence Hill. Stechend hellblau „Schon klar --- für wen auch sonst!“ Ich lächelte zurück. Der Mann schaute auf meine brennende Zigarette. „Hast Du eine für mich --- mein Hund raucht nicht!“ Und er lächelte wieder …</p><p>Ich war aber schon im Gehen. Schaute mich auch nicht mehr um. Nur weg. Den Codex meines Vaters hatte ich erfüllt. Ich hatte ja nur über den Hund gesprochen. Nur für diesen großen Hund etwas „gespendet“.</p><p>20 Meter weiter war ein Kiosk. Ich brauchte noch Zigaretten. Nahm gleich zwei Schachteln. Und brachte eine davon zurück zum Penner. Ich weiß nicht warum. Ich weiß auch nicht, warum ich den Satz abgab: „Mach was draus!“ Was soll man schon aus einer Schachtel Zippen machen. Ein Haus bauen? Völliger Nonsens diese Aussage …</p><p>----</p><p>Gute drei Stunden später machte ich wieder meinen gewohnten Spaziergang. Ich kann es mir aussuchen. Ich kann meine Zeiten wählen. Mitten im Wald fiel mir dieser riesige Hund als erstes auf. Einen Augenblick später erneute die Augen von Terence Hill. Ihm saß eine völlig abgehalfterte Dame gegenüber. Und er hielt die Schachtel Zippen der Dame feil …</p><p>Und sagte: „Es stört dich wohl nicht, wenn ich teile?“</p><p>Und dieses Viech von Hund bellte nicht. Trotzdem ich den Bereich seines Herrchens betreten hatte. Und er rieb seinen Sabber an meiner Jeans ab. Und ich tätschelte seinen riesigen Kopf.</p><p>Alles war gut. Für den Bruchteil eines Moments. Im Herbst 2023</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Kleidgen Industrial Services]]></title><description><![CDATA[Hier ein Auszug aus dem zweiten Roman. Ich sage noch nicht genau, worum es geht. Aber der hier beschriebene Mensch stirbt schon am Anfang. Ob gut oder schlecht, wird sich noch zeigen. Jedenfalls hat er die Geschichte erst zur Geschichte werden lassen. 

Und ich war leider live dabei ….. ]]></description><link>https://dauzone.com/kleidgen-industrial-services/</link><guid isPermaLink="false">64fdf80a68c44b2129465b93</guid><category><![CDATA[Das Buch]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 10 Sep 2023 17:15:26 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Arbeitstitel_Hamburg-RomanII.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Arbeitstitel_Hamburg-RomanII.png" alt="Kleidgen Industrial Services"><p><strong>15 Stunden zuvor ...</strong></p><p>Rainer Kleidgen stieg aus dem Fahrstuhl, der direkt auf seiner Etage im achten Stock endete. „High End“ prangte in weißen Lettern auf rotem Grund im großen Display des Aufzugs. Er richtete noch einmal seinen marineblauen Zweireiher mit den auffälligen Messingknöpfen und glitt geschmeidig wie ein Aal in das Foyer seiner mehr oder weniger privaten Geschäftsräume.</p><p>Dorothee Prange, seine seit über 20 Jahren für ihn tätige Chefsekretärin, hatte wie an jedem Werktag um 7.03 Uhr bereits das Wasser für den Tee aufgesetzt und die Türen zur überdachten Terrasse des weitläufigen Büros ihres Chefs geöffnet. „Guten Morgen, Herr Dr. Kleidgen“, flötete sie ihm wie jeden Morgen entgegen und freute sich stets über sein Lächeln, seine angedeutete Verbeugung und seinen kräftigen Händedruck.</p><p>Nach dieser immer gleichen Zeremonie ging Rainer Kleidgen wortlos in sein Arbeitszimmer, nahm seinen Zweireiher ab und hängte diesen, fast behutsam, über einen stummen Diener. Diesen hatte schon sein Vater benutzt. Ein immer noch blendend helles Elfenbein aus dem Besitz einer alten Hamburger Dynastie, deren Stammsitz über ein Jahrhundert lang Indien gewesen war und bis heute auf die Freimaurer zurückgeht.</p><p>Auf der Terrasse angekommen, öffnete er die ersten beiden Knöpfe seiner Weste und griff nach oben. Im Untergriff an eine fest installierte Eisenstange unterhalb der Überdachung. Er zog sich genau 12 Mal hoch und machte eine kleine Pause, die nie länger als 30 Sekunden andauerte.</p><p>Nach genau vier dieser Durchgänge ging er in seinen Privatraum im Nebenraum des Büros und erschien genau um 07:21 Uhr wieder in seinem Arbeitszimmer. Ein neues Hemd und eine neue Weste schmückten seinen Körper, der trotz der fast vollendeten 60 Lebensjahre immer noch gestählt war. Fast liebevoll ließ er das akkurat gefaltete Hemd und die zuvor getragene Weste in einen vorbereiteten Wäschesack auf den Schreibtisch seiner Sekretärin gleiten.</p><p>Nach dieser tagtäglich wiederkehrenden Prozedur nahm er, wortlos und praktisch im Gehen, das fertige Tablett mit allen Utensilien, die er für die morgendliche Durchsicht seiner Korrespondenz benötigte, mit. Das Tablett war aus hellem, sehr dunkel gebeiztem Eschenholz. Rechts eine Mulde für die Post. Links zwei Aussparungen für Teekanne und Tasse und dazwischen eine fest installierte Eschenschale mit herausnehmbarem Porzellan-Einsatz für den benutzten Teebeutel.</p><p>Pünktlich um 7.27 Uhr saß Rainer Kleidgen an seinem voluminösen Schreibtisch und goss sich einen frisch aufgebrühten Ingwertee ein. Er liebte diese Rituale. Er liebte den täglichen Wettstreit mit der schier unerbittlichen Zeit als Konkurrenten. Er liebte Konkurrenz überhaupt. Und er liebte es, sie zu demütigen und zu vernichten, während er wieder auf seine Armbanduhr sah.</p><p>Exakt um 7.29 Uhr erschien seine Frau Prange mit den Wirtschafts- und Tageszeitungen. Zwei Minuten früher als gestern. Zwei Minuten früher als den gesamten Monat über.</p><p>Er lächelte. Um 7.30 Uhr würde ihn sein nichtsnutziger Sohn anrufen.</p><p>Anrufen müssen ...</p><p></p><p></p><p>#niemandwirdesverstehen #dirkcarolus #hamburgroman #teilzwei #hamburglife</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Welpe ...]]></title><description><![CDATA[Mal abseits davon, dass ich mit Lust und mittlerweile erworbener Finesse´ an meinem zweiten Buch schreibe, steht mein Leben ja nicht still. Zuviel passiert für einen Schreiberling, wie es meine Frau so nett ausdrückt...]]></description><link>https://dauzone.com/der-welpe/</link><guid isPermaLink="false">64f4a29e68c44b2129465b77</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Sun, 03 Sep 2023 15:19:10 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Welpe.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/09/Welpe.png" alt="Der Welpe ..."><p>Mal abseits davon, dass ich mit Lust und mittlerweile erworbener Finesse´ an meinem zweiten Buch schreibe, steht mein Leben ja nicht still. Zuviel passiert für einen Schreiberling, wie es meine Frau so nett ausdrückt.</p><p>Den heutigen Tag habe ich mehr oder minder am Strand verbracht. Da gab es so eine Rasselbande von Hunden. Ein Spitz-Mix mit irgendwas, ein Border-Collie und irgendwas zwischen Pudel und dem Hund von Obama. Diesem Wasserhund … wie auch immer die heißen.</p><p>Alles tollte, alles tobte und Herrchen wir Frauchen waren tief ins Gespräch vertieft. So soll es sein – so liebe ich es! Aus der Ferne kam, über gut 1000m, ein kleiner Pitbull-Rüde angerannt. Breit, tief. Unter seinem Bauch sah man seine Eier … und Gischt aus Staub und Sand hochstieben. Nicht älter als maximal acht Monate. Die Sorte mit den kleinen fiesen Zähnchen, die bald ausfallen werden. Frauchen laut schreiend, jedoch sehr viel langsamer hinterher. Brachte aber nichts. Der Kleine knallte sich voll ins Getümmel.</p><p>Dieser ausgewachsene Obama-Mix Rüde – auch mit Eiern bewaffnet, knurrte einmal kurz und die kleine, renitente braune Bisam-Ratte legte sich sofort unterwürfig hin. Natürlich nicht, ohne zu versuchen, seine kleinen fiesen Zähnchen in die Pfote des großen Hundes zu jagen. Was für eine kleine miese Sau  😊  sofort waren meine Erinnerungen an meinen kleinen Hank wieder präsent. Was für ein toller Hund.</p><p>Einige Stunden später stehe ich auf meinem Balkon und beobachte Mutter und Tochter mit einem Welpen. Nicht älter als maximal 16 Wochen. Auch ein Border-Mix. Die Tochter ist maximal not amused, dass das kleine Tier nicht auf Sie hört. Vielleicht kann es einfach keine Fremdsprachen. Sie zieht und zerrt und brüllt und macht. Das lütte Vieh legt sich einfach nur hin. Völlig überfordert. Und das Kind zieht das Tier am Halsband über den Parkplatz.</p><p>Und Mutti telefoniert derweil seelenruhig. Töchting hat ja Abwechslung  …</p><!--kg-card-begin: hr--><hr><!--kg-card-end: hr--><p><strong>Hunde sind kein Spielzeug für überdrehte ADHS Choleriker.</strong></p><p>Punkt!</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wer eine Reise tut …]]></title><description><![CDATA[ ... mittlerweile hatte die hübsche junge Dame dem Kindergarten-Cop schon lautstark die Leviten gelesen. Es ginge ums business! Helicopter-Papa hat das Sprechen dann auch eingestellt ...]]></description><link>https://dauzone.com/wer-eine-reise-tut/</link><guid isPermaLink="false">644bf20168c44b2129465b44</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 28 Apr 2023 16:29:55 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/04/Penner.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/04/Penner.png" alt="Wer eine Reise tut …"><p>Wer eine Reise tut …</p><h3 id="06-45h-aufgeschlagen-am-hauptbahnhof-k-ln-">06:45h aufgeschlagen am Hauptbahnhof Köln.</h3><p>Trotz der Uhrzeit schon reges Treiben. Da ich mich hier mittlerweile auskenne, geht mein Weg direkt zu einem Türken, dessen Familie hier einen großen, saubereren, freundlichen und familiären Betrieb führt. Alle genannten Adjektive mit einem dicken SEHR davor!</p><p>€3,40 für einen Cafe´ Crema und einen frischen Bagel mit Creme, Pfeffer und Schnittlauch. Alles koscher. Zwei Stände weiter kostet das Bundle mal eben 3 Euronen mehr. Oder im „backfrisch“ das Gleiche. Nur ohne Begrüßung und ohne Lächeln … warum begreift es die mainbase in diesem business nicht?</p><p>---------</p><h3 id="im-zug-meinen-platz-ergattert-war-nicht-voll-nett-besucht-w-rde-passen-">Im Zug meinen Platz ergattert. War nicht voll. Nett besucht würde passen.</h3><p>Hinter mir eine Gruppe junger Frauen. Vier an der Zahl. Bekleidet wie zum nächsten Gothic-Event und gegen 8h gingen die ersten Feiglinge (für die Ungeübten - Wodka mit süßer Brühe) über den Tisch. Ich versuchte zu arbeiten. Ging aber nicht  😊</p><p>Kurz darauf war ich Teil dieser Gothic-Connection. Es interessierte mich halt. Die … nennen wir es Anführerin … war Ihres Zeichens Sozialarbeiterin. Fährt mit Ihren drei Schützlingen (alle körperlich behindert) mal eben 800km durch die Republik, um in Dresden in irgendeiner Schule bei einer 100, 120, 200 … wtf … Jahrfeier präsent zu sein. RESPEKT. Die Verantwortung würde ich ablehnen. Mit oder ohne Alkohol. Das Gespräch ergab wenig später, dass ich für den Job, bei dem Gehalt, noch nicht einmal aufstehen würde.</p><p>Die Leiterin prostete mir keck zu: <em>„Kann man sich schön saufen – Spaß macht es in jedem Fall, weil es Menschen sind!“</em></p><p>-----</p><p>Mir gegenüber sitzt während der sechs Stunden Fahrt ein junger Mann. Tickert durchgehend stur in sein Laptop. Zwei Handys am Platz. Ab und an nimmt er das eine oder andere an. Mal Sächsisch, mal englisch und auch manchmal richtig hochdeutsch. Fast immer verzieht er nach dem Gespräch das Gesicht. Und tickert dann stoisch weiter.</p><p>Kurz vor Hannover muss ich eine rauchen. Der Zug ist aber direkt. No way. Ich versuche mich kurz im Klo. Ist aber alles andere als ein Genuss. Ich komme zurück an den Platz, ignoriere die Gothic-Damen, die nun schon reichlich angeschickert sind und setzte mich. Der Typ mir gegenüber lächelt mich an: <em>„Gleich sind 20min Aufenthalt in Hannover – wolle rauche?“</em> Ich hab mich fast weggeschmissen  😊</p><h3 id="klar-war-der-junge-itler-">Klar war der Junge ITler.</h3><p>War mir völlig klar. Ich habe ihm mein Beileid bekundet, weil sich ja jeden Tag irgendwas ändert. Weil man ja nie auslernt …. Er sagte nur trocken, bei der zweiten auf heiß gerauchten Zippe: <em>„Egal – learning by doing. Man sich hier schon völlig doof anstellen, um keinen gut bezahlten Job zu bekommen – und auf Sicht zu behalten!“</em></p><p>-------</p><p>Mir gegenüber nehmen, in Hannover, zwei junge Menschen Platz. Also jung von meinem Standpunkt aus. So etwa 35 Jahre +/- zwei Jahre. Beide scheinen sich zu kennen. Er seibelt allerdings ohne Unterlass über Familie, den Stress mit dem neugeborenen Kind, den Staat, den Abfuck der Kita und seiner Frau, die nichts von seinem Sport hält. Er ist 4x die Woche im Dojo --- hat schon einen schwarzen Gurt und Sie macht immer Stress, weil sie das Maul nicht halten kann. Und dann noch die Bank, und die Alimente für die Frau vorher …. Usw., usw, …..</p><p>Sie, groß gewachsen, hübsch … versucht diverse Male, das Gespräch auch das Business zu lenken, zu dem beide recht sicher unterwegs sind. Ihre Augen haben, innerhalb von einer Stunde unablässigen Gemeckers des Kerls, schon Löcher in die Decke des Waggons gebrannt. Ich hab dann zwei Pils bestellt und ihr zugeprostet. Das wars auch schon. Das Lächeln war nicht von dieser Welt!</p><p>------</p><h3 id="ebenfalls-in-hannover-">Ebenfalls in Hannover ...</h3><p>steig ein echter Business-Kerl ein. Hatte den Sitz neben mir. So knapp unter 40. Gehobene Business-Garderobe. Allein die Schuhe kosten mehr, als das Monatsgehalt eines DPD-Zustellers. Hat sein Laptop ausgepackt und Charts ohne Ende hin- und her verschoben. Institut für Marktwirtschaft konnte ich im Augenwinkel erhaschen. Mehrfach sehr laut und wichtig in Deutsch und Englisch telefoniert und zeitgleich sein Laptop bedient. RESPEKT!</p><p>Irgendwann kamen wir durch Köthen. Kein Mensch weiß, warum in diesem armseligen Dorf ein IC anhält. Ich war hier mehrfach mit dem Auto, mit dem Wohnmobil und dem Hund auf Durchreise nach Goslar. In dieser Gemeinde gibt es nichts, was – zumindest im innerstädtischen Bereich – zum Bleiben oder gar Verweilen verleitet. Nur ein !MUSS! kann das bewirken.</p><p>Das gab ich kund. Business-Man kam sofort lautstark aus der Deckung. Der ITler hielt verschmitzt lächelnd die Klappe. Die Gothic-Damen hinter mir warfen nun schon mit Feiglingen. Business-Man skandierte trocken: <em>"ist doch viel Leerstand hier. Kann man richtig Industrie ansiedeln. Ist doch ein Schnapper!“</em></p><p>Die Gothic-Leiterin hinter mir kommt prompt mit ner Stiege Feigling zwischen den Sitzen durch: <em>„Na dann viel Glück. Versuch mal hier Handwerk zu finden, die diese marode Scheisse wieder aufbaut … und Werkstoff dafür hat. Und dann noch Personal. 20km weiter hat Amazon sein Lager …. Alles, was nur halbwegs stehen und denken kann, wird von denen weggefischt!“</em></p><p>Ich hab´s nur gedacht --- besser hätte ich es never rüberbringen können! Business-Man war stille.</p><p>Mittlerweile hatte die hübsche junge Dame dem Kindergarten-Cop schon lautstark die Leviten gelesen. Es ginge ums business! Zwei Feiglinge hatte Sie in Ihrer Ansprache gern genommen. Helicopter-Papa hat das Sprechen dann auch eingestellt.</p><p>------</p><h3 id="leipzig-hauptbahnhof-">Leipzig Hauptbahnhof.</h3><p>Ich bin total unterhopft. Sechs Stunden im Zug. Dehydriert ist schlimm. Unterzuckert nicht minder. Aber unterhopft geht gar nicht!</p><p>#MeinerEiner also auf dem Weg zum Kiosk. Ne Zippe und ne Hülse – mehr braucht es nicht. Unterwegs zum Kiosk haut mich Rene an. Ein Penner vom obersten Board. „Rammstein“ auf meiner Tasche. „Rammstein“ auf meinem Hoodie --- und er findet Rammstein einfach nur geil.</p><p>Ich nehme sein Leergut --- komme ne Minute später wieder aus dem Kiosk und wir rauchen und kippen das Pils zusammen. Rene war/ist auch ITler. Binnen Sekunden erklärt er mir, auf miese Nachfrage meinerseits, den Sinn und Zweck von SQL-Datenbanken und warum das kein Hexenwerk wäre. RESPEKT!</p><p>Rene hat aber einfach keinen Bock mehr. Ist ausgebrannt und hoffnungslos. Böse Scheidung. Ein totes Kind --- wtf ever.  Das kann ein Gespräch mit mir nicht ändern. Ich denke aber an den jungen Mann, der mir im Zug gegenüber saß: “So doof kann man sich gar nicht anstellen …. „</p><p>----</p><h3 id="mal-unter-uns-">Mal unter uns: </h3><p><em>„in a blink of an eye --- in einem kurzen Augenblick, kann sich dein gesamtes Leben ändern. Ob Du willst oder nicht. Boom hat es gemacht …. Immer daran denken!"</em></p><p>Rene ging dann weiter. Zwei leere Tüten, die ich aus dem Kiosk wieder mitgebracht hatte, schlackerten an seinen dünnen Armen. Ich hatte ihm zwei Fünfer in die Hand gedrückt. Er traf einen offensichtlichen „Freund“ und gab ihm einen davon. RESPEKT!</p><p><strong>LEBEN --- ist nur ein Zyklus von Schicksal und Entscheidungen.</strong></p><p>Dirk Carolus</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Das Handwerk und der Kölner Nachtbus]]></title><description><![CDATA[30min bis zum nächsten Bus. Kurzerhand haben wir ihn, auf ein Kölsch mitgenommen zum nächsten Büdchen. Es ergab sich ein wirklich interessantes Gespräch mit Marcel. Am Büdchen wie auch hernach im Nachtbus .....]]></description><link>https://dauzone.com/das-handwerk-und-der-kolner-nachtbus/</link><guid isPermaLink="false">64146cee68c44b2129465b13</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><category><![CDATA[Online]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 17 Mar 2023 13:41:42 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2023/03/Metzger.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2023/03/Metzger.png" alt="Das Handwerk und der Kölner Nachtbus"><p>Gestern Abend sind wir sehr spät aus einer echt grottigen Theatervorstellung gekommen. Einen Bus hatten wir um Sekunden verpasst. Ebenso wie ein junger Mann, der, so wie wir, guckte wie ein angeschossenes Schaf.</p><p>30min bis zum nächsten Bus. Kurzerhand haben wir ihn, auf ein Kölsch (ich Pils!) mitgenommen zum nächsten Büdchen. Es ergab sich ein wirklich interessantes Gespräch mit Marcel. Am Büdchen wie auch hernach im Nachtbus Richtung Wermels-„am Arsch der Heide“-kirchen.</p><p>Marcel hatte, mit 16 Jahren, ein Praktikum in einer kleinen Metzgerei im Ort gemacht. Diese Metzger, die noch wissen, wo Bartels den Most holt. Marcel sagte darüber, so kurz wie auch ehrfürchtig: <strong><em>„Wenn Du nicht angeschissen wurdest, war das ein Lob!“</em></strong></p><p>Noch im Praktikum entschied er, die Schule nach dem Hauptschulabschluss zu beenden und unterschrieb seinen Lehrvertrag. Natürlich hat er seinen Gesellen mit Auszeichnung abgeschlossen. Dann ging er 6 Monate nach Bayern, um dort seinen Meister zu machen. Ist nun gerade einmal 20 Lenze alt und haut seinen Betriebswirt in Abendschule hinterher. Ende 2023 ist der junge Mann mit allem fertig.</p><p>Selten --- und ich bin wirklich viel unterwegs und suche immer das Gespräch --- habe ich einen so strukturierten, eloquenten, zielorientierten und höflichen jungen Mann der Generation Z erlebt. Das ich dies heute loswerden muss, zeigt schon, wie sehr er mich beeindruckt hat. Hier nur einige seiner Antworten auf meine brennenden Fragen:</p><p><strong>Was kommt nun:</strong></p><p><em>„Ich mache den Betriebswirt fertig. Und gehe dann ein Jahr mit einem Freund, auch Metzger, auf die Walz. Was geht in Spanien, Italien. Wie geht Halal wirklich. Und Israel wie auch Türkei werden es mir zeigen …</em></p><p><strong>Bürokratie:</strong></p><p><em>„Die haben doch alle keine Ahnung vom echten Leben. Ich habe in Bayern über zwei Monate von Tütensuppe, Nudeln und Eiern gelebt. Weil die Ukraine dazwischenkam, konnten meine Anträge nicht bearbeitet werden. Ämter sind in Deutschland so dermaßen unlogisch …</em></p><p><strong>Zukunft:</strong></p><p><em>„Wenn das alles durch ist, werde bzw. muss ich mich Selbständig machen. Als Angestellter werde ich hier, in Deutschland, niemals von meiner Rente leben können. Dafür habt Ihr zu viel Scheiße gebaut …</em></p><p><strong>Wie stellst Du dir das vor:</strong></p><p><em>„Social Media ist mein Freund. Der Online-Handel fängt hier grad erst an. Hipp und bunt und Metzger mit Halal und Heissassa … Es gibt so viele Möglichkeiten. Das wird schon!“</em></p><p><strong>Frau, Haus, Kinder:</strong></p><p><em>„Erst einmal das business auf die Schiene. Der Rest kommt dann von allein. Ich sehe auch nicht, dass ich meinen Beruf hier in Deutschland als Unternehmen ausüben werde.“</em></p><p><strong>Gleichaltrige:</strong></p><p><em>„Die blubbern unentwegt über Life-Balance, Wertesystem und FFF. Haben noch nicht einen Tag wirklich malocht und bestehen – im Bewerbungsgespräch – auf eine vier Tage Woche. Die ticken doch alle nicht sauber!“</em></p><p>Ohne Worte!</p><p>Ich war schwer beeindruckt. <strong><em>Es war mir eine Ehre Marcel!</em></strong></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Links-Zwo-Links-Zwo … links]]></title><description><![CDATA[Er zischte: „hast du nie bemerkt, oder?“ Ich hörte etwas in seinem Gesicht brechen, als meine Faust sein Gesicht traf ....]]></description><link>https://dauzone.com/links-zwo-links-zwo-links/</link><guid isPermaLink="false">6320d97936646921d40dcde4</guid><category><![CDATA[Über mich ...]]></category><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 13 Sep 2022 19:53:27 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/09/Hamburg.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<h3 id="warum-wird-man-polizist">Warum wird man Polizist?</h3><img src="https://dauzone.com/content/images/2022/09/Hamburg.jpg" alt="Links-Zwo-Links-Zwo … links"><p>An den multiplen Aufstiegschancen und fortan horrend wachsendem Gehalt kann es nicht gelegen haben. Konkurrenzlos billige Krankenversorgung kommt einem mit knapp 18 Lebensjahren nun wirklich als Letztes in den Sinn. Retten, Helfen und Bergen hatte damit auch nicht das Geringste zu tun. Der Entschluss war von reichlich simplerer Natur geprägt. 289 D-Mark als Bundi im Dreck zu 1.300 D-Mark als Polizist in Uniform. Im ersten Jahr! Meine Mutter hat mir das 1x1 der Kalkulation von Kindesbeinen an mit der Brechstange eingeimpft. Also gab es rein rechnerisch nur eine Entscheidung. Ich muss hier irgendwie raus und werde Bulle …</p><p>Nun ist das „Polizist werden“ relativ einfach. Die Prüfungen in Sachen Allgemeinwissen, Deutsch, Sport und Gesundheit waren, zumindest Anfang der 80´er, ein Witz in Relation z. B. der „Freiwilligen Feuerwehr“. Ohne es beschönigen zu wollen. Anwesenheit und zumindest nicht farbenblind geradeaus gucken zu können hatten schon ausgereicht.</p><p>Wäre da nicht diese Unterscheidung zwischen Einstieg in den mittleren oder gehobenen Dienst gewesen. Für den mittleren Dienst reicht der Abschuss der Hauptschule. Dann waren es 3 Jahre Lehrzeit, die mit der Fachhochschulreife abgeschlossen werden mussten. Jahrende später, bei guter Führung und durchgehendem JA-Sagen, um die Dienstakte sauber zu halten, hätte man dann eine Prüfung für die gehobene Laufbahn ablegen können. Für den von vorn herein gehobenen Dienst musste es schon der Abschluss des Gymnasiums + möglichst eine Empfehlung sein. Dann wurden es nur 2,5 Jahre. In allerdings völlig anderen – halt gehobenen – Bahnen.</p><h3 id="r-ckblick">Rückblick</h3><p>Schon mit dem Beginn der Schule tat sich mir eine Fähigkeit auf. Ich konnte diese damals nicht benennen. Sobald ich etwas gesehen oder gelesen hatte, war es da. Präsent. Quasi plastisch und zum Anfassen. Ich konnte praktisch aus meinem Kopf bei mir selbst abschreiben. Viel später lernte ich den Begriff dafür. Fotographisches Gedächtnis. Es ist heute immer noch so. Die Augen sind zwar schlechter – aber der Kopf arbeitet noch so wie damals. Heute weiß ich allerdings, dass es einfach nur eine Form von Hochbegabung war. Hat in den 60´ern keinen interessiert. Shit happens!</p><p>Die Schule war für mich nie ein Thema. Die eine oder andere Hänselei ob meiner Körpermaße steckte ich lächelnd weg. Ich war überall und immer ganz vorn dabei. Egal, ob Mannschaften per Entscheid ausgewählt wurden, ob es um den Klassensprecher oder die Schülerzeitung ging. Ich war immer erste Wahl. Warum? Ich kann das nicht erklären, da ich kaum einen anderen von damals fragen kann. Sicherlich lag es aber daran, dass das Leben damals – so ab 1968 – für mich ein einziger Freudenkeks war. Probleme gab es nicht. Und wenn, habe ich diese gelöst, bevor ich überhaupt gemerkt hatte, dass es ein Problem werden könnte. Ich schwamm durchgehend und über Jahre auf einer Woge der Euphorie. Nichts viel mir schwer. Nichts war für mich unmöglich und ich musste mich dafür noch nicht einmal strecken. Oder gar anstrengen. Es fiel mir im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoss.</p><h3 id="zorka">Zorka</h3><p>Natürlich kam ich dadurch anders rüber als der Rest meiner damaligen Mitstreiter, Gefolgschaft oder Kommilitonen. Ich nenne es mal Bekannte. Ich musste nie wirklich lernen. Schulaufgaben waren ohne Ausnahme immer in wenigen Minuten erledigt und dann ging ich auf die Straße in unserem Dorf. Ein langer Pfiff auf der Trillerpfeife und Schwupps trafen wir uns auf dem sogenannten „Dreiangel“ (ein Parkplatz mit drei Ausfahrten) zum Kicken bis zum Abendbrot oder zum eigentlichen Fussi-Training für die Auserwählten, die beim ABC-Wesseln mitmachen durften. Zudem war ich der „Sohn von Hutmüller“. Bei den Eltern in meinem Bekanntenkreis hatte ich keinen Namen. Ich war nur und einzig der Sohn meiner Dynastie. Der Sohn von Hutmüller. Mein Vater gab mir, schon als Kind eine Message auf den Weg: <em>„Drei Regeln mein Sohn: deine Zensuren müssen stimmen – ich hole dich nie aus dem Knast – ich zahle keine Alimente!“ </em>So einfach wie simpel. Mit gut 9 Jahren kann man da nicht viel falsch machen, wenn man, was man einmal gelesen oder gesehen hat, nicht wirklich lernen muss. Ich hatte also völlige Narrenfreiheit, welche ich in vollen Zügen genoss. So einem Überflieger laufen die Menschen nach. War damals so – ist noch heute so. Wo ich eintrat, ging das Licht an. Wo ich anwesend war, war Party angesagt. Was ich sagte, hatte zumindest Gewicht – wenn es nicht zum Gesetz wurde!</p><p>Das Erwachsenwerden konnte ich leider nicht aufhalten. Soweit reichten meine Superkräfte nicht. Heute den langsamen Verfall. Damals das langsame Erwachen der Pubertät. Dem Einhalt zu gebieten war weder ein Plan noch Fähigkeit gegeben. Die absolut genialste Braut in meiner Klasse war: Zorka. Überlegt einmal kurz und denkt in die Anfänge der 70´er. Wer kommt, im verschlafenen Dithmarschen, auf die unsinnige Idee, seine Tochter Zorka zu nennen? Computerspiele, geschweige denn Computer allgemein gab es noch nicht. Zorka war das Kind einer LSD-Bordsteinschwalbe und wurde von den Großeltern aufgezogen. In Gänze das fiese Pendant in weiblich zu meiner eher netten Persönlichkeit. Wild. Ungezähmt und unerbittlich. Nichts und niemanden lies diese Frau gelten und jeder, ganz gleich ob Junge oder Mädchen, wurde bis auf ein Minimum an Lebenswillen erniedrigt. Es war klar und unausweichlich, dass wir die Klingen über Monate bis aufs Blut kreuzten. Und uns wenig später gegenseitig in einigen zaghaften Versuchen die Unschuld nahmen. Aber es wurde nie publik. Sie wie auch ich genossen unseren Helden-Status. Da wäre die Bekanntmachung von gegenseitigem Sekret-Austausch oder gar einer andauernden Beziehung semi-professionell gewesen. Wir waren beide gut 16 Jahre alt. Aber schon echte Profis in unserem Business.</p><h3 id="der-bringer">Der Bringer</h3><p>In dieser Zeit ereilte mich ein Nierenversagen. Immer nur im T-Shirt auf dem Mofa oder Moped kann zu so etwas führen. Sagte mein Haus- und Hofarzt Dr. Muri aus dem Kreiskrankenhaus Heide. Ich erwähne das hier extra, weil dieser Kerl von einem Arzt noch viel mit mir und meiner Dynastie im weiteren Verlauf zu tun hat. Ich sage nur „10er-Karte“! Ich musste halt daheimbleiben. Dick in Watte eingepackt. Vater über seiner Buchhaltung. Mutter bei der Arbeit. Die drei Schwarz-Weiß Programme der 70ér brachten mich auch nicht wirklich in Fahrt. Also Lesen. Viel lesen. Moby Dick hätten Sie etwas kürzer machen können. Tolle Story, aber 200 Seiten hätten echt gereicht. Tom Sayer war mein Held. Robin Hood sowieso und dann kam das Buch des Krieges. Das ist aber wieder eine ganz andere Geschichte. Einer meiner Freunde damals hieß Michael. Michael bracht mir die Schulaufgaben. Michael ist das, was man heute einen Mitläufer nennt. Michael war immer da. Hat immer applaudiert. Hatte nie Widerworte und findet alles, was du tust, ultra cool und genial. Michael wohnte Luftlinie 600m entfernt und es war keine Mühe für ihn, mir den Lernstoff zu bringen.</p><p>Einige Wochen später durfte ich wieder zur Schule und meine Klausuren für den Abschluss standen an. Nachschreiben wurde das genannt. 4 Klausuren an einem Tag. Allein mit einem Aushilfslehrer in einem Klassenraum. War nicht unbedingt prickelnd. Aber ich hatte ja gelernt - so what! Und ich hatte damals jede Klausur mit Auszeichnung … verkackt! Ich hatte keinen Plan, was die von mir wollten. Ich hatte doch gelernt. Schon weil mir in den vergangenen Wochen ultra langweilig war. Aber diese hier geforderten Themen in Mathe, Bio, Physik und Englisch kannte ich nicht. Nie gesehen. Keinen Plan? Bei der ersten dachte ich noch an einen Fehler meinerseits. Bei der zweiten kam mir schon so ein ungutes Gefühl. Beide Klausuren gab ich nach nur 20min Grübeln und Zetern ab. Die Dritte sah ich mir nur kurz an und gab diese zusammen mit der Vierten, nur mit meinem Namen gezeichnet, beim Bewacher ab.</p><p>Ich wartete nicht auf meine Noten. Ich wusste, was Sache war. Gleich nach Verlassen dieses gespenstigen Klassenzimmers war ich unterwegs. Michael stand unter einem Baum im Schulhof. Ein Teil meiner Klasse war bei ihm. Ich stürmte rücksichtslos durch die Ansammlung, krallte mir den Kerl und ballerte ihn mit aller Gewalt, die ich damals leisten konnte, an die Mauer unserer Turnhalle. Michael hatte eine schmale Statur und ich kam im Laufschritt mit guten 70kg Kampfgewicht auf ihn zu. Er prallte an die Wand und fing sofort mit Stammeln und Weinen an. Ich musste noch nicht einmal fragen. Er plärrte sofort los. Das mir doch immer alles zufallen würde. Das er neidisch sei. Dass er es mir mal zeigen wollte, wie es andern an der Schule erginge. Ich gab ihm eine schallende Ohrfeige und er sackte zusammen. Diese Ohrfeige würde mich noch teuer zu stehen kommen. Das war mir aber damals wie heute völlig egal. Auch eine der vielen Dinge, die ich in meinem Leben eindeutig falsch angegangen war. Die ich aber nie bereut und auch immer wieder genauso machen würde.</p><h3 id="zeitsprung">Zeitsprung</h3><p>Gut 20 Jahre später trafen wir uns wieder. Bei einem dieser ominösen Klassentreffen, die in vielen Filmen den Stoff für allgemeines Ablachen bilden. Ich fühlte mich wieder wohl. Meine Polizeizeit lag lange hinter mir. Ich hatte ein aufstrebendes Unternehmen und gut zu tun. Es war wie damals oder immer. Auch dieses Landgasthaus in den Weiten der Dithmarscher Schweiz war mein Parkett. Wo ich war, war Licht und der Tisch war voll. Irgendwann kam Michael rein. Sah mich und zögerte. Ich stand sofort auf. Es war unverkennbar Michael. Einige hatten sich jeweils zum Positiven oder auch meist zum Negativem verändert. Er war einfach nur gealtert. Immer noch hager. Immer noch die Mundwinkel unten. Immer noch nur ein geducktes Lächeln, da es bei falschen Bewegungen oder gar Äußerungen ungemütlich werden könnte. Ich begrüßte Michael mit Handschlag und führt ihn zum Tisch. Er zog noch nicht einmal seinen dämlichen Bundeswehr-Parka aus. Saß da wie Karl-Heinz im Brunnenschacht und wartete anscheinend einfach nur auf die nächste Ohrfeige. Andere übernahmen das Gespräch und ich erfuhr, dass auch er den Polizeidienst gewählt hatte. Allerdings gleich die gehobene Laufbahn, da er nicht, wie ich, von der Schule geflogen war. Nun saß er zwischen Bergen von Akten in der Polizeidirektion Heide, im Betrugsdezernat. Ausgerechnet und immer noch in Heide. Meinem Heimatort, an dem sich unsere Wege damals als Kinder gekreuzt und später verflüchtigt hatten. <em>„Bist ja weit rumgekommen“</em>, sagte ich völlig ohne Süffisanz.</p><p>Und es brach wieder aus ihm raus. Sofort. Ohne Punkt und Komma. Ich hatte wieder einen imaginären Knopf gedrückt. „<em>Ja du. Und Du hast es geschafft oder was? Wer hat denn seine Laufbahn bei der Polizei vorzeitig gekündigt. Wer war den im Knast? Wer hat denn seine Mutter verrecken lassen? Du oder ich?“</em> Geifer lief ihm über die Lippen. Feiner Nebel seiner Brüllerei verfing sich in den Rauchschwaden meiner Zigarette. <em>„Wer hat sich um deine Mutter gekümmert, als Du getürmt bist? Wo warst Du in dieser Zeit?“</em></p><p>Es machte Plong in meinem Kopf. Der Groschen fiel mit Nachdruck. Warum wusste der Spacken so viel von mir? Und was hatte meine Mutter damit zu tun? Hat er ihr gesteckt, dass ein Polizist mit Selbstmordabsichten keinen Dienst an der Waffe tun darf? War er der Grund für meine Suspendierung in jungen Jahren als Bulle. Als meine Mutter meinen Vorgesetzten anrief und von meinen Selbstmordabsichten fantasierte? Meine Drogenmutter wäre nie auf diese Idee gekommen. So clever und charismatisch sie war - never. Den Einblick in Entscheidungen der persönlichen Führungsebene bei der Polizei hatte sie nicht. Schlimm genug, dass ich wegen seinem Mimimi damals echt schlechte Karten in Sachen Gymnasium bekam. Hatte er auch Anteil daran, dass ich inhaftiert wurde? Weil ich einen Penner in meiner Heimatstadt ausgeraubt haben soll. Meine mich liebende Mutter hatte mich damals angezeigt. Da es keine Zeugen gab, verlief das schnell im Sande. Aber eine Kerbe in der Personalakte eines sowieso recht renitenten Bullen gab es als Zugabe noch oben auf. Michael verstummte. Er sank praktisch in sich zusammen. Ich wollte ihn schlagen. Nicht nur ob meiner plötzlichen Erkenntnis. Viel mehr für die Leiden meiner Polizeizeit, die sich durch diese Erkenntnis in ein völlig anders Bild setzen ließen.</p><p>Ich wusste, dass es keine gute Idee war, diese Pussy zu schlagen. Ex-Polizist schlägt leitenden Oberbeamten. Alles in mir war auf Alarm-Modus. In den Sekunden, in denen mein Hirn in Nebel und zeitgleich gleißendes Licht getaucht war, richtete er sich wieder etwas auf und zischte: „hast du nie bemerkt, oder?“ Ich hörte etwas in seinem Gesicht brechen, als meine Faust sein Gesicht traf. Er viel like hollywood der Länge nach über den Tisch. Ich starrte noch eine ganze Weile auf dieses Häufchen Elend, dass sich auf der anderen Seite des Tisches nach unten fiel. Sich dann durch die Stühle kämpfte. Sein Parka war voll mit Getränken und Essensresten von den Tellern, die sich auf dem Tisch befanden. Michael rappelte sich hoch und versuchte unbeholfen, den Raum zu verlassen.</p><p>In diesem Augenblick erschien Zorka. Schon damals war unsere Devise: nie pünktlich erscheinen. Immer zu spät. Dann gucken alle, wenn Du eintrittst. Nichts hatte sich verändert. Michael hastete an ihr vorbei. Zorka drehte sich kurz nach ihm um und blickte dann wieder in unsere Richtung: <em>„So wie ich es sehe, hat sich nichts geändert!“</em>Es war noch gut zwei Augenblicke absolut still. Ein Kellner hatte den Tumult bemerkt und stand reglos hinter Zorka. Dann entlud sich die Spannung in brüllendem Gelächter. Zorka hatte sich nicht verändert. Böse Zungen würden Sie mit ihrem Auftritt und Outfit einfach nur als Domina bezeichnen. Ihre damals braunen, kurzen Haare waren nun als Bobby geschnitten. Kirschrot mit schwarzen Strähnen. Langer Ledermantel bis zum Boden. Ihr Schuhwerk hätte jeden Motocross-Anhänger neidisch gemacht. Mit einer gekonnten Bewegung schwang Zorka den Ledermantel von ihren nackten Schultern, setzte sich auf den Tisch und schrie: <em>„Kellner - Anmarsch!“</em> und schnippte mit den Fingern. Wir alle hatten noch einen wirklich netten Abend. Zorka und ich teilten uns später ein Zimmer in diesem verschlafenen Landgasthaus. Noch einmal und weit mehr und besser als noch in unserer Jugend. Seither haben wir uns nie wieder gesehen. Eventuell sicher besser so. Was für ein verrücktes Biest! Ich habe allerdings nach diesem Treffen auch nie wieder etwas von Michael gehört. Ganz sicher besser so!</p><h3 id="essenz">Essenz</h3><p>Meine Noten waren mir klar. Ich würde den Abschluss am Werner-Heisenberg-Gymnasium nur mit einer Baggerschaufel voller Glück schaffen. Ich war 17 Jahre alt. Mir ging eh alles grad am Arsch vorbei. Die Aufnahme in die Bundesliga als Fußballer hatte ich wegen meiner kaputten Knie verkackt. Meine Prüfung bei der Polizei, für den gehobenen Dienst, hatte ich dagegen mit Auszeichnung (trotz kaputter Knie?) bestanden. Aber ohne entsprechendes Zeugnis und Belobigung – no way! Du musst es Dir vorstellen. Da gibt es in der Deutsch-Prüfung 4 unscharfe Zeichnungen aus einem 70´er Jahre Fax-Gerät. Eine „Kohlenschaufel“. Und Du sollst dazu einen Aufsatz schreiben. Ein Comic sozusagen schriftlich vertonen. Wow – was für eine Aufgabe, um Polizist zu werden? Was nutzt das aber alles, selbst wenn du (natürlich) mit Bestnote diesen Kindergarten-Aufsatz hinlegst. Wenn ich wenig später  den Abschluss an diesem hochherrschaftlichen Gymnasium verkacke. Ich war wieder einmal angepisst. Ich hatte Zorka versprochen, sie abzuholen. Wie es bei altehrwürdigen Gymnasien der Fall war, gab es auch hier eine exorbitant schöne und weitläufige Auffahrt. In meinem Brass steuerte ich mein Moped direkt über die breite Auffahrt auf Zorka zu. Machte einen Power-Slide kurz vor ihren Füßen. Zorka rührte sich nicht einen Millimeter. Schmiss sich lächelnd hinten rauf und schlang mir ihre Arme um die Taille. Helm? Was soll der Shit? Wir brausten quer über die Beete und den Direx-Parkplatz davon. Nur ein paar Tage später stand die Polizei vor der Tür meines Elternhauses. Tatverdacht auf Nötigung, Rauditum und Entführung. Antragsteller: das Werner-Heisenberg-Gymnasium. Endlich hatten die Pisser mich wirklich an den Eiern. Ich flog achtkantig von der Schule. Mit Hauptschulabschluss!</p><p>Du kannst keinem Menschen hinter die Stirn gucken. Erst wenn dieser Mensch mit dem Rücken an der Wand steht. Erst wenn ihm der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Erst wenn er alles verliert, wirst Du erkennen, zu was dieser Mensch wirklich fähig ist. Dann siehst Du seine Stärke, Durchsetzungskraft, Loyalität oder auch Demut und Erkenntnis. Oder eben genau das Gegenteil. Bis dahin bleibt es immer - das ganze Leben - ein Fischen im Trüben. Eventuell erklärt das ein wenig meinen Hang zu gefallenen Persönlichkeiten, die sich trotz aller Widerstände immer noch an einem grandiosen Sonnenaufgang oder einfach nur am harmonischen Flug einer Scharr von Schwalben in vollem Tempo begeistern können. Es gibt nur dieses eine Leben. Dein Leben</p><h3 id="feuer-frei-">Feuer frei ---</h3><p>Zorka, mein Moped und mein Schulabschluss waren abgehakt. Da ging nichts mehr. Ich würde die Prüfung bei der Polizei erneut machen müssen. Ein Bittschreiben meines Vaters sorgte dafür. „Der Junge will nichts mehr, als Polizist werden!“ Drauf geschissen. Mir ging es in dieser Zeit um nichts anderes als Speed und Kohle für diesen Speed.</p><p>Natürlich hatte ich alles gelesen, was es über Motorräder auf dem Markt zu lesen gab. Und. by the way, es gab damals noch kein Internetz. Ich wollte diese ultimative Maschine, diese eine. Mein Thunderbike, sobald ich den Lappen dafür in Händen hatte. DOMOLS gab es noch die „freiwillige PS-Beschränkung“ in Deutschland bis maximal 100PS (bis 1999). Ich war also 1979 mittendrin in dem Dilemma. Ich wollte mehr!</p><p>Wie es so auf dem Dorf ist - jeder kennt jeden. Und der Sohn eines Bauern hatte genau diese Maschine im Stall stehen. Die Kawasaki 650er Cup war eine Rennserie für die Straße. Zwar auch nur 82PS, aber im Renntrimm leichter als jedes vergleichbare Serien-Fahrzeug. Nur 2000 Stück wurden damals davon hergestellt. Die hier fristete ihr tristes Dasein im Stall.  Genauer gesagt im Schweinestall. Mit Gülle und Schweinescheiße bis zum Motor bedeckt. In einem Mitleid erregenden Zustand. EGAL - ich war verliebt!</p><p>Die Karre kostete damals noch neu 8.200 DM. Völliger Nonsens-Preis. Aber ich hatte schon mehr riskiert, wenn ich verliebt war. Völlig überbezahlt - ich weiß - aber MEINS! Mit dem Tore schießen, Rasenmähen, Auto-Putzen und Botengängen + ein wenig Sponsoring meines Vaters wurde das Teil bezahlt. Und ich schrubbte. Und ich wusch. Ich verbrauchte mehr Stahlwolle als die hiesige Tankreinigungsfirma. Polierwolle wurde knapp in meiner Heimatstadt. Die völlig durch Gülle verrotzten Motorschrauben besorgte mir "mein Dealer von der Tanke" in feinstem Zustand. Ein Galvanisierungsbetrieb, dessen Leiter der Schwager des Neffens eines Bruders von irgendeinem Skatfreund meines Vaters war, sorgte sich um die Speichenfelgen und deren Laufkultur. Kurzum … ich brauchte knapp 6 Monate, bis die Karre startklar war. Meine Karre - mein Eintritt in eine Welt ohne Grenzen.</p><p>Apropos Dealer meines Vertrauens von der Tanke: kennt ihr das noch? Bin ja über Jahre zuvor diese Zweitakter mit dem 1:50 Gemisch gefahren. Und bei uns auf dem Dörben hatte die Tankstelle so eine Zapfsäule an der Tanke mit zwei Aufsätzen. An der Kasse haste für einfoffzich zwei Token bekommen, hast den Rüssel in den Tank gehalten und den ersten Token in die Öffnung links der Zapfe gesteckt. Danach den Rüssel gewechselt, wieder in den Tank rein und den zweiten Token in die Öffnung rechts von der Zapfe. Und fertig war die stinkende 1:50 Pampe.</p><h3 id="grenzenlos">Grenzenlos</h3><p>Führerschein in Dithmarschen? Wo du schon mit 7 Jahren einen Trecker und mit 11 Jahren ein Auto mit Lenkradschaltung fehlerfrei fahren kannst. Zumindest wenn der Sitz nah genug an den Pedalen ist oder Du die 12cm Holzklötze mit den Lederriemen an die Schuhe bekommst. Und ein Freund eines Freundes auf dem Dorf ist „natürlich“ Fahrlehrer. Kein Problem: in 4-5 Fahrstunden war der Lappen klar. Inkl. Auto, Motorrad bis hin zum LKW mit Anhänger. Was kostet die Welt …</p><p>Ich war es ja so gewohnt. Kurze Hose, T-Shirt und Badelatschen waren die Grundausstattung auf dem Moped. Nun war es aber eine echte Rennmaschine - eine Cup-Version. Leistung ohne Ende für damalige Verhältnisse. Meine erste Fahrt mit dem gewohnten Dress brachte mich auf´s Polizeirevier. Zumindest ein Helm statt der Sonnenbrille wurde gefordert. Von da an stand ich ein wenig unter Beobachtung, was so mein Outfit betraf. Wenig später schoss ich mich mit der Karre das erste Mal von der Bahn. Nicht, weil ich nicht fahren konnte. Es war einfach nur kindliche Blödheit. Endlich wurdest Du mit einem Motorrad auch von anderen Bikern akzeptiert. Tausende Male hatte ich auf dem Mofa oder dem Moped lässig die Hand zum Biker-Gruß gehoben. Nie wurde dies erwidert. Jetzt aber – jetzt musste es klappen. Ist nur blöd, wenn dieser Gehirnfurz dich bei 170km/h überfällt. Du den linken Arm zum Gruß hochreißt. Es dir über den plötzlichen Luftwiderstand den Arm nach hinten und damit den Lenker verreist und Du statt in die Kurve einfach geradeaus in ein frisch gedüngtes Ackerfeld ballerst. Und schon wieder lagen wir, diesmal gemeinsam, in der Gülle.</p><p>Der andere Mopedfahrer drehte bei und kam zurück. Mir war nichts passiert – Schlamm und Scheiße dämpfen ungemein. Da es noch keine Handys gab, ist der Typ in die Stadt gegurkt, hat Meldung gemacht und wenig später kamen Jan (mein Dealer von der Tanke) und ?? noch einer mit dem Trecker und die Kawa wurde auf den Hänger gehievt.</p><h3 id="einmal-mit-alles-schaaf-">Einmal mit Alles – schaaf!</h3><p>Frisch durch die Jauche gebrezelt, betrachtete Jan nun den Schaden. An sich macht er ja nur in Traktoren – aber Schrauber ist halt Schrauber. Wir sprachen kurz drüber, ob ich die Karre wieder aufgebaut haben wolle. Klares Ja. Es wurde ein wenig telefoniert. Es wurde bestellt und mit etlichen Bata Deals was eingefädelt, an denen mein Vater damals noch großen Anteil hatte (erst viel später kam das raus!). Gute 5 Wochen sah ich weder meine Karre noch Jan. Die Werkstatt hinter der Tanke war zugehängt. Das war der Deal: „Lass mich mal machen – stör nicht!“ Die Wochen auf dem Fahrrad – mitten im Sommer – waren die Pest. Mein Vater ließ mich ackern wie blöd und auch meine Mutter hatte eine nicht endend wollende Aufgabenliste für mich.</p><p>Irgendwann stand Jan mit dem Trecker vor dem Laden meiner Eltern und grinste frech: <em>„Bock auf Bock?“</em> Einfach so. Mitten auf der Hauptstraße geparkt. Das Ergebnis war so überwältigend, dass ich mich damals wirklich vor Freude eingenässt habe. Für Freunde der „Uralt-Technik“ der 80er: Lenhard&amp;Wagner 4:1, Tomasseli Stummel, Leichtmetallfelgen (der damals neuste shit!!) und das gesamte Fahrwerk über Koni aufgebaut nebst neuer Sitzbank. Dazu noch ein Bohrkit (damals keinen Dunst – ich vertraute meinem Dealer), der die Karre von nominell 82PS auf etwa 100PS brachte. Gemessen am Hinterrad! Bei 12kg weniger Gewicht als im Originalzustand. Ein Hammergerät – a star was born!</p><p>Und nun mal das geistige Auge auf Empfang! Dieser Junge, der bis dato nie Grenzen hatte und immer erst, wenn Blut kam, mal ein wenig nachdachte, fuhr dann mit genau dieser Karre zum nun schon zweiten Eignungstest der Polizei Hamburg. Die 4:1 Auspuffanlage war so laut, dass ich auf dem Bock Watte in Den Ohren hatte. In der Mensa alle wussten … da kommt noch einer! Auch wenn ich gut 15min zu spät war. Schwarze Boots, schwarzes Leder bis zum Hals, Tankrucksack geschultert und lange blonde Haare bis zum Arsch. Ich stieß die Tür zur Mensa auf: Mit einem lauten <em>„Sorry – war Stau“</em> latschte ich durch den Raum und ließ mich auf einen freien Platz ganz vorn plumpsen. Erwartungsvoll blickte ich hoch, weil es absolut totenstill war. Drei Polimanzisten im vollen Brokat-Ornat starrten mich an. Einer erhob wenig später das Wort, zunächst ganz leise:<em> „Der kommt zu mir!“</em> Dann sehr viel lauter direkt in meine Richtung: <em>„Dich krieg ich!“</em> Der Beginn einer ultimativen Hassliebe mit PHK Rollenhagen für die nächsten 1.124 Tage (ja - ich habe sie gezählt!). Das ist aber die nächste Geschichte.</p><h3 id="benzin-">Benzin …</h3><p><em>„Speed is only a question of money ...“</em> (Mad Max). Wer hat diesen Film, wenn vom Ballern mit dem Motorrad nicht angefixt, etwa allen Ernstes nicht gesehen? An sich hätte ich, wenn wir mal Relation und Wahrscheinlichkeit bemühen, Anfang bis Mitte der 80´er schon den Löffel abgeben müssen. Es gab nichts, was wir auf dem Bike nicht probiert haben. Egal, welche YouTube Bike-Porns von heute in Eurem Schädel gerade ablaufen. Wir haben diese um ein Vielfaches gerissen. Anfang der 80´er gab es dafür leider noch kein Forum. Ist sicherlich auch besser so …</p><p>Dieses Kapitel ist allerdings einzig und allein dem PHK Rollenhagen gewidmet. Im weiteren Verlauf einfach Rollo genannt. Ein echt mieser … aber irgendwie auch geiler Typ. Er hat mich geknechtet und abgemahnt, wo es nur ging. Ich war in der Ausbildung zum Polizeibeamten und diese miese Sau war mein „Vertrauens- und Klassenlehrer“. Um alle Bedenken von vorn herein zu killen: Ohne „Rollo“ wäre ich niemals länger als maximal 5 Monate in der Ausbildung zum Polizeibeamten geblieben. Punkt! Ohne Rollo hätte ich viele Momente als Polizist (schützen, bergen, helfen) weder genießen noch erfahren können oder gar dürfen und hätte viel an Lebenserfahrung oder Weitsicht niemals erreicht! Und ohne den „Rollo-Spirit“ hätte ich wahrscheinlich auch mein Leben als solches verloren. Danke somit Rollo (R.I.P)</p><h3 id="antreten">Antreten</h3><p>Rollo hatte mich ja schon am Tag meiner zweiten Eignungsprüfung auf dem Plan. Der Spruch in der Mensa - vor versammelter Mannschaft: <em>„Den krieg ich - der kommt zu mir!!“</em> sagte an sich schon alles. In meiner damalig durchaus noch aufmüpfigen wie gleichsam kindlichen Denke waren damit schon die Gräben der Zukunft abgesteckt. Ich im vollkommen Lederdress, grad vom Hocker/Motorrad abgestiegen. Rollo in Uniform mit blinkenden Sternen und Ausbilder-Mütze. Ich mit Helm und nassen, dazu langen blonden Haaren bis zur Hüfte. Er betont bürokratisch. Ich laissez faire: <em>„Der will nur spielen!“</em> Nein - wollte er nicht! Ohne Übertreibung: egal, wo ich stand, saß, aß oder gar Notdurft verrichtete. Rollo war da! Mein „Vertrauenslehrer“ konnte, zumindest außerhalb der Unterrichtsstunden, jederzeit über mich verfügen. Vor dem Unterricht (Frühstück) oder aber in der Mittagspause wie auch nach dem Unterricht konnte er mich auf die Geschäftsstube bestellen. Wenn ich nicht erschien, hätte ich ihm einen Grund zur Abmahnung (Befehlsverweigerung) gegeben. Also erschien ich. In zwei Jahren meiner Ausbildung zum Polizeibeamten der Hansestadt Hamburg an immerhin gut 500 Tagen. Dazu meist 2x am Tag - je nach Laune und/oder Terminen von Rollo. Und es machte auch keinen Unterschied, ob Rollo dann da war oder in einem Termin war oder zum Essen ging. An jedem Tag, an jedem f*****g day, also jeden Tag, lag in der Dienststube einfach nur ein leeres, weißes DIN A4 Blatt mit einem vorgedruckten Text vor: <em>„Hiermit kündige ich aus persönlichen Gründen zum nächstmöglichen Zeitpunkt meinen Dienst und damit meine Ausbildung bei der Polizei Hamburg.“</em></p><p>Datum: ____________________     Gelesen und gezeichnet:  ________________</p><p>Wenn Rollo da war, verließ dieser Patriarch nach Darreichung des Zettels sein Dienstzimmer. Wortlos! Wenn nicht, hatte mich seine Stubenhilfe im Auge. Morgens und/oder abends saß ich dann da. Jeweils mindestens 30-50min. Zu Mittag auch gern eine gute Stunde. Ein frühzeitiges Entfernen ohne Erlaubnis hätte wieder eine Abmahnung; im Amtsdeutsch eine Dienstaufsichtsbeschwerde, nach sich gezogen. Vorne vor dem Dienstzimmer saß ja immer so ein minderbemittelter menschlicher Wachhund in Uniform. Ich war mir dessen völlig bewusst. Und genau diese Blöße gab ich mir nicht. Niemals. Nicht an einem einzigen Tag dieser tausenden von verschwendeten Stunden an Lebenszeit!</p><h3 id="mean-machine">Mean Machine</h3><p>Rückblickend betrachtet war Rollo kein wirklich böser Mann. Rollo war halt Rollo. Außer Schwarz und Weiß gab es für ihn keine Farben. Richtig oder falsch waren damit, in seiner Denke, ganz einfach einzuordnen. Gut und Böse ebenso. Recht und Gesetz, Anstand, Ethik und Moral waren die Eckpfeiler seines Denkens. Nicht so weit weg von meiner Erziehung. All das, was Rollo predigte, hatte mein Vater mir schon über die letzten, nun schon knapp 20 Jahre, eingeimpft und anerzogen.</p><p>Was Rollo und mich trennte war einzig und allein die Uniform. Und meine immerwährende Frage nach dem „Warum“? In Rollos Augen war ich ein Nichtsnutz. Er lernte mich kennen als Kind ohne Grenzen. Hungrig, wissbegierig und … sagen wir mal naturbelassen. „Geht nicht“ gab es für mich bis dato nicht. Ich hatte immer noch lange Haare bis zum Gürtel. Ich hörte Deep Purple und Savatage, ich spielte fast nackt Fußball in meiner Freizeit und hatte trotz oder gerade deswegen eine tolle hood mit meinen Kommilitonen im gleichen Jahrgang. Was in Sachen Regeln und Gesetzmäßigkeiten für einen angehenden Polizeibeamten in den Augen von Rollo naturgemäß an Blasphemie grenzte. Das ich dann noch ein Verfahren gegen den „Haarerlass“ der Hamburger Innenbehörde anstrebte, gab dem Mann dann wahrlich den Rest.</p><p>Fakt: in meinem Jahrgang 1981 wurden nun auch gern Frauen angenommen. Nichts dagegen. Absolut nichts! Machen „fast“ den gleichen Dienst wie die Kerle. Lernen den gleichen Stumpfsinn und verdienen die gleiche Kohle. Aber dürfen lange Haare haben. Ich als Kerl aber nicht? Die Frage nach dem „Warum“ stellte sich mir in der Ausbildung an sich jeden Tag. Hier sah ich mich in meiner … wie heißt es heut im „Gender-Vokabular“ so schön - Selbstfindung - in Relation zur Weiblichkeit doch sehr beschnitten. Im wahrsten Sinne des Wortes! Also ging ich dagegen an. Auch „meine“ Haare kann ich zum Dutt verarbeiten und unter einer Dienstmütze verstecken. Kein Problem! Diese Nummer und damit leider ausschließlich nur meine Nummer, ging bis zum LG Hamburg. Ein junger Polizeibeamter besteht auf seine langen Haare. Es ging in der Urteilsfindung nicht um die Relation zu den weiblichen Kolleginnen. Es ging nur um mich. Als Mann, der auch lange Haare in Uniform tragen wollte.</p><h3 id="verloren">Verloren</h3><p>Klar hatte ich diesen Kampf verloren. Es ging hier nicht um Logik. Egal, was mir in meinen jungen Jahren eingeimpft wurde. 1+1 ist nur dann 2, wenn es in den Augen des weisungsfähigen Betrachters Sinn machte. Es wurde mir im Verlauf der langen Verhandlungen völlig klar. Ich würde hier nichts holen. Aber zumindest einen Versuch war es wert. Rollo heimste sich eins und kam jeden Tag quitsch und fidel aus der Rektorenbesprechung. Er pikste mich noch mehr, als er es vorher tat und suchte nur nach einem Grund, mich des Unterrichts und damit nachhaltig der Ausbildung zum Polizeibeamten zu verweisen.</p><p><strong>1.</strong> Die schwarzen Polyestersocken der Hansestadt waren ein Muss in Sachen Uniform. 5-10min nach dem Anziehen dieser schwarzen Müllbeutel hast Du „down under“ gestunken wie ein Iltis. Also habe ich - 80er Jahre halt - aus Prinzip und Selbstschutz weiße Tennis-Socken aus Baumwolle getragen. Abmahnung!</p><p><strong>2.</strong> 30° Grad und mehr Temperatur hatten wir auch schon in den 80ern. In der Ausbildung - im Klassenzimmer einfach mal diesen „Fertig-Schlips“ (nix mit Binden - nur anstecken!) abnehmen und den obersten Hemdknopf öffnen. Abmahnung!</p><p><strong>3.</strong> Morgens spät dran und die Hemdklappen, diese Flügel, die dich als Gefreiter, Strunz-Popel oder halt Anfänger-Bulle haben erkennen lassen, einfach mal vergessen. In einer Schule mit ca. 1.500 Polizeianwärter-Strunz-Popeln. Alle gleich und ja: jedem war auch damals schon klar, wer ich bin. Nur Rollo sah das anders. Abmahnung!</p><p>Möglichkeiten für Rollo gab es zuhauf. Wir waren eine sogenannte „Problemklasse.“ Alles ja nur Haupt-Schöler! Die Röteln-Epidemie im PAZ-Ausbildungszentrum Hamburg ging auf meine Klasse (einfach mal googeln). Aber es war an sich völlig egal, wo sich meine Klasse bewegte oder wie diese Klasse sich verhielt. Ich war auch hier immer der Ansprechpartner für meinen Klassen- und Vertrauenslehrer Rollo. Ich weiß heute nicht mehr, was da abging. Was der Auslöser war und/oder worum es ging. Ich weiß nur noch, dass ich meinen Ausbilder Rollo vor der Klasse auf den Flur gebeten habe: <em>„Lass uns das draußen klären - unter Männern!“</em></p><p>Rollo lächelte <em>(hatte er je gelächelt?) </em>wissend und zeigte mir sofort, mit einer kurzen Handbewegung, den Weg zur Tür. Ich ein Bubi von 19 Jahren mit Wut und Kindersperma plus diverser Abmahnungen im Pelz. Er ein erfahrener Mann und zudem professioneller Boxer. Die Klasse war still. Eine Stecknadel hätte man gehört. Ich war auf alles gefasst und das Adrenalin lief mir buchstäblich aus den Ohren. Ich wollte den Mann wegmachen. Einfach umhauen. Einfach mal einen Tag Ruhe haben vor diesem Wichser. Rollo drehte mir aber, nachdem er betont langsam die Tür geschlossen hatte, einfach nur den Rücken zu und machte sich einen Zigarillo an. Absolutes Rauchverbot in der Schule! Bettete seinen Breitarsch entspannt auf einem Fenstersims und musterte mich. Ich war voll auf Zinne und kampfbereit: <em>„Nun komm doch – Du Pussy!“</em> brüllte ich.</p><p>Und das erste Mal kam von ihm mein Zauberwort: <em>„Warum?“</em> fragte er völlig entspannt. Nahm einen tiefen Zug aus seinem Zigarillo und glotzte mich mit offenen Augen an. Ich war völlig verdutzt. Der Mann war plötzlich die Ruhe selbst. Erklärte mir in ruhigen Sätzen, warum er mich tagein, tagaus in den Wahnsinn getrieben hatte. In seiner Welt kommen nur die durch, die allen Widerständen trotzen können und trotzdem erhoben Hauptes stehen bleiben!</p><p>Ich war baff. Jedwedes Adrenalin floss mir in die Blase. Rollo haute dann noch ein wenig gegen die Wände. Er schrie sehr laut rum und ließ die Fensterflügel im Flur laut schlagen, während er seinen Zigarillo in den Hof warf. Er öffnete die Klassentür und wies mir den Weg in die Klasse zurück. Ich verneinte. Ich musste pissen. Er lächelte. Nun schon zum zweiten Mal in 1.225 Tagen.</p><h3 id="only-the-best-die-young">Only the best die young</h3><p>Wir haben nie wieder über diesen Tag gesprochen. Alle Fragen meiner Klassenkameraden blockte ich kategorisch ab. Es gab nichts zu erzählen! Wenn ich heute über diese Minuten nachdenke, sammeln sich Tränen in meinen Augen. Ich machte meinen Abschluss mit sehr guten Noten und hatte alle Wege frei. Ich hatte trotz aller Widerstände meinen Weg gemacht. War in einer Einheit angekommen, in die ich gehörte. Der Schädeltrupp. Nur Gestörte und Durchgeknallte. Aber mein Rücken war immer safe. Verlass auf ganzer Linie in diese Truppe! Jahre später hatten wir Schießtraining. Eine große Hand legte sich auf meine Schulter. Rollo stand neben mir. Er zoomte meine Schuss-Kladde ran.  Musterte mein Ergebnis. Gab mir mit der Faust einen Stupser unter das Kinn und lächelte. Wortlos ging er. Knapp ein Jahr später war er tot. Krebs. Einfach umgekippt und aus. Die Bluteiche für Hamburger Polizisten auf dem Olsdorfer Friedhof wollte er nicht. Er wollte in Poppenbüttel anonym bestattet werden. 8 Menschen waren da. Nicht mehr. Nicht weniger. Rollo war halt nicht wirklich beliebt. Aber ein Kerl wie er im Buche steht. Mit allen Ecken und Kanten!</p><p>Danke Rollo. Und ganz im Ernst. Ich habe heute, gut 40 Jahre später, immer noch Tränen in den Augen, wenn ich an unsere beschissen geile Zeit denke und diesen Wust zu Papier bringe.</p><p>R.I.P.  PHK Rollenhagen.</p><p>Es gibt immer zwei Seiten. Aber nur eine, auf der Du stehst (cc. Daniel Wirtz)</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[EC-Karten Desaster]]></title><description><![CDATA[„Ich bin Kunde – ich will zahlen – hier und jetzt!“
Ein unvorstellbares Hauen und Stechen tut sich vor mir auf. Brüllende Menschen an der Kasse. ]]></description><link>https://dauzone.com/ec-karten-desaster/</link><guid isPermaLink="false">6294f7cdec5fc67b3899ed17</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Mon, 30 May 2022 17:06:49 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/05/Kartenzahlung.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/05/Kartenzahlung.png" alt="EC-Karten Desaster"><p>Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es echt zum Lachen. Ich komme in meinen hiesigen Discounter der 1. Wahl. Nicht ganz günstig – aber top Qualität!</p><!--kg-card-begin: image--><figure class="kg-card kg-image-card kg-width-wide"><img src="https://dauzone.com/content/images/2022/05/Bares.png" class="kg-image" alt="EC-Karten Desaster"></figure><!--kg-card-end: image--><p></p><p>Am (outdoor) Stand für die Einkaufwagen, im Bereich des Eingangs und vor dem Drehkreuz, um den Laden überhaupt betreten zu können, hängen diese Schilder. 1,6 Meter breit. Einen Meter hoch. Am Drehkreuz muss man sich bücken, um darunter durch den Laden betreten zu können.</p><p>Egal: Ich stehe 35sec. später mit meinen 2 Sachen an der Fleischtheke. Nicht, weil ich noch Fleisch brauche. Weit gefehlt? Nein … weil die Schlange von der Kasse ca. 45m durch den Laden bis hierher reicht.Weil dort ca. 90% der Menschheit des Lesens nicht mächtig sind und sich über jeden gut gemeinten Ratschlag hinwegsetzen. Da ich nun hier seit Jahren Stammkunde bin, spreche ich einfach mal mit der Chefin des Ganzen und darf, mit meinem Kleingeld bewaffnet, ganz nach vorn an die Mitarbeiter-Kasse.</p><h3 id="-ich-bin-kunde-ich-will-zahlen-hier-und-jetzt-">„Ich bin Kunde – ich will zahlen – hier und jetzt!“</h3><p>Ein unvorstellbares Hauen und Stechen tut sich vor mir auf. Brüllende Menschen an der Kasse. Kunden, die in die andere Schlange wechseln wollen aber nicht können. Von hinten niedergebrüllt und mit dem nächsten Wagen ausgebremst werden. Handgreiflichkeiten und verbale Entgleisungen. Und mittendrin stoisch ruhige Kassierer*innen mit seltsam puterrotem Kopf und völlig entgleister Mimik.</p><p>WOW sagt die Chefin des Ganzen: <em>„die haben doch alle nicht mehr eine einzige Latte am Zaun. Sollen froh sein, dass es überhaupt noch was zu fressen gibt. Im Donbass würden sie dich nur für einen dieser Einkaufwagen töten.“</em></p><p>Ich nicke zustimmend. Auch ich bin bar der Worte ob dieses Verhaltens und völlig geschockt. Innerlich, als langjährig im Online-Handel geprüfter Händler, denke ich aber: <strong><em>„Setzt die Plakate in Bilder. Text liest keiner – Bilder helfen!</em></strong></p><p><a href="https://www.facebook.com/hashtag/justmy2pence?__eep__=6&amp;__cft__[0]=AZXCgANXdi2jEGMn3NP4OrcXh52gZ4h_vcPRsIgfjYmVk6Z453jKCF0TJI1wyVav1GQqad3xFPf4PWocU_HQeqc6hvaHSCFgdI77TySbWoRZ3LBmdF9-4u5tGkMcY-cknw_KA7psxUj4yjvTWLpqS27iyNbiALw5vPWFMi_2JIMGBQ&amp;__tn__=*NK-R">#justmy2pence</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/v%C3%B6lligirre?__eep__=6&amp;__cft__[0]=AZXCgANXdi2jEGMn3NP4OrcXh52gZ4h_vcPRsIgfjYmVk6Z453jKCF0TJI1wyVav1GQqad3xFPf4PWocU_HQeqc6hvaHSCFgdI77TySbWoRZ3LBmdF9-4u5tGkMcY-cknw_KA7psxUj4yjvTWLpqS27iyNbiALw5vPWFMi_2JIMGBQ&amp;__tn__=*NK-R">#völligirre</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/ukraine?__eep__=6&amp;__cft__[0]=AZXCgANXdi2jEGMn3NP4OrcXh52gZ4h_vcPRsIgfjYmVk6Z453jKCF0TJI1wyVav1GQqad3xFPf4PWocU_HQeqc6hvaHSCFgdI77TySbWoRZ3LBmdF9-4u5tGkMcY-cknw_KA7psxUj4yjvTWLpqS27iyNbiALw5vPWFMi_2JIMGBQ&amp;__tn__=*NK-R">#ukraine</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/infeuergehtdieweltauf?__eep__=6&amp;__cft__[0]=AZXCgANXdi2jEGMn3NP4OrcXh52gZ4h_vcPRsIgfjYmVk6Z453jKCF0TJI1wyVav1GQqad3xFPf4PWocU_HQeqc6hvaHSCFgdI77TySbWoRZ3LBmdF9-4u5tGkMcY-cknw_KA7psxUj4yjvTWLpqS27iyNbiALw5vPWFMi_2JIMGBQ&amp;__tn__=*NK-R">#infeuergehtdieweltauf</a> <a href="https://www.facebook.com/hashtag/armesdeutschland?__eep__=6&amp;__cft__[0]=AZXCgANXdi2jEGMn3NP4OrcXh52gZ4h_vcPRsIgfjYmVk6Z453jKCF0TJI1wyVav1GQqad3xFPf4PWocU_HQeqc6hvaHSCFgdI77TySbWoRZ3LBmdF9-4u5tGkMcY-cknw_KA7psxUj4yjvTWLpqS27iyNbiALw5vPWFMi_2JIMGBQ&amp;__tn__=*NK-R">#armesdeutschland</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[life is a game - football is serious]]></title><description><![CDATA[Solch ein Tag. Solche Momente und solch ein Kampf – auch wenn du nicht gewinnen konntest, prägen dich für´s Leben.]]></description><link>https://dauzone.com/life-is-a-game-football-is-serious/</link><guid isPermaLink="false">62598303ec5fc67b3899ece9</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Fri, 15 Apr 2022 14:45:51 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2022/04/fussi.png" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2022/04/fussi.png" alt="life is a game - football is serious"><p>Da wir einen Feiertag haben. Da wir mal was Positives brauchen. Da die Sonne scheint und #Frankfurt gegen #Barcelona bestehen konnte. Da auch Verlieren zu innerer Stärke führen kann …. Einmal zum Zurücklehnen.</p><p>Prost!</p><p>------</p><p><strong>Primär </strong>hat mich der Fußball, meine Berufung, geleert, sich seiner Stärken bewusst zu sein und seine Schwächen zu kennen. In meiner aktiven Zeit wurde von einem meiner damaligen Leistungs-Trainer für mich der Begriff Mannschaftsnutte geprägt. Ich war als Spieler in nichts wirklich brillant. Jedoch konnte ich alles ein bisschen und immer über mich hinauswachsen. Damals wie heute habe ich nie aufgegeben. Selbst wenn wir hoffnungslos hinten lagen, machte ich es mir persönlich zur Aufgabe, zumindest dafür zu sorgen, dass wir nicht noch eine Bude kassieren. Ein 0:3 zur Halbzeit hieß für mich (ich hatte sehr gute Trainer!), die zweite Halbzeit bei 0:0 zu starten und mindestens 3 Tore erzielen zu müssen. Das war meine Intention.</p><p>Wie bei sicherlich jedem ambitionierten Kicker gibt es so Szenen aus der Spielzeit, die man niemals vergisst. Bei mir z.B. der Nations-Cup in den USA und mein unrühmliches Eigentor in Duisburg, als mein Vater mich mit 14 Jahren einfach hat stehen lassen. Ich musste nach Heide/Holstein trampen.</p><p><strong>Unvergesslich </strong>bleibt allerdings ein Pokal-Fight der besonderen Art gegen Holstein Kiel. Fritz Walter Wetter über dem heiligen Geläuf. Ein Spiel bei Flutlicht. Gute 3000 Zuschauer in einem kleinen Schmuckstück von Stadion. Alles gegnerische Fans. Damals lief es noch so, dass man auch als unterklassige Mannschaft aus Bezirks- oder Landesliga in den DFB-Pokal rutschen konntest, solange man Sieger im nationalen Pokal wird. Unsere drittklassige Truppe wurde von einem völlig durchgeknallten Trainer geführt und von den Mäzenen der Stadt mittelprächtig finanziert. Bis hierhin waren wir gekommen. Nur noch 2 Spiele bis zum Finale.</p><p><strong>Dieses </strong>Gefühl in den Katakomben beim für uns großen Holstein Kiel werde ich nie vergessen. In der Kabine lagen unsere Klamotten schon sauber am Platz. Eine riesige Tonne Gateorade stand mit Bechern mitten im Raum. Es gab Massageliegen und ein Tauchbecken. Für uns Kreisstadt-Kicker einfach der Wahnsinn. Jeder Fußballer hat ja so seinen Tick. Manche ziehen die Schuhe zunächst seitenverkehrt an. Andere hüpfen auf einem Bein aus der Kabine raus und wieder andere verbrauchen mindestens eine Rolle Tape, nur um sich zu konzentrieren. Bei mir war es seit den USA eine kleine Münze. Ein kanadischer Silberdollar, welchen wir nach dem Turnier von Eusebio erhalten hatten. Diesen klebte ich vor jedem Spiel mit Inbrunst und viel Tape auf die Innenseite meines Schienbeinschützers. Es ging raus aus der Kabine. In den Vorraum zum Stadion. Das unverkennbare Klackern der Alu-Schraubstollen auf Zement höre ich manchmal heute noch im Schlaf.</p><p><strong>Meine Fresse, waren die groß.</strong> Die Kieler Mannschaft baute sich neben uns im Tunnel auf. Ich meine es nicht in dem Sinne, wie es jetzt rüberkommt. Aber es war – im Gegensatz zu uns Vorstadtkickern – echt die Herrenrasse. Wir quatschten noch so als Rasselbande untereinander und dann kamen diese Recken aus der Tür. Irgendwie hatten alle den gleichen Frisör. Alle von gleicher stattlicher Figur und alle … hatten die gleichen Fußballschuhe an. Ich spürte innerlich, wie meiner Mannschaft der Saft im Hals gefror. Bobo, unsere 170cm kleine Kampfkugel im Tor, bekam den Mund nicht mehr zu. Seine geliebten rosa Handschuhe versteckte er irgendwie instinktiv. Als wenn er Angst hätte, diese Hünen würden ihn gleich auslachen.</p><p>Zur Halbzeit lagen wir 1:3 hinten. In meinem Kopf war das nicht so schlecht. Hätte schlimmer kommen können und immerhin sind diese Prachtkerle verwundbar. Wir hatten zumindest 1x getroffen. Und es waren noch 45min zu spielen. Ende der ersten Halbzeit war der leichte Nieselregen in echten Regen übergegangen. Die Ansprache des Trainers ging an uns allen vorbei. Jeder hatte viel zu viel mit sich selbst zu tun. Jeder leckte irgendwie seine Wunden. Es war eben ein echtes Pokalspiel. Und es kann nur einen Sieger geben.</p><p>Der Wettergott war mit uns. Wir kamen wieder raus uns es schüttete aus Eimern. Filigrane Techniker waren nun zur völligen Fehlbesetzung geworden. Es brauchte die sprichwörtlichen Grasfresser, die an der Mittelinie die Grätsche auspacken und erst im gegnerischen Strafraum wieder zum Stehen kamen. 2:3. 2:4. 3:4. 4:4. Gegen Ende der zweiten Halbzeit schluckten wir das 4:5. Praktisch mit dem Schlusspfiff erhielten wir noch einen Elfmeter. Es war immer meine Aufgabe. So auch heute. Vollspann mit Augen zu in die Mitte gehämmert. 5:5.</p><p>Ich hörte mittlerweile nichts mehr. In der kurzen Pause vor der Verlängerung wurde meine linke Augenbraue getackert. Ganz ehrlich. Man merkt es nicht einmal. Das Adrenalin läuft dir praktisch in Strömen aus der Nase. Jorgen hatte einen tiefen Cut an der Wade. Ein Grund, warum wenig später Alustollen verboten wurden. Jens sah nichts mehr und musste raus. Hatte eine üble Kopfnuss bekommen und reichlich Dreck und Schlamm in den Augen. Bodo, unsere Torwart-Drohne, sprang derweil wie ein Erdmännchen um uns rum. Er konnte ja noch laufen. Er war völlig aufgekratzt und brüllte in einer Tour, dass wir es ihnen jetzt zeigen werde. Das wir Dithmarscher sind. Das wir kämpfen können. All diese Sprüche. Die restliche Mannschaft lag nach Luft pumpend auf dem Rücken, war beim Doc oder in den Katakomben zum K..ken. Außergewöhnliche körperliche Leistungen gehen immer über den Darm. Deswegen fordert jeder gelernte Trainer vor jeder sportlichen Auseinandersetzung den ausgiebigen Gang zur Toilette.</p><p>Wir hielten uns wacker. Der Regen war völlig verstummt. Bis kurz vor Schluss der zweiten Hälfte der Verlängerung stand es immer noch 5:5. Ecke für Kiel. Ich gab dem Schiri ein Zeichen. #Meinereiner stellte sich hinter den linken Pfosten und kotzte sich die Seele aus dem Leib. Olaf kam dazu und auch ein Kieler Recke tat es uns gleich. Es muss ein schier göttliches Bild gewesen sein. Der Schiri ließ uns diese Zeit. Trotzdem fingen wir uns mit dieser Ecke das 6:5. Danach gab es kein Aufbäumen mehr. Wir fingen noch das 7:5 und dieses Spiel fand sein Ende.</p><p>Klar hatten wir, hatte ich verloren. Ich saß weinend auf dem Rasen und war völlig am Ende. Ein Kieler Spieler baute sich vor mir auf und bot mir die Hand. Er zog mich hoch. Wir umarmten uns und jeder von uns heulte dem anderen die Tränen der Erschöpfung über Minuten auf die Schulter.</p><p>Solch ein Tag. Solche Momente und solch ein Kampf – auch wenn du nicht gewinnen konntest, prägen dich für´s Leben.</p><p>#lifeisagame #footballisseroius #winningisahabit #vincelombardi #challengeoflife #aufgebenwidersprichtderaufgabe</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Zahnbürste & Wladiwostok]]></title><description><![CDATA[Es muss so um 1982 gewesen sein. Ich war noch ein Jungspund in der Ausbildung der Polizei Hamburg und die Welt damals war ein Imperium, was es noch zu entdecken gab. Mein damaliger und heute noch bester Freund sagte im Unterricht nur: Spanien?]]></description><link>https://dauzone.com/wladiwostok/</link><guid isPermaLink="false">60ad0ba48ea8511f571fd888</guid><category><![CDATA[Leben]]></category><dc:creator><![CDATA[Dirk Carolus]]></dc:creator><pubDate>Tue, 25 May 2021 14:43:55 GMT</pubDate><media:content url="https://dauzone.com/content/images/2021/05/Russland.jpg" medium="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://dauzone.com/content/images/2021/05/Russland.jpg" alt="Die Zahnbürste & Wladiwostok"><p>Mai 2021 – der Wonnemonat. Da es mir ob eines Gewitters grad den Online-Bereich gekappt hat, nehme ich mir gern einmal wieder die Zeit, eine kleine Ode an eben diese Zeit zu schreiben. Einfach so - offline :-) </p><h3 id="kleines-gep-ck-die-erste-">Kleines Gepäck – die Erste:</h3><p>Es muss so um 1982 gewesen sein. Ich war noch ein Jungspund in der Ausbildung der Polizei Hamburg und die Welt damals war ein Imperium, was es noch zu entdecken gab. Mein damaliger und heute noch bester Freund sagte im Unterricht nur: <strong><em>Spanien?</em></strong></p><p>Gut 48 Stunden später saßen wir auf dem Bock mit unseren damaligen Mädels. Jedes Motorrad war mit 2 kleinen Sporttaschen + einem Tankrucksack gesattelt. Kurz noch eine rauchen und ab ging die wilde Fahrt. Hamburg-Stellingen nach Torremolinos (P. Malaga) in gut 27 Stunden ohne Schlaf.</p><p>Ich weiß es deshalb noch so genau, weil kurz hinter Barcelona am Hinterrad meines Kumpels große rollende Käse rauskamen und ich ausweichen musste. Kurz gesagt – wir haben auf einem Rastplatz etwas Nickerchen machen müssen. Sonst hätten zumindest ich + meine dann wenig später erste Ehegattin diese Fahrt nicht überlebt.</p><h3 id="kleines-gep-ck-die-zweite-">Kleines Gepäck – die Zweite:</h3><p>Die Jahre vergingen wie im Flug. Alles änderte sich – wirklich alles. Mein gesamtes Leben wurde einmal in den Schleudergang geworfen. Mit extra Spülen und dann nass aufhängen. Nur die Affinität zum Motorrad und die Liebe zu meinem Freund hatten sich nie verändert.</p><p>Gut 30 Jahre später saß ich mit meinem Kumpel in Ratzeburg an der Eisdiele. Ein sehr beliebter Moped-Treff in Schleswig-Holstein. Eine einzige Einfahrtsstraße führt zu diesem Eis-Pavillon. Gesäumt von großen Rasenflächen, auf denen alle Biker saßen, war es (und ist es heute noch!) Stunde um Stunde ein Schaulaufen der Maschinen und Fahrer, die diesen Biker-Treff besuchten. Vollgas, Wheelies, Stoppies. Lautes Gebrülle der Motoren und möglichst galant die Karre parken. Gelächter, wenn sich einer beim persönlichen Stunt auf die Fresse gepackt hatte. Offen ausgesprochenes Staunen über richtig fette Bikes und ohne Ende Benzingeflüster. Diese/meine Welt war in diesen Minuten, Stunden oder Wochen damals wieder völlig intakt.</p><p>Dann kamen zwei große und alte BMW´s langsam tuckernd die Straße runter. Vollverkleidung, Top-Case und Tankrucksack. Nichts, was uns Superbike-Fahrer in Kontagan-Haltung mit weit über 150PS unterm Arsch wirklich aufblicken lassen würde. Wäre da nicht diese erschütternde Volksmusik aus blechernen Lautsprechern der Führungs-BMW gewesen. Der Typ, der diese monströse Kiste sauber und minutiös einparkte, hatte einen violetten Lederdress an. Schreiend LILA – inkl. Helm und Stiefeln. Er stellte die Karre gekonnt ab (auch das will gelernt sein!), zog zunächst den Reißverschluss seines Lederkombis bis zum Schritt auf und nahm dann, fast lasziv langsam, den Helm ab.</p><p>Ich kann es nicht beschönigen: wettergegerbtes braunes Gesicht, ein ZZ-Top Bart der ersten Liga und gute 80 Jahre alt --- wenn nicht älter. Ebenso gekonnt stellte sein Kumpel seine BMW ab. Dieser in einem reinen weißen Leder-Outfit. Vom Helm bis zur Sohle!</p><h3 id="was-soll-schon-passieren">Was soll schon passieren</h3><p>Natürlich <em>(was sonst)</em> war ich neugierig. Die beiden Großväter setzen sich, nach dem Abholen des hier in Ratzeburg obligatorischen Eisbechers, etwas abseits der Knieschleifer-Fraktion auf den Rasen und schauten über den Rand des Bechers frech und interessiert in die Runde.</p><p>Mit meinem Kumpel, der seit Minuten den Mund nicht mehr zubekam, ging ich zu den beiden Opas rüber. Es entspann sich ein munteres Gespräch. Beide waren, nach Reisen über alle Weltmeere, nun Kapitän zur See a.D. Nun waren die beiden auf dem Weg von Hamburg nach Wladiwostok. Etwas über 11.000 km mit nur einem Tankrucksack und einem Top-Case. In jede Sporttasche passt mehr rein??</p><p>Natürlich fragte ich nach und der alte Mann, der in violett, gab mir eine Antwort, die ich bis heute in meinem Herzen führe: <em>„Jungchen – was soll denn passieren? Wenn ich nen neuen Schlüpper oder ne Zahnbürste brauche; die gibt es auch im tiefsten Russland. Also kleines Gepäck, weil ich mir alles weitere durch die Jahrzehnte meiner Arbeit leisten kann. Und wenn ich auf dem Bock sterbe. Was solls? Ich habe alles gesehen – nur diese Route über Land noch nicht!“</em></p><h3 id="tenor-der-geschichte-">Tenor der Geschichte:</h3><p>Ich persönlich bin in 2019 letztmalig mit dem Motorrad noch einmal auf große Fahrt gegangen. Aber auch da hatte ich mehr dabei, als die beiden Kapitäne aus 2012 zusammen. Letztendlich bin ich aber heute in der Lage – und vor allem Willens – das Streben nach Vollkommenheit und Perfektion langsam aber sicher an den Nagel zu hängen. Selbst der härteste Spinner muss irgendwann einsehen: Genug ist genug!</p><p>Und da ich mich heute endlich mit Gedanken über Ausstieg, Abbruch und ein neues Leben ohne Sorgen kümmern kann, kommen in regelmäßigen Abständen diese beiden Herren in Violett und Weiß wieder in meinen Orbit.</p><p><strong>Was soll´s? Ne Zahnbürste gibt es auch im tiefsten Russland  :-) </strong></p>]]></content:encoded></item></channel></rss>